09:51:42 | Donnerstag, 29. Dezember 2005
Kürzlich ermahnte der Weihbischof von Salzburg seine Mitbrüder im Bischofsamt mit deutlichen Worten, endlich die Rückkehr zur liturgischen Ordnung einzuleiten.
(kreuz.net, Salzburg) Der Weihbischof von Salzburg, Mons. Andreas Laun, publizierte kürzlich einen sechsseitigen
Artikel über liturgische Mißstände und über die Notwendigkeit einer liturgischen Reform.
Der Weihbischof
äußerte sich in der katholischen Monatszeitschrift ‘Kirche heute’, die im bayrischen Altötting publiziert
wird.
Unter den schweren liturgischen Mißbräuchen nennt der Weihbischof zum Beispiel die Kommunionspendung
an Buddhisten und andere Nicht-Christen.
Der Salzburger Weihbischof erwähnt auch den Mißstand, daß
Pastoralassistenten „konzelebrieren“ – die Anführungszeichen stammen von Mons. Laun selber –, indem sie
beispielsweise das Hochgebet mitsprechen, Teile davon vortragen oder sogar die Wandlungsworte mitrezitieren.
Als schweren liturgischen Mißstand listet er weiter auf:
• wenn der Priester statt des Evangeliums
eine profane Geschichte vorliest,
• wenn der Leib Christi an Kinder gespendet wird, die noch nicht bei
der Erstkommunion waren,
• wenn man „Tiermessen“ mit möglichst vielen Tieren in der Kirche „feiert“,
• wenn der Mesner sagt, er werde – falls der Priester nicht kommen sollte – die Palmsonntag-Liturgie
selber halten, wenigstens bis kurz vor der Wandlung.
Ferner erwähnt der Weihbischof unter den schweren
liturgischen Mißständen, „wenn die Messe als ‘Event’, mit Rockmusik und Lichtorgeln, ‘gestaltet’ wird“.
Erst Mitte Oktober zelebrierte der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, bei der
Eröffnung
der Wiener Jugendkirche eine solche Rockmesse. Obwohl er dafür kritisiert wurde, verteidigte der Kardinal
die umstrittene Messe noch im Nachhinein als „heiliges Experiment“.
Neben den genannten schweren Mißständen
ist es Weihbischof Laun ein Anliegen, auf kleinere „Abweichungen und Eigenmächtigkeiten“ hinzuweisen,
die den Weg der großen liturgischen Verwirrung bereiten und das liturgische Gewissen einschläfern.
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit kritisierte Mons. Laun, daß für Begräbnisse die liturgische Farbe
„Schwarz“ für Meßgewänder verschwunden sei, während die Gläubigen und Angehörigen selbstverständlich
schwarze Kleidung tragen.
Generell herrsche bei vielen Priestern eine Allergie gegenüber schönen Meßgewändern:
„Lieber tragen sie irgendeine unschöne Mantelalbe – mit den meist halb ausgerissenen Druckknöpfen –,
als daß sie eine ‘Baßgeige’, wie sie verächtlich anmerken, nehmen würden.“
Das gleiche Phänomen
sei bei liturgischen Geräten und Büchern zu beobachten. Bücher seien oft abgenützt und verschmuddelt,
und in den meisten Kirchen stünden neben herrlichen alten Kelchen billige, notdürftig vergoldete Hostienschalen.
Zum Thema Schönheit gehöre auch die Kraft der Sprache, der Bilder und Gesten: „Wie man in den 70er
Jahren des 20. Jahrhundert gemeint hat – vor allem nüchtern, farblos, eintönig bauen zu müssen –, so
denken auch heute noch manche Leute bezüglich der Liturgie.“
Weihbischof Laun kritisiert auch das Fehlen
bestimmter Begriffe in den Gebeten und sonstigen Texten für die Verstorbenen: „Man hört nichts mehr
von den ‘Seelen’ der Verstorbenen, die Gefahr der Hölle scheint es nicht zu geben und auch vom Fegefeuer
wissen diese Texte nichts mehr.“
Folgerichtig feiere man bei Beerdigungen sogenannte Auferstehungs-Gottesdienste
und singe Osterlieder.
Der Weihbischof wendet sich auch mit scharfen Worten
gegen Friedensgrüße im
Sinne eines Klassentreffens, die
Laienpredigt, die Fürbitten als Einfallspforte für falsche Ideologien,
den Mißbrauch der Predigt für eigene, unkatholische Ideen und den breiten Einsatz von Kommunionhelfern.
Priester, die beispielsweise das Hochgebet regelmäßig frei formulierten, würden den Gläubigen und
Konzelebranten ihre subjektive Theologie und ihren Geschmack aufzwingen:
„Die liturgische ‘Freiheit’,
die sich der eine nimmt, ist die Unterdrückung aller anderen. Es ist, wie mit einem schlecht passenden
Schuh: Damit geht man nicht weit, weil es mit der Zeit immer mehr und mehr weh tut!“
Der Weihbischof
kritisiert seine Mitbrüder auch offen: „Manche Bischöfe schweigen lieber, als sich sagen zu lassen,
sie seien kleinlich. Oder sie resignieren und lassen den liturgischen Ungehorsam mehr oder weniger laufen.“
Die Ursache für die Mißbräuche ortet Mons. Laun in einem Mangel an Glauben: „Wie sonst könnte man
manche Streitigkeiten um die Mund- oder Handkommunion verstehen?“
Der Weihbischof kann nicht verstehen,
daß ein Ort lieber ohne Priester und Messe bleibt, als einem frommen, aber ängstlichen Priester zu erlauben,
die Kommunion ausschließlich in der Form der Mundkommunion auszuteilen?
Mons. Laun appelliert „dringend“
an eine Reform der Liturgie, die mit einer Rückkehr zur liturgischen Ordnung beginnen muß: „Wenn die
heilige Messe das ‘Höchste’ ist, kommt der liturgischen Erneuerung die höchste Dringlichkeit für die
Neuevangelisierung Europas zu.“
Wer solle diese Reform einleiten?, fragt der Weihbischof abschließend:
„Natürlich die Bischöfe, dazu gibt es sie.“
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