Heilige
Eine neue Form der Heiligsprechung
Unter der Hand scheint sich ein umstrittener griechisch- orthodoxer Theologe in den Heiligenkalender der Katholischen Kirche einzuschleichen.
(kreuz.net) Gregor Palamas († 1359) – ein Mönch und späterer Erzbischof von Thessaloniki – gilt heute bei den Orthodoxen als wichtiger Theologe und Heiliger.

Thessaloniki ist die zweitgrößte Stadt in Griechenland. Sie befindet sich im Norden des Landes.

Palamas war auch ein großer Polemiker gegen die Katholische Kirche und vertrat merkwürdige Theorien zum Wesen Gottes. Trotzdem taucht er schon seit längerem in den liturgischen Kalendern der katholischen Ostkirchen auf.

Umstritten ist Palamas besonders als Vertreter des sogenannten Hesychasmus.

Es handelt sich um eine mystische Schule der Orthodoxie, die sich bemüht, das sogenannte „ungeschaffene Licht Gottes“ zu sehen.

Um die Natur dieses „Lichtes“ zu verstehen, unterscheidet der Hesychasmus zwischen der Erkenntnis Gottes in seinem Wesen und der Erkenntnis Gottes in seinen Energien, das heißt, in seinem Wirken.

Palamas lehrt, daß der jenseitige Gott niemals in seinem Wesen, sondern nur in seinem Wirken erkannt werden kann.

Dieses Wirken äußert sich in einem „ungeschaffenen göttlichen Licht“. Mönche, die sich bemühen, können dieses Licht sehen. Dabei ist vor allem eine vollkommene Ruhe – griechisch: Hesychä – von Leib und Wille nötig.

Darum werden die Vertreter dieser Richtung Hesychasten – lateinisch: Quietisten – genannt.

Das Problem der hesychastischen Lehre besteht unter anderem darin, daß eine echte Unterscheidung zwischen dem Sein Gottes und dem Wirken Gottes angenommen wird.

Die Kritiker des Hesychasten entgegneten zurecht, daß Gott einfach ist. Mit Ausnahme der Dreifaltigkeit kann es in ihm keine anderen Unterscheidungen geben. Eine Energie – das ungeschaffene Licht –, die nicht zum nichterkennbaren Wesen Gottes gehört, müßte darum ein Zwischending sein, das weder Gott noch Geschöpf ist.

Trotz dieser Anfragen, schrieb Gregor Palamas sechs Werke, in denen er den Hesychasmus verteidigt. Er bekämpft auch die in der katholischen Theologie selbstverständliche Identifizierung des göttlichen Wesens mit den göttlichen Eigenschaften.

Ferner schrieb Palamas auch einen theologischen Traktat, in dem er sich gegen den doppelten Ausgang des Heiligen Geistes vom Vater und vom Sohn ausspricht.

Außerdem war er auch ein leidenschaftlicher Feind der Römischen Kirche und Verteidiger des byzantinischen Schismas.

Unbeschadet dieser Tatsachen kommt Gregor Palamas in der Katholischen Kirche mehr und mehr zu Ehren.

Offenbar führte eine Synode der Melchiten – byzantinische Katholiken arabischer Sprache – bereits im Jahr 1971 einen liturgischen Gedenktag für Gregor Palamas ein.

Für Mons. Nicholas J. Samra (61) – emeritierter Weihbischof und Protosyncellos der melchitischen Eparchie in Newton – ist Gregor Palamas ein Heiliger der Melkiten und folglich der katholischen Kirche.

Newton befindet sich im US-Bundesstaat Massachusetts im Nordosten der USA.

Daß die inoffizielle Heiligsprechung von Gregor Palamas Fortschritte macht, zeigt auch ein Vers auf Gregor Palamas, den die katholischen Melchiten in der Vesper singen:

„Deine Lippen sind voller Gnade, o heiliger Vater Gregorius. Du wurdest zu einem Hirten der Kirche Christi und lehrtest Deine geistliche Herde, an die Dreifaltigkeit zu glauben, an das gleiche Wesen in einer Gottheit.“

Die letzten Zweifel werden beim neokonservativen spanischen Internetportal ‘catholic.net’ ausgeräumt. Dort wird Gregor Palamas in einem Artikel des Priesters Felipe Santos ohne langes Federlesen als „Santo“ vorgestellt.
      
15 Lesermeinungen
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#20   Mighty Counsellor   16:23:39 | Dienstag, 8. Dezember 2009
@ Eigerhar re Byzanz
Was haben Sie gegen Byzanz? Kannte eine liebenswerte Professorin für römische Rechtsgeschichte, die auch Byzantinistin war. Leider ist sie schon verstorben.
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#19   eigerhar †   16:19:05 | Dienstag, 8. Dezember 2009
Kerullarius hat das katholische Glaubensbekenntnis angegriffen
Damit, dass Kerullarius das Filioque wieder gestrichen hat, dass die Kirche gerade vor Kurzem eingefügt hatte, stellte er die Autorität der Kirche in Frage und damit den Glauben an die Kirche.
Die orthodoxen Kaiser (Oberhaupt dieser Sekte) haben tatsächlich im Verlaufe der Geschichte alle nur denkbaren Häresien verteidigt und mit tödlicher Gewalt im Osten durchgesetzt.
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#17   Irenäus   22:03:59 | Samstag, 7. Januar 2006
@Höck
Was in Ihren Beiträgen ziemlich deutlich hervorschimmert, ist eine höchst fragwürdige Zweigtheorie, die vor der Ekklesiologie ausnahmslos aller Kirchenväter keinen Bestand hat. Die Kirche ist sichtbar und unteilbar, auch wenn Sie meinen, das sei arrogant.
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#15   Jörg Guttenberger, Köln   22:46:29 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Hesychasmus, filioque, ökumenischs Patriarchat
Richtig ist nicht „Hesychasmus“, sondern „Hesychia“. Der Hesychasmus ist die ideologische Ausgabe der Hesychia und war daher nie offiziell anerkannte Lehre der Kirche, weder im Osten noch im Westen. Die Hesychia – das Jesusgebet: „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme Dich über mich Sünder“ geht auf das Gleichnis vom Pharisäer und dem Zöllner zurück und ist in GL 6/1 kurz beschrieben. Es geht hier auch um das paulinische „Betet ohne Unterlaß!“ Die von Ihnen beschriebene Lehre des Gregor Palamas ist so mißverständlich und überspitzt dargestellt, das eine Richtigstellung den Rahmen eines Leserbriefes sprengt.
Zum Filioque: hier hat sich das Unionskonzil von Ferara-Florenz auf die Formel geeinigt, daß der Geist vom Vater ausgeht und vom Sohn in die Welt gesendet wird. In ihrem Ursprung gehen nach Lehre der alten Kirche Sohn und Geist vom Vater aus, der laut griechischer Fassung des Glaubensbekenntnisses „poetäs“ genannt wird. Hier steckt das lateinische poeta drin, poetäs bedeutet aber nicht nur Dichter, sondern Begründer, Urheber. Die altspansche Form des Glaubensbekenntnisses lautet daher: „patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae, visibilium et invisibilium omnium conditorem“! Das Wort „conditorem“ als Übersetzung des griechischen poetäs fehlt in der römischen Fassung.
Die Erzbischöfe von Konstantinpel und Jerusalem sind tatsächlich erst 381 Patriarchen geworden.
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#14   Marcel   20:23:29 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Filioque, 2 von 2
(Danke an Irenäus)
Sodann ist zu erwähnen, warum Papst Leo III. sich scheute, die Einfügung anzunehmen.
Denzinger: „Das ‘Filioque’ verursachte vom 8. Jahrhundert an heftige theologische Auseinandersetzungen. Als die Verwendung dieses Zusatzes schon weit verbreitet war {…}, verlangte die Synode von Aachen 809 von Leo III., das ‘Filioque’ solle von der gesamten Kirche in das Glaubensbekenntnis aufgenommen werden.
Der Papst wies dies zurück, nicht weil er die Formel verwarf, sondern weil er sich scheute, dem überlieferten Bekenntnis etwas hinzuzufügen.
Später erwirkte Kaiser Heinrich II. anläßlich seiner Krönung im Jahre 1014 von Benedikt VIII., daß in Rom während der Messe das Glaubensbekenntnis mit dem eingefügten ‘Filioque’ gesungen wurde. Schließlich wurde es auf den ökumenischen Konzilien von Lyon II (1274) und Florenz (1439) {…} anerkannt.“
Eine Neuerung lag erst vor, als der V.II-Theologie, -Häretiker und spätere Kardinal Congar forderte, daß das bereits dogmatisch definierte „Filioque“ als „Akt der Demut und ökumenischen Solidarität“ aus dem Glaubensbekenntnis zu streichen sei.“
Deswegen haben auch unsere Freunde des Modernismus ein Problem mit dem Filioque. Einfach ignorieren.
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#13   Irenäus   20:21:01 | Donnerstag, 5. Januar 2006
vielen Dank
@Höck: interessanter Artikel; dafür bedanke ich!
@Marcel: schreiben Sie auch noch noch Ihren 2.Teil.
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#12   Marcel   20:15:51 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Filioque, 1 von 2
Das dogmatisch definierte „Filioque“ basiert auf den Anfängen der Kirche, wie alle Dogmen. Beim Wort „Filioque“ im Glaubensbekenntnis handelt es sich um eine hinzugefügte Verdeutlichung, eine Präzisierung:
Auf der 3. Synode von Toledo (ab 8.5.589) wurde das Wort Filoque als Reaktion auf die furchtbare arianische Irrlehre in das Konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis eingefügt.
Es war indes keine Neuerung. Wie KKK 247 über „filioque“ sagt: „Aufgrund einer alten lateinischen und alexandrinischen Tradition jedoch hatte der hl. Papst Leo I. es schon 447 dogmatisch bekannt {…}, noch bevor Rom das Symbolum von 381 kannte und 451 auf dem Konzil von Chalkedon übernahm. Die Verwendung dieser Formel im Credo wurde in der lateinischen Liturgie zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert nach und nach zugelassen.“
Es ist einer organischen Entwicklung vergleichbar und fußt auf einem dogmatischen Bekenntnis aus dem Jahre 447.
Das drückte der Papst am 6. Juli 1439 in seiner Bulle klar aus:
„Wir bestimmen überdies, daß die Erläuterung jener Worte, <nämlich> das ‘Filioque’, zum Zwecke der Verdeutlichung der Wahrheit und aufgrund einer damals bestehenden dringenden Notwendigkeit erlaubtermaßen und vernünftigerweise dem Bekenntnis beigefügt worden ist.“
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#11   virOblationis   18:54:53 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Verweigerung der Anerkennung des päpstlichen Primates
So weit mir bekannt, gehörte Konstantinopel 325 noch nicht zu den Patriarchaten, sondern erst 381. 451 dann beanspruchte Konstantinopel einen Vorrang gegenüber Alexandria und Antiochia (sowie dem neu hinzugekommenen Jerusalem), was von Leo dem Großen abgewiesen wurde. Zur Zeit Gregors des Großen nannte sich der Bischof Konstantinopels dann „ökumenischer Patriarch“, während der Papst den Titel „Diener der Diener Gottes“ annahm. – Dies zeigt m.E. deutlich den jahrhundertelangen Weg hin zum Bruch von 1054.
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#10   Irenäus   17:35:14 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Basiswissen
Die Ansprüche der Bischöfe von Rom Oberhaupt der Gesamtkirche zu sein, sind jedoch uralt. Bereits um 230 ist der Titel „Bischof der Bischöfe“ belegt, verbunden mit dem Bezug auf Matthäus16. Im Ketzertaufstreit berief sich Papst Stephan gerade auf den petrinischen Primat. Auf der anderen Seite ist mir kein Autor vor Photius bekannt, der diese Ansprüche angefochten hat.
Mein Einwand bzgl. des filioque war gerade ekklesiologischer Natur: warum dauerte es mehr als ein Jahrhundert, daß das filioque als häretisch angefochten wurde? Warum nicht schon um 600?
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#8   Rudolphus   17:24:52 | Donnerstag, 5. Januar 2006
@Thomas A. Höck
„filioque“: Die Häresie der „Orthodoxen“ ist die grundsätzliche Leugnung der „filioque“-Lehre, nicht, weil sie die Formel nicht gebrauchen.
Päpstlicher Primat: Daß es ein weiter Weg zur tatsächlichen Durchsetzung der päpstlichen Universaljurisdiktion war, wurde nie bestritten: es dauerte vom hl Petrus über den hl. Leo I. den Großen bis zum seligen Pius IX.
Deo gratias für das I. Vaticanum!
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#6   Irenäus   16:55:20 | Donnerstag, 5. Januar 2006
@Höck
Es mag ja eine Geschmacksfrage, bei wem die Peinlichkeiten größer waren. Mal abgesehen davon, daß das filioque schon im 6. Jahrhundert bezeugt ist (so daß es schon allein deswegen nicht häretisch sein kann), darf man sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß die wahre Ursache des Schismas die Ablehnung des Papsttums ist. Es wird zwar immer beschworen, im 1.Jahrhundert habe der Papst nur einen Ehrenprimat gehabt; allerdings wird bezeichnenderweise nie versucht, das an den historischen Fakten zu belegen. Ich habe hier schon einmal verlangt, einen kirchlichen Autor vor Photius zu benennen, der so etwas behauptet hat: vielsagendes Schweigen war die Antwort.
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#5   Rudolphus   16:54:06 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Leugnung des „filioque“ häretisch
Der schismatischen Ostkirche kann man leicht folgen, wenn sie auf dem ursprünglich beschlossenen Text beharren.
Sie leugnen aber auch ein implizites „filioque“, also häretisch.
Der Papst kann Modifikationen von Konzilsbeschlüssen sanktionieren.
„filioque“ ist jedenfalls die Lehre der Kirche.
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#3   Irenäus   16:07:16 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Fehler
In dem Text wurde behauptet, Gregor Palamas sei Erzbischof von Thessaloniki gewesen. Das kann er schon deswegen nicht gewesen sein, weil er einer Sekte 8(nämlich der der Photianer) angehörte. Man hätte das zumindest in Anführungszeichen setzen müssen. Durch das Schisma sind im übrigen die Bischofsstühle der Ostkirche vakant geworden.
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#2   Rudolphus   14:51:26 | Donnerstag, 5. Januar 2006
Ein Widerspruch in sich
Wie kann ein leidenschaftlicher Antikatholik zu einem katholischen Heiligen werden?
Die Auffassungen der nachkonziliaren Zeit sind in vielem widersprüchlich, allein schon, daß die Kirche keiner Missionstätigkeit, besonders bei den Protestanten, bedürfe.
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#1   ottaviani   13:44:56 | Donnerstag, 5. Januar 2006
nachkonziliare brüchigkeit
schleicht sich offenbar auch bei den unierten ein
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