09:54:51 | Montag, 26. Dezember 2005
Der suspendierte Ex-Pfarradministrator Franz Sabo von Röschenz setzte in seiner gestrigen sogenannten Weihnachtspredigt seinen Privatfeldzug gegen Kirche und Papst mit jeder Menge Beschimpfungen von der Kanzel fort. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Röschenz) Seine Weihnachtstiraden spielte der
Ex-Pfarradministrator auch der Schweizerischen
Boulevardzeitung ‘Sonntagsblick’ zu.
Offensichtlich hat er selber gemerkt, auf welchem Niveau seine Ausfälle
waren.
Der amtsenthobene Priester verkündigte zu Beginn der angeblichen Predigt, daß die Geburt Jesu
eine „Vorgeschichte“ besitze. In der „heutigen“ Sprache bedeute das Weihnachtsevangelium, daß Maria „ein
uneheliches Kind“ erwartet habe.
Der suspendierte Priester verglich die – von der Katholischen Kirche
noch am 8. Dezember als unbefleckt empfangene Jungfrau Maria – ausdrücklich mit Müttern, die ein Kind
aus einer sündhaften Beziehung empfangen haben.
Sabo zeichnete ein melodramatisches Szenarium.
Solche
Mütter seien angeblich jahrhundertelang beschimpft und diskriminiert worden. Ihre Kinder seien als Bastarde
bezeichnet und entsprechend behandelt worden. Aus Angst vor dieser Schande hätten Mütter ihre Kinder
offenbar jahrhundertelang vor oder nach der Geburt getötet.
Zur real existierenden Wirklichkeit fand
der erzürnte Sabo keine Parallelen. Deshalb würdigte er die Massenabtreibung ungeborener Kinder in kommerziellen
Tötungsbetrieben mit keiner Silbe.
Stattdessen donnerte er dumpf vor sich hin: Die Gesetze – geschrieben
oder ungeschrieben – welche Mütter unehelicher Kinder angeblich diskriminierten, seien von Menschen gemacht,
vor allem von Männern der Kirche – triumphierte Sabo: „Sicher ist auf jeden Fall: Gott hat sie nicht
gemacht!“ – korrigiert er die Heilige Schrift.
„Man“ habe Gott diese Gesetze sozusagen in die Schuhe
geschoben.
Die Abtreibungsgesetze auch?
„Man“ habe sich auf ihn berufen, und so die Massen der Menschen
so weit gebracht, daß sie selber überzeugt gewesen seien, nach dem Willen Gottes zu handeln:
„Tatsache
aber bleibt, daß Gottes Sohn als uneheliches Kind in diese Welt geboren wurde.“
Gott sei sich nicht
zu schade gewesen, diesen Weg zu wählen. Doch die Menschen – offensichtlich gibt es in Röschenz einige
erleuchtete Ausnahmen – hätten in ihrer Verblendung das Zeichen nicht verstanden oder nicht verstehen
wollen.
Papst Johannes XXIII. habe die Fenster des Vatikan geöffnet, doch Joseph Kardinal Ratzinger
habe als Chef der Glaubenskongregation ein Fenster nach dem anderen wieder geschlossen, fährt Sabo in
der Gattung eines verunglückten Weihnachtsmärchen weiter.
Auch als Benedikt XVI. bleibe sich Kardinal
Ratzinger als oberster Fensterverriegler treu, donnerte Sabo munter drauflos. Die Hohen Priester der römisch-katholischen
Kirche sägten „munter weiter“ an dem Ast, auf dem sie säßen:
„Wenn all jene Priester nicht mehr als
Priester tätig sein würden, die entweder ein Verhältnis mit einer Frau oder mit einem Mann haben, dann
könnte die römisch-katholische Kirche ihren Laden dichtmachen“, findet der suspendierte Priester – der
nach eigenen Angaben mit einer Frau und einem Mann zusammenlebt – endlich zu seinem Lieblingsthema.
Die
Kirche sei in unseren Breiten ohnehin auf dem besten Weg ihren Charakter als Volkskirche zu verlieren.
Sie drohe mehr und mehr zu einer „fundamentalistischen Sekte à la Opus Dei“ zu degenerieren.
Der Pflichtzölibat
verhindere Priesterberufungen. Er habe „Scharen von Priestern“ dazu bewogen, ihren Beruf und ihre Kirche
zu verlassen. Er bringe „zahllose“ Priester in schwerste Gewissenskonflikte. Sie fühlten sich einerseits
ihrem Beruf und ihrer Berufung verpflichtet und könnten andererseits aber den Zölibat nicht einhalten.
Davon, daß Ehen zu fast 50% scheitern und solche Probleme auch auf verheiratete Priester zukommen würden,
weiß Sabo dagegen nichts.
„Warum wird es immer wieder hingenommen, daß Priester, die zu ihrer Partnerschaft
stehen, entlassen und rausgeschmissen werden?“ rechtfertigt der suspendierte Priester jetzt barmherzig
und verständnisvoll sich selber.
Schuld daran seien nicht nur „die da oben“, also der Machtapparat der
Kirche, der den Priester an die Luft setzt. Mitverantwortlich seien auch „die da unten“ – das Kirchenvolk
wie auch die Kirchenräte – die solches Vorgehen letztlich immer wieder über sich ergehen ließen, stachelt
Sabo.
„Man“ höre dann zwar: „Ach, das war doch so ein netter und guter Pfarrer …, so menschlich …,
und verstanden hat man ihn …, und überhaupt ist es furchtbar schade!“ Aber nach ein paar Wochen und
Monaten sei Gras über die Sache gewachsen: „Man kann ja eh nichts machen.“
„Man kann schon!“, wiegelt
Sabo seine Ex-Pfarrei weiter auf: „Wenn man will!“ Röschenz habe dies gezeigt.
Manchmal seien unkonventionelle
Wege geboten, um „vorwärts“ zu kommen. Manchmal seien Zeichen – der Ex-Priester könnte hier auf seinen
Gehalt anspielen – mit denen niemand gerechnet habe, notwendig, um wachzurütteln.
Gott selber habe ein
solch unkonventionelles Zeichen gesetzt.
Sabo wiederholte am Schluß seiner sogenannten Predigt noch
einmal seine These über die Menschwerdung Christi: „Gott war sich nicht zu schade, quasi als uneheliches
Kind in ärmsten Verhältnissen zu uns Menschen zu kommen.“ Er habe es nicht gescheut, einen neuen, anderen
Weg zu wählen.
Wann dieses Zeichen endlich „von Rom“ verstanden werde – fragte sich der suspendierte
Priester abschließend –, und wann „wir alle“ den Mut fänden, die alten und ausgetretenen Pfade zu verlassen.
„Ausgetretene Pfade“ war auch das Stichwort für den Inhalt von Sabos Predigt.
Solange der verunglückte
Priester seine Weiheversprechen der Keuschheit und des Gehorsams nicht – wie vom Bischof verlangt – erneuert,
wird noch viel Zorn und Streit aus Röschenz fließen.
„Wenn man Milch stößt, wird Butter daraus, und
wer die Nase hart schneuzt, zwingt Blut heraus, und wer den Zorn reizt, ruft Streit hervor“, heißt es
im Buch der Sprüche.
Sabo, hör auf, die Weihnachtspredigt für Selbstrechtfertigungen zu mißbrauchen
und Dich dabei lächerlich zu machen.
Geh beichten.
Oder:
Wie dumm sind die Röschenzer eigentlich?
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