Befreiungsaktion
Der deutsche Ex-Priester Eugen Drewermann trat im vergangenen Juni aus der Kirche aus. Vom christlichen Glauben ist er schon lange abgefallen.

Er habe damit „ein Geschenk der Freiheit“ an sich selber gemacht. Kritikern gemäß hat Drewermann damit endlich die längst fälligen Konsequenzen aus seinem offensichtlichen Glaubensabfall gezogen.
Drewermann, der als Psychotherapeut arbeitet, lebt in Paderborn. Paderborn befindet sich im Bundesland Nordrhein-Westfalen rund 100 Kilometer östlich von Dortmund.
Wegen seiner völlig entchristlichten Ansichten war ihm 1991 die Lehrerlaubnis als Professor entzogen worden.
Im Januar 1992 untersagte ihm sein damaliger kirchlicher Vorgesetzter, Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt von Paderborn, das Predigen und erklärte Drewermanns Aushilfstätigkeit in einer Paderborner Pfarrei für beendet.
Zwei Monate später verzichtete Drewermann selber auf die Ausübung des Priesteramts. Seither waren die Fronten in diesem jahrzehntealten Konflikt ganz verhärtet.
Der in Bergkamen bei Dortmund geborene Bergmannssohn ist schriftstellerisch sehr begabt.
Neben seiner Tätigkeit als Autor wurde er als Gast in TV-Talkshows auch bei einem breiten Publikum bekannt.
Er habe versucht, in der Kirche „Interpretationsbrücken“ von der christlichen Botschaft zur Not der Menschen zu schaffen. Noch immer leide er daran, daß die katholische Kirche dies verweigert habe.
In Wahrheit ging Drewermann meilenweit über dieses Anliegen hinaus. Er benützte die christliche Lehre nur als Sprungbrett für die Entwicklung einer eigenen Religion, die den Unterschied zwischen Gott und Menschen, Gut und Böse, Wahr und Falsch nicht mehr kennt.
Bereits im Jahre 1971 veröffentlichte Drewermann in der Zeitschrift ‘Theologie und Glaube’ einen Artikel mit dem Titel: „Gott der Natur – Gott der Offenbarung – Gegensätze?“ Untertitel: „Zwischen Shiva und Christus“.
Darin präsentiert er den hinduistischen Gott Shiva Nataraja als notwendige Ergänzung zum christlichen Gott.
Shiva Nataraja ist nach Drewermann ein Zeichen der Begegnung mit der Macht des Alls, die sich in Widersprüchen erhält, scheinbar gleichgültig zerstört und in einem unendlichen Kreislauf wieder neu beginnt.
Auf die Frage nach dem Sinn antworte dieser Kreislauf – so Drewermann – durch sein alles Fragen abweisendes Dasein:
Unter dem Anschein des Glaubensverfalles sei die Menschheit auf dem Weg zu einer gleichgültig-gelassenen, tanzenden Bejahung des Lebens in all seinen Erscheinungen, die das Bild des Shiva Nataraja widerspiegle.
Diese tiefe Frömmigkeit habe im Christentum bislang keine Aufnahme gefunden. Sie sei aber dennoch wahr. Was diese „tiefe Frömmigkeit“ ist, erklärt Drewermann sogleich:
„Der Shiva Nataraja tanzt. Kein Grund zur Klage liegt darin, wenn unter seinen Füßen tausende von Menschen sterben und sich das Leben durch Jahrmillionen der Armut, der Verelendung, der rohesten Gewalt, der hilflosen Unwissenheit, der Angst und Unfreiheit hindurchringt, hindurchringen muß, um wieder auf ein Ende zuzusinken in dem es abermals zugrunde geht.“.
Letztlich führt Drewermann alles auf die „absolute Absurdität“ zurück.
1992 veröffentlichte der Ex-Priester seinen Roman „Giordano Bruno oder der Spiegel des Unendlichen.“
Hinter der Maske des Giordano Bruno spricht Drewermann seine eigenen Überzeugungen aus. Er leugnet den Sündenfall, verewigt die Materie und zeigt ganz offen seine Ablehnung Christi.
So erklärt Giordano Bruno: „Ich habe formal die Existenz Gottes niemals geleugnet; wofür, wenn ich ehrlich bin, braucht es noch »Gott« um die Welt zu verstehen? Und die Welt zu verstehen war ich weitaus bemühter, als Gott zu begreifen.“
In seinem Buch „Jesus von Nazareth, Glauben in Freiheit“ (Band 2 1996, Seite 563) meint Drewermann, daß der Begriff des Gottessohnes nichts weiter mehr ist, als „ein Museumsstück der Religions- und Kulturgeschichte“.
Drewermanns Theologie löst sich in Anthropologie auf: „Höre, oh Bruder Mensch“, sagt er in „Glauben in Freiheit“ (Band 1, 1993, Seite 266), „die Wahrheit des Menschen ist die höchste Wahrheit“. „Es gibt keine andere Wahrheit darüber hinaus.“
Im „Vater unser Gebet“, das Drewermann samt Interpretation vor dem Dalai Lama und weiteren tibetanischen Mönchen gebetet hat, fielen ihm bei der Bitte „Dein Reich komme“ folgende Gedanken zu Gott ein:
„Du bist die Kraft, mit der die Löwin ihre Beute reißt. Dein Reich ist Liebe, Ordnung, Weisheit und oft schier unbegreifbare Gleichgültigkeit und Grausamkeit.“
Gottvater wird am Anfang des Vaterunsers unter anderem so angerufen:
„Du rätselvolle, schreckliche Wirklichkeit hinter der widersprüchlichen Fülle der Erscheinungen.“
Seine Untreue zur kirchlichen Lehre kompensiert Drewermann mit seiner unkritischen Rezeption der psycho-philosophischen Theorien des Zürcher Psychologen Carl Gustav Jung († 1961). Besonders dessen Lehre von den Archetypen sind ein zentraler, nie in Frage gestellter Bestandteil von Drewermanns Theorien.
In einem Interview, das der Journalist Wolfgang Korruhn 1994 führte, erfährt man näheres über die persönlichen Lebensumstände Drewermanns. Auf die Frage, ob er Depressionen auch an sich selber kenne, antwortet der Psychotherapeut: „Für mich ist die Welt von Hause aus ein Jammertal.“
Zur Zeit seines Studiums habe er den Absturz in dieses Tal oft erlebt:
„Ich zog die Gardinen zu, legte mich hin und hatte eine mittlere Weltuntergangsstimmung, Weltschmerz, ozeanische Gefühle. Ich wußte nicht weiter.“
Diese Phasen vermisse er heute. Sie hätten bei ihm Fragen ausgelöst, die sehr produktiv gewesen seien.
Er habe diese Depressionen zunächst als Weltanschauungsprobleme erlebt: „Wenn ich anfing, mir selbst zu beweisen, daß die Welt absolut sinnlos ist, daß es weder einen Gott gibt, noch ein Jenseits, jede Art von Streben umsonst ist, Kreaturen völlig sinnlos gequält werden und dies der einzige Aspekt der Welt ist, der dann für mich noch übrig bleibt, dann weiß ich, daß ich in einer Depression stecke.“
Früher habe er dann Musik gehört, Rilke gelesen oder gar nichts mehr getan und im Bett gewartet, bis die Schwermut vorübergewesen sei. Später hätte ihm das Schreiben geholfen, seine Fragen durchzustehen.
Nichts erfährt man von Ex-Priester Drewermann auf ‘www.drewermann.de’: „Auf Wunsch von Dr. Eugen Drewermann wurde die Website geschlossen“, heißt es dort.
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Dienstag, 20. Dezember 2005 17:58
Yersinia: @gunther: wie entstanden die Evangelien?
ich weiß, ich weiß, die Bibelwissenschaften – wenn deren Erkenntnisse einem fundamentalistischen Christen
gegen den Strich gehen, werden halt flux die Wissenschaftler als Personen abgewertet;
deine Argumente bewegen sich nach wie vor auf der Ebene von „Behauptungen aus dem Glauben“ – ich habe nach „hard facts“ gefragt; kannst du diese nicht bringen?
deine Argumente bewegen sich nach wie vor auf der Ebene von „Behauptungen aus dem Glauben“ – ich habe nach „hard facts“ gefragt; kannst du diese nicht bringen?
Dienstag, 20. Dezember 2005 01:14
gunther maria michel: @yersinia:
Die Evangelien sind Verkündigung, sie sind aber auch Geschichtsquellen. Lies dazu etwa die Einleitung
zum Lukasevangelium, Kapitel 1, Verse 1 bis 4.
Die Apostel und Evangelisten waren, außer daß sie große Heilige der Kirche waren, Männer mit gesundem Menschenverstand, die mit beiden Beinen auf dem Boden standen. Sie wußten ganz genau, was das Wort Jungfrau bedeutet, auch in physiologischer Hinsicht.
Gegen das klare Zeugnis der Evangelisten für die jungfräuliche (aktive) Empfängnis Mariens spricht kein ernsthaftes geschichtswissenschaftliches Argument, sondern einzig das unwissenschaftlicherationalistische Vorurteil, daß Gott keine Wunder wirken könne.
Die Apostel und Evangelisten waren, außer daß sie große Heilige der Kirche waren, Männer mit gesundem Menschenverstand, die mit beiden Beinen auf dem Boden standen. Sie wußten ganz genau, was das Wort Jungfrau bedeutet, auch in physiologischer Hinsicht.
Gegen das klare Zeugnis der Evangelisten für die jungfräuliche (aktive) Empfängnis Mariens spricht kein ernsthaftes geschichtswissenschaftliches Argument, sondern einzig das unwissenschaftlicherationalistische Vorurteil, daß Gott keine Wunder wirken könne.
Sonntag, 18. Dezember 2005 20:55
Elendester Sünder: Von der Redaktion entfernt
Sonntag, 18. Dezember 2005 19:12
Yersinia: @gunther: bei den Evangelien kann man doch nicht von
„historischen Fakten“ sprechen – weder stellen die Evangelien diesen Anspruch, noch könnten sie ihn – schon allein wegen der Textgeschichte – erfüllen; ganz abgesehen davon dürftest auch du wissen, dass in keinem der Evangelien ein gynäkologisches Gutachten über die Heilige Maria aufscheint;
Samstag, 17. Dezember 2005 23:05
gunther maria michel: @yersinia:
Das historische Faktum besteht in der Bezeugung durch die Evangelisten Matthäus und Lukas.
Die Quelle in dieser Sache war die hl. Jungfrau selbst und waren Personen, denen sie dieses Geheimnis anvertraut hat.
Die Quelle in dieser Sache war die hl. Jungfrau selbst und waren Personen, denen sie dieses Geheimnis anvertraut hat.
Samstag, 17. Dezember 2005 19:57
Yersinia: ich habe nach „außerkirchlichen“, historisch haltbaren Fakten gefragt
diese gibt es natürlich nicht – aber gerade dadurch, dass es diese nicht gibt, wird es umso deutlicher, dass es sich bei der Jungfräulichkeit Mariens um Glaubensgut – durchaus im besten Sinn – handelt; die geglaubte Jungfräulichkeit Mariens als „historisches Faktum“ darstellen zu wollen, ist zum ersten schlicht „unglaublich“, zum zweiten wird dadurch einer Aussage des Glaubens eben nicht vertraut, sondern krampfhaft versucht, sie mehr oder minder im medizinischen Sinn beweisen zu wollen – das ist wiederum jener Versuch einer unheilvollen Vermischung von Glaubensinhalten und naturwissenschaftlicher Erkenntnis;
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