Der Jesuit möchte damit aufhören
Die aktive Rolle der Lokalregierung von Goa (Indien) bei der diesjährigen Ausstellung der Reliquien des hl. Franz Xaver weckt in einem altgedienten Jesuiten Erstaunen und mehr.

Goa befindet sich an der indischen Westküste und ist der kleinste indische Teilstaat. Bis 1961 gehörte das Gebiet zu Portugal. Die Katholiken machen in Goa 29% der 1.3 Millionen Bevölkerung aus.
Der hl. Franz Xaver war ein direkter Weggefährte des hl. Ignatius von Loyola, des Gründers der Jesuiten, und gilt als der Missionsheilige schlechthin.
Der Leichnam des Heiligen Franz Xaver, der auf einer Insel vor dem chinesischen Festland starb, wurde später nach Goa überführt und am 2. Dezember 1637 in einen Silbersarg gelegt. Seit dieser Zeit wurde der Leichnam 15 Mal ausgestellt. Das erste Mal im Jahre 1782. Zum letzten Mal war er 1994 zu sehen.
P. de Souza war bereits bei der Ausstellung der Reliquien im Jahre 1952 dabei. Er meint, daß die Hilfe der Landesregierung von Goa jede bisher gezeigte Unterstützung übersteige: „Das ist eine große Überraschung.“
Die Lokalregierung hat ungefähr 40 Millionen Rupien (700 Euro) aufgewendet, um die Infrastruktur für die Pilger zu verbessern. Das ist in einem Land mit einem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 500 Euro keine geringe Summe. Daneben wurden Pilgerplätze eingerichtet, zusätzliche Busse organisiert und Broschüren mit den Plänen der Kirchen gedruckt. Ebenfalls wurde in Alt Goa, dem historischen Kern der Stadt, die Straßenpflasterung ersetzt, obwohl das eigentlich die Aufgabe der Zentralregierung wäre.
Alt Goa war ursprünglich unter dem Namen „Goldenes Goa“ bekannt, verkam aber im Gefolge von Kolonialkriegen immer mehr zu einer Ruinenstadt. Heute steht Alt Goa unter der Aufsicht des zentralen archäologischen Dienstes von Indien.
In Vorbereitung auf den Pilgerstrom kümmerte sich die Landesregierung auch um die Sicherheit in Alt Goa und erklärte die Zone für verkehrsfrei. Nicht weniger als zehn Bewachungsunternehmen wurden angeheuert, um die Sicherheit der Pilger zu garantieren. Ferner wurden 300 Millionen Rupien (5000 Euro) eingesetzt, um neue Zugangswege nach Alt Goa zu bauen.
Die Regierung erwartet für die 43 Tage, an denen der einbalsamierte Leib des Heiligen gezeigt wird, ungefähr 3 Millionen Pilger.
Die Unterstützung der Regierung ist erstaunlich, weil der hl. Franz Xaver Tausende von Konversionen hervorgebracht hat und die gegenwärtige Regierungspartei in Goa sich gegen Konversionen ausgesprochen und in einigen indischen Teilstaaten, wo sie regiert, sogar Konversionsverbote erlassen hat.
Die Lokalregierung von Goa wird allerdings von Katholiken in und außerhalb der Partei unterstützt. Beobachter deuten darauf hin, daß in Goa keine politische Gruppe ohne die Unterstützung der Katholiken an die Macht kommen kann. Noch vor wenigen Jahren machten die Katholiken in Goa fast die Hälfte der Bevölkerung aus.
P. De Souza hat jüngst eine Kontroverse entfacht, als er forderte, daß die Reliquien des hl. Franz Xaver an einen sichtbareren Ort umgebettet würden, so daß man künftig auf die alle zehn Jahre stattfindenden Ausstellungen verzichten könnte.
Die Ausstellung sei kein Anlaß, die Andacht der Gläubigen zu vermehren, sondern vielmehr eine Geschäftemacherei, meinte der Jesuit.
„Solche Ausstellungen zwingen die Armen zu reisen und Geld auszugeben, um die Reliquien zu verehren“, erklärte der Jesuit. Oft würden Arme aus Goa die heiligen Stätten nur besuchen, um von ihren Mitchristen nicht schräg angeschaut zu werden.
Der hl. Franz Xaver, ein baskischer Edelmann und Jesuit, landete am 6. Mai 1542 in Goa. Von dort reiste er als Missionar in verschiedene Teile Asiens.
Die Kirche zelebriert das Fest des hl. Franz Xaver am 3. Dezember. Der rechte Arm des Heiligen, mit dem er Tausende von Heiden taufte, wird in der römischen Jesuitenkirche „Chiesa del Gesù“ aufbewahrt und den Gläubigen heute gezeigt und zur Verehrung gereicht.
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