Zölibat
Wenigstens die Zölibatsfrage ist geklärt
In Österreich scheinen die Bischöfe zölibatsmüde zu sein. Bischof Maximilian Aichern von Linz äußert sich dazu und zu anderen Themen in den „Oberösterreichischen Nachrichten“.
(kreuz.net, Linz) In den „Oberösterreichischen Nachrichten“ findet sich heute ein Interview mit dem Linzer Diözesanbischof Maximilian Aichern OSB. Der Bischof zeigt sich von seiner verständigen Seite, wenigstens was die großen Protestbewegungen in der Kirche betrifft.

Der Aufhänger des Artikels ist die – mittlerweile gar gesottene – Frage des Priesterzölibats. Dabei konfrontiert die Zeitung den Bischof von Linz mit dem alt-„revolutionären Vorschlag“ des neuen Innsbrucker Diözesanbischofs, Manfred Scheuer (49). Dieser zog sich Ende September die Kritik der Gläubigen zu, weil er die Abschaffung des Zölibats als gangbaren Weg bezeichnete.

Zu dieser Aussage meinte ein Tiroler Landpfarrer vor kreuz.net, daß mit Abschaffen alleine noch nichts aufgebaut sei. Man dürfe gespannt sein, ob der neue Bischof von Innsbruck auch konstruktive Vorschläge zur Reform der daniederliegenden Innsbrucker Diözese und zur Erneuerung des verbürgerlichten Klerus zu machen gedenke.

Im Interview eilt der Bischof von Linz seinem Tiroler Mitbruder, der vor der Bischofsernennung Weltpriester der Diözese Linz war, zu Hilfe. Auch er halte die Abschaffung des Zölibats für Weltpriester, ob sie mit oder ohne Familie leben wollen, für eine Möglichkeit. Zur Bibel gäbe es keinen Widerspruch. Wie Bischof Scheuer verwies aber auch der Bischof von Linz in dieser Frage auf eine Entscheidung von Rom.

Zur „Kirchenkrise der Diözese St. Pölten“ verwies Bischof Aichern auf den Weg der Umkehr und der Versöhnung. Er glaube, daß die Diözese St. Pölten wieder einen guten Weg nehmen werde.

In der Antwort auf eine andere Frage äußerte sich der Kirchenfürst für die Wahrung des 8. Dezember als staatlichen Feiertag.

Zur Frage eines EU-Beitritts der Türkei verwies Bischof Aichern auf die Politik. Diese müsse eine Lösung finden.
      
7 Lesermeinungen
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#7   Gallowglas   13:47:55 | Samstag, 21. Januar 2006
@Gotthard
die übergroße Mehrheit der Gläubigen versteht die Zölibatsverpflichtung überhaupt nicht…
Was nicht verwundert, widerspricht es doch der Bibel …
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#6   nicephor   13:46:39 | Samstag, 21. Januar 2006
Ergänzung
Niemand geringerer als Joseph Ratzinger hat in dem Interviewbuch von 1996 (?), dessen genauen Titel ich gerade nicht greifbar habe, betont, dass er den Pflichtzölibat zwar für sinnvoll hält, dass dieses Gesetz aber nicht notwendig aus dem Glauben folgt – wie die vielen verheirateten Priester im byz. Ritus, die Konvertiten und andere ja ohnehin beweisen.
Außerdem halte ich die Behauptung, der Zölibat sei „bewährt“, für sehr gewagt – historische Untersuchungen über die EInhaltung des Pflichtzölibats z.B. in der Zeit derGegenreformation (da liegen genügend Visitationsakten vor) zeigen, dass dieses Gesetz schlicht und einfach über sehr weite Strecken nicht beachtet wurde. Von Päpsten, die auch im Amt noch weiter Kinder zeugten, weiß eh jeder. Und wer sich heute einmal die Situation z.B. in Ostafrika anschaut, weiß, dass es dort fast der Normalfall ist, dass Priester Frauen und Kinder haben – nur eben ohne sakramentale Ehe.
Und die Frage, wie es eigentlich mit dem Grundrecht der Gläubigen auf Sakramentenspendung (can. im CIC/1983 weiß ich nicht auswendig, irgendwas zwischen 200 und 220) steht, während gleichzeitig die Kirche, obwohl es keine theologischen Hindernisse gibt (s.o.), sich weigert, verheiratete Männer als Priester zu beauftragen, steht ja auch noch im Raum – nicht zuletzt in Tirol und Oberösterreich, wo die beiden Bischöfe Scheuer und Aichern die Situation gemäß ihrer Verantwortung vielleicht sogar besser beurteilen können als die Damen und Herren kreuz.net-Leser
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#5   Gotthard   13:36:13 | Samstag, 21. Januar 2006
Unverständnis
die übergroße Mehrheit der Gläubigen versteht die Zölibatsverpflichtung überhaupt nicht…
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#4   nicephor   12:14:21 | Samstag, 21. Januar 2006
Kommentar
1. Bischof Scheuer hat sich nicht die Kritik „der Gläubigen“ zugezogen, sondern allenfalls die Kritik „einiger Gläubiger“ sowie kreuz.net.
2. Wenn Bischöfe Scheuer und Aichern sagen, die Abschaffung des Pflichtzölibats für Weltpriester sei „eine Möglichkeit“, dann sagen sie damit nur etwas theologisch Selbstverständliches, nämlich dass die Regelung dieses Gesetzes durch die kirchl. Autorität jederzeit geändert werden könnte, theologisch nicht zwingend ist und niemand verpflichtet ist, die geltende Regelung für die bessere zu halten. Natürlich sind die Bischöfe verpflichtet, sie umzusetzen, und die Gläubigen bzw. die Betroffenen, sie einzuhalten – aber das hat keiner der beiden Bischöfe je bestritten. Jedoch ist niemand verpflichtet, kirchl. Rechtsvorschriften, die rein kirchl., kein göttl. Recht sind, für gut zu halten; und jeder hat das Recht, seine diesbezügliche Meinung zu äußern.
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#3   Catholicus   09:08:18 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
In Linz beginnt’s …
Der Linzer Bischof soll persönlich ein überaus frommer Mann sein und auch äußerst liebenswürdig im persönlichen Umgang. Als Bischof sollte er freilich uneingeschränkt die Lehre der Kirche vertreten und sich auch zur bewährten Selbstverpflichtung der Kirche des lateinischen Ritus auf den Zölibat bekennen!
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#2   Dolfus   08:18:50 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Linzer Bischof will heiraten?
Wenn der Herr Bischof das so sieht. Eines der wenigen funktionierenden Seminare in deutschen Landen sind jene der Pius- und Petrusbruderschaft.
Über die anderen Seminare kann man nur sagen: St. Pölten liegt zwischen Wien und Linz. Die Sache um Bischof Krenn und seine „Geheimwaffe“ Küchl wurde nur deswegen an die Öffentlichkeit gebracht, weil sie nicht zum Prälatenestablishment gehörten. Ähnliche Berichte über andere Seminare wurden seinerzeit von Visitator Schönborn nicht angenommen.
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#1   Pelagius   07:44:39 | Donnerstag, 2. Dezember 2004
Pelagius meint:
Hut ab, der Mann hat Mut! Es gibt sie noch, die Gewissenstäter, die auch contra torrentem zur erkannten Wahrheit stehen. Man wird auf weitere, zeitgeistwidrige Äußerungen gespannt sein dürfen. Den Aufruf zu Umkehr und Versöhnung werden diejenigen, die schon lange nicht mehr bei der Beichte waren, sicher verstehen.
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