Ein Crashkurs in theologisch-liturgischer Minimalbildung wäre für die Verantwortlichen der ‘Tagesschau’ des Deutschschweizer Fernsehens ein nützliches Weihnachtsgeschenk gewesen.
(kreuz.net, Zürich) In der Hauptausgabe der ‘Tagesschau’ vom 25. Dezember versuchte das Deutschschweizer
Fernsehn, seine Zuschauer auch über die Feierlichkeiten zu Christi Geburt zu informieren.
Unter dem
Titel „Weihnachten in der Schweiz“ berichtete der Regionalsender mittels einer traditionellen Formulierung,
daß in vielen Kirchen der Schweiz die „traditionelle Mitternachtsmesse“ gelesen worden sei.
Als Beispiel
nannte man die reformierte Kirche in Hemberg. Der Ort befindet sich im Kanton St. Gallen, 50 Kilometer
östlich von Zürich.
„Messe“ und „Messe lesen“ bei den Protestanten?
Dem Fernsehkonsumenten Josef H.
kamen Zweifel. Er machte sich auf die Suche und wurde in den „Schmalkaldischen Artikeln“ aus dem Jahr
1537 fündig.
Es handelt sich um die einzige von Martin Luther selber verfaßte Bekenntnisschrift. Der
Reformator schrieb sie im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich.
Dort kann man im Artikel
über die papistische Messe folgendes lesen,
„daß die Messe im Papsttum der größte und schrecklichste
Greuel sein muß, der stracks und gewaltig wider diesen Hauptartikel strebt und doch über und vor allen
anderen päpstlichen Abgöttereien der höchste und schönste gewesen ist.
Denn es ist gehalten [= wird
geglaubt], daß solch Opfer oder Werk der Messe – auch durch einen bösen Buben getan – den Menschen von
Sünden helfe, beides, hier im Leben und dort im Fegefeuer, welches doch allein das Lamm Gottes tun soll
und muß, wie bereits gesagt etc.
Und wo etwa vernünftige Papisten waren, konnte man dermaßen und freundlicherweise
mit ihnen reden, nämlich:
Warum sie doch so fest an der Messe hielten?
1. Ist es doch ein lauter Menschenfündlein,
von Gott nicht geboten. Und alle Menschenfündlein mögen wir fallen lassen, wie Christus spricht Mt 15,9:
„Sie dienen mir vergeblich mit Menschengeboten“.
2. Zum andern ist es ein unnötiges Ding, das man ohne
Sunde und Gefahr wohl lassen kann.
3. Zum dritten kann man das Sakrament viel besser und seligerweise
nach Christi Einsetzung kriegen. Was ist’s denn, daß man um einer unnötigen, erdichteten Sache willen,
da man’s sonst wohl und seliger haben kann, die Welt in Jammer und Not zwingen wollte?
Man lasse den
Leuten öffentlich predigen, wie die Messe als ein Menschentand ohne Sünde unterbleiben möge und niemand
verdammt werde, der sie nicht achtet, sondern wohl ohne Messe wohl auf bessere Weise selig werden möge.
Was gilt’s, ob die Messe alsdann nicht von sich selbst fallen wird, nicht allein bei dem tollen Pöbel,
sondern auch bei allen frommen, christlichen, vernünftigen, gottesfürchtigen Herzen? Viel mehr, wenn
sie hören würden, daß es ein gefährliches Ding ist – ohne Gottes Willen erdichtet und erfunden.“
Doch wenigstens das Deutschschweizer Fernsehen blieb gottseidank von solch zweifelhaften Texten verschont.
Darum empfangen dort die Katholiken das Abendmahl, während die Protestanten tapfer die Messe lesen –
als ob es die Reformation nie gegeben hätte.
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17 Lesermeinungen
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#17 Benedikt 20:32:17 | Freitag, 30. Dezember 2005
@ Interwld Mich wundert es nur, dass die Protestanten unbedingt zu unserer Messe und zur Kommunion zugelassen
werden, wenn dies nach ihrem Gründer doch so ein Greuel ist. Die meisten Protestanten sind heute meilenweit
von Luthers Lehre entfernt, wogegen Luther katholischer war, als es heute mancher Bischof ist. Falls es
sich nicht wirklich um Lutheraner handelt, dann kümmert den Protestant die Lehre des Reformators wenig.
Und so lästert Fr. Kässmann weiterhin über den Ablass, obwohl es bei Luther heißt: „Wer gegen die
Wahrheit des apostolischen Ablasses spricht, der sei verworfen und verflucht.“ (These 71) Man könnte
also sagen: Fr. Kässmann ist mit dem lutherischen Anathema belegt
#16 Frl.Ilse 11:17:20 | Donnerstag, 29. Dezember 2005
@Zwingli und Luther Die Kenntnis des Protestantismus ist hier schon ein bisschen mager ausgefallen – aber
hier melden sich ja auch feste Katholiken zu Wort. Wenn sie allerdings keine Ahnung haben, dann sollten
sie besser schweigen. Zwingli begann unabhängig von Luther schon 1516 seine Theologie zu predigen. Er
hat sich später an Luther orientiert, aber seine eigenen Positionen nicht aufgegeben und diese an die
reformierte Kirche der Schweiz weitergegeben. Die evangelischen Messe wird nicht nur manchmal, je nach
Region, so bezeichnet; in Hannover wird die Liturgie sogar gesungen. Da kann man mitunter den Unterschied
zur katholischen Messe nur an der „Berufskleidung“ erkennen und daran, dass es eine Frau Pfarrerin ist,
die den Gottesdienst hält. Die protestantischen Kirchen sind halt nicht so ängstlich und geraten auch
nicht gleich in Panik, wenn man mal etwas anders bezeichnet oder auf alte Riten zurückgreift, solange
es der Ehre Gottes dient. In einigen reformierten Kirchen Zürichs, also im Zwingli-Land, wird auch wieder
Weihrauch eingesetzt, ohne dass die Gottesdienstbesucher entsetzt aus der Kirche fliehen. Die Protestanten
brauchen können halt mal Fehler in Theologie und Liturgie einsehen und korrigieren. Für manche Katholiken
bricht ja z. T. schon die Weltordnung zusammen, wenn man die Hostie mit der Hand nimmt oder Brot dafür
nimmt. Als ob das Christus nicht völlig egal wäre!!!
#15 Rosalinde 00:49:30 | Donnerstag, 29. Dezember 2005
Nur fünf? Steht das irgendwo, oder kommt irgendwann ein Text? Das ist bei der Fülle an zu kritisierenden
Artikeln und LeserInnenmeinungen ein bisschen wenig. Könnte natürlich System sein. Die Schutzformel
„moralisch bedenklich“ dürfte wahrscheinlich auch zu einigen Löschungen führen (z.B. in der „Abtreibungsdebatte“).
#13 Rosalinde 00:29:18 | Donnerstag, 29. Dezember 2005
HiHi kreuz.net fängt an mir zu gefallen, irgendwie hat es was von anschaulichem Geschichtsunterricht.
Wusste garnicht, daß den Protestanten die Abstinenz von der Messe zugeschrieben wurde und dachte eigentlich,
daß die Reinkarnation Jesus in Oblate und Wein (wobei das an sich was blasphemisches, wenn nicht kannibalisches
hat…) von den Protestanten nicht geglaubt wird, weshalb die ja auch nicht an der hl. Kommunion teilnehmen
dürfen.
#12 Nólimon 23:11:20 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Aus einer anderen lutherischen Bekenntnisschrift: „Man legt den Unsern mit Unrecht auf (wirft… vor),
daß sie die Messe abgetan haben sollen. Denn das ist offensichtlich, daß die Messe, ohne Ruhm zu reden,
bei uns mit größerer Andacht und Ernst gehalten wird als bei den Widersachern. So werden auch die Leute
mit höchstem Fleiß zum öfteren Mal unterrichtet vorn heiligen Sakrament, wozu es eingesetzt und wie
es zu gebrauchen sei, nämlich die erschrockenen Gewissen damit zu trösten, wodurch das Volk zur Kommunion
und Messe gezogen wird…“ Augsburgisches Bekenntnis Artikel XXIV
#11 Kaveri_Puola 22:31:54 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Die einizige Bekenntnisschrift? Es handelt sich um die einzige von Martin Luther selber verfaßte Bekenntnisschrift.
Der Reformator schrieb sie im Auftrag des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich. An den Autor der
Meldung: es waere schoen die Informationen, die Sie verbreiten etwas genauer zu pruefen bevor Sie andere
belehren: zu den evangelisch-lutherischen Bekenntnisschriften, die von Luther verfasst wurden gehoeren
auch die beiden Katechismen. Darueber hinaus verstehe ich nicht warum man sich auf Luther beruft wenn
man ueber die reformierte Schweiz spricht. Es gibt kaum Lutheraner in der Schweiz und wenn schon dann
sind sie meistens Auslaender.
#10 GerdEric 20:48:22 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Ihr seid ja lustig… kriegt den eigenen „Haufen“ nicht auf Vordermann (was immer das sein soll, wo immer
der auch hin will), und nun die Protestanten als „Prügelknaben“ benutzen, weil man eben selbst nicht
weiter kommt, weil man von den eigenen Problemen ablenken will. Es gibt in der BRD 1/3 Katholiken (die
nicht alle (es sind sicher die wenigsten) der Linie folgen, die hier propagiert wird), 1/3 Protestanten
(lutheraner, Reformierte, usw), die hier kaum zu den Christen gerechnet werden, und 1/3 Nichtchristen.
Mit anderen Worten, die Katholiken sind in eine grosse, aber in sich zerrissene Gemeinde (Gemeinde Christi
kann man wohl nicht sagen, es sei denn, die zeichne sich durch Hader aus…).
#9 AndreasP 16:05:14 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Verblendeter Unsinn Der ganze Text ist einfach Unfug. Natürlich gibt es in verschiedenen evangelischen
Kirchen „Messe“ genannte Gottesdienste. Siehe Luther: »Deutsche Messe und Ordnung Gottesdiensts« (1526) .
Dass im Fernsehen eventuell Messe mit Mette (von Matutin) verwechselt wurde, ist wieder was anderes.
#8 Lykophron 15:52:01 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Immer… … wieder erstaunlich, daß sich die Leute hier gleich beschimpfen. Ich bin zwar kein Spezialist
auf dem Gebiet der protestantischen Theologie, aber jedenfalls sind Luther und Zwingli beim Marburger
Religionsgespräch betreffend das Abendmahl zu keiner Einigung gekommen. Wenn ich mich recht erinnere,
glauben Lutheraner an die Gegenwart Christi „in, mit und unter“ Brot und Wein, wogegen Zwinglianer jede
Verbindung zwischen Brot und Wein sowie Leib und Blut Jesu Christi ablehnen. Für sie ist das sogenannte
Abendmahl nur ein Gedenken an das letzte Abendmahl. Aber wenn sich jemand auf diesem Gebiet besser auskennt,
lasse ich mich gern korrigieren.
#6 Inderwld 15:17:48 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Messe ein Greuel Mich wundert es nur, dass die Protestanten unbedingt zu unserer Messe und zur Kommunion
zugelassen werden, wenn dies nach ihrem Gründer doch so ein Greuel ist. Auch das Helvetische Bekenntnis
der Protestanten basiert ursprünglich auf Luther, es wurde nur von Zwingli und Calvin etwas an Schweizer
Verhältnisse angepasst.
#4 Athanasius 13:15:59 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
@Stimme Ihnen ist es natürlich völlig unbekannt, dass Luthers Reformation Zwingli zu seiner eigenen
angereizt hat und jeder Protestant diesen Aussagen von Erzhäretiker Martin Luther zustimmt, oder? Haben
Sie wohl einen Kurs in Geschichte der Neuzeit gehabt, oder? Kommt mir vor als plappern Sie nur dahin um
nur kreuz.net zu beleidigen. Warum schreiben Sie denn hier? Frustriert? Kein Protestant nimmt an dieser
Korrektur Anstoss, da jeder ja glaubt, dass die katholische Messe ein Greuel ist. Und die Korrektur, dass
sie das Abendmahl feiern und Katholiken die hl. Messe, wird auch keinen „beleidigen“. Beleidigen tun nur
Sie. Mit Ihrem Vernunft.
na solche Feinheiten interessieren bei kreutznet doch niemanden! <<daß dem Fernsehkonsumenten Josef H.
Zweifel gekommen sind. Allerdings hätte er besser einen Text von Zwingli statt Luther gesucht, denn die
Schweizer Protestanten sind Zwinglianer, nicht Lutheraner>> Es ging darum den Protestanten eins reinzuwürgen,
da darf man schon mal dir Konfessionen verwechseln. Wie schreibt kreutznet doch so schön: „ Ein Crashkurs
in theologisch-liturgischer Minimalbildung wäre (…) ein nützliches Weihnachtsgeschenk gewesen.“ Genau.
Für die Redaktion von kreutznet!
#2 LukreciaB 12:41:34 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Regionalsender? Das Schweizer Fernsehen ist für wahr kein Regionalsender! Es ist DER öffentliche Sender
der deutschen Schweiz und erreicht alle deutschsprechenden Bewohner zwischen Bodensee und Genfersee und
von Basel bis Chiasso also ungefähr 4 Millionen Zuschauer! Die Tagesschau auf SF (wie SF allgemein) hat
einen hohen Glaubwürdigkeitsgrad (im Gegensatz zu den vielen privaten Schrottsendern) und damit auch
einen hohen Marktanteil. Dieser Versprecher ist somit verzeihbar.
#1 Lykophron 11:13:26 | Mittwoch, 28. Dezember 2005
Schön… … daß dem Fernsehkonsumenten Josef H. Zweifel gekommen sind. Allerdings hätte er besser
einen Text von Zwingli statt Luther gesucht, denn die Schweizer Protestanten sind Zwinglianer, nicht Lutheraner.