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Dienstag, 6. Dezember 2005 10:33
Ein Papier voll fachlicher Inkompetenz
Einen Verriß der jüngsten vatikanischen Homo-Instruktion veröffentlichte ein Professor für klinische Psychologie an der Universität Basel, der sich selber als homosexuell bezeichnet.
Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
Prof. Dr. Udo Rauchfleisch
(kreuz.net, Basel) Das heterodoxe ‘Münsteraner Forum für Theologie und Kirche’ veröffentlichte kürzlich einen Kommentar zur vatikanischen Instruktion über Priesterberufung und Homosexualität“.

Sein Autor ist Prof. Dr. Udo Rauchfleisch, Professor für Klinische Psychologie an der Universität Basel.

Die Stadt Basel befindet sich in der Nordschweiz am Rhein.

Rauchfleisch findet im vatikanischen Dokument nicht viel Gutes. Es stelle eine schwerwiegende Mißachtung „unserer heutigen humanwissenschaftlichen Kenntnisse“ dar.

Bereits 1987 habe die ‘American Psychiatric Association’ und 1991 die Weltgesundheitsorganisation die Homosexualität als Diagnose einer psychischen Störung gestrichen.

Die Instruktion enthalte vor allem zwei besonders stoßende und sachlich unrichtige Aspekte: die Charakterisierung von Homos als Menschen mit defizitärer affektiver Reife und eine unheilvolle Vermischung von Homosexualität und Pädophilie.

„Unsere heutigen humanwissenschaftlichen Kenntnisse“ stünden dazu in krassem Widerspruch, erklärt Rauchfleisch und fährt in der Wir-Form weiter:

„Wir wissen heute“, daß Homosexualität nichts mit psychischer Gesundheit oder Krankheit zu tun habe.

Es sei „in Fachkreisen“ unbestritten, daß aufgrund der sexuellen Orientierung keine Aussagen über die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen gemacht werden könnten.

Hinzu komme, daß unter Priestern und Ordensmännern ein Homo-Anteil von ca. 20% anzunehmen sei.

Wollte man diese Männer aus dem kirchlichen Dienst ausschließen, sähe sich die Kirche noch größeren Personalproblemen gegenüber als bisher.

Diese Leute dürften nicht mit Schuldgefühlen beladen oder dazu gebracht werden, ihren „innersten Kern, ihre sexuelle Orientierung“, als ungeordnet zu betrachten und abzulehnen.

Eine solche von der Kirche geforderte Selbstverleugnung und die daraus resultierende Selbstentwertung, hätten Persönlichkeits-„Verbiegungen“ und seelische Konflikte zur Folge.

Unheilvoll sei auch die Vermischung von Homosexualität und Pädophilie.

Es sei bekannt, daß die Instruktion vor dem Hintergrund sexueller Übergriffe von Priestern gegen Kinder und Jugendliche zu sehen sei.

Mit Recht sei die Weltöffentlichkeit angesichts der pädophilen Übergriffe aufgeschreckt worden und die katholische Kirche in arge Bedrängnis geraten. Hier habe tatsächlich Handlungsbedarf bestanden.

Doch die jüngste Verlautbarung zeuge auch in dieser Hinsicht von fachlicher Inkompetenz, weil hier angeblich gleichgeschlechtliche Orientierung und Pädophilie gleichgesetzt würden.

Eine Differenzierung der sexuellen Präferenz für Erwachsene oder für Kinder sei in Fachkreisen selbstverständlich. Studenten, die beide vermischten, würden in einer entsprechenden Prüfung durchfallen.

Sexuelle Übergriffe gegen Kinder sei im heterosexuellen Bereich eher häufiger, wenn man die große Zahl sexueller Übergriffe in der Familie berücksichtige.

Rauchfleisch unterschlägt allerdings, daß das bei klerikalen Mißbräuchen deutlich anders ist.

In den USA – wo die besten Studien zum Thema vorliegen – sind 80% der klerikalen Mißbrauchsfälle homosexuelle Übergriffe an bereits geschlechtsreifen männlichen Jugendlichen.

Der Vatikan solle sich in diesen Fragen dringend von „ausgewiesenen Fachleuten“ beraten lassen. Sonst mache er sich – wie mit der jüngsten Verlautbarung – lächerlich und der Diskriminierung von Menschen schuldig.

Die Instruktion stelle eine in jeder Hinsicht ungerechtfertigte und damit ungerechte Zurücksetzung dar. Sie gehe von fachlich völlig falschen Bedingungen aus und sei in höchstem Maße diskriminierend, meint Rauchfleisch kategorisch:

„So ärgerlich das jetzt vom Vatikan veröffentlichte Papier auch ist, seien wir doch ehrlich: War von Papst Benedikt XVI., der als Kardinal Ratzinger in seiner Funktion als Präfekt der Glaubenskongregation einer der schärfsten Gegner der Homosexualität war, etwas anderes zu erwarten?“

Udo Rauchfleisch ist auch der Verfasser des Artikels „Homosexualität“ in der dritten Ausgabe des ‘Lexikons für Theologie und Kirche’, das zwischen 1993 und 2001 von Theologieprofessor – später Kardinal – Walter Kasper herausgegeben wurde.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 75 Lesermeinungen:
Donnerstag, 8. Dezember 2005 21:35
henning †: Von der Redaktion entfernt
Mittwoch, 7. Dezember 2005 20:55
Christin: Wir wissen heute“, daß Homosexualität nichts mit psychischer Gesundheit oder Krankheit zu tun habe.
Vielleicht ist es sogar ein „Recht“nur eine Seite des Geschlechtes lieben zu können,vielleicht ist es nur Mangel an Möglichkeiten,Zeitmangel,oder fühlt man sich mit dem weiblichen Geschlecht von Natur aus so eng verbunden,dass man nicht unbedingt jemanden braucht um Nachkommen durch den „Akt“ zu zeugen sondern der Geist allein genügt.
Mittwoch, 7. Dezember 2005 20:21
Brandenburgis: @M. Kirschbaum
Wer ausgerechnet die hyper-liberale Tagespost als „rechtskatholisch“ bezeichnet, der hat nicht alle Tassen im Schrank. Habe das Blättchen viele Jahre und stets sehr ausführlich gelesen. Irgend etwas „rechtes“ oder „orthodoxes“ kann man in der DT mit der Lupe suchen.
Mittwoch, 7. Dezember 2005 17:20
Julia: @ Sulpicius, @Balu86at,
@Sulpicius,
Die Abneigung gegen Religion im Allgemeinem liegt daran dass viele Gläubige, wie Sie, denken dass sie moralisch besser sind als andere. Die Mosleme verwenden das Wort „Ungläubigen, die Christen „Heidnen“ Mit diesem kom ich wieder auf meiner letzten Meldung. Sie messen sich eine Überlegenheit an gegenüber Anderen und urteilen über was, wo sie gar nicht über KÖNNEN urteilen und wo sie auch keine Ahnung von haben.
Diese Überlegenheit ist also nicht realistisch, sie ist, wie ich schon sagte ein psychologisches Fehlverhalten. Weiter kann ich mich anschließen bei Gregor.

„Wer andere Positionen vertritt, spricht gegen die Natur.“
Das finde Toll von Ihnen, dass Sie als Katholischer Mensch sagen dass der Papst, die Bischöfe, die Priester und Nonnen eine Lebensweise führen die gegen die Natur spricht.

Mein Älter, ich bin 30 jahre alt, Die Grundschule was Protestantisch, eine Praktische Lösung Meiner Eltern, die öffentliche Schule war viel weiter entfernt. Meine Eltern siind nicht religiös, bin froh damit.

@Balu86at,
Ich bin also Linkshänderin und Lesbisch und ich bin sehr Weiblich, habe auch ganz dunkle Haare. […]

Julia.
Mittwoch, 7. Dezember 2005 16:28
M. Kirschbaum: Schwule bei den Traditionalisten
Natürlich ist da was dran: es ist doch bekannt (sogar die rechtskatholische Tagespost schrieb das im Vorjahr), dass sich im konservativ-katholischen lager besonders viele Schwule, oft auch einfach nur klassische Klemmschwestern tummeln – was ich aus eigener Innen sicht nur bestätigen kann: kreuz.net ist sozusagen der Versuch, dies auf kontrastkorrelative Weise (wie der Psychologe sagen würde) zu bewältigen
Mittwoch, 7. Dezember 2005 16:28
gregor: @Sulpicius
aber es muß doch auch im 21.Jahrhundert möglich sein, Homosexualität als das zu bezeichnen, was es ist: nämlich unnormal.

Wir sind uns einig…
zwar nicht über die „Abnormalität“ der Homosexualität,
aber über über die Möglichkeit Homosexualität als unnormal zu bezeichnen. Es ist nämlich hier möglich alles zu behaupten, z.B., dass die Erde eine Scheibe ist, dass schwarze Menschen minderwertig ggü. weissen menschen sind (mit Vorbehalt bez. Strafrecht), dass Schwarzwaldtorten mehr Vitaminen als Blattspinat enthalten, usw. usw.

Bezeichnen Sie, behaupten Sie lieber Sulpucius, so lang es Ihnen gut tut. Rechnen Sie aber damit, dass andere TeilnehmerInnen das Gegenteil behaupten, sich evtl. in ihrer Würde verletzt fühlen und zurückschlagen.

Die sexuelle Kraft der Natur ist – man kann es drehen und wenden, wie man will – zur Weitergabe des Lebens bestimmt, und das geht normalerweise nur mit Mann und Frau. Wer andere Positionen vertritt, spricht gegen die Natur.

Da auch sind wir einig… ich selber z. B. inspiriert von der Natur (Kühe und Stier) für die Polygamie. Sie auch ?
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