Alte Messe
„Man fühlt sich halt in der Kirche nicht mehr heimisch“
Im Jahr 2000 wurde der bayrische Schriftsteller und Schauspieler Georg Lohmeier (79) über den Inhalt seines damals erschienenen Buches „Der Zorn eines Christenmenschen“ befragt. Hier ist die Antwort.
(kreuz.net) In meinem Buch „Der Zorn eines Christenmenschen“ steht, daß unsere Kirche nicht mehr diese schöne alte Kirche ist. Wir haben nicht mehr diese herrlichen Messen von Mozart oder von Haydn.

Wir hören kein Confiteor mehr und auch kein letztes Evangelium, sondern zum Beispiel ein fades Lied zum Eingang, das in der Luther-Zeit komponiert worden ist.

Wir hören selbstverständlich auch überhaupt kein Latein mehr. Das ist das, was mir am meisten wehtut. Man fühlt sich halt in der Kirche nicht mehr heimisch.

Weil es aber in der Kirche nicht mehr so stimmt, stimmt es auch in der Welt nicht mehr so richtig.

Da gibt es diese Bewegung ‘Wir sind die Kirche’ von einigen engagierten Damen, die unbedingt eine Abtreibungsberatungsstelle katholischer Prägung haben wollen und dabei nicht bedenken, daß die Kirche doch eine Glaubensinstitution ist.

Die Kirche lehrt nicht nur Glaube, Hoffnung, Liebe, sondern sie praktiziert sie auch in den Geboten wie: „Du sollst nicht töten usw.“ Diese Gebote muß die Kirche hochhalten.

Wir können diese Gebote natürlich auch übertreten, weil wir von Gott einen freien Willen mitbekommen haben. Wir können sündigen: „pecca fortiter, fortius crede!“, hat schon Luther geschrieben.

Wir können also sündigen. Wir können abtreiben und all diese Dinge machen: Aber in der alten Kirche konnten wir auch beichten. Wir hatten die Beichte und die Reue und den festen Vorsatz, nicht mehr zu sündigen.

Allerdings kommt dieser feste Vorsatz erst an dritter Stelle. Zuerst kommt das Sündenbekenntnis, dann die Reue und erst am Schluß kommt der steife Vorsatz – wie wir früher immer gesagt haben.

So war das früher, aber der heutige Mensch will mehr. Er will die Kirche abschaffen. Er will die Gebote abschaffen. Er will von vornherein alles erlaubt bekommen.

Diese engagierten Damen – Psychotherapeutinnen und Psychologinnen – wollen alles erlaubt bekommen von der Kirche. Sie wollen, daß man abtreiben kann, ohne beichten und ohne dabei noch ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Es ist aber doch so, daß das alles gar nicht mehr zusammenpaßt.

Die Kirche hätte sich aus dieser Sache von vornherein heraushalten sollen. Aber ich denke mir halt manchmal, daß diese engagierten Damen die Zölibatessen der Domherren und Bischöfe sind, dort als Psychotherapeutinnen eingesetzt wurden und nun um ihre Position kämpfen.

Die Presse fällt auch noch auf sie herein und sagt: „Die Kirche, der Papst, das ist alles ein alter Hut, weg damit.“ Aber sie verstehen dabei alle nicht, was eigentlich damit gemeint ist.

Einwurf des Journalisten: Das ist der Zorn eines Christenmenschen, und den haben Sie in diesem Buch mit dem gleichnamigen Titel niedergeschrieben.

Ja. Denn es ist ja so, daß man auch in der Kirche verschiedener Meinung sein darf. Ich habe da auf dem Titelblatt zwei raufende Engel von Johann Baptist Straub: Wütend schlagen sie aufeinander ein, und der eine der beiden hat sogar schon offene Knie.

Ich habe diese beiden Engel auf einer Schlittenkufe gefunden: im Marstallmuseum in Nymphenburg. Johann Baptist Straub hat für Kaiser Karl diesen Prunkschlitten geschnitzt.

Wenn schon Englein raufen dürfen – einer hat regelrecht zerzauste Flügel –, dann dürfen wir uns auch manchmal streiten, dann dürfen sogar Bischöfe und Kardinäle manchmal streiten.

Denn der Streit klärt vielleicht die Position.

Aus einem Gespräch von Dietmar Gaiser mit Georg Lohmeier, das am 21. Januar 2000 vom ‘Bayrischen Fernsehn’ ausgestrahlt wurde.
      
14 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#14   Agiafortuni   12:55:22 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
Benedikt
ich kann ihnen nur beipflichten. Die Musik steht im Dienste der heiligen Handlung und nicht umgekehrt. Ihr Aufgaben hat darin zu bestehen, die Gläubigen zur Einkehr zu bewegen, um über den Sinn der am Altar vollzogenen Handlung nachzudenken. Ein Beispiel, ruckner’s Benedictus locus iste eignet sich bestens zum Stufengebet, wo der Priester Gott dankt, dass er den heiligen Ort betreten darf, um ihn dort zu verehren. Rezitativ und Arie aus der Matthäus Passion: Am Abend als kühle ward, aus Bachs Matthäus Passion, weisen darauf hin, dass mit dem Tod Christi am Kreuze, ein neuer Bund begonnen hat.
Redaktion benachrichtigen
#13   Benedikt   12:02:40 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
@ Dr. Regazzoni
Entschuldigung, es hörte sich so an, als sei die ganze c-moll Messe zu hören gewesen. Das finde ich einfach ungeeignet. Analog zum heute oft gehörten Vorwurf, bei der Messe stünde nicht mehr Gott, sondern die Gemeinde im Vordergrund, könnte man bei so einer Messaufführung sagen, dass nicht Gott, sondern Mozart im Vordergrund steht. Es gibt ja auch andere Mozart Messen, die sich hierfür besser eignen. Mozarts Arbeitgeber, der Fürsterzbischof von Salzburg, sah das nämlich ganz genauso.
Redaktion benachrichtigen
#12   Agiafortuni   09:19:25 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
Benedikt: c-moll
ich sprach nicht vom Sanctus sondern vom Kyrie. Es ist eindrucksvoll und lädt zur Besinnung auf. Die wahre Kultur wird selbstverständlich niemals den Glauben ersetzen, als vertretbarer Zugang hat sie jedoch ihre Berechtigung. Lesen Sie einmal Papst Pius XII Ausführungen über Fra Angelico. Auf alle Fälle sind Bach, Mozart, Haydn und Bruckner oder auch der neuerdings wiederentdeckte Lorenzo Perosi im Gottesdienst und in der Kirche nicht fehl am Platze während der von Paul VI zum Abschluss des Konzils verkündete Kult des Menschen Ausdruck seiner banalen Gesinnung und dementsprechend ein Schwachsinn ist.
Redaktion benachrichtigen
#11   Benedikt   00:09:19 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
c-moll
Hier muss ich Gotthard mal zustimmen. Die c-moll Messe ist zu lang für eine Messe. Ihre Musik dient nicht mehr der Verherrlichung, sondern der Darstellung ihrer selbst. Das Sanctus dieser Messe dauert über 10 min…es ist ein Konzert.
Redaktion benachrichtigen
#10   Agiafortuni   23:45:10 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
nochmals Gotthard
die c-moll Messe von Mozart während einer heiligen Messe ist bestimmt weniger deplaziert als gewisse schwachsinnigen Fürbitten wie jene für die UNO und andere Freimaurer-Ideale. Ihre Verachtung für die Kultur ist auf alle Fälle haarsträubend und durchaus auf der Linie Karl Rahners
Redaktion benachrichtigen
#9   Gotthard   22:41:27 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
c-moll
c-mol während einer hl Messe?
Ich denke eher, dass während der Aufführung der c-moll Messe auch noch gerade die Eucharistiefeier Platz fand …
für mich ist das eine Form, die das Wesen der Hl. Messe missachtet.
c-moll ist ein Konzert und keine Messe.
Redaktion benachrichtigen
#8   Agiafortuni   22:32:58 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
zu meinem Kulturchristentum
Sie irren sich mein Freund. Bei den Salzburger Festspeilen am Fest Maria Himmelfahrt die c-moll Messe während einer heiligen Messe in der Peterskirche aufgeführt. Im übrigen spielten 1985 beim Fest des heiligen Peter und Paul die Wiener Philharmoniker unter Herbert von Karajan während Johannes Paul II zelebrierte die Krönungsmesse von Mozart.
Redaktion benachrichtigen
#7   Gotthard   22:25:03 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Carlo’s Kulturchristentum
Weder wurde Bach’s Matthäus-Passion 1960 in einer Karfreitagsliturgie aufgeführt, noch je die c-moll in einer Eucharistiefeier 1958.
Mit deinen Äußerungen entlarvst Du Dich als reinen Kulturchristen, dessen Bedürfnis heute via DVD voll befriedigt werden kann.
Redaktion benachrichtigen
#6   Agiafortuni   22:09:12 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
zu Gotthard’s inhaltlicher Leere
Selbst wenn Haydan und Mozart in fürstlichen Diensten standen, bringen sie dennoch auf wundervolle Weise religiöses Empfinden zum Ausdruck. Nehmen Sie sich nur das Kyrie aus seiner c-moll Messe als Beispiel. Lieber höre ich mir am Karfreitag die Matthäus Passion des Protestanten und im Dienste des Kurfürsten von Brandenburg stehenden Bach als eine NOM Liturgie. Das gleiche gilt auch für Bach’s hohe Messe in h-moll. Zum Kirchengesang in der Volkssprache habe ich keine besondere Beziehung, aber umso lieber sind mir geistliche Gesänge wie Bruckner’s „Benedicus locus iste“
oder Mozart’s „Ave verum corpus“.
Redaktion benachrichtigen
#5   Gotthard   20:09:21 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
hi Dr. Carlo
danke für diesem Text … der Mensch lernt ja nie aus.
Redaktion benachrichtigen
#4   Agiafortuni   18:26:15 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Gotthard
Eigentlich sollten Sie mit Karl Rahner das oekumenische Glaubensbekenntnis eines Halbgebildeten täglich aussprechen:
Ich glaube an Kardinal Bea, den gerissensten und aller
Intrigen mächtigen Vorsteher des durch ihn geschaffenen
und von Johannes XXIII troianischen Pferdes mit Namen
Einheitszirkus und an Karl Rahner seinen Ordensbruder und Verfasser von Theologumena am Konzil,
geboren zu Freiburg im Lande Badens unter der Vorherrschaft Heideggers und daselbst gross geworden unter dessen Schirmherrschaft,
untergetaucht unter dem Dritten Reich um zu kämpfen gegen Rechtgläubige und andere Dunkelmänner,
ins Rampenlicht gerückt während des Konzils dank dem Wohlwollen Kardinal Königs und der Konzilspäpste mit denen er zusammengekommen ist der Intelligenz ein Ende zu setzen in der Theologie,
ich glaube an sein anonymes Christentum, an die Profanierung des Priesterberufes an die Banalisierung der
Liturgie und an eine oekumenisch vertretbare Zukunft des Unglaubens in alle Ewigkeit Amen
Redaktion benachrichtigen
#3   Gotthard   01:01:19 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Machtrpolitiker
ein Machwerk geltungssüchtiger Machtpolitiker, die nur eines wollten, im Rampenlicht stehen
solch völlig unbekannte „Machtpolitiker im Rampenlicht“ wünschte ich mir öfter, die niemand kennt.
Redaktion benachrichtigen
#2   Agiafortuni   23:18:00 | Dienstag, 20. Dezember 2005
nicht mehr heimisch
Die Kirche ist nicht mehr die vertraute Umwelt von einst. sondern ein Machwerk geltungssüchtiger Machtpolitiker, die nur eines wollten, im Rampenlicht stehen und dazu waren sie bereit jahrhunderte alte und bewährte Traditionen über Bord zu werfen. Realismus und Klugheit, zwei Tugenden die stets kirchliches Handeln geprägt hatten, waren plötzlich nicht mehr in. Erzbischof Lefebvre gibt in seiner Kurzschrift Satan’s Meisterstück einen Ueberblick über die Frevel der Konzilspäpste.
Redaktion benachrichtigen
#1   Gotthard   23:12:13 | Dienstag, 20. Dezember 2005
oh, welche Inhaltsleere
Dieser Herr konnte nie – außer als Messdiener – ein Confiteor hören.
Es wurde schon immer ein Lied zum Einzug gesungen …die deutsche Bet-Sing-Messe scheint ihm aus dem Gedächtnis verschwunden zu sein.
Mozart- und Haydn-Messen gehörten nicht zur Standartausstattung katholischer Gemeinden … niemals! Sie waren Ausfluss finanzmächtiger Geldgeber… In solchen Messen triumphierte die Musik über das Mysterium … die Klientel war entsprechend … unterschied sich kaum von einem Konzertsaal. Nur „Kretie und Pletie des gläubigen Volkes“ waren dort nicht zu finden… die waren schon um 7 Uhr und 8 Uhr oder 9 Uhr in der Messe gewesen … und arbeiteten anschließend.
Zum Hochamt mit Orchestermesse kamen die Herrschaften … deren Bedienstete frühmorgens zur Messe mussten … nach der Orchestermesse wollten die Herrschaften ja zu Mittag essen…
so viel zur Sozialgeschichte der Liturgie bzw der Einbettung des Gottesdienstes in die Sozialgeschichte.
Dieser Schauspieler soll doch bei seinem Leisten bleiben … ist er hoffentlich auch …sein Buch und Interview sind schon uralt!
Hat die Redaktion wohl nicht so begriffen.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
Alte MesseDer Kardinal zelebriert die Alte Messe aus drei Gründen Alte MesseEin mysteriöses Dokument Alte Messe„Die Heilige Messe ist der Prototyp des Kunstwerkes“ Alte MesseGibt es ein kurieninternes Dokument gegen die Alte Messe? Alte MesseWird es eine weltweite tridentinische Personalprälatur geben? Alte MesseUngenaue Darlegung Alte MesseKommt sie, die Gegenrevolution? Alte MesseDer Tag und die Stunde Alte MesseDie Alte Messe ist auf der Bischofssynode kein Thema Alte MesseDas platte Produkt des Augenblicks Alte MesseOhne zu fragen Alte MesseDie Schlacht vom 7. Dezember 1962 Alte MesseLiturgische Zeitbomben Alte MesseFreigabe der Alten Messe? Alte MesseSiegerin über alle Häresien
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net