Ein Jahr nach dem Konzil hoffte der Theologe Karl Rahner, daß die Kirche in den nächsten Jahren besser regiert würde und daß sie schöner liturgisch handeln und ihr eine tiefsinnigere Theologie, ein klareres Recht und ein größerer gesellschaftlicher Einfluß erwachsen würde. Von Leo Kardinal Scheffczyk (†).
(kreuz.net) Das Zweite Vatikanische Konzil hatte in der Kirche große Erwartungen und Hoffnungen geweckt.
Was Papst Johannes XXIII. in der Ansprache zur Eröffnung des Konzils am 11. Oktober 1962 verheißungsvoll
aussprach, daß nämlich „mit dem beginnenden Konzil ein Tag strahlenden Lichtes in der Kirche anhebt“,
schien sich auf dem Konzil und in der Zeit danach zu erfüllen.
In einer repräsentativen theologischen
Stellungnahme zum Thema „Sind die Erwartungen erfüllt?“ (Rahner, Cullmann, Fries 1966) wurde die gestellte
Frage uneingeschränkt positiv beantwortet mit dem Verweis auf die Vertiefung des kirchlichen Lebens nach
innen wie auf die Öffnung nach außen zum Dienst an der Welt und auf die Annäherung der Konfessionen.
Mit der Überzeugung, daß das Konzil vor allem dem Ziel der Erweckung von Glaube, Hoffnung und Liebe
dienen wollte, wurde die Erwartung verknüpft, „daß die Kirche in den nächsten Jahren besser regiert
[würde], schöner liturgisch handeln würde, … [daß ihr] tiefsinnigere Theologie, klareres Recht,
größerer gesellschaftlicher Einfluß erwachsen würde“ (Karl Rahner).
Was die allgemeine Resonanz auf
das Konzil unmittelbar nach seinem Ende betraf, wurde festgestellt: „ … bei aller Differenzierung im
einzelnen: der cantus firmus ist Anerkennung, Freude, Respekt und Zustimmung“.
Der evangelische Bischof
Dibelius stimmte dem mit der Feststellung zu:
„Wenn die römisch-katholische Kirche vor 450 Jahren so
ausgesehen hätte, wie sie heute aussieht, hätte es nie eine Reformation in Deutschland gegeben.“
Der
evangelische Theologe H. Thielicke sprach vom Konzil als vom Zeichen einer „strahlenden Rekonvaleszenz,
die der erneuerte Organismus nun durchlebt“.
Freilich gab es katholischer- wie evangelischerseits auch
zurückhaltendere Stellungnahmen, in die auch kritische Töne Eingang fanden.
Sie konnten aber den begründeten
Gesamteindruck nicht schmälern, daß das Konzil ein religiöses Ereignis war, das von der Lebenskraft
der katholischen Kirche zeugte und das allein in ihren Reihen hatte aufkommen können.
Scheffczyk, Leo:
Nachkonziliare Irritationen und die Irritierten, in: Eberts, Gerhard (Hg.) Das Zweite Vatikanische Konzil
und was daraus wurde, Aschaffenburg 1985, 118-121.
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3 Lesermeinungen
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#3 Josef Gadient 18:28:59 | Sonntag, 11. Dezember 2005
Tag des strahlenden Lichtes! Bei der Konzilseröffnung am 11. Oktober dürfte der Petersdom tatsächlich
gut beleuchtet gewesen sein, doch dieses „strahlende Licht“ scheint im Nachhinein gesehen, viele Teilnehmer
(Kardinäle und Bischöfe) geblendet zu haben. Ich empfehle daher dringend allen Laien für unsere Bischöfe
und Priester auf der ganzen Welt zu beten,das sie ihren Auftrag wieder erfüllen. Und wer es sich leisten
kann, zünde in der Kirche oder Kapelle beim Opferstock ein „Kerzlein“ für die Bischöfe und Priester
an, weil dieses bescheidene, natürliche Licht Gott besser gefällt, als (ver)strahlendes, (ver) blendendes
Kunstlicht.
#2 Athanasius 13:41:28 | Samstag, 10. Dezember 2005
200 Bischöfe… …sprachen Ihre Vorbehalte aus gegen das II. Vatikanum. Etliche von Ihnen unterschrieben
sogar bestimmte Dekrete (v.a. Dignitatis Humanae) nicht, darunter Ebf. Lefebvre, Bf. Ackerman, Bf. Mendez-Gonzales,
Bf. De Castro Mayer, Bf. Kurz OFM.