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Donnerstag, 8. Dezember 2005 15:29
Die Öffnung ließ sich nicht mehr verschließen
Anläßlich des 40. Jahrestages des Konzilsendes erinnert sich der Bischof von Münster an seine Tätigkeit als konziliarer Platzanweiser. Mit der Einführung der Volkssprache in die Liturgie verstünden die Gläubigen jetzt, was in der Messe gesagt wird.
Zweites Vatikanisches Konzil
Zweites Vatikanisches Konzil
(kreuz.net, Münster) Als junger Priester nahm der Bischof von Münster, Mons. Reinhard Lettmann (72), am Zweiten Vatikanischen Konzil teil. Er amtete während der Beratungen der 2.500 Konzilsväter als Platzanweiser.

Zum 40. Jahrestages des Konzilsendes stellte sich Bischof Lettmann den Fragen der deutschen katholischen Nachrichtenagentur ‘KNA’.

Im Interview spricht der Bischof von seiner Funktion während der Konzilsberatungen: „Die Bischöfe saßen im Petersdom in engen Blöcken mit bis zu 100 Personen. Jeder Block bekam einen Helfer, der Unterlagen austeilte und die Magnet-Abstimmungskarten einsammelte.“

Er habe sich während des Konzils um den Sektor gekümmert, in dem die ältesten Erzbischöfe saßen: „Da mußte ich manchen anstoßen und sagen: »Es wird Zeit, den Strich zu machen.«“

Ob der säumige Erzbischof vielleicht zu lange überlegt hätte?, wird der Bischof gefragt: „Nein“ – antwortet Mons. Lettmann –, „er war eingeschlafen“.

Die Tage am Konzil seien oft sehr lang gewesen, entschuldigt Bischof Lettmann die alten Herren. Die Bischöfe seien dicht gedrängt gesessen und hätten den ganzen Tag zuhören müssen:

„Darum wurde später auch die Redezeit beschränkt und manchem Kardinal das Mikrofon mitten im Wort abgestellt.“

Bischof Lettmann bezieht sich auf den berühmten Fall des Präfekten des Heiligen Offiziums.

Während der Konzilsdebatte über die Liturgiekonstitution ließ Bernard Jan Kardinal Alfrink von Utrecht, der die Diskussion leitete, dem Präfekten des Heiligen Offiziums, Alfredo Kardinal Ottaviani, der sich gerade kritisch zur Liturgiereform äußerte – „Planen diese Väter eine Revolution?“ – mitten im Satz das Mikrofon abdrehen.

Bischof Lettmann erinnert sich, daß er und andere junge Priester ursprünglich nicht als Platzanweiser, sondern als Stenographen engagiert wurden: „Das Stenographieren brachte uns ein Professor bei, der eigens eine lateinische Kurzschrift entwickelt hatte.“

Doch als die Stunde kam, seien die Stenographen überfordet gewesen. Das habe auch daran gelegen, daß die Bischöfe je nach Herkunft das Latein ganz unterschiedlich aussprachen.

So hätten die Amerikaner statt von ‘libertas’ von ‘laibertas’ gesprochen, während die Spanier nicht zwischen v und b unterschieden: „Meinten sie nun „vivere“ oder „bibere“, leben oder trinken?“

Ein winziges Mißverständnis habe bereits genügt, um die Stenographen aus der Bahn zu werfen. Darum sei die Übung abgebrochen worden. Aber er könne bis auf den heutigen Tag lateinisch stenographieren, erklärt der Bischof.

Den Höhepunkt hätten die Beratungen in den Diskussionen über die Liturgie erreicht: „Vor allem die Frage, ob man statt Latein die Volkssprache einführen sollte.“

An manchen Sitzungstagen habe er das Gefühl gehabt, daß sich nie etwas ändern werde. Das habe daran gelegen, daß an diesen Tagen zufälligerweise „alle Gegner“ gesprochen hätten. Doch bereits am Folgetag seien die „Befürworter“ zum Zuge gekommen.

Die Schlußabstimmung habe bei ihm nicht wenig Erstaunen ausgelöst, als die große Mehrheit der Konzilsväter sich dafür aussprach, der Volkssprache in der Liturgie mehr Raum zu geben.

Ob er sich den „frischen Wind“, der zur Konzilszeit in der Kirche geweht habe, heute wünsche?

Die Öffnung der Kirche zur Welt sei seither geblieben, antwortet Bischof Lettmann: „Das ließ sich ja nicht mehr verschließen.“

Manche Gruppen in der Kirche seien der Meinung, daß das Konzil zu weit gegangen sei und eine Welle der Säkularisierung ausgelöst habe. Wenn die Messe wie früher lateinisch wäre, würden die Leute in die Kirche kommen, zitiert Bischof Lettmann die Ansicht „mancher Gruppen“. Das sehe er aber nicht so.

Sein verstorbener Vater habe immer gesagt: „Wie schön, daß wir jetzt verstehen, was in der Messe gesagt wird.“

Die Frage nach der Notwendigkeit eines neuen Konzils verneint Bischof Lettmann: „Vieles, was das Konzil gebracht hat, ist noch gar nicht ausgeschöpft.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 15 Lesermeinungen:
Freitag, 9. Dezember 2005 16:35
Josefus: Verstehe heute mehr
Ich verstehe heute mehr als früher von der Hl. Messe, denn seit ich die alte Messe kenngelernt habe, verstehe ich erst den richtigen Sinn der gottesdienstlichen Handlungen, obwohl ich vorher in der Neuen Messe lange Jahre regelmäßiger Meßdiener war und sie jeden Sonntag besuchte. In der Katechese bekam ich damals weder im Kommunion-Firm-Schul-noch im Bußunterricht irgendwie den Sinn der Hl. Messe vermittelt. Etwas teilen zu sollen war vielleicht die einzige Lehre. Mit dem, dass es so etwas wie Realpräsens gibt, was dies bedeutet, was dies mit dem Kreuzesopfer Jesu Christi zu tun hat, habe ich in wenigen Stunden im Kontakt zu Menschen, die die alte Messe favorisieren, erst kennengelernt. Erst jetzt erschloss sich mir der katholische Glaube (in seiner vollen Tragweite).
Freitag, 9. Dezember 2005 10:34
Dr. Christoph Heger: Ein Fortschritt?
„Wie schön, daß wir jetzt verstehen, was in der Messe gesagt wird.“

Es scheint die Leute aber viel weniger zu interessieren als vor der ewigen Quasselei in der Messe.

MfG
Christoph Heger
Donnerstag, 8. Dezember 2005 21:52
Lota: Ad Missam
It was only forty or so years ago to-day
the great Council held its mighty sway
declaring to us that the Mass should be
stripped off its roots in Christ and history

… hier geht’s weiter – ein Muss!
Donnerstag, 8. Dezember 2005 18:45
Benedikt: Jetzt
Mit der Einführung der Volkssprache in die Liturgie verstünden die Gläubigen jetzt, was in der Messe gesagt wird.

Richtig, jetzt, oder besser: jetzt NOCH. Denn schon die nachfolgende Generation versteht es trotz Landessprache nicht mehr, wie letztes ein Referent anlässlich der Visitation unserer Gemeinde meinte. „Der Herr sei mit euch“ – so etwas sei es, was sein Sohn nicht mehr verstünde. Man hat geglaubt, die Liturgie sei mit dieser Einführung selbsterklärend geworden.

Mit fällt da ein berühmtes Zitat zu Goethes Iphigenie auf Tauris ein: „Man kennt jedes Wort und versteht nichts.“ Liturgische Schulung lässt sich eben durch nichts ersetzen.

Betr. Bischof Lettmann: Wenn Lettmann etwas gegen die FSSPX gesagt hat, dann ist es wahrscheinlich lange her. Er ist der am längsten amtierende Bischof Deutschlands und hat sich – wie mir ein Theologiestudent aus Münster sagte – längst aus der Leitung der Diözese verabschiedet. Dementsprechendes Gewicht haben seine Worte.
Donnerstag, 8. Dezember 2005 18:26
Andreas: Man könnte…
ganze Bücher schreiben, nöö, ganze Foren füllen, über das VII, wie hier.
Wie wird der ominöse Geist immer noch beschworen, ja, er hat sich noch nicht durchgesetzt, das Konzil ist noch nicht ganz da, es fehlt noch…
Moment! Welches bisherige Konzil hatte denn eine solch lange Anlaufzeit, um zu wirken?
Oder sind die Wirkungen dieses VII schon so frappierend, daß die Macher selbst nichts mehr sehen?
Und wie schön wäre es, wenn man das Missale Pius V. „nur“ auf deutsch oder englisch übersetzt hätte, nein, was wollt Ihr uns glauben machen, für wie dumm verkauft Ihr uns?! Eine neue Messe habt Ihr gemacht, und eine Lehre, die mit der überlieferten hadert! Wie bringt Ihr das überein? Indem Ihr den Konzilsgeist als Hl. Geist ausgebt, alles, was Euch gefällt, als in Ordnung klassifiziert und alles was vorher war verteufelt! Man gewinnt den Eindruck, als wäre das Konzil eine Befreiung gewesen, nach 2000 Jahre Knechtschaft! Ich weiß, was Ihr wolltet: Euch bequem in den Himmel schaffen, Eure Ideen verwirklichen, Gott selbst interpretieren! Klingt das nicht ein wenig nach: Seinwollen wie Gott?
Wenn Ihr doch nur eine Linie von Christus bis heute ziehen könntet, ohne über den Knoten VII zu fallen, dann würde ich Euch alles glauben!
Aber Wahrheit bleibt Wahrheit! Genausowenig gibt es einen tridentinischen NOM oder einen kath. Pantheismus. Würdet Ihr, liebe VII-Freaks, auch dem Kaiser Weihrauch geben, um Euer Leben zu retten, mit der Begründung: Irgendwie ist Gott doch überall?
Donnerstag, 8. Dezember 2005 18:18
Justus: Geist des Konzils
Der Benehmen von Kardinal Alfrink gegenüber Kardinal Ottaviani zeigt den wahren „Geist des Konzils“: Mangelnder Respekt vor dem Bewährten und institutionalisierte Meinungsdiktatur.
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