Orden
Vatikanisches Dokument mit Pferdefuß
Im Namen seiner Heiligkeit, Papst Benedikt XVI., schickte der vatikanische Staatssekretär dem Großmeister der sogenannten ‘Militia Templi’, Prof. Dr. Bernd F. W. Schwenteck, offenbar den apostolischen Segen.
(kreuz.net, Potsdam) Im Brief, der auf den 1. Oktober datiert und im Internet als Faximile publiziert ist, schreibt Kardinal Sodano, daß sich der Papst noch gut an sein Treffen mit Großmeister Schwenteck erinnere und ihm seine persönlichen Grüße ausrichte.

Dann folgt ein spektakulärer historischer Exkursus:

Seit Auffinden eines Briefes von Papst Clemens V. († 1314) sei klar, daß der Templerorden im Jahre 1307 – dem Jahr der Verhaftung der Templer in Frankreich – und auch vorher unschuldig gewesen sei.

„Darum erklären Wir, daß die Inspektion und die Aufhebung des Ordens, die 1312 in Vienne vom Papst beschlossen wurden, ganz und gar verfehlt waren.“

Der Templerorden wurde im März 1312 von Papst Clemens V. auf dem Konzil von Vienne in Frankreich aufgelöst.

In seinem Schreiben erlaubt Kardinal Sodano dem Großmeister des „Supremus Ordo Militaris Equitium Teutonicorum“, daß seine Truppe fortan den alten und ehrwürdigen Namen „Pauperes Commilitones Christi Templique Salomonis’ gebrauchen dürfe.

Es kommt noch besser.

Der Kardinal fordert alle anderen existierenden Vereinigungen, Clubs oder Gesellschaften von Templern auf, sich der Schar Schwentecks anzuschließen.

Abschließend erklärt der Kardinal, daß der Heilige Vater der Vereinigung von Herzen für alles danke, was sie in den letzten Jahren vollbracht habe.

Wer die kuriale Sprache und Briefgestalt kennt, ist über das ritterlich-bunte Layout und die unrömische Syntax und Sprache etwas überrascht.

Die ‘Märkische Allgemeine Zeitung’ bestätigte kürzlich diesen Eindruck und berichtete, daß die Apostolische Nuntiatur in Berlin das Schreiben nach Rücksprache mit dem Vatikan als Fälschung bezeichnet habe.

Die ständige Vertretung des Heiligen Stuhles in Berlin soll den Großmeister der ‘Militia Templi’, Prof. Dr. Bernd F. W. Schwenteck, sogar bei der Staatsanwaltschaft Potsdam angezeigt haben.

Vorgeworfen werde dem 61jährigen angeblich Fälschung einer Papsturkunde, mißbräuchliche Verwendung eines vatikanischen Siegels und Fälschung der Unterschrift von Kardinal Sodano.

Offizielle Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft und der Nuntiatur gibt es bisher keine.

Nach Zeitungsberichten weist der Großmeister die Vorwürfe von sich und beteuert, erst am 15. Dezember eine Email von Kardinal Sodano erhalten zu haben, worin dieser die Authentizität des Schreibens bestätige.

Etwas abenteuerlicher klingt Schwentecks Aussage, wonach ein gewisser Giovanni Piazza – ein hohes Mitglied des päpstlichen Ordens der Pontifikalritter [sic] – zugegen gewesen sei, als Kardinal Sodano seinen Oktober-Brief unterschrieben habe.

Er könne sich das gegenwärtige Mißverständnis nicht erklärten, so Schwenteck: „Ich weiß nicht, was dahinter steckt, vielleicht Richtungskämpfe im Vatikan?“

Jedenfalls will er im Januar zur Klärung der Angelegenheit nach Rom reisen. Zudem sei ein graphologisches Gutachten zum Brief in Arbeit.

Großmeister Schwenteck – der sich auch Bernd Friedrich Wilhelm Schwenteck Prinz von Mistra und Fürst von Balga nennt – ist offenbar ein Protestant mit einer starken Schwäche fürs Barocke.

Er führt in Potsdam bei Berlin eine bunte Gruppe von Rittern, die sich vor allem durch ihre glanzvollen Monturen sowie durch gesellschaftliche Anlässe auszeichnen.

Im Mai 2004 hielten die Ritter nach einem Bericht des Pfarrblattes der Katholischen Kirchengemeinde Potsdam in der dortigen Propsteikirche eine Investitur.

Dabei erschien ein – folklorisches – Traditionsregiment in Uniformen des 18. Jahrhunderts und zog unter Fanfarenklängen, gefolgt von Ritterdamen und Rittern im Ordensmantel in die Kirche ein.

Der örtliche Propst zelebrierte die Messe. Ihr folgte eine feierliche Fahnenweihe und der Ritterschlag für mehrere neue Ordenangehörige.
      
10 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#10   milan scout   07:36:36 | Freitag, 23. Dezember 2005
Heiligkeit
Was heisst der Begriff „Heilig“ und „Selig“ per Definition? Was muss ich mir darunter vorstellen, wenn jemand Heilig gesprochen wird?
Antworten bitte an milan_scout@yahoo.de
Redaktion benachrichtigen
#9   Athanasius   21:46:09 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
Gruppe
Die von mir verlinkte Gruppe (unten) ist aber diözesan anerkannt.
Redaktion benachrichtigen
#8   Robert Ketelhohn   10:32:24 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
plump
Ich erlaube mir, einmal zu zitieren, was ich Anfang November auf diesbezügliche Anfragen schrieb:
Schwentecks Verein ist bisher in keiner Weise irgendein anerkannter
Orden oder ein kirchliches Institut. Es ist darum völlig absurd, der
Papst oder sein Staatssekretär könnten diesen Verein „autorisieren“,
den alten Namen des Templerordens zu führen, und obendrein auch
noch anordnen, die Mitglieder aller übrigen Clubs, Vereinigungen und
Gesellschaften von „Templern“ müßten dem nun auch ausdrücklich
so genannten „Orden“ Schwentecks beitreten.
Wo ist die Ordensregel? Oder gibt es irgendwelche Statuten? Hat die
Kirche sie geprüft? Wurde der Orden daraufhin kanonisch errichtet?
Nichts dergleichen. Dies angebliche Schreiben Sodanos ist ein Witz.
Ebenso wie Schwentecks Fürstentitel. Ich vermute allerdings, daß je-
mand den armen Herrn Schwenteck hereingelegt hat. Selber kann er
so blöd kaum sein nicht zu wissen, daß solch ein Schwindel kurze
Beine hätte und am Ende er als der Gelackmeierte dastünde.
Redaktion benachrichtigen
#7   Athanasius   23:42:19 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Redaktion benachrichtigen
#6   GerdEric   13:35:20 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Mich wundert,
dass kreuz.net dies erst jetzt zu einem Thema macht…
z.B. bei kreuzgang.org ist das Thema schon seit Wochen durch (Gruss an meinen „lieben“ Robert).
Redaktion benachrichtigen
#5   Dr. Otterbeck   13:33:52 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Fehlentscheidungen
auch des „gewöhnlichen“ römischen Lehramtes sind ungewöhnlich selten. Peter Seewald erinnert in seinem Porträt aus der Nähe (zu BXVI) daran, dass, völlig überraschend, selbst die barockesten Renaissancepäpste in kirchlichen Fragen nie ein Dokument von Rang herausgelassen haben, das sie später kassieren mussten. Der Fall Galilei ist mittlerweile geklärt; die Verbrennung von Jan Hus hat das Konzil zu Konstanz zu verantworten, das für die Kirche nur in dem Maße verbindlich ist, wie es die Päpste umgesetzt haben, vor allem Martin V. Roncalli, als Johannes XXIII, hat, mit hervorragenden Kenntnissen der Kirchengeschichte ausgestattet, den Vorgänger gleichen Namens, der das Konstanzer Konzil einberief, bewusst delegitimiert –- und damit zugleich den Konziliarismus. Wir sollten uns also nicht wundern („Mirari vos“), dass in der Abfolge der Akten des „V 2“ dem LG-Schlusskapitel über Maria sofort jene Nota explicativa folgt, die das petrinische Prinzip einschärft. Jene Nota hat Ratzinger im LThK kommentiert. Alle Tradi sollten das mal lesen, um sich mit „le pierre vivant“ vertraut zu machen.
Mit anderen Worten: Das Verbot der Templer war vermutlich ebenso richtig wie –- horribile dictu –- der Novo Ordo Missae, buchstäblich in letzter Sekunde angeordnet, vor dem völligen Zusammenbruch des opus dei inmitten der modernen Welt.
Redaktion benachrichtigen
#4   griffo   13:24:38 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Fälschung?
„Newsletter“ von Radio Vatikan 19.12.: „Der Heilige Stuhl hat Meldungen dementiert, daß er den Internationalen Templer-Orden anerkannt habe. Ein entsprechendes Schreiben mit päpstlichem Wappen…sei eine Fälschung…“ Ich kann es auch nicht glauben, weil Sodano als „Außenminister“ des Vatikan in diesem Fall nicht der zuständige Mann ist, ein derartig wichtiges Dokument zu unterzeichnen. Die Rücknahme des Ediktes wäre zwar schön, weil die historische Wahrheit, wie man heute weiß, etwas anders war. Da jedoch dieses „Dokument“ jedoch nicht durch den Vatikan selbst, sondern auf sehr merkwürdige Weise in die Öffentlichkeit geriet, ist allergrößte Vorsicht geboten.
griffo
Redaktion benachrichtigen
#3   zwobbel   12:41:07 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Was soll der bisher positives für die Kirche getan haben?
Ich habe den Schwenteck mal persönlich reden gehört.
Vielleicht ist er durch die Taufe theoretisch Christ.
Aber praktisch leugnet er so ziemlich alles:Göttlichkeit Jesu, Auferstehung…
Das er dabei kirchenfeindlich ist versteht sich von selbst.
Er gibt zu das der damalige Vorgewurf des Hochmuts nicht widerlegt werden konnte und gibt sich alle Mühe ihn auf für die heutigen Ritter zu bestätigen. Gnostik usw.
Aber eine einfache Frage könnte die Sache schon erhellen:
Hatte BenediktXVI. (oder Card. Ratzinger) jemals ein Treffen mit Schwenteck?
Redaktion benachrichtigen
#2   FioreGraz   12:07:27 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
?????????
Ich weiß gar net wie jemand glauben kann das das Dokument echt sei?
Warum sollte der hl. Stuhl (so unergrünbar seine Entscheidungen oft auch sein mögen), nen Sauf und Folkloreverein plötzlich als Nachfolgeorden der Templer anerkennen?
Da versuchte wohl jemand die pipinsche Schenkung nachzuahmen, nun da müssen die wohl ein bisserle früher aufstehen um die Kirche übers Ohr zu hauen.
Ich sag dazu nur lasst ihnen die Freud, teilt sie ein zum Schutz des hl. Landes und der Pilger – gemäs ihrem Auftrag (also ab auf die Golanhöhen) und die Sache hat sich schnell erledigt. 99.999999999999999% werden gleich austreten, der Rest, kapituliert dort nach 24h.
LG
Fiore
Redaktion benachrichtigen
#1   Laurentius2   11:40:42 | Mittwoch, 21. Dezember 2005
Unbedingt weiterrecherchieren!
Danke, kreuz.net !
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
OrdenAnsturm auf Frauenklöster OrdenInterreligiöser monastischer Dialog OrdenDisziplinierung der Franziskaner? OrdenHaben die Mönche selber den Film gesehen? OrdenVor 20 Jahren war die Nonne kommunistische Bürgermeisterin OrdenDie große Stille OrdenBlitzstrahl aus dem Vatikan OrdenVertrauensselig OrdenHeizöl statt Klosterauflösung OrdenDem Tod in die Augen geschaut OrdenNeuer Abt in Ettal OrdenVon der Wirklichkeit eingeholt? OrdenO ja, der Rückzug aus der Welt ist wie ein Sterben OrdenAls Papst Paul VI. die Kirche vor der Katastrophe rettete OrdenArm an Brot, aber reich an Musik
RSS Feed  •  News Ticker  •  Werbebanner  •  Visitenkarte  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net