Zweites Vatikanum
Ein päpstlicher Rat für die permanente Revolution?
Das Zweite Vatikanische Konzil sei „ein Segen und ein Geschenk für die Kirche im 20. Jahrhundert“ gewesen, glaubt der belgische Kardinal Danneels: Auch heute seien noch nicht alle Konzils-Früchte geerntet.
(kreuz.net, Einsiedeln) Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Godfried Kardinal Danneels, hielt am Donnerstag im Schweizer Klosterdorf Einsiedeln einen Vortrag. Der Kirchenfürst sprach über Bilanz und Perspektiven des Zweiten Vatikanums.

Der belgische Kardinal, der zu den liberalsten Vertretern im Kardinalskollegium gehört, war Ehrengast der Schweizer Bischofskonferenz anläßlich ihrer Jubiläumsveranstaltung zum Abschluß des Konzils vor 40 Jahren.

Kardinal Danneels galt als scharfer Gegner von Kardinal Ratzinger. Nach dessen Wahl zum Papst soll er sogar das gemeinsame Essen der Kardinäle mit dem neuen Heiligen Vater boykottiert haben.

Einsiedeln befindet sich im Innerschweizer Kanton Schwyz. Mittelpunkt des Wallfahrtsortes ist die berühmte Benediktinerabtei Maria Einsiedeln, die als einer der schönsten barocken Gebäudekomplexe Europas gilt.

Kardinal Danneels bezweifelte in seinem Vortrag, daß die Zeit für die Einberufung eines neuen Konzils gekommen sei. Erstens sei das Zweite Vatikanische Konzil noch nicht restlos umgesetzt. Und zweitens sei er nicht sicher, ob die Kirche heute wirklich gerüstet sei, um 5.000 Bischöfe aus aller Welt zusammenzubringen.

In der Vergangenheit habe ein Konzil Gültiges für mehrere Jahrhunderte sagen können. So etwas sei heute nicht mehr denkbar.

Der Kirchenfürst nannte in seinem Referat Themenbereiche, die vom letzten Konzil noch nicht behandelt wurden, weil sie damals gar nicht bekannt waren. Um derartige Phänomene zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten zu beraten, bedürfe es keines weiteren Konzils.

Kardinal Danneels verwies konkret auf biomedizinische Fragen wie die Produktion von Zwillingskindern oder die künstliche Zeugung von Kindern im Reagenzglas. Weiters sprach der Kardinal den Hilflosenmord, den internationalen Terrorismus, das Homo-Konkubinat, und die Rolle der Frau in der Kirche und in der Gesellschaft an.

Auch das Aufkommen von Religionen wie dem Islam oder dem Buddhismus sowie Sektenaktivitäten in einst christlichen Ländern sei in den frühen 1960er Jahren kein Thema gewesen.

Seines Erachtens ließen sich diese aktuellen Entwicklungen im Rahmen einer Bischofssynode beraten. Eine solche müsse jedoch mehr Gewicht erhalten, denn derzeit sei die Bischofssynode bloß eine Beratungs- und keine Entscheidungsinstanz.

Es brauche jedenfalls ein besseres Gleichgewicht zwischen dem Primat des Papstes, der Rolle des Vatikans und den Ortskirchen – also „zwischen dem Zentrum und der Peripherie“.

Kardinal Danneels schlug vor, dem Papst einen ständigen Rat von Bischöfen aus den Ortskirchen zur Seite zu stellen. Seine Mitglieder würden für drei oder vier Jahre ernannt. Die römische Kurie hätte in diesem Modell bloß eine ausführende Rolle im Dienst der Universalkirche wahrzunehmen.

Gegenwärtig steht die Römische Kurie, wenigstens offiziell, im Dienst des Papstes.
      
10 Lesermeinungen
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#10   steymard †   11:22:57 | Dienstag, 13. Dezember 2005
Die Ernte
Pseudokardinal daneels hat ja so recht,als er sagte,dass noch nicht alle konzilsfruechte gererntet worden sind.Die Abschaffung des „Vater Unser“ hat bisher noch nicht stattgefunden,wird aber bestimmt bald kommen.
Viel spass bei der Ernte!!!
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#9   Josef Gadient   07:19:56 | Montag, 12. Dezember 2005
Einsiedeln – ein wunderschöner Marien-Wallfahrtsort!
Man kann nur hoffen, dass die Hl. Mutter Gottes bittet, dass auf der einen Seite die Theatervorstellungen wie auch die überflüssigen zerstörerischen Gespräche von „Hochgestellten“ aufhören, damit Ihr Heiligtum nicht noch mehr entweiht wird. Wer reisst endlich diesen Modernisten die Maske von ihren Gesichtern?
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#8   Dr. Otterbeck   07:11:20 | Sonntag, 11. Dezember 2005
Meuchelen Brüskel
Das hier so verhasste Konzil eröffnet der Kirche den „kleinen Weg“ für mindestens mehrere Jahrhunderte.
Ihr Beruf ist die Liebe. Wahrheit und Liebe sind eins.
Daher wurde Thérèse Martin –- ihr oeuvre umfasst nur die Hälfte eines russischen Romans –- im 100. Jahr ihrer Geburt für den Himmel, zugleich 100. Jahrestag der Taufe des kränklichen Knaben Giambattista (Guitton sieht einen Zusammenhang), 1997 „docteur de l’eglise“.
Dass Kräfte wie Danneels nur noch Kirche als Gefüge einer mehr oder weniger politischen Machtverteilung denken können, wirft die Frage auf, wieviele Kardinäle überhaupt noch das Brevier beten –- und wieviele (wie es einem S.R.E. Cardinal selbstverständlich sein müsste) es auf Latein beten? Die Bischofssynode mitregieren zu lassen, wäre unsinnig. Sie sollte Stimmungen, Gefühle, Tendenzen in der Weltkirche spontaner, authentischer und angstfreier abbilden können, wenn sie aber „mitregiert“ versagt dieser Dienst. Fast überall hat sich der „synodale Weg“ als unfähig gezeigt, die Menschen für Christus zu gewinnen. Denn nicht das Palaver überzeugt, sondern, der Eine, der uns gegenübertritt und sagt „Ich bin es.“ Insofern ist jeder Bischof in seiner Ortskirche, wie der pierre vivant zu Rom, ein potentieller Aktivposten in persona christi. Nicht immer, aber immer öfter –- wie jetzt bspw. zu Regensburg gesehen, zu Mechelen aber lange nicht mehr.
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#7   richard   20:26:35 | Freitag, 9. Dezember 2005
Ein „liberaler Kardinal“
ist ein Widerspruch in sich selbst. Brüssel,
Sitz der „liberalen“ EU-Kommissare und Belgien insgesamt der „liberalste“ EU-Staat, allen bekannt als jener Staat, in dem sich z.B. Kinderschänder austoben und sehr sicher fühlen dürfen!
Vor diesem „Liberalismus“ empfinde ich nichts als Grauen und auch berechtigte Angst.
richard
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#6   Asteriskus   17:16:16 | Freitag, 9. Dezember 2005
@Römisch-Katholisch
Vielen Dank für den Link. Sie haben völlig recht, denn mich wundert der Zustand dieser merkwürdigen postkonziliaren Organistion schon lange nicht mehr besonders und nach diesem Interview noch weniger. Ein zu Feierlichkeitskaspern für Familienfeste und folkloristische Veranstaltungen verkommener Klerus wird die Kirche nicht voran bringen.
Wobei es mir lieber wäre, wenn sich die Kirche „rückwärts“
bewegen würde. Denn wenn man am Rande eines Abgrundes steht, dann ist Rückschritt Fortschritt.
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#5   Römisch-Katholisch   16:05:53 | Freitag, 9. Dezember 2005
Ein Interwiev mit seiner Eminenz
Unter dem folgenden (komplizierten) Link kann man ein Interwiev mit dem Kardinal hören. Einen Kommentar erspare ich mir hier nur soviel: Mich wundert gar nicht, warum die Kirche so am Boden ist!! Es braucht dringend eine Änderung!
www.drs.ch/index.cfm?MenuNodeID=B03…
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#4   Brandenburgis   15:30:38 | Freitag, 9. Dezember 2005
@Mahner
Wenn Du das noch weltweit verbreiten würdest, würde ich das glatt nicht mehr glauben …
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#3   mahner   15:26:14 | Freitag, 9. Dezember 2005
@ Brandenburgis
… wohl Rothkranzverseucht… Ich sitze auch oft mit Finger vor dem Mund da und bin deswegen noch lange kein Freimaurer… Es ist nicht Alles ein Riese, was wie eine Windmühle aussieht
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#2   Asteriskus   15:01:48 | Freitag, 9. Dezember 2005
aus gehabtem Schaden nichts gelernt
„Kardinal Danneels: Auch heute seien noch nicht alle Konzils-Früchte geerntet.“
Bísher war in jeder Frucht der Wurm drin.
Viel Spass bei der Ernte.
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#1   Brandenburgis   14:56:45 | Freitag, 9. Dezember 2005
Daneels
Schon die masonistische Foto-Auswahl verrät, wes Geistes Kind dieser Herr wirklich ist …
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