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Montag, 19. Dezember 2005 15:24
Nachruf auf Eugen Drewermann
Die Redaktion der Herder-Wochenzeitschrift ‘Christ in der Gegenwart’ betrauert in ihrer Weihnachtsnummer den Kirchenaustritt des Psychologen von Paderborn – und tröstet sich an Hans Küng.
Eugen Drewermann
Eugen Drewermann
(kreuz.net) ‘Christ in der Gegenwart’ weiß sich als Zeitschrift nach eigenen Angaben „allen Reformkräften verbunden“, die „für Gewissenserforschung, Umkehr, Wahrhaftigkeit, Freimütigkeit und eine geschwisterlich-dialogische Glaubenserneuerung“ eintreten.

Auch für viele Leser der Zeitschrift sei der Kirchenaustritt von Eugen Drewermann eine „sehr traurige Nachricht“ gewesen, heißt es in einem von der Redaktion unterzeichneten Beitrag.

Trotz vielfacher Kritik an seinem Weg, der ihn immer mehr in eine geistige Enge und in eine depressiv wirkende Dialogverweigerung geführt habe, hätten viele Drewermanns Bemühungen geschätzt, „dem christlichen Glauben eine Seele zu geben“ und ihn „mit psychologisch-wissenschaftlicher Erkenntnis“ zu verbinden:

„Denn extrem groß war die Kluft zwischen Theologie und Psychologie geworden.“

Drewermann habe angeblich „etlichen von der Kirche verletzten Menschen Brücken zur Kirche gebaut“.

Der Psychotherapeut sei persönlich eine tragische Gestalt geworden, indem er die „Tragik kirchlicher Schuldgeschichte“ und so mancher „lehramtlich-theologischer Sünden an der Seele der Menschen“ in sich selber hineingesogen habe.

Es stehe fest, daß auch das Lehramt am Prozeß fortschreitender Dialogverweigerung seinen erheblichen Anteil habe: „Es hätte anders kommen können, wenn man früher sensibler gewesen wäre.“

Papst Johannes Paul II. habe in seinem allgemeinen Schuldbekenntnis zum Jahr 2000 zwar einen Anfang gemacht, aber nicht ausdrücklich „die kirchlich erzeugten psychischen Krankheiten“ in den Blick genommen.

Drewermann habe diese Dinge aufarbeiten und den Menschen „einen Pfad aus der Höllenangst heraus aufzeigen“ wollen.

Unter den von ihm angeklagten Ängsten und Verklemmungen habe er selber gelitten. Ältere, welche die „vorkonziliare Zeit“ erlebt hätten, könnten das nachvollziehen:

„Uns Jüngeren, die ganz und gar nicht mehr an der Kirche leiden, ist jene Epoche fremdgeworden – und damit Drewermann. Diese Entfremdung hat seine Entfremdung vom kirchlichen Leben mit verschärft. Auch das gehört zur Tragik.“

Drewermann sei oft im gleichen Atemzug mit Hans Küng genannt worden: „Doch Küng hat trotz aller Wunden, die ihm vom Lehramt geschlagen wurden, durchgehalten.“

Ihm sei die „Treue und Nähe zu den Glaubenden in der Gemeinschaft des Glaubens“ und der Wille, ihnen einen „modernen und zukunftsfähigen Glauben“ zu stärken, wichtiger als alle „persönliche Zurücksetzung“ gewesen.

Die Begegnung mit seinem theologisch vielleicht schärfsten Kontrahenten, dem jetzigen Papst Benedikt XVI., sei auch ein Zeichen: „Entwicklungen sind möglich, die lange unmöglich schienen.“

Die Redaktion von ‘Christ in der Gegenwart’ abschließend:

„Die Kirche ist und bleibt unsere Heimat, was auch immer uns an ihr bedrückt, selbst bei noch so aufreibenden Konflikten, sei es mit Äußerungen des Lehramts, sei es mit Glaubenszweifeln in uns selbst.“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 30 Lesermeinungen:
Freitag, 17. März 2006 16:15
Benedikt: @ Hrodgar
Ich habe mal gelernt:
Die Katholische Lehre fußt auf die Schrift, die Tradition und ihren lebendigen Leib Christi, die Glaubenden.


Richtig. Und wenn die Bischöfe dulden, dass jeder aus der Bibel herausliest, was ihm gerade einfällt (wie Drewermann: Shiva als notwendige Ergänzung zu Jesus), dann ist die Tradition und das Schriftverständnis aufs ärgste gefährdet. Wie sie vielleicht wissen bedarf die Schrift der Auslegung. Und dafür sind die Bischöfe zuständig. Mit geistiger Gleichschaltung hat das gar nichts zu tun. Wenn ein Sozilehrer Ihnen beibringt, dass nur die Demokratie segensreich ist, ist dass dann auch geistige Gleichschaltung? Das ist doch Unsinn. Wer im Namen der Kirche lehre will, der muss auch deren Lehre verkünden. Das ist überall so, im Staat, in den Medien usw.

Die Christen vertrauen ihren Priestern und Führern, die alle Glaubenden gleichschalten.

Sie haben gar nicht begriffen, was ich gesagt habe. Es geht nicht um ALLE, sondern um die, die IM NAMEN DER KIRCHE lehren. Soll der Glaube so wie ihn die Kirche tradiert erhalten bleiben, so ist es nicht möglich, dass diese Leute lehren, was ihnen gefällt, da dann der ursprüngliche Glaube verlorenginge.

Aber glücklicherweise sagt Herr Benedikt ja selbst: Seine Irrige Meinung sei Irrelevant.

Hätten Sie auch nur im Ansatz begriffen, was ich sagen wollte, dann hätten Sie schon aus diesem Satz erkannt, dass es eben nicht um Gleichschaltung geht.
Freitag, 17. März 2006 08:30
Hrodgar: Vertrauen
Zitat: Hätte man das von Anfang an so gehandhabt, dann gäbe es den Glauben heute nicht mehr.
Ich habe mal gelernt:
Die Katholische Lehre fußt auf die Schrift, die Tradition und ihren lebendigen Leib Christi, die Glaubenden.

Jetzt lerne ich von Benedikt:
Nur eine geistige Gleichschaltung, eine obrigkeitliche Begrenzung und strikte Lenkung dessen was gesagt werden darf, erhielt den Glauben bis heute.

Die erste Meinung zeugt davon, die Christen hätten vertrauen in die Lenkung durch ihren Gott, der ALLE Glaubenden anspricht.

Benedikt verkündigt:
Die Christen vertrauen ihren Priestern und Führern, die alle Glaubenden gleichschalten. (wo kommt Gott da vor?)

Aber glücklicherweise sagt Herr Benedikt ja selbst: Seine Irrige Meinung sei Irrelevant.

Soweit eine nüchterne Textbetrachtung durch einen Außenstehenden. Meine Meinung kennen Sie ja, die ist ganz anders…
Sonntag, 1. Januar 2006 18:07
Benedikt: @ Finthen
Wer wird denn gleich beleidigt sein? Dass Hr. Drewermann Unfug gelehrt und verbreiten hat wurde von offiziellen Stellen der Kirche festgestellt und ergibt sich objektiv nachweisbar aus seinen Texten. An einer Diskussion war Hr. Drewermann weniger interessiert, um so mehr aber an eine Gerierung als armer von der bösen Kirche Verfolgter.

Und Sie sind auch im Vollbesitz aller katholischer Glaubendinge?

Ich bin kein Theologe. Sollte ich mich in irgendeiner Frage irren, so ist das irrelevant. Wenn aber ein Theologe absichtlich Irrlehren verbreiten, so trägt er aktiv zur Zerstörung des Glaubens bei, denn seine Schüler sind ja die Theologieprofessoren von morgen, die diesen Unsinn dann noch weiter verbreiten und mit weiteren Absurditäten anreichern.

Ich fürchte, Sie hocken seit Kindertagen eine Parklücke zu und verwechseln katholischen Glauben mit einem Subordinationssystem.

Sie verwechseln dafür den Katholizismus mit einer theologischen Bastelstube, bei der die Bischöfe jeden noch so großen Schwachsinn dulden müssen. Hätte man das von Anfang an so gehandhabt, dann gäbe es den Glauben heute nicht mehr.
Sonntag, 1. Januar 2006 17:57
clemens: @Finthen
aber ich hätte mir eine faire wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihm gewünscht

Ich wage zu zweifeln, dass Herr Drewermann das wünscht.

Dank an Catharina
Sonntag, 1. Januar 2006 17:41
Finthen: @Benedikt
Und Sie – Benedikt XY. – sind so ein geistiger Vater, der beurteilen kann und darf, wer alles seelenheilgefährdenden Unfug verbreitet? Ihr Ton klingt ja so oberlehrerhaft, als seien Sie Angestellter der heiligen Inquisition. Und Sie sind auch im Vollbesitz aller katholischer Glaubendinge? Ich fürchte, Sie hocken seit Kindertagen eine Parklücke zu und verwechseln katholischen Glauben mit einem Subordinationssystem. Tut mir leid, ich habe nie auf Drewermann geschworen, – aber ich hätte mir eine faire wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihm gewünscht – auf Sie möchte ich es aber noch weniger tun.
Freitag, 30. Dezember 2005 20:56
Benedikt: @ Finthen
Sie verstehen das völlig falsch: Hr. Drewermann kann tun und lassen was er will. In dem Moment, wo er sich aber aus freier Entscheidung entschlossen hat, kath. Theologe und damit Lehrer in Glaubensdingen zu werden, hat er die Pflicht, die katholische Lehre zu verbreiten und nicht das Volk durch Irrlehren und (Aufforderung zur) Insubordination der Kirche abspenstig zu machen. Da er es trotzdem getan hat, darf er sich über die entsprechenden Beschwerden nicht wundern. Es geht hier immerhin nicht um einen Streit um irgendeine Parklücke, sondern um das ewige Heil der Menschen, das Drewermann mit seinem Unfug gefährdet hat.
Wenn er Schwierigkeiten mit der Lehre hat, so hätte er genug Verstand haben können, diese Zweifel nicht auch noch unters Volk zu streuen, sondern sich lieber einen geistigen Vater zu suchen, der einem durch die schwierige Zeit hilft oder aber einen Schlussstrich unter die Lehrtätigkeit zu setzen.
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