Nach einer Brautmesse nahmen die Mitglieder des Kirchenchors Saint Pierre Claver am 2. Dezember hinter dem Rücken des Pfarrers umgerechnet 45 Euro an. Danach brach der Krieg aus.
(kreuz.net, Douala) Als der Pfarrer von der Geldangelegenheit erfuhr, ließ er seinem Zorn gegen den Kirchenchor
während der Heiligen Messe des folgenden Tages freien Lauf.
Der Vorfall ereignete sich in der Erzdiözese
Douala im westafrikanischen Staat Kamerun. Das berichtete die lokale Tageszeitung ‘Mutations’ am vergangenen
Dienstag.
Das Verhältnis zwischen Hirt und Herde ist – wie es scheint – schon seit Jahren gestört.
Die Pfarreimitglieder ließen sich den jüngsten Wutanfall des Pfarrers nicht bieten und gingen zum Angriff
über.
Am vergangenen Wochenende zogen sie in die Landeshauptstadt Douala und schwenkten in den Straßen
Plakate gegen ihren Pfarrer.
Angeführt wurde die Gruppe von Mitgliedern des Kirchenchors. Der Protestmarsch
endete vor der Kathedrale. Dort veranstalteten die Streiker ein kleines religiöses Konzert. Die örtlichen
Katholiken zeigten sich von diesem Schauspiel nicht wenig überrascht.
Mit ihren Transparenten versperrten
die Demonstranten auch den Zugang zu den Gemächern des Erzbischofs von Douala, Christian Kardinal Tumi.
„Vaterunser, der du bist im Himmel, komm uns zu Hilfe!“ riefen die aufständischen Gläubigen vor der
Wohnung des Kardinals.
In einem an Kardinal Tumi gerichteten Memorandum verlangen sie, daß ihr Pfarrer,
Abbé André Fils Mbem, die Verantwortung für den Kirchenchor, der angeblich die Haupteinnahmequelle
der Pfarrei ist, sofort abgebe.
Außerdem solle er auch die drei letzten Finanzabrechnungen des Chors
vorlegen und dem Chor einen Teil des Erlöses aus dem ‘Festival der Religiösen Musik’ übergeben, das
im September 2004 stattfand.
Außerdem möge der Geistliche mit den Beleidigungen und Drohungen aufhören,
die er jeden Sonntag während der Messe von sich gebe.
„Es ist nicht unsere Art, die Geschehnisse in
unserer Pfarrei breitzuschlagen. Doch die gegenwärtigen Priester tragen dick auf“, beklagte sich ein
Laie der Pfarrei:
„Unser Priester will alles kontrollieren, vor allem die Kasse.“
Pfarrer André Fils
Mbem erklärte dagegen, daß er das Geld, das vom Chor eingenommen werde, mit größter Transparenz verwalte:
„Ich kann ihnen die Unterlagen des Chores zeigen. Er besitzt gegenwärtig 61 Euro. Der Chor verlangt
die Finanzabrechnungen der letzten drei Jahre. Warum nur für diese Zeit? Sie sollen bitte sagen, was
sie vorher mit dem Geld gemacht haben.“
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3 Lesermeinungen
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#3 kreuzbrav 08:30:43 | Freitag, 23. Dezember 2005
Konfliktlösung nach Paulus empfohlen So etwas kommt vor und ist traurig. Aber warum wird dann in kreuz.net
darüber berichtet? Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Auseinandersetzung kommt wohl nur die Sensationslüsternheit
auf ihre Kosten. Offenbar sind die paulinischen Konfliktlösungsstrategien vor Ort noch nicht ausgeschöpft.
Das sollte im Interesse aller (des Herrn als Haupt der Kirche) zuerst geschehen.
#2 ExBochumer † 12:02:24 | Donnerstag, 22. Dezember 2005
Pfarrer hält Hand auf … Aber ein Priester der katholischen Kirche – was besonders schlimm für Afrika
ist – darf Gelder verwalten? Offenbar scheint dort in dieser genannten Pfarrei etwas im Argen zu liegen.