In Geras gärt es
Im Klosterwald des österreichischen Prämonstratenserstiftes Geras rauscht es bedrohlich. Schlagzeilen sind für das Stift nichts Neues. Jahrelang profilierte sich der ehemalige Abt Angerer mit seinen Linksaußen-Spielen gegen den verhaßten Ortsbischof Kurt Krenn. Inzwischen sind beide Prälaten unrühmlich abgetreten. Doch im Blätterwald rauscht es wieder.
(kreuz.net, St. Pölten) Ironie des Schicksals. Der ehemalige Abt des Prämonstratenserstiftes Geras,
Dr. Joachim Angerer, konnte den kläglichen Abgang seines Diözesanbischofs und Haßobjektes nicht in
Ruhm und Würde erleben. Den Abt traf der Blitz vom Olymp bereits vor fast genau einem Jahr, am 3. Dezember
2003.An diesem Tag gab Abt Angerer sein Amt in Schimpf und Schande – aber angeblich freiwillig – ab. Nach Presseberichten hatte er sein Stift durch selbstherrliches Schalten und Walten hart an den Rand des finanziellen Bankrotts getrieben.
Als es bereits „10 Minuten nach 12 war“ – Originalton des Visitationsberichtes – schickten die kirchlichen Verantwortlichen einen päpstlichen Begutachter nach Geras, der die Mißstände aufklären sollte. Der Visitator stellte einen „dramatischen Realitätsverlust des Abtes“ fest und ein von ihm verursachtes „Klima der Angst und des Mißtrauens“ unter den Mitbrüdern.
Die beiden päpstlichen Visitatoren, Erzabt Edmund Wagenhofer von Salzburg, und Prälat Rupert Kroisleitner von Vorrau, kamen ferner zum Schluß, daß ihre Visitation höchst notwendig gewesen sei und schon vor Jahren hätte stattfinden müssen.
Der Bericht der päpstlichen Visitatoren liest sich wie die im dicken Buche vorgetragene Anklageschrift beim Jüngsten Gericht. Hier die härtesten Brocken.
Die von Abt Angerer durchgeführten Ordensgründungen in Brasilien und Deutschland seien unter dem Blickwinkel der Flucht von Geras zu verstehen.
Bei einer Aufstockung des Stiftsgrundes sei teurer Ackerboden gegen billigen Wald getauscht worden.
Das Stift sei mit ungefähr 10 Millionen Euro verschuldet. Abt Angerer habe dem Konvent die wahre Situation des Stiftes systematisch vorenthalten. Seit über 15 Jahren fehle jegliche Bilanzprüfung.
Ohne Wissen der Stiftsgemeinschaft oder des Stiftsrates habe der Abt Geld vom Stift auf defizitäre Hotel- und Hobbybetriebe überwiesen und bei ungefähr 20 Banken – wieder im Alleingang – Kredite aufgenommen.
Geld für die Altersvorsorge der Mitbrüder, das von der Diözese St. Pölten überwiesen wurde, sei ebenfalls in Abt Angerers marode Hobbybetriebe investiert worden.
Der Generalabt und die Verantwortlichen des Ordens seien regelmäßig von Mitbrüdern auf diese Situation aufmerksam gemacht worden. Niemand habe reagiert.
Vor ziemlich genau einem Jahr, am 3. Dezember 2003, war das Maß voll. Abt Joachim mußte seinen Posten an P. Andreas Hamberger, den Wirtschafter/Provisor des Stiftes Geras, abtreten. Noch am selben Tag sprach man anläßlich der Kapitelsitzung den definitive Rücktritt des Abtes an. In den darauffolgenden Wochen wurde der Abt angewiesen, spätestens an seinem 70. Geburtstag, dem 8. Februar 2004, sein Birett zu nehmen und zurückzutreten.
Der Erzabt persönlich verbot den Mitgliedern des Konventes, mit den Medien zu sprechen. Dieses Verbot wiederholte Abt Martin Fellhofer, der Abt von Schlägl/Oberösterreich, der in der Zwischenzeit die interimistische Führung von Geras übernommen hatte, ausdrücklich und in schriftlicher Form am 19. Februar 2004.
Einen Monat später, im März 2004, wurde Prälat Angerer auch als Vorsteher von „Klösterreich“, dem Markteting-Zusammenschluß verschiedener österreichischer Klöster, abgewählt.
Abt Angerer ging nicht in Schutt und Asche. Wie ein Löwe verteidigte er sich mit den Klischées, die man von ihm gewohnt war. Der Hauptsündenbock: natürlich Bischof Krenn.
Man habe die Schulden des Stiftes zum Anlaß genommen, um ihn zu treffen. Das sei bösartig. Wenn es nicht ein Mitglied des Stiftes gewesen wäre, hätte er solche Machenschaften angezeigt. Ein oder zwei Mitbrüder seien schon lange gegen ihn tätig gewesen. Sie hätten einige Dinge mit Hilfe von Bischof Krenn nach Rom transportiert. Bischof Krenn habe die Klostergemeinschaft auseinandergetrieben. Einige Stiftmitglieder hätten sich dem Bischof zugewendet, um etwas zu werden. Die üblichen „vorkonziliaren Strömungen“ etc.
Für Außenstehende schien sich die Lage im Stift Geras nach der Absetzung von Abt Angerer beruhigt zu haben. Doch der Schein trügt.
Am 16. November dieses Jahres schrieben elf Mitbrüder, die in der Pfarrseelsorger tätig sind, dem Abt von Schlägl/Oberösterreich und gegenwärtigen Administrator von Geras/Niederösterreich, Mag. Martin Fellhofer, einen Brief.
Die Gruppe von elf Mitbrüdern betreut 18 Pfarreien von insgesamt 17 Stifts- bzw. 23 Dekanatspfarreien.
In ihrem Schreiben bemängeln die elf Mitbrüder, daß die Probleme auch nach dem Abtritt von Abt Angerer nach wie vor auf eine fahrlässige Art und Weise schöngeredet würden.
Sie beziehen sich dabei auf die neueste Ausgabe des „Geraser Heftes“ Nr. 52, der Hauszeitschrift des Stiftes. Dort sei eine Darstellung der Dinge publiziert, „welche die Ergebnisse der Apostolischen Visitation Lügen strafen.“ Zudem würden Täter und Opfer vertauscht.
Mit dieser Taktik, so die elf Priester von Geras, haben man ein Jahr lang die schweren wirtschaftlichen Mißstände und Probleme in der Stiftsgemeinschaft als „Verleumdung“ und „Intrigen“ einiger Mitbrüder hingestellt.
An dieser Leugnung der Realität sei der neue Administrator Fellhofer nicht unschuldig. An ihn gerichtet schreiben die Elf:
„Zu Beginn deiner Tätigkeit als Administrator des Stiftes Geras hast du dich über die wirtschaftliche Situation des Stiftes Geras in folgender Weise geäußert: ‘Die Lage ist kein Fiasko! Die Situation ist bewältigbar!’ Heute wissen wir, daß diese optimistische Einschätzung falsch war und ist.“
Daß sich das Stift heute am Rand des Abgrundes befindet, sei nicht die Schuld der sogenannten „verräterischen Mitbrüder“. Diese hätten vielmehr die dringend notwendige Apostolische Visitation erst ermöglicht.
Die Elf weiter: „Der ‘Manager Gottes’ – Abt Angerer – hat so Großes geleistet, daß das Stift Geras aus eigener Kraft nicht imstande ist, die wirtschaftliche Situation zu bewältigen. Die wirtschaftliche Lage ist noch viel dramatischer, als man es noch vor einem halben Jahr, im Februar 2004, angenommen hat“.
Kein einziger der Wirtschaftsbetriebe des Stiftes schreibe schwarze Zahlen:
– der Stiftsgasthof Schüttkasten sei seit 1981 jährlich 220.000 Euro im Minus
– die berühmten Pernegger Fastenkurse seien ebenfalls defizitär
– die veranstalteten Hobbykurse seien seit 30 Jahren jährlich 70.000 Euro im Minus
– das Fernheizwerk liege darnieder: die Ringleitung sei bereits verkauft, die Anlage extrem überaltert
– die Jubiläumsausstellung 2003 habe das Stift 180.000 Euro gekostet
– ein viermonatiges Experiment mit Bioschweinen habe 60.000 Euro verschlungen
– in den letzten Jahren seien keine Weihnachtsgelder mehr ausbezahlt worden.
All das ergebe einen astronomischen Schuldenstand des Prämonstratenserstiftes Geras von über 10 Millionen Euro.
Die Situation sei auch deshalb verfahren, weil viele Personen des öffentlichen Lebens einseitig vereinnahmt worden seien. Sie würden eine einseitige Meinung vertreten, weil sie einseitige Informationen erhalten hätten.
Darum fordern die elf Mitbrüder vom gegenwärtigen Administrator von Geras: „Da wir angewiesen sind, nicht in die Medien zu gehen, ist es Dein Vorrecht, die Öffentlichkeit über die Wahrheit ins Bild zu setzen.“
Die vielen Lügen über den wahren Zustand des Stiftes Geras sollten nicht unwidersprochen bleiben: „Wie die wirkliche wirtschaftliche Lage verschleiert wurde, so wurden auch die wahren Gründe für den Abgang deines Vorgängers verschleiert“, schreiben die elf Prämonstratenser.
Bereits im Juli 2002 habe die Vatikanische „Kongregation für die Institute des gottgeweihten Lebens“ von einer „ernsten Gefahr für die Abtei“ gesprochen.
Das habe sich jetzt alles bewahrheitet.
Die Prämonstratenser sind ein Orden regulierter Chorherren, die vom hl. Norbert von Xanten († 1134) gegründet wurden. Der berühmteste Prämonstratenser der Gegenwart war wohl der Gründer des Hilfswerkes „Kirche in Not Ostpriesterhilfe“ P. Werenfried van Straaten.
Das Prämonstratenserstift Geras befindet sich bei Horn unweit der niederösterreichischen Landeshauptstadt St. Pölten. Zum Stift gehören 46 Mitglieder. Viele Chorherren arbeiten als Pfarrer in den umliegenden Pfarreien.
Weiterlesen:
Montag, 6. Dezember 2004 21:07
Dolfus: @ottavani
Ich danke für diese lustige Anekdote! Der „Papst von Stift Geras“ …
Es ist einfach unglaublich, was sich dieses liberale Liebkind der linken Medienmafia alles geleistet hat: den größten Schuldenberg, den ein österreichischer Kirchenfürst je angerichtet haben dürfte, das jahrelange Decken eines Kinderschänders seines Stiftes, Nacktmalereien im Stiftsgebäude, Lieblinsurlaub dolce vita in Ibiza … aber er hatte den Freibrief, weil er ja ein Krenn-Kritiker ist, der angeblich von den bösen Conservativen mundtot gemacht werde solle etc.
Es ist einfach unglaublich, was sich dieses liberale Liebkind der linken Medienmafia alles geleistet hat: den größten Schuldenberg, den ein österreichischer Kirchenfürst je angerichtet haben dürfte, das jahrelange Decken eines Kinderschänders seines Stiftes, Nacktmalereien im Stiftsgebäude, Lieblinsurlaub dolce vita in Ibiza … aber er hatte den Freibrief, weil er ja ein Krenn-Kritiker ist, der angeblich von den bösen Conservativen mundtot gemacht werde solle etc.
Montag, 6. Dezember 2004 09:03
ottaviani: der Abt der Medien
es ist schon immer wieder erstaunlich wie es die medien in österreich schaffen ihre liebkinder hoch zu halten. da war letzte woche in einer zeitung zu lesen, eine alte dame sei ganz glücklich gewesen, daß der papst sie vor dem sterben besucht hat. nun, der „papst“ sein angeblich abt angerer gewesen, den die gute frau wegen seiner weißenordenstracht für den papst gehalten hat. so präsentiert uns ein lieberales lachsrosa blatt also den inbegriff des „pastor bonus“. eigentlich ist das ganze schon lächerlich.
Sonntag, 5. Dezember 2004 23:11
Catholicus: Offenheit und Neubeginn
Danke an kreuz.net für diese offene Reportage! Möge ein Neubeginn in Wahrheit und Liebe folgen.
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