Hoppalas und Humor kommen auch in der Kirche vor. Und oft interessieren die Schuhe, die Sonnenbrille, die Uhr oder die Zähne des Papstes mehr als seine Predigten. Rückblick auf zwei Päpste.
Januar
Am letzten Sonntag im Januar versuchte Papst Johannes Paul II. beim sonntäglichen Angelusgebet –
wie jedes Jahr – als Zeichen des Friedens zwei Tauben gen Himmel zu schicken. Wie schon im Jahr zuvor
wollten die beiden Vögel nicht fliegen, sondern setzten sich auf den Fenstersims des Apostolischen Palastes.
Der Heilige Vater ergriff persönlich die Initiative und versuchte die Tauben wegzuscheuchen. Sie wollten
nicht. Eine flog sogar in den Raum zurück. Auch ein zweiter Versuch, die Vögel zum Fliegen zu bewegen,
scheiterte. Der greise Papst aber amüsierte sich sichtlich.
Februar
Anfang Februar befand sich der
Papst in der römischen Gemelli-Klinik. Nach Angaben von Vatikan-Sprecher Joaquin Navarro-Valls ging es
ihm schon wieder etwas besser: „Ich kann auch sagen, daß der Heilige Vater einen Blick in die Tageszeitungen
wirft, um – so sagt er – ‘den Verlauf meiner Krankheit zu verfolgen’.“
März
Anfang März erklärte
ein schwedische Fernsehsender Papst Johannes Paul II. († 2. April 2005) auf seiner Homepage rund fünf
Stunden lang für tot. Ein Journalist der Internet-Ausgabe des Senders publizierte irrtümlich einen bereits
vorbereiteten Nachruf auf den Papst. Ähnliches passierte dem mexikanischen Senatspräsident am Vorabend
des Sterbetages. Der Senatspräsident unterbrach die laufende Sitzung, um den Tod des Papstes zu verkünden:
„Geschätzte Kollegen, der Papst ist tot. Ich ersuche Sie, eine Schweigeminute einzulegen.“ Gleich darauf
zog er seine Falschaussage entschuldigend zurück. „Ich muß mich korrigieren: Der Papst ist nicht tot,
aber er liegt im Sterben.“ Irren sei menschlich.
April
Mit 20minütiger Verspätung begann am Montag
nach der Papstwahl vom 19. April die erste Audienz von Benedikt XVI. für deutschsprachige Pilger: „Zunächst
einmal muß ich vielmals um Entschuldigung bitten für meine Verspätung – die Deutschen sind berühmt
für ihre Pünktlichkeit. Es scheint, daß ich schon sehr italienisiert bin.“ In seiner Ansprache erzählte
der Papst auch Persönliches aus dem Konklave. Als sich immer mehr herausgestellt habe, daß das „Fallbeil“ –
wie Benedikt XVI. wörtlich sagte – auf ihn fallen würde, habe er den Herrn gebeten, ihn zu verschonen:
„Du hast doch Jüngere“, erklärte der zukünftige Heilige Vater dem himmlischen Vater. Doch offensichtlich –
so Benedikt XVI. – habe der Herr da gerade weggehört.
*****
Bei seinem ersten offiziellen Fototermin
ließ Papst Benedikt XVI. die versammelte Fotografenschar einige Minuten warten. Ungeduldig skandierten
die Paparazzis daraufhin: „Papa Ratzi, Papa Ratzi …“. Als Benedikt XVI. den Audienzsaal betrat, zollte
er den Pressefotographen für ihr sehr gelungenes Wortspiel Beifall.
Mai
Der Bruder des Papstes, Mons.
Georg Ratzinger, kann das Privathaus von Benedikt XVI. am Stadtrand von Regensburg nur noch nach Anmeldung
bei der Polizei betreten. Kürzlich hat eine Ordensschwester, die über die zwischenzeitlich eingebaute
Alarmanlage nicht informiert wurde, beim Betreten des Hauses einen Polizeieinsatz ausgelöst, erzählt
der Papstbruder.
Juni
Mitte Juni setzte sich Papst Benedikt XVI. bei einer Generalaudienz den Helm eines
römischen Feuerwehrmanns auf. Schon zuvor bemerkten Journalisten, daß der Heilige Vater Designer-Sonnenbrillen
trägt. Auch seine verbeulte Lesebrille mußte einem Nobelmodel weichen. Die Armbanduhr Benedikt XVI.
ist inzwischen ebenso ein Designerstück wie seine Schuhe. Sie stammen von Prada, der italienischen Kultmarke
für die Schönen oder zumindest schön Reichen. Während sein erster Auftritt als Papst durch die zu
kurze und verzogene Soutane ohne Mozzetta – unter dem weißen Papstgewand lugte noch die schwarze Soutane
des ehemaligen Kardinals hervor – im Gedächtnis bleibt, wird sich Benedikt XVI. während seiner Ferien
in den italienischen Alpen im August in einem von den Medien als hip bezeichneten Outfit mit Trekking-Schuhen,
Wandersocken, weißer Steppjacke und Baseballkäppi zeigen.
Juli
Im Juli berichtete ein irischer Journalist,
daß er von Mons. Georg Gänswein, dem Privatsekretärs von Benedikt XVI., ein Paket mit einer Flasche
‘Old Bushmills Irish Whiskey’ – dem besten aller Whiskeys – erhalten habe. Der Reporter fand im Paket
auch einen Kurzbrief: „Seine Heiligkeit erinnert sich an die Wette“. Acht Jahre zuvor hatte der irische
Journalist den damaligen Kardinal Ratzinger bei einer Buchpräsentation zu einer Wette über eine mögliche
Papstwahl des Kardinals provoziert. Dieser wettete dagegen. Der Einsatz? Die Flasche ‘Old Bushmills Irish
Whiskey’: was die irischen Kobolde trinken – wobei sich ihr Urin danach in pures Gold verwandelt.
August
Papst Benedikt XVI. traf am Weltjugendtag in Köln mit der Fußballegende Pelé (65) zusammen. Der Brasilianer
gewann drei Weltmeistertitel und wurde 1999 vom Internationalen Olympischen Komitee zum Sportler des Jahrhunderts
gewählt. Pelé bezeichnet sich selber als gläubigen Katholiken. Als der Brasilianer dem Heiligen Vater
vorgestellt wurde, fragte dieser: „Und Sie sind Brasilianer …?“ Erst die Auskunft eines Nebenstehenden
offenbarte Papst Benedikt XVI., daß er soeben mit dem berühmtesten Fußballer aller Zeiten sprach.
September
Der Bruder des Papstes, Mons. Georg Ratzinger, stimmt anläßlich der Deutschen Bundestagswahlen,
per Briefwahl ab. Im Wahllokal wäre er wegen seiner Sehschwierigkeiten nicht zurechtgekommen. Sein Bruder –
der Papst – habe sich entschieden, nicht zu wählen: „Er ist der Souverän des Vatikanstaats und hält
es nicht für richtig, sich in die Angelegenheiten eines anderen Staates einzumischen. Das haben wir so
besprochen. Der Papst werde die Wahl verfolgen: „Aber nicht mit ganz großer Leidenschaft.“
Oktober
Bei der Weltbischofssynode über die Eucharistie Anfang Oktober entschuldigte Benedikt XVI. seine Abwesenheit
mit einer Ankündigung, die nicht für aller Ohren bestimmt war: „Um 16.00 Uhr habe ich leider einen Termin
beim Zahnarzt“, verkündigte der Heilige Vater durch den Lautsprecher im Saal. Daher könne er an der
Nachmittagssitzung der Bischöfe nicht teilnehmen. Kurz darauf kam die Erklärung. Benedikt XVI. wollte
sich nur im kleinen Kreis äußern, vergaß dabei aber das angestellte Mikrophon.
November
Ende November
wurde das Rundmosaik mit dem Portraitbild von Benedikt XVI. in der Basilika Sankt Paul vor den Mauern
neben dem Bild seines Vorgängers montiert. Die Darstellung stammt vom Maler Ulisse Sartini: „Ich habe
das Angebot, den Papst zu porträtieren, mit Begeisterung angenommen. Dabei habe ich mich vor allem auf
die Augen und das Gesicht konzentriert. Ich wollte das Lächeln wiedergeben, das den Ausdruck von Benedikt
XVI. kennzeichnet.“
Dezember
Papst Benedikt XVI. empfing Anfang Dezember den Präsidenten des italienischen
Sportwagenherstellers Ferrari. Bei der Audienz erhielt er das Lenkrad eines Formel-Eins-Rennwagens von
Michael Schumacher. Auf ihm ist zu lesen: „Das Lenkrad des Formel-1-Weltmeisters für seine Heiligkeit
Benedikt XVI., Lenker der Christenheit.“ Der Ferrarichef bemerkte, daß es sich dabei um ein sehr kompliziertes
Lenkrad handle. Es sei auch kompliziert, die Kirche zu lenken – entgegnete der Papst.
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