Pastoraler Prozeß
„Missionarischer Aufbruch“ oder geordneter Rückzug?
Unter dem dynamischen Titel „Den missionarischen Aufbruch der Kirche gestalten“ kündet die Diözese Mainz Stillegungen und eine massive Verkleinerung der Pastoral an.
(kreuz.net, Mainz) In der Diözese Mainz hat letzten Montag der „Missionarischer Aufbruch“ oder geordneter Rückzug? „Beratungsprozeß zur Strukturreform der Pfarrgemeinden“ begonnen. Die lange Formulierung meint, daß die Kirche in Zukunft kürzer treten will.

Kerninhalt des Programms ist, die 345 Pfarrgemeinden des Bistums zukünftig in Pfarrgruppen oder Pfarrverbünden zu organisieren und langfristig zu reduzieren.

Eine Pfarrgruppe ist der Zusammenschluß von bisher selbständigen Gemeinden unter Leitung eines Pfarrers.

Mit einem einführenden Referat eröffnete Kardinal Karl Lehmann beim „Missionarischer Aufbruch“ oder geordneter Rückzug?„Tag der Priester und Diakone“ die Beratungen zur diözesanen Strukturreform.

Der Mainzer Bischof rief dazu auf, die Schaffung neuer pastoraler Einheiten als Chance zu begreifen. „Wir sollten nicht immer nur die Schwierigkeiten sehen, sondern wir sollten auch einmal sehen, daß sich dabei die Chance ergibt, daß wir unsere Aktivitäten auch im Sinne der pastoralen Schwerpunkte und Aktivitäten stärker profilieren können.“

Es ist geplant, das endgültige Konzept für die neuen Strukturen bei der Diözesanversammlung am 7./8. Oktober 2005 zu verabschieden.

Kardinal Lehmann nannte verschiedene Gründe für die Bildung der pastoralen Einheiten.

Zum einen sei die Zahl der Katholiken im Bistum Mainz stark zurückgegangen. Zwar sei in allen Dekanaten ein Bevölkerungszuwachs zu verzeichnen, die Katholikenzahl sinke jedoch überall.

Im Bistum Mainz gab es im Jahr 2003 rund 797.000 Katholiken. 1987 waren es noch 852.000. Zurückgegangen sei auch der Gottesdienstbesuch, von 18 Prozent (1987) auf 10,4 Prozent im Jahr 2003.

Im gleichen Zeitraum sei die Zahl der hl. Messen erheblich angestiegen: „Wir sind ja in den letzten Jahrzehnten viel zu sehr fixiert auf die Eucharistiefeier. Diese ist und bleibt der Höhepunkt und Gipfel des christlichen Lebens und Betens, wie das Konzil klar gesagt hat in der Liturgiekonstitution, die wir vor gut 40 Jahren verabschiedet haben. Aber es bleibt zu fragen, ob es nicht eine Verarmung an Gottesdienstformen gegeben hat in dieser Zeit. Andere Gottesdienstformen kann man sehr viel besser auf den Adressaten hin ausrichten.“

Hinzu komme, daß sich das Verhältnis der pastoralen Berufe zueinander verschoben habe. Die Zahl der Priester ist von 615 im Jahr 1989 auf 363 (2002) rapide gesunken. Gleichzeitig sei die Zahl der Diakone, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten von 373 auf 442 gestiegen.

Es sei ferner damit zu rechnen, daß das Bistum in den nächsten Jahren Mindereinnahmen verzeichnen werde, „wir aber auf Zukunft hin, keine Schulden machen können“.

Bischof Lehmann forderte im Rahmen des Erneuerungsprozeßes dazu auf, „wieder stärker zu den Inhalten der Verkündigung zu kommen“. Dafür bestehe in der jetzigen Situation eine „besondere Chance“, weil die Menschen angesichts vieler Unsicherheiten wieder sensibler für die Frage seien, „aus welchen Kräften sich unser Leben speist. Darum ist diese pastorale Planung eng verbunden mit einer neuen missionarischen Ausrichtung unserer Seelsorge.“

Weiter sagte Lehmann: „Ich denke, wir sind in einer ausgesprochenen Übergangssituation, aber das dürfte eigentlich für die Kirche nichts Neues sein.“

„Missionarischer Aufbruch“ oder geordneter Rückzug? Dennoch haben wir uns in Vielem, wie in unserer Gesellschaft überhaupt, eben doch etwas allzu seßhaft gemacht und zu sehr eingenistet und vielleicht zu wenig bedacht, daß die Kirche nicht nur immer eine Baustelle ist, sondern daß die Kirche eben auch pilgernde Kirche ist, und daß sie immer wieder auch einzelne Hütten abbrechen muß und dann immer wieder unterwegs ist und sich neue Aufenthalte schaffen muß. Da darf sie sich nicht allzu sicher sein, mit dem, was sie hat.“
      
4 Lesermeinungen
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#4   Elisabeth   22:49:00 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Karl Kardinal Lehmann
Nun im Bistum Mainz! Gravierende Veränderungen bahnen sich an.
Das der Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz mit vielen Aufgaben verbunden sind, die zur Wahrnehmung vieler auswärtiger Termine führen, die bestimmt net nur aus Vorträgen, sondern bestimmt auch oft genug Seelsorge vor Ort war, sollte auch vielleicht bedacht werden.
Auch Kochbücher , für einen guten Zweck bestimmt gedacht, können unter Umständen zu dem Aufgabenbereich eines dbk.de Vorsitzenden gehören.
Nun kann es ohne weiteres sein ,daß im kommenden Jahr ein neuer dbk.de Vorsitzender gewählt wird, wenn die Info stimmt, die an mein Ohr kam.
Inwiefern ein Bischof unbedingt im Beichtstuhl sitzen muß, wenn andere Termine die auch sehr wichtig sind der Bearbeitung,der Erledigung harren, darüber kann man diskutieren, ohne vermutlich eine einheitliche Meinung zu finden.
Gruß,
Elisabeth
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#3   Dolfus   21:40:22 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Funktionärskirche geht unter
Es wäre zum Lachen, wenn’s nicht so traurig wär’. Die konziliare Funktionärskirche, wie wir sie in Deutschland erleben, kann gerne einen geordneten oder ungeordneten Rückzug antreten, mit ihren infantilen Gottesdiensten, hinter denen sich leider oft das wahre Meßopfer verbirgt etc… die sel. Anna Katharina Emmerich sagt uns nach dem furchtbaren Kirchenverfall wieder eine bekennende Kirche voraus, angeführt von einem viel strengeren Papst.
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#2   Kurti   21:37:09 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Lehmann
Gerade Lehmann hat doch zur Verdunstung des Glaubens in seiner Diözese selber beigetragen. Hat sich wenig um Seelsorge gekümmert, sondern lieber Vorworte für Kochbücher geschrieben und ist auf allen Treffen und Sitzungen gewesen, die nicht nötig waren, statt selber mal in den Beichtstuhl zu sitzen. In seiner Mainzer Diözese ist die Beichte noch mehr abgestorben wie anderswo. Das ist nicht dem Zeitgeist allein zuzuschreiben, sondern der Bischof ist dafür selber verantwortlich. Die Glaubensverdunstung hat er doch mit verursacht. Hat er jemals klar Schiff gemacht oder ist er mehr den Evangelischen entgegengekommen und hat seine Diözese vernachlässigt?
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#1   Pelagius   17:53:13 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Pelagius meint:
Bewundernswerte Kunst, seine Niederlagen als Siege zu verkaufen.
Rückbesinnung auf die Inhalte: Nachdem man den Glauben zuerst verwässert hat und dann seine „Verdunstung“ (O-Ton Karl Card. Lehmann) beklagen mußte.
Die nachkonziliare Tragikomödie entpuppt sich als beißende Satire. Oder träumen wir nur?
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