Karl Kardinal Lehmann hat die erste Phase der Strukturreform „Lebendige Gemeinden in erneuerten pastoralen Einheiten“ im Bistum Mainz auf der Diözesanversammlung Ende November im Erbacher Hof in Mainz abgeschlossen.
(kreuz.net, Mainz) Hinter Fantasienamen wie „Pastoraler Prozeß“ oder „Lebendige Gemeinden in erneuerten
pastoralen Einheiten“ verbirgt sich seit längerem der rapide Niedergang der Kirche in Deutschland seit
dem Zweiten Vatikanum.
Zusammen mit Generalvikar Dietmar Giebelmann stellte der Bischof von Mainz kürzlich
die neue Einteilung der 345 Pfarreien des Bistums in den neuen pastoralen Einheiten vor. Das berichtete
kürzlich die ‘Allgemeine Zeitung’.
Mainz ist die Hauptstadt des westdeutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz.
Künftig wird es im Bistum Mainz 18 selbständige Pfarreien, 81 Pfarrgruppen und 39 Pfarreienverbünde
geben.
Die Zusammenarbeit innerhalb der neuen Einheiten wird durch verbindliche Vertrage geregelt.
Die
bisherigen Pfarrverbände seien vor allem an ihrer Unverbindlichkeit gescheitert. Deshalb werde die neue
Strukturreform verbindlich gestaltet, erklärte der Generalvikar.
Bereits bei der Pfarrgemeinderatswahl
2007 sollen die neuen Strukturen definitiv umgesetzt werden.
Kardinal Lehmann rief die Pfarreien auf,
bereits ab dem 1. Januar 2006 in den jetzt festgelegten Strukturen zusammenzuarbeiten: „Wir sind auf die
Erfahrungen angewiesen und freuen uns auf jede Rückmeldung“, sagte der Kardinal.
Im neuen Jahr werden
Statuten und Regularien für die neuen Strukturen erarbeitet. Es ist geplant, die Regelwerke bereits bei
der nächsten Diözesanversammlung im Oktober zu verabschieden.
Bei der Strukturreform waren zwei Regeln
maßgebend. „Zum einen wird es nicht mehr Sitzungen als bisher und zum anderen auch nicht mehr Geld geben.“
Das Geld werde das entscheidende Kriterium bei den Kooperationen sein, erklärte der Generalvikar.
Der
Kardinal hielt ein Referat zum Thema „Nutzen und Last der kirchlichen Gebäude“. Die Zahl der reformbedürftigen
Immobilien steige.
Durch die Mindereinnahmen sei die Diözese immer mehr gezwungen, den Bauetat und somit
auch die Sanierungen einzuschränken.
Es sei wohl nicht zu verhindern, daß die eine oder andere Kirche
geschlossen oder sogar abgerissen werden müsse, erklärte Kardinal Lehmann. Er wehrte sich aber gegen
Übertreibungen:
„Nur 1,66 Prozent aller Kirchengebäude erfährt eine andere Nutzung.“
Man werde aber
in dieser Frage mit höchster Sensibilität vorgehen.
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6 Lesermeinungen
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Strukturreform ein Übel In fast allen deutschen Diözesen werden solche Strukturreformen durchgeführt.
In vielen ohne wirklichen Priestermangel. Einziges Ziel ist es die unnötig geschaffenen Berufsbilder
von Hauptamtlichen Laien zu rechtfertigen und am besten den Priester abzuschaffen.
#5 Gotthard 22:44:50 | Donnerstag, 15. Dezember 2005
@Florian was soll denn diese saudumme Unterstellung? Wieso ist das priesterliche Amt stärker in einer
Gemeinde mit 1.000 Katholiken als in einer mit 10.000? Wenn das so wäre, dann wäre das Amt weltweit
in den meisten Bistümern sehr sehr ausgehöhlt und schwach, da die meisten Pfarreien weltweit Zahlen
aufweisen, die wir uns in Europa nicht vorstellen können!! Aushöhlung des Amtes ist ein hohles Geschwätz
…
#4 Benedikt 18:56:29 | Donnerstag, 15. Dezember 2005
Strukturreform Auf dem Tag der Pfarrgemeinderäte im Bistum Limburg war ein Referent, der uns das neue
System im Bistum Mainz erklärt hat. Also ich muss sagen, das hat mir gar nicht gefallen. Es hört sich
so an, als biete jede ex-Gemeinde irgendeine Dienstleistung an (die eine macht Kommunionunterricht, die
eine macht Altenarbeit, eine dritte macht sonstiges usw.). Hörte sich alles sehr unpersönlich an. Bündelung
einiger Dinge ist ja nicht schlecht, aber die Verteilung der gebündelten Aufgaben auf alle ex-Pfarreien…
wer blickt denn da noch durch. Zum Niedergang des Glaubens im Bistum Mainz: Im Bistum Mainz gab es anteilsmäßig
1950 weniger Katholiken als 1970. 1950 gab es 79 Priester mit Priesterweihe, 2004 waren es 94. Es gibt
auch mehr Mönche als 1950. Was dagegen total eingebrochen ist, ist die Zahl der Nonnen (1950: 1900, 2004:
411). 1950 kam auf einen Priester 1227 Gläubige, 2004 waren es 1486. So stark ist der Einbruch aber nicht.
Vergleicht man auf www.catholic-hierarchy.org die Zahlen, dann stellt man schnell fest, das die Zahlen
der Bistümer in Europa ähnliche Entwicklungen aufweisen. Die Zahlen von 1950 sind schlechter als die
1970. Danach gehen die Zahlen allerdings wieder stark zurück. Das ist ergo keine Folge des Konzils, sondern
mehr eine Folge von Humanae Vitae. Das bestätigt auch jeder Statistiker.
#3 Josef Gadient 16:32:08 | Donnerstag, 15. Dezember 2005
Da der Glaube geschrumpft ist wäre es auch an der Zeit, dass die Personalkosten schrumpfen. Ich würde
vorerst den esoterischen Gemischtbuchladen „Weltbildverlag“ liquidieren, der das Wort „Katholisch“ in
seinen Regalen ohnehin gestrichen hat. Dann würde ich viele der „Laien“ entlassen, die mit ihren sicheren
Gehältern die katholische Kirche auf unsichere Bahnen geführt haben. Viele dieser Gehaltsbezieher sagen
heute in den Gremien aufgrund der demokratischen Strukturen, was der Priester noch tun darf und was nicht,
und dies selbst in der Hl. Messe! Was die Immobilien betrifft, würde ich mir weniger Sorgen machen,solange
es sich um Kirchen, Klöster und Kapellen handelt. Die meisten von ihnen sind alt, ja vielleicht sogar
sehr alt, denn sie sind nicht auf Sand gebaut. Man darf sie auf keinen Fall verkaufen; die Renovation
soll sich auf die Erhaltung der Substanz beschränken. Aufgrund der negativen „Konsumentenstimmung“werden
sie zur Zeit schwach genutzt, da die Bevölkerung andere Bedürfnisse hat (Friede, Freude, Eierkuchen),
aber das wird sich irgendwann ändern. Diese Fröhlichkeit könnte unverhofft unterbrochen werden, wenn
Gott uns Kreuze schickt; und irgendwann tut er das. Dann möchte ich nicht Kardinal Lehmann sein.
II. Vaticanum Auf gewisse Konstanten kann man sich bei kreuz.net ja verlassen. Immer ist irgendwie das
II. Vaticanum schuld. Könnte es nicht auch das Problem der zeitgeistig angepassten deutschen Kirche sein?
Typisch deutsch also? Die weltweiten Zahlen der Entwicklung des Katholizismus sprechen zumindest dafür.