Medien
Der polnische Primas attackiert Radio Maria
Der Erzbischof von Warschau und Primas von Polen, Jozef Kardinal Glemp, hat kürzlich erklärt, daß der katholische Sender ‘Radio Maryja’ angeblich die Kirche spalte.
(kreuz.net, Warschau) Der Direktor des Radios, Pater Tadeusz Rydzyk (60), solle seinen Ehrgeiz mäßigen und sich der Kirche unterwerfen, erklärte der Kardinal vor dem Nachrichtendienst der Bischofskonferenz ‘KAI’.

Pater Rydzyk ist ein Redemptorist. Er lebte von 1986 bis 1991 in verschiedenen Klöstern in Deutschland. 1991 kehrte er nach Polen zurück und gründete den Sender ‘Radio Maryja’.

Später eröffnete er auch die ‘Hochschule für Sozial- und Medienkultur’ in Torun sowie den Fernsehsender ‘Trwam’. Außerdem begann die Tageszeitung ‘Nasz Dziennik’ – ‘Unsere Tageszeitung’.

Kardinal Glemp beschuldigte den Radiosender von Pater Rydzyk einer „besonderen Art der Religiosität“ und einer selektiven Auswahl bei den Lehren der Kirche. Das Radio betrachte sich selber als die einzig wahre Kirche.

Diese Aussagen sind ein Hinweis darauf, daß die von den polnischen Bischöfen gewollte Anpassung der heimischen Kirche an die kirchlichen Realitäten Westeuropas zu den ersten Streitereien und Spaltungen führt, die in der Kirche Westeuropas seit dem Konzil üblich sind.

Der Kampf des Kardinals gegen den Sender dürfte nicht einfach sein. Denn ‘Radio Maryja’ besitzt in Polen einen gewaltigen kirchlichen und politischen Einfluß.

Der Sender kann auf ungefähr 6 Millionen Zuhörer – die „Familie von Radio Maria“ – zählen. Für dieses riesige Medienimperium arbeiten nicht weniger als 50 Journalisten.

Es gibt keine normalen Angestellten, sondern das Werk wird von Priestern und Freiwilligen getragen.

In manchen Studios herrscht eine monastische Atmosphäre. Gebete werden gemeinsam gesprochen. Fluchen ist streng verboten.

Der Sieg des gegenwärtigen polnischen Präsidenten Lech Kaczynski soll nicht zuletzt auf die Wahlempfehlungen von ‘Radio Maryja’ zurückzuführen sein.

Vertreter der gegenwärtigen Regierungspartei ‘Pis’ – ‘Recht und Gerechtigkeit’ sind inzwischen häufige Gäste beim Sender.

Die polnische Ausgabe des Wochenmagazins ‘Newsweek’ glaubt, nach dem Sieg der bürgerlich-katholischen Kräfte bei den letzten Wahlen einen Imagewandel bei ‘Radio Maryja’ festgestellt zu haben.

In der Vergangenheit wurde der Sender gerne plakativ als „anti-russisch“, „anti-deutsch“, „anti-jüdisch“, „anti-EU“ oder „fundamentalistisch“ bezeichnet.

Tatsache ist, daß der Sender auch den bisherigen ex-kommunistischen Machthabern und den antikirchlichen Kräften in Polen ein Dorn im Auge ist.
      
8 Lesermeinungen
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.
Kommentar schreiben
#8   Uwe Schmidt   08:07:53 | Donnerstag, 29. Dezember 2005
Benedikt
Ich kenne das Programm ja nun schon seit 10 Jahren in- und auswendig, deutschenfeindlich würde ich es nicht direkt bezeichnen, es wurde und wird halt nur davor gewarnt, Land an Deutsche zu verscherbeln, da dann die Preußische Treuhand eines Tages wieder Gebietsansprüche geltend machen könnte, wie ja auch Rotschild & Co. damals
den Grundstock des heutigen israelischen Territoriums aufgekauft haben. Es ist ja sogar so, dass der Sender von deutschen Medjugorje-Pilgern (und natürlich auch von Radio Maria Italien, der Mutter der World Family) eine Anstoßfinanzierung erhalten hat und Rydzyk bis heute noch viele Freunde in Deutschland und Österreich hat. Dort hat er auch Ende der 80-er (vermutlich auf Anraten einiger Leute aus dem Allgäuer Radio-Maria-Umfeld) ein LaRouche-Training im Schiller-Institut Stuttgart absolviert. LaRouche gehört der Democratic Party in den USA an, Ex-Trotzkist und Russland-Freund und so ziemlich der einzige, der es wagt, gegen die synarchistische (= faschistisch kapitalistische) Cheney-Bush-Clique vorzugehen.
Antisemitische Untertöne sind dagegen öfter zu hören, da liegt die Schuld aber eher auf der jüdischen Seite, würde ich mal sagen, die jüdischen Medien in Polen (Gazeta Wyborcza, NTV, POLSAT) betreiben nun nicht gerade eine Politik, die das Wohl der polnischen Nation im Augen hätte. Daher weht der Wind. Ich kann den Sender nur empfehlen.
Redaktion benachrichtigen
#7   Kaveri_Puola   22:41:19 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Rydzyk
Das Problem sieht anders aus, als hier dargestellt wird. Rydzyk wird haupsaechlich dafuer kritisiert, dass er den eigentlichen Auftrag der Kirche mit seinem politischen Engagement verwechselt. Das zeigte sich bei den juengsten Parlaments- und Praesidenschaftwahlen. Bei der Praesidenschaftsstichwahl waren nur zwei Kandidaten die eindeutig die roemisch-katholische Soziallehre bejahten, aber Rydzyk meinte Tusk sei nicht gut und man seine Partei (d. h. auch ihn) ertrinken. Mit unvergeblichen Vereinfachungen und nationalistischen Floskeln hat er die Hasskampagne gegen diejenigen gefuehrt, die nicht seine Meinung teilen. Die Rolle des Priesters ist die Verkuendigung des Evangeliums und die Spendung der Sakramente und nicht Hasspredigerei und politische Aktivitaet – das ist das Hauptproblem. Und zum anderen: Rydzyk sei kein Traditionalist im eigentlichen Sinne. Er spricht nicht ueber die alte Messe, redet auch nicht ueber das Vatikanum. Der Katholizismus, den er treibt, hat mit Aufgeschlossenheit der katholischen Lehre nicht zu tun. Das was er anzubieten hat ist der Glaube mit Beruehrungsaengsten, den er mit der „Treue“ zum verstorbenen Papst verbindet.
Redaktion benachrichtigen
#6   Benedikt78   14:46:51 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Immer das gleiche…
In der Vergangenheit wurde der Sender gerne plakativ als „anti-russisch“, „anti-deutsch“, „anti-jüdisch“, „anti-EU“ oder „fundamentalistisch“ bezeichnet.
Das kennt man langsam. Wenn gewissen Kreisen irgendwelche Gruppen oder Personen nicht passen, dann werden sie immer auf diese Art und Weise verdammt. Diese Schlagworte werden immer benutzt, wenn man sich nicht über Inhalte auseinandersetzen will, sondern nur billigen Populismus zu bieten hat.
Ich stelle mir aber die Frage, wie jemand, der einige Jahre in Deutschen Klöstern war, ein anti-deutsches Programm sendet. Passt irgendwie nicht zusammen.
Redaktion benachrichtigen
#5   Uwe Schmidt   07:45:56 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Rydzyk
Also mit Lefèvre & Co. hat Radio Maryja/TV Trwam nichts am Hut, da wurde noch keine einzige Messe im alten Ordo übertragen. Was Rydzyk mit seinem Charisma geschafft hat, war, den polnischen Nationalkatholizismus aus der Solidarnosc-Zeit der 80-er weiterzuführen und für den Kampf mit dem Liberalismus zu wappnen. Das Problem ist nun, dass nur etwa 1/3 der polnischen Katholiken sich mit diesem rückwärtsgewandten, patriotischen, aber soliden Katholizismus identifizieren kann. Der Primas Poloniae muss aber zusehen, die gesamte polnische Kirche zusammenzuhalten: deshalb hat er etwa in seiner Warschauer Diözese die Handkommunion erlaubt und er gibt sich auch sonst etwas moderner als Rydzyk. Sehr enttäuscht hat mich an Kardinal Glemp, dass er die 10-jährige Amtszeit des jüdischen Präsidenten Stolzmann (Kwasniewski) über den Klee gelobt, Rydzyk dafür aber fast verdammt hat.
Und immer im Auge behalten muss man, das POLSAT und andere Privatsender von George Soros, dem großen Völkerverderber, finanziert werden, während dessen Gegenspieler Lyndon H. Larouche Rydzyk und Andrzej Lepper unterstützt. Hier findet ein gigantischer Kampf darum statt, ob Polen ganz in die westlichen Strukturen der Trilateralen Kommission abdriftet (und damit Rockefeller unterstehen wird) oder aber als freies Vaterland sich näher an Russland orientiert.
Redaktion benachrichtigen
#4   Gotthard   20:04:55 | Dienstag, 27. Dezember 2005
geboten
n der Vergangenheit wurde der Sender gerne plakativ als „anti-russisch“, „anti-deutsch“, „anti-jüdisch“, „anti-EU“ oder „fundamentalistisch“ bezeichnet.
Dann ist die Reaktion und die Warnung vor diesem Sender durch Kardinal Glemp nur zu verständlich und dringend geboten.
Redaktion benachrichtigen
#3   Athanasius   18:48:15 | Dienstag, 27. Dezember 2005
Geb’ Dir Recht
Der Katholizismus in Polen geht genau den Bach runter, wie im Westen, nur mit zeitlicher Verzögerung.
Ich gebe Dir Recht.
Nur muss ich sagen, dass eine Gegenbewegung dort noch immer mit mehr Unterstützung als im Westen rechnen kann.
Natürlich ist das polnisch-nationale Phänomen Johannes Paul II. mit seiner „Nouvelle Théologie“ ein Riesiges Problem für eine Erneuerung in Polen. Kritik an JP II. ertragen recht viele nicht, aber derjenigen die eigentlich die Alte Hl. Messe wollen.
Mit Radio Maryja gibt’s aber mehr Möglichkeiten als mit Kardinal Glémp und vielen anderen die sich bereits ganz der „Erneuerung“ und „dem neuen Pfingsten des II. Vatikanums“ geweiht haben. Nach 40 Jahren lebt diese Naivität jetzt in Polen noch.
Redaktion benachrichtigen
#2   28.IX-28.X   18:29:19 | Dienstag, 27. Dezember 2005
Radio Maria
ist in seiner Entstehung schon ungewöhlich, auch für polnische Verhältnisse. Aber lieber Athanasius; deinen Optimismus kann ich nicht teilen. Der Sender steht voll auf das „Lehren von JPII“. Was das bedeutet, müßtest gerade DU wissen. Ich höre Radio Maria ständig, wenn ich drüben bin, glaube es mir. Der Katholizissmus in Polen geht genau den Bach runter, wie im Westen, nur mit zeitlichen Verzögerung.
Redaktion benachrichtigen
#1   Athanasius   18:01:20 | Dienstag, 27. Dezember 2005
Nur eins…
…hat mich bei Radio Maryja gestört und das ist der polnische Nationalismus, mit dem die Verbrechen kommunistischer únd nationalistischer Milizen an die heimatvertriebenen Deutschen Schlesiens, Preussens und Pommerns (1945-1950) unter den Tisch geschoben werden.
Dazu ein wenig die – recht gemässigte – Neigung zu Medjugorje.
Radio Maryja geht aber in letzter Zeit einen immer traditionelleren Kurs. Im vergangen Juli musste Kardinal Glemp „verhindern“, dass Pater Stephen Sommerville vor Maryja sprechen würde; SOmmerville ist ein amerikanischer – jetzt traditioneller – Priester der bei der Übersetzung und Einführung des Novus Ordo Missae in der englischsprachigen Welt führend war, aber 2002 seine Arbeit abschwörte und völlig zum Tridentinischen Ritus zurückfand. Sommerville war in Polen zu Besuchen bei den Prioraten der Piusbruderschaft (FSSPX) und wurde von Radio Maryja eingeladen.
Radio Maryjas Mitarbeiter scheinen langsam die Tradition zu finden, obwohl es schwierig zu sein scheint für Sie, da Polen zwar moralisch sehr katholisch ist, liturgisch aber immer mehr dem Westen zuneigt, wie Johannes-Paul II. selbst.
Redaktion benachrichtigen
Weiterlesen:
MedienGespie(ge)lte Logik MedienVISA hält seine Kunden für primitive Lustmolche MedienUmkämpftes Revier Medien‘kath.net’ und seine Leser MedienBischof Krenn ist der Teufel MedienPositives aus der Kronenzeitung Medien„Lassen Sie uns teilhaben an Ihren Erfahrungen“ MedienSchönheitsoperation MedienViel Schlamm um nichts MedienStrahlender Vatikan MedienBlick in die Eingeweide MedienDas PUR magazin dementiert MedienDer katholische Fernsehsender K-TV erobert das deutsche Kabelnetz MedienPur magazin attackiert Radio Horeb
RSS Feed  •  News Ticker  •  Kontakt  •  Impressum
© CC-BY-NC-SA 2012 kreuz.net