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Montag, 9. Januar 2006 07:59
kreuzmeldungen
Wider den Pomp des Teufels + Nationalsozialistische Blindheit + Papst-Attentäter entlassen + Es happert mit der Ökumene + Augenkontakt
Wider den Pomp des Teufels

Vatikan. Bei seiner Predigt am gestrigen Fest der Taufe des Herrn in der Sixtinischen Kapelle forderte Papst Benedikt XVI. dazu auf, Nein zum „Pomp des Teufels“ und zu einer Antikultur des Todes zu sagen. Eine derartige Todeskultur drücke sich in kurzlebigen irdischen Vergnügungen und einem oberflächlichen Lebensstil aus. Als Beispiele nannte der Heilige Vater unter anderen Drogen, Lüge und Sexualität ohne Verantwortung: „Zu diesem scheinbaren Glück, zu diesem Pomp eines Scheinlebens, das in Wirklichkeit nur ein Instrument des Todes ist, sagen wir Nein, um eine Kultur des Lebens zu pflegen.“ Das christliche Ja sei dagegen ein großes Ja zum Leben. Während der Messe taufte Benedikt XVI. zehn Kinder. Eines von ihnen erhielt den Namen seines Vorgängers, Karol.

Nationalsozialistische Blindheit

Österreich. In einem Interview mit der heutigen Ausgabe des Boulevardblattes „profil“ warnt der Weihbischof des Erzbistums Salzburg, Mons. Andreas Laun, vor einer „Verfolgung des Christentums“. Bereits jetzt seien Christen „ein Stück weit Befehlsempfänger jener antiklerikalen Kreise, die in Europa das Sagen haben“. Im Gespräch mit dem Blatt fordert der Weihbischof vom österreichischen Staat ein Verbot der Kinderabtreibung. Daß die Kirche in dieser Frage nicht die Meinung der Mehrheit vertrete, stört Weihbischof Laun nicht: Schließlich habe es auch in der NS-Zeit viele gegeben, „die nicht gesehen haben, was da kommt“. Wenn Europa die eigene Bevölkerung ausrotte, werde es zu einem großen Altersheim: „Es entsteht ein Vakuum, in das andere Völker einströmen.“ Mittelfristig könnte sogar der „Stephansdom eine Moschee werden“, befürchtet Weihbischof Laun.

Papst-Attentäter entlassen

Türkei. Der türkische Berufskiller Mehmet Ali Agca (48), der im Jahr 1981 ein Attentat auf Papst Johannes II. verübte, soll entlassen werden. Ein Gericht in Ankara stimmte seiner Freilassung gestern Sonntag zu. Agca hat seine Haftstrafe vollständig verbüßt. Er könnte bereits heute oder morgen, jedenfalls bis kommenden Sonntag, auf freien Fuß gesetzt werden.

Es happert mit der Ökumene

Deutschland. Die dem neokonservativen ‘Forum deutscher Katholiken’ zugehörende ‘Aktionsgemeinschaft katholischer Laien und Priester’ hat sich in der Kirchenzeitung des Bistums Mainz gegen die ‘Vereinigung der Initiativkreise katholischer Laien und Priester im deutschen Sprachraum’ und die Organisation ‘Pro Sancta Ecclesia’ gewandt. Dies berichtete die ‘ Vereinigung der Initiativkreise’ in ihrem monatlich erscheinendem Faltblatt. Man wolle mit den beiden Organisationen „nichts zu tun“ haben. Die ‘Initiativkreise’ hätten sich primär auf die Feier der Tridentischen Messe festgelegt und stünden somit auf Distanz zum Zweiten Vatikanischen Konzil, erkannte die ‘Aktionsgemeinschaft’.

Augenkontakt

„Hw. Bob Osborne erinnert sich immer noch an die erste Messe, die er zum Volk hin zelebrierte und dabei Augenkontakt mit den Pfarreiangehörigen aufnahm: »Das war eine viel stärkere Einbeziehung der Leute ins Gebet mit ihnen und sie mit mir«, erklärte Osborne, ein pensionierter Priester in Louisville.“

Aus der Tageszeitung ‘The Courier Journal’, die in Louisville im US-Bundesstaat Kentucky publiziert wird
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 27 Lesermeinungen:
Mittwoch, 11. Januar 2006 13:18
Benedikt: @ Demon
Wenn Sie als Agnostiker das Dogma ü ber die päpstliche Unfehlbarkeit aus unten angeführten Grundlagen kritisieren, dann sollten Sie sich damit vorher praktisch auseinander gesetz haben.
Sie sagen, dass es Ihnen nicht praktisch egal ist, weil die Kirche ja einen gewissen Einfluss habe.

Das Dogma über die päpstliche Unfehlbarkeit wurde 1871 beschlossen. Es sagt kurz gesagt aus, dass der Papst, wenn er eine Glaubens- oder Sittenlehre „ex cathedra“ verkündet unfehlbar ist. Seit 1871 ist das genau einmal vorgekommen, das war 1950, als Pius XII. die Lehre von der leiblichen Himmelfahrt Mariens zum Dogma erhob (Relevanz für Agnostiker?). Dieses hatte er sich nicht am Morgen mal eben ausgedacht, sondern war eine langjährige Bitte der Gläubigen und der Geistlichen in aller Welt (also eine zuvor sowieso schon gültige Glaubensauffassung, keine Aufoktroyierung), die Pius XII. natürlich vorher konsultiert hatte.

Fazit: Ihr Einwand ist praktisch völlig hinfällig, da eine solche von Ihnen befürchtete Ausübung der Unfehlbarkeit des Papstes inexistent ist.
Dienstag, 10. Januar 2006 19:24
DemonDeLuxe †: @Benedikt – Stimmt
Sie haben, Recht, an sich ist uns (Agnostikern/ Atheisten/ Andersgläubigen, also der Mehrheit aller Menschen) das Unfehlbarkeitsdogma egal. Und, nein, wir haben nicht den geringsten Zweifel an dessen Unrichtigkeit („Zweifel“ gibt es da eher unter den Katholiken, wie Sie wissen). Allerdings ist es uns THEOLOGISCH egal, nicht praktisch. Denn man muss schon sehen, welchen Einfluss die katholische Kirche in verschiedenen Weltgegenden hat – da KANN es auch Andersdenkenden nicht egal sein, welche Machtgrundlage und ihm zugesprochene Eigenschaften der Spitzenrepräsentant hat. Immerhin fließen die Interessen größerer Gruppierungen (also auch die der Katholiken) in Dinge ein, die unser ALLER Leben prägen, allen voran die Gesetzgebung.

Es wäre schon recht ignorant, sich so gar nicht dafür zu interessieren, solange es noch gut 30% Katholiken in Deutschland gibt. Ist ja nicht so, dass „Religion“ sich ausschließich im abgeschlossenen Hinterzimmer abspielte.

Und was die Problematik ureigener, persönlicher Ethik angeht: Selbstverständlich. Ich persönlich halte es allerdings für NOCH problematischer, Gewissensentscheidungen praktisch „auszulagern“.
Dienstag, 10. Januar 2006 11:00
Benedikt: @ Demon
Wie einem Agnostiker das Dogma der kirchlichen Unfehlbarkeit erscheint bzw. erscheinen MUSS, das können Sie sich vermutlich vorstellen (falls nicht, dann stellen Sie sich einfach Ihre Reakation auf ein, was weiß ich, hinduistisches Unfehlbarkeitsdogma – falls es so etwas gibt – vor, das elementaren, katholischen Glaubensgrundsätzen diametral widerspricht).

Ein solches Amt würde mich schlicht nicht interessieren, weil ich nicht daran glaube. Es könnte also behaupten, was immer es wolle. In diesem Zusammenhang ist interessant, warum gerade „Ihre“ Fraktion u.a. sich so an der päpstl. Unfehlbarkeit stoßen. Die müsste Ihnen eigentlich völlig egal sein, ist es aber nicht. Hochinteressant, oder? Zweifeln Sie etwa?

Diese Zustimmung unterliegt aber meiner persönlichen Beurteilung (in diversen Geschmacksrichtungen,

Dass dies auch sehr problematisch sein kann, müsste Ihnen doch klar sein: Alles ist selbstdefiniert, nichts Erprobtes ist vorgegeben. In dieser Einstellung sind nur selbstgewählte Schranken vorhanden, nicht aber unveränderliche äußere Schranken. Selbstdefinierte Schranken aber können leichter fallen, und schrankenlose Menschen wollen Sie vermutlich auch nicht gerne haben.
Montag, 9. Januar 2006 17:21
DemonDeLuxe †: @Benedikt
Nun ja. Sagen wir ‘mal, ich folge DEN Autoritäten, denen ich zustimme. Manchen inhaltlich, manchen aber auch, weil ich einsehe, dass es solche Autoritäten an manchen Stellen braucht. Im konkreten Fall würden Sie letzteres für den Papst bejahen.

Diese Zustimmung unterliegt aber meiner persönlichen Beurteilung (in diversen Geschmacksrichtungen, eine davon heißt „Gewissen“). Und sie wird immer wieder hinterfragt – ich kann mich so sehr irren wie jeder andere, und ich weiß ja nun auch nicht alles.

Aber in Glaubensfragen ist das doch noch ein anderes Ding: Ist es nicht letztendlich so, dass die heutige, katholische Dogmatik eine schlichte Mehrheitsbestimmung ist (früher wohl mehr durch Macht bestimmt als heute)? Wobei sich m.E. die Frage stellt, ob religiöse Erkenntnis demokratisch oder qua Amt ermittelt werden kann. Wer KANN denn beurteilen, ob nun z.B. ein römischer oder ein Altkatholik „im Recht“ ist? Letztlich wird das doch immer der eine dem anderen absprechen, ohne de facto das (über seinen eigenen Unterstützerkreis hinaus gehende) Entscheidungsrecht darüber zu haben?
Montag, 9. Januar 2006 17:10
Benedikt: @ Demon
Aber, aber, Sie werden selbst als Agnostiker ja wohl auch der ein oder anderen Autorität folgen. Sie werden sich ja nicht alles, was Sie wissen selber ausgedacht haben, sondern Sie folgen auch den Ansichten anderer, die Sie als Ihre eigenen angenommen haben. So soll es im Idealfall auch mit der Unterordnung unter die päpstliche Autorität sein, wobei natürlich die Abweichungen hier eine andere Bedeutung haben.
Montag, 9. Januar 2006 17:01
DemonDeLuxe †: @Benedikt: Dankeschön
Danke, jetzt weiß ich immerhin über die „offizielle“ Haltung Bescheid – man lernt ja nie aus. Ich muss zugeben, mir ist das immer noch suspekt, aber ich brauche daran ja auch nicht zu glauben ;)

Wie einem Agnostiker das Dogma der kirchlichen Unfehlbarkeit erscheint bzw. erscheinen MUSS, das können Sie sich vermutlich vorstellen (falls nicht, dann stellen Sie sich einfach Ihre Reakation auf ein, was weiß ich, hinduistisches Unfehlbarkeitsdogma – falls es so etwas gibt – vor, das elementaren, katholischen Glaubensgrundsätzen diametral widerspricht).

@zwobbel

Sie scheinen im Französischen ähnlich profunde Kenntnisse zu haben wie in Biologie und Physik ;O)
Im übrigen gehörte eine „Eva“ nicht zu den Damen, mit denen ich engere Bekanntschaft zu haben das Vergnügen hatte. Schade eigentlich – ein schöner Name.
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