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Dienstag, 20. Dezember 2005 18:18
„Man fühlt sich halt in der Kirche nicht mehr heimisch“
Im Jahr 2000 wurde der bayrische Schriftsteller und Schauspieler Georg Lohmeier (79) über den Inhalt seines damals erschienenen Buches „Der Zorn eines Christenmenschen“ befragt. Hier ist die Antwort.
Buchcover von "Der Zorn eines Christenmenschen"
Buchcover von „Der Zorn eines Christenmenschen“
(kreuz.net) In meinem Buch „Der Zorn eines Christenmenschen“ steht, daß unsere Kirche nicht mehr diese schöne alte Kirche ist. Wir haben nicht mehr diese herrlichen Messen von Mozart oder von Haydn.

Wir hören kein Confiteor mehr und auch kein letztes Evangelium, sondern zum Beispiel ein fades Lied zum Eingang, das in der Luther-Zeit komponiert worden ist.

Wir hören selbstverständlich auch überhaupt kein Latein mehr. Das ist das, was mir am meisten wehtut. Man fühlt sich halt in der Kirche nicht mehr heimisch.

Georg Lohmeier
Georg Lohmeier
Weil es aber in der Kirche nicht mehr so stimmt, stimmt es auch in der Welt nicht mehr so richtig.

Da gibt es diese Bewegung ‘Wir sind die Kirche’ von einigen engagierten Damen, die unbedingt eine Abtreibungsberatungsstelle katholischer Prägung haben wollen und dabei nicht bedenken, daß die Kirche doch eine Glaubensinstitution ist.

Die Kirche lehrt nicht nur Glaube, Hoffnung, Liebe, sondern sie praktiziert sie auch in den Geboten wie: „Du sollst nicht töten usw.“ Diese Gebote muß die Kirche hochhalten.

Wir können diese Gebote natürlich auch übertreten, weil wir von Gott einen freien Willen mitbekommen haben. Wir können sündigen: „pecca fortiter, fortius crede!“, hat schon Luther geschrieben.

Wir können also sündigen. Wir können abtreiben und all diese Dinge machen: Aber in der alten Kirche konnten wir auch beichten. Wir hatten die Beichte und die Reue und den festen Vorsatz, nicht mehr zu sündigen.

Allerdings kommt dieser feste Vorsatz erst an dritter Stelle. Zuerst kommt das Sündenbekenntnis, dann die Reue und erst am Schluß kommt der steife Vorsatz – wie wir früher immer gesagt haben.

So war das früher, aber der heutige Mensch will mehr. Er will die Kirche abschaffen. Er will die Gebote abschaffen. Er will von vornherein alles erlaubt bekommen.

Diese engagierten Damen – Psychotherapeutinnen und Psychologinnen – wollen alles erlaubt bekommen von der Kirche. Sie wollen, daß man abtreiben kann, ohne beichten und ohne dabei noch ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Es ist aber doch so, daß das alles gar nicht mehr zusammenpaßt.

Die Kirche hätte sich aus dieser Sache von vornherein heraushalten sollen. Aber ich denke mir halt manchmal, daß diese engagierten Damen die Zölibatessen der Domherren und Bischöfe sind, dort als Psychotherapeutinnen eingesetzt wurden und nun um ihre Position kämpfen.

Die Presse fällt auch noch auf sie herein und sagt: „Die Kirche, der Papst, das ist alles ein alter Hut, weg damit.“ Aber sie verstehen dabei alle nicht, was eigentlich damit gemeint ist.

Einwurf des Journalisten: Das ist der Zorn eines Christenmenschen, und den haben Sie in diesem Buch mit dem gleichnamigen Titel niedergeschrieben.

Raufende Engel von Johann Baptist Straub
Raufende Engel von Johann Baptist Straub
Ja. Denn es ist ja so, daß man auch in der Kirche verschiedener Meinung sein darf. Ich habe da auf dem Titelblatt zwei raufende Engel von Johann Baptist Straub: Wütend schlagen sie aufeinander ein, und der eine der beiden hat sogar schon offene Knie.

Ich habe diese beiden Engel auf einer Schlittenkufe gefunden: im Marstallmuseum in Nymphenburg. Johann Baptist Straub hat für Kaiser Karl diesen Prunkschlitten geschnitzt.

Wenn schon Englein raufen dürfen – einer hat regelrecht zerzauste Flügel –, dann dürfen wir uns auch manchmal streiten, dann dürfen sogar Bischöfe und Kardinäle manchmal streiten.

Denn der Streit klärt vielleicht die Position.

Aus einem Gespräch von Dietmar Gaiser mit Georg Lohmeier, das am 21. Januar 2000 vom ‘Bayrischen Fernsehn’ ausgestrahlt wurde.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 14 Lesermeinungen:
Donnerstag, 22. Dezember 2005 12:55
Agiafortuni: Benedikt
ich kann ihnen nur beipflichten. Die Musik steht im Dienste der heiligen Handlung und nicht umgekehrt. Ihr Aufgaben hat darin zu bestehen, die Gläubigen zur Einkehr zu bewegen, um über den Sinn der am Altar vollzogenen Handlung nachzudenken. Ein Beispiel, ruckner’s Benedictus locus iste eignet sich bestens zum Stufengebet, wo der Priester Gott dankt, dass er den heiligen Ort betreten darf, um ihn dort zu verehren. Rezitativ und Arie aus der Matthäus Passion: Am Abend als kühle ward, aus Bachs Matthäus Passion, weisen darauf hin, dass mit dem Tod Christi am Kreuze, ein neuer Bund begonnen hat.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 12:02
Benedikt: @ Dr. Regazzoni
Entschuldigung, es hörte sich so an, als sei die ganze c-moll Messe zu hören gewesen. Das finde ich einfach ungeeignet. Analog zum heute oft gehörten Vorwurf, bei der Messe stünde nicht mehr Gott, sondern die Gemeinde im Vordergrund, könnte man bei so einer Messaufführung sagen, dass nicht Gott, sondern Mozart im Vordergrund steht. Es gibt ja auch andere Mozart Messen, die sich hierfür besser eignen. Mozarts Arbeitgeber, der Fürsterzbischof von Salzburg, sah das nämlich ganz genauso.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 09:19
Agiafortuni: Benedikt: c-moll
ich sprach nicht vom Sanctus sondern vom Kyrie. Es ist eindrucksvoll und lädt zur Besinnung auf. Die wahre Kultur wird selbstverständlich niemals den Glauben ersetzen, als vertretbarer Zugang hat sie jedoch ihre Berechtigung. Lesen Sie einmal Papst Pius XII Ausführungen über Fra Angelico. Auf alle Fälle sind Bach, Mozart, Haydn und Bruckner oder auch der neuerdings wiederentdeckte Lorenzo Perosi im Gottesdienst und in der Kirche nicht fehl am Platze während der von Paul VI zum Abschluss des Konzils verkündete Kult des Menschen Ausdruck seiner banalen Gesinnung und dementsprechend ein Schwachsinn ist.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 00:09
Benedikt: c-moll
Hier muss ich Gotthard mal zustimmen. Die c-moll Messe ist zu lang für eine Messe. Ihre Musik dient nicht mehr der Verherrlichung, sondern der Darstellung ihrer selbst. Das Sanctus dieser Messe dauert über 10 min…es ist ein Konzert.
Mittwoch, 21. Dezember 2005 23:45
Agiafortuni: nochmals Gotthard
die c-moll Messe von Mozart während einer heiligen Messe ist bestimmt weniger deplaziert als gewisse schwachsinnigen Fürbitten wie jene für die UNO und andere Freimaurer-Ideale. Ihre Verachtung für die Kultur ist auf alle Fälle haarsträubend und durchaus auf der Linie Karl Rahners
Mittwoch, 21. Dezember 2005 22:41
Gotthard: c-moll
c-mol während einer hl Messe?
Ich denke eher, dass während der Aufführung der c-moll Messe auch noch gerade die Eucharistiefeier Platz fand …
für mich ist das eine Form, die das Wesen der Hl. Messe missachtet.
c-moll ist ein Konzert und keine Messe.
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