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Dienstag, 27. Dezember 2005 15:07
Die Wahrheit über das Johannesevangelium
Viele Exegeten möchten aus dem Johannesevangelium eine unhistorische und theologisierende Meditation über das „Christusereignis“ machen. Doch dieser Vermutung hat die Päpstliche Bibelkommission – als sie noch ein Teil des Lehramtes war – einen soliden Riegel geschoben.
Johannes schreibt das vierte Evangelium
Johannes schreibt das vierte Evangelium
Antworten der Päpstlichen Bibelkommission zu Fragen, die das Johannesevangelium betreffen. Gegeben am 29. Mai 1907.

Frage 1: Zeigt die bereits im 2. Jahrhundert verankerte, beständige, allgemeine und feierliche Tradition der Kirche,

wie sie am deutlichsten zutage tritt:

a) aus Zeugnissen und Hinweisen der heiligen Väter, Kirchenschriftsteller und sogar Häretiker, die mit dem Ursprung des Buches eng verbunden sind, weil sie von den Schülern oder ersten Nachfolgern der Apostel herstammten

b) aus dem Faktum, daß der Name des Verfassers des Vierten Evangeliums immer und überall in den Kanon und die Verzeichnisse der Heiligen Bücher aufgenommen wurde

c) aus den ältesten Handschriften, Ausgaben und Übersetzungen der Heiligen Bücher in verschiedene Sprachen

d) aus dem liturgischen Gebrauch, der sich seit den Anfängen der Kirche weltweit behauptet

– abgesehen vom theologischen Argument – als historischer Beweis, daß kein anderer als der Apostel Johannes der Verfasser des Vierten Evangeliums war und daß die Gründe, die von Kritikern angeführt werden, um das Gegenteil zu beweisen, diese Überlieferung in keiner Weise schwächen?

Antwort der Bibelkommission: Ja.

Frage 2: Sind die inneren Gründe –, die sich aus dem für sich betrachteten Text des Vierten Evangeliums, aus dem Zeugnis des Schreibers und der offensichtlichen Verwandtschaft des Evangeliums mit dem 1. Johannesbrief ergeben –, so einzuschätzen, daß sie die Überlieferung, die das Vierte Evangelium dem gleichen Apostel zuschreibt, bestätigen?

Und können die Schwierigkeiten, die beim Vergleich des Vierten mit den drei anderen Evangelien angeführt werden – wenn man die Verschiedenheit der Zeit, Zielsetzung und Zuhörer betrachtet, für oder gegen die der Verfasser geschrieben hat –, vernünftig gelöst werden, wie es die Heiligen Väter und die katholischen Exegeten immer getan haben?

Antwort der Bibelkommission: Ja auf beide Fragen.

Frage 3: Kann – trotz der beständigen Praxis, die in der Gesamtkirche seit den ersten Anfängen herrschte und darin bestand, aus dem Vierten Evangelium als aus einem im eigentlichen Sinne historischen Dokument Beweise zu führen, freilich unter Berücksichtigung des besonderen Charakters dieses Evangeliums und der klaren Absicht des Verfassers, die Göttlichkeit Christi aus den Taten und den Reden des Herrn herauszustellen –, gesagt werden:
• daß die im Vierten Evangelium erzählten Tatsachen vollständig oder teilweise dazuerdichtet worden seien,
• daß sie Allegorien oder lehrhafte Symbole seien oder
• daß die Reden des Herrn im Johannesevangelium nicht eigentlich und wahrhaft Christi Reden seien, sondern theologische Zusammenstellungen des Schriftstellers, die er dem Herrn in den Mund gelegt habe?

Antwort der Bibelkommission: Nein.


Die Päpstliche Bibelkommission wurde 1902 von Papst Leo XIII. gegründet. Sie diente dazu, die Heilige Schrift durch eine gesunde Kritik zu verteidigen und Streitfragen zu lösen. Pius X. († 1914) verlieh ihr 1907 durch das Motu Proprio ‘Praestantia Scripturae Sacrae’ die höchste Lehrautorität. Er bestimmte, daß den Aussagen der Kommission die gleiche Autorität zukommt, wie den lehrhaften, vom Papst approbierten Dekreten der römischen Kongregationen. Diese Lehrautorität wurde der gegenwärtigen Päpstlichen Bibelkommission durch das Motu Proprio ‘Sedula cura’ von Papst Paul VI. aus dem Jahr 1971 wieder aberkannt. Seither ist die Kommission eine vom Papst berufene Gruppe von Gelehrten, die Theologenmeinungen vertreten.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 26 Lesermeinungen:
Samstag, 31. Dezember 2005 10:22
Stimme aus Wien: Irenäus
Z.B. wurde der Marxismus-Leninismus als „Wissenschaft“ an osteuropäischen Universitäten gelehrt; soll ich gleich deswegen daraus schließen, daß es sich dabei um ernsthafte Wissenschaft handelt?

Ein sehr gutes Beispiel, das uns zeigt, was passiert, wenn eine Universität nicht der Wissenschaft sondern der vorgefassten Lehrmeinung einer Institution verplichtet ist. Ob diese Instiution die KP ist oder die Kirche, ist hier eigentlich gleichgültig.

Mal abgesehen davon, sollte man hier noch erwähnen, daß in etwa die Hälfte der Theologieprofessoren in Oxford evangelikal sind.

Wieso die Konfessionszugehörigkeit etwas über die Qualität einer wissenschaftlichen Arbeit aussagt, ist mir schleierhaft.
Freitag, 30. Dezember 2005 22:42
Gotthard: was nun?
Ich möchte hier (noch einmal) auf den Fall eines „Kirchenhistorikers“ zu sprechen kommen, der sich hinter dem Konsenus seiner Kollegen verschanzte.
Was sagt uns das jetzt?
Freitag, 30. Dezember 2005 22:25
Irenäus: Bemerkung
Ich möchte zunächst nur so mal am Rande bemerken, daß der letzte Beitrag ein besonders peinliches Zeugnis für das, was man sallop als naive Wissenschaftsgläubigkeit bezeichnet. Z.B. wurde der Marxismus-Leninismus als „Wissenschaft“ an osteuropäischen Universitäten gelehrt; soll ich gleich deswegen daraus schließen, daß es sich dabei um ernsthafte Wissenschaft handelt?

Leser „Rudolphus“ hat es schon angesprochen, wie unwissenschaftlich diese Leute argumentieren. Ich möchte hier (noch einmal) auf den Fall eines „Kirchenhistorikers“ zu sprechen kommen, der sich hinter dem Konsenus seiner Kollegen verschanzte. Mal abgesehen davon, sollte man hier noch erwähnen, daß in etwa die Hälfte der Theologieprofessoren in Oxford evangelikal sind. Tatsächlich ist die liberale Exegese keineswegs so allgemein anerkannt.
Ich möchte noch in dem Zusammenhang auf ein interessantes Buch aufmerksam machen, das, auch wenn mit einiger Vorsicht, zu genießen, die Sache kritisch beleuchtet:
Bibelkritk auf dem Prüfstein-wie wissenschaftlich ist die „wissenschaftliche“ Theologie von Eta Linnemann.
Freitag, 30. Dezember 2005 14:10
Stimme aus Wien: Rudolphus
Wenn wir von einer „Ideologie – freier Wissenschaft“ sprechen wollen, müssen wir uns auf die „alleinige Kompetenz der Universität“ verlassen – in Wissenschaftsfragen hat halt die „Uni“ die Kompetenz. Das ist allerdings keine „Paralell – Hierarchiekirche“. Kirche ist das eine – „Uni“ was anderes.

Die wissenschaftliche Kompetenz der Modernisten ist jedenfalls lehramtlich geklärt.
Um welche Klärung es sich handelt, müssen Sie mir noch erklären.

Um die eigene Kompetenz auf dem Gebiet der Bibelexegese betreffend muss ich Ihnen sagen: ohne dieser Kompetenz könnte ich mit Ihnen nicht diskutieren. Ich kenne jedoch die Grenzen dieser „Kompetenz“.

Richtlinienkompetenz?: die Kirche hat sie gezeigt – sprich: Bibelexegese die Sie heute auf Ihrer Uni hören.
Freitag, 30. Dezember 2005 13:57
Gotthard: @Rudolphus
Sie vertreten eine Parallelh-Herarchiekirche der Theologiefakultäten, denen die Universität alleine die Kompetenz verleiht.
Was ist denn das für ein Unsinn?
Freitag, 30. Dezember 2005 13:51
Rudolphus: @Stimme aus Wien
Ihr Satz „Ich weiß, daß ich nichts weiß“ gefällt mir, an den sollten Sie sich halten:
Ihnen kommt darum nicht die Richtlinienkompetenz zu, anderen Kompetenzen zu- oder abzuerkennen –
Sie vertreten eine Parallelh-Herarchiekirche der Theologiefakultäten, denen die Universität alleine die Kompetenz verleiht.

Dies entspricht nicht einer offenen Wissenschaftsdiskussion, denn wenn sich ein Professor klar irrt und er unwissenschaftlich argumentiert, dann ist das auch von anderen festzustellen, ob er sein Geld wert ist.

So könnten Sie gleich alle Theologiestudenten nachhause schicken.

Die wissenschaftliche Kompetenz der Modernisten ist jedenfalls lehramtlich geklärt.

Ein Theologe, der Bibelexegese studiert hat, und sich deswegen nur als inkompetent auf diesem Gebiet betrachtet, weil sich seine Professur nur auf einen schmalen Theologiebereich erstreckt, ist sicher nicht „katholisch“.
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