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Mittwoch, 21. Dezember 2005 09:33
Römische Tischgespräche
Eine traditionalistische Webseite veröffentlichte einen Vortrag, in dem der Generalobere der Piusbruderschaft über sein jüngstes Treffen mit Kardinal Castrillón berichtet.
Rechts: Mons. Bernard Fellay
Rechts: Mons. Bernard Fellay
(kreuz.net, Rom) Kürzlich traf sich Mons. Bernard Fellay – der Generalobere der Priesterbruderschaft St. Pius X. – mit dem für die Gläubigen des Alten Ritus zuständigen Kurienkardinal Dario Castrillón Hoyos.

Über diese Begegnung sprach Bischof Fellay bei einem Vortrag am Sonntag, dem 11. Dezember. Der Bischof sprach in der Kirche St-Nicolas du Chardonnet in Paris vor etwa 1000 Leuten.

Die Ansprache ist im Internet im französischen Originalton abhörbar und dauert etwa 90 Minuten.

In seinen Ausführungen erklärt Mons. Fellay, daß sich die Piusbruderschaft in ihrem Verhältnis zur Römischen Kirche an der Haltung ihres Gründers, Erzbischof Marcel Lefèbvre († 1991), orientiere.

Die Bruderschaft fordere eine Unabhängigkeit vom „modernistischen Rom“, lehne aber jede Form des Sedisvakantismus ab, das heißt, sie anerkenne die gegenwärtige kirchliche Hierarchie.

Nach Angaben von Mons. Fellay weiß in Rom niemand genau, was der Papst plant. Es gebe im Vatikan zur Zeit viele Gerüchte, aber gehandelt werde wenig.

Unter den Gerüchten erwähnt Mons. Fellay eine Interpretation der „Beförderung“ von Erzbischof Domenico Sorrentino, der bisher der zweite Mann in der Gottesdienstkongregation war. Erzbischof Sorrentino wurde im November zum Bischof von Assisi ernannt.

Mit dieser Ernennung soll er angeblich für eine „boshafte und provokative“ Erklärung gegen die Alte Messe im letzten August bestraft worden sein.

Mons. Sorrentino sei auch dafür verantwortlich, daß ein Dekret zur Freigabe der Alten Messe, das nach der letzten Bischofssynode publiziert werden sollte, blockiert wurde.

Dennoch betonte Bischof Fellay, daß die Tradition heute in Rom mehr Gewicht habe und daß der Alte Ritus inzwischen von vielen als legitim akzeptiert werde.

Allerdings terrorisiere ein „mächtiges neomodernistisches Netzwerk“ die Bischöfe und den Klerus, um einen Fortschritt in diese Richtung zu verhindern.

Dieses Netzwerk sei in der Hierarchie sehr mächtig und versuche, jede Bewegung des Papstes in Richtung auf die Tradition und die Alte Messe zu blockieren.

„Eines ist sicher“, erklärt Mons. Fellay, „die Progressisten sind gegen den Papst“.

Sie hofften auf ein kurzes Pontifikat und darauf, daß der nächste Papst aus ihren Reihen kommen werde.

Eine volle Freigabe der Zelebration der Alten Messe sei unter diesen Umständen kurzfristig nicht zu erwarten. Der Papst selber wünsche sich eine allgemein bessere Atmosphäre im Bereich der Liturgie, bevor er in dieser Richtung weiterschreiten wolle.

Mons. Fellay erklärte weiter, daß man im Vatikan seit einem Jahr – also bereits vor der Wahl von Benedikt XVI. – daran arbeite, den altrituellen Gemeinschaften einen neuen Status und mehr Gewicht zu geben.

Ein Zugeständnis an die traditionalistischen Gläubigen sei vielleicht im Sinne der Regelung zu erwarten, die mit der brasilianischen Diözese Campos erreicht worden sei.

Diese verweigerte nach dem Zweiten Vatikanum die Einführung der Neuen Liturgie und verband sich mit der Priesterbruderschaft St. Pius X., bis im Jahr 2002 eine Einigung mit Rom zustande kam.

Danach wurde eine Personaldiözese errichtet, die weiterhin im Alten Ritus zelebriert.

Ernsthafte Konfliktpunkte zwischen der Piusbruderschaft und dem Papst bestehen nach Aussage von Mons. Fellay in erster Linie in der Beurteilung des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Das Konzil sei für den Papst ein „Tabu“, vor allem wenn die Lefèbvristen versuchten, einige theologische Punkte im Konzil zu debattieren.

Es wurde den Traditionalisten in der Vergangenheit zwar erlaubt, eine Liste von Dubia – theologischen Zweifeln – einzureichen, aber nach Aussagen von Mons. Fellay scheut Rom den theologischen Dialog über das letzte Konzil.

In seinem Vortrag würdigt Mons. Fellay die Worte von Kardinal Castrillón anläßlich eines Fernsehinterviews mit dem italienischen Fernsehen. Darin erklärte der Kardinal, daß man nicht von einem Schisma zwischen Rom und der Piusbruderschaft sprechen könne.

Es gebe auch ernsthafte Anstrengungen, die Exkommunikation der Bischöfe der Priesterbruderschaft – Mons. Fellay nannte sie eine „Vogelscheuche“ – aufzuheben.

Der Bischof erklärt ferner, daß junge Priester in vielen Ländern den Alten Ritus lernen würden.

Ebenso sei die Zahl der Bischöfe, welche um eine Freigabe der Alte Messe bitten würden, nach Angaben von Kardinal Castrillón am Wachsen. In jüngster Zeit hätten sich diesbezüglich alleine fünf spanische Bischöfe gemeldet.

Allgemein ist der Ton des Vortrages von Mons. Fellay sehr gemäßigt und ermutigend. Der Bischof bezeichnet das Arbeitsessen mit Kardinal Castrillón als „fruchtbar“.

Es gebe – ohne falschen Illusionen zu verfallen – mehr Grund zur Hoffnung als zur Unzufriedenheit.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 48 Lesermeinungen:
Samstag, 24. Dezember 2005 09:57
Josef Gadient: Athanasius und Dr. Regazzoni…,
ich stimme mit euch überein. Die Früchte des NOM sehen wir ja und der Priestermangel für die Zukunft sagt ja alles. Interessant, diesbezüglich haben die Anhänger der tridentinischen Messe keinen Priestermangel. Den Geschmack dieser Frucht hat man bis zur Einführung des NOM gekannt und zwar über Jahrhunderte! Keine Angst, sie kommt wieder, doch Gut Ding und Gottes Werke wollen Weile haben. Die Spreu ist daran, sich vom Weizen zu trennen.
Freitag, 23. Dezember 2005 21:15
Agiafortuni: Athanasius
Meine Wahl habe ich vor acht Jahren getroffen und bis heute nicht bereut. Ein herrliches Erlebnis war es für mich als ich bei meinem ersten Besuch bei der Priester-bruderschaft den Priester nach dem „asperge“ die Worte sprechen hörte: „Introibo ad altarem Domini“. Es ist mir völlig unverständlich, dass man an Stelle dieses wunderbaren Gebetes die Begrüssung der Gemeinde durch den Priester gesetzt hat.
Freitag, 23. Dezember 2005 13:28
Athanasius: @Dr. Regazzoni
Und das ernste ist, dass es nicht nur an Einzelkeiten liegt, aber dass die ganze Neue Messe (Novus Ordo Missae) mit von Protestanten zusammengestellt wurde. Die Definition von 1968 „Die Messe oder das Mahl des Herrn, ist die heilige Versammlung des Volkes Gottes unter Vorsitz des Priesters“ ist häretisch und lutherisch. Dass der Mensch Zentral steht anstatt Christus kommt in der Zelebration auch immer hervor. Mit „Würde“ kann der NOM zelebriert werden, sondern mit Rechtgläubigkeit und Ausdruck des Messopfer wohl nie. Das haben Kardinal Ottaviani und Bacci 1969 auch ausdrücklich gesagt. Der treue Katholik müsse wählen, für oder gegen das Konzil von Trient. Also dafür. Dann auch NUR die Tridentinische Hl. Messe, missa de semper.
Freitag, 23. Dezember 2005 10:20
Agiafortuni: Zum NOM
Der NOM ist deshalb unzuläglich und dementsprechend schlecht, weil das Sakrale zu Gunsten der Gemeinschaftlichkeit zurückgestellt wird. Erzbischof Montini hatte diese Forderung bereits in seinem
Fastebrief 1958 ausgesprochen und damit den Unmut Pius XII hervorgerufen. Zwar gibt es Prälaten und dazu rechne ich Benedikt den XVI, die den NOM mit einer gewissen Würde feiern, bei anderen entartet er jedoch völlig. Dies war leider bei JP II der Fall als er bei Heiligsprechungen afrikanische Tänze aufführen liess.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 22:52
Athanasius: Auch ich…
…muss aber hier doch Benedikt Recht geben. Die Änderungen in der tridentinischen Hl. Messe hat es immer gegeben. Obwohl auch ich die Karwocheliturgiereform negativ empfinde, kann man ja das gleiche sagen über die Entfernung von Festen unter den Pontifikaten von Hl. Pius X. und Leo XIII. (Feste zu Ehren Heiliger des A.T. wurden darin gestrichen). Und unter dem Hl. Papst Pius X. wurde auch eine Revision der Rubriken vorgenommen. Allerdings blieb der Ritus da der Ritus. Das ist aber 1969 absolut nicht der Fall gewesen, und auch in 1965-1967 nicht mehr, da Änderungen in Offertorium usw. bereits gab. Man muss halt zum Ritus schauen, nicht zu den Rubriken. Obwohl ich Fr. Gregor Hesse Recht gebe.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 22:36
Benedikt: @ Gatte
Schön. Wenn es nicht signifikant ist, dass ein Formular hinzugefügt wird, dann ist es auch nicht signifikant, wenn eines gestrichen wird. Auch ein weggefallenes Confiteor kann man kaum als signifikante Änderung bezeichnen.
Ich will das ganze nicht mal so auf einen konkreten Fall beziehen, mE ist es einfach nicht möglich, dass sich jeder hier sein eigenes Messbuch aussucht. Und wie Sie selber gesagt haben ist es unter den Gemeinschaften des Alten Ritus offenbar keineswegs Konsens, dass noch ältere Messbücher als das von 1962 bzw 1954 benutzt werden.
Das führt ja wirklich schon zu einem praekonziliaren (=iSd Trienter Konzils) Zustand der völligen liturgischen Uneinigkeit. Gerade das läuft dem Sinn der ganzen Reform Pius’ V. dann doch ziemlich entgegen.
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