Der Gottesdienst ist eine private Initiative. Weder der Dom noch geschweige denn das Bistum haben mit dieser Liturgie etwas zu tun. Immerhin läßt man die noch in der untergegangenen Kulturperiode lebenden Nostalgiker machen.
(kreuz.net/SISA, Aachen) Zum Karlsfest am 28. Januar 2006 kehrt die alte feierliche Liturgie der Kirche
wenigstens für eine Stunde in den prächtigen Dom von Aachen zurück.
Anlaß ist die Präsentation einer
wissenschaftlichen Arbeit über das Karlsoffizium „Regali natus“.
Die älteste Überlieferung des Karlsoffiziums
„Regali natus“ befindet sich in dem sogenannten Antiphonar des Franko, das heute im Aachener Domarchiv
liegt.
Das wertvolle Manuskript stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und ist vielleicht
von Magister Franko, der nach einem Totenbuch des Aachener Marienstifts am 10. Mai 1318 starb, gestiftet
worden.
Die Handschrift präsentiert die liturgische Musik Aachens mit kunstvollen Initialen und Schriftzeichen.
Sie ist ein prächtiges Zeugnis der blühenden Kultur des finsteren Spätmittelalters.
Die mehrbändige
Faksimileausgabe wurde seit einigen Jahren von Wissenschaftlern zur Publikation vorbereitet.
Eine getreue
Nachbildung der kostbaren Handschrift aus dem 13. Jahrhundert dient am Samstag, dem 28. Januar als Vorlage,
um daraus zum Karlsfest die Erste Vesper zu einem mächtigen Gotteslob erstehen zu lassen.
Aus diesem
Anlaß ergeht an alle Mitglieder der Gemeinschaft der ehemaligen „Aachener Domsingknaben“ die herzliche
Einladung zur Teilnahme am Abendlob der Kirche um 17.00 Uhr im Aachener Dom.
Das US-amerikanische Vokalensemble
„Exsultemus“ unter der Leitung von Prof. Dr. Eric Rice wird zu diesem Anlaß nach Aachen reisen, um in
der Kirche Karls des Großen die mehrstimmigen Gesänge erklingen zu lassen.
Nach der Vesper – etwa um
18 Uhr – ist ein Wiedersehenstreffen als Stunde der Begegnung in der Domsingschule vorgesehen.
Die feierliche
Vesper hat folgenden Ablauf:
Das gereimte Officium von Karl dem Großen aus dem Jahr 1165: Regali natus
de stirpe. Mit polyphonen Werken des Aachener Stiftskapellmeisters Johannes Mangon (1525-1578), von Lambertus
de Monte († 1606) und Michael Wilhelm (1580-1610)
Erste Vesper zum Fest des heiligen Karls des Großen,
wie sie am Samstag, dem 27. Januar 1582, gehalten wurde.
Vierstimmige Motette: Laudemus Dominum von Johannes
Mangon Gregorianisches Invitatorium und Responsorium: Deus in adjutorium Gregorianische Antiphon: Regali
natus de stirpe und Psalm 109 Gregorianische Antiphon: Angelici cultus und Psalm 110 Gregorianische Antiphon:
Sacros effectus und Psalm 111 Gregorianische Antiphon: lusticie palma und Psalm 112 Gregorianische Antiphon:
Nec mundi terror und Psalm 113 Vierstimmiger Hymnus: O rex orbis von Johannes Mangon Gesungene Lesung:
Egredimini filie Jherusalem Gregorianisches Responsorium: Te secutus Versikel und Responsorium: Gloria
et honore Vierstimmige Motette: O spes afflictis von Johannes Mangon Sechsstimmiges Magnificat von Lambertus
de Monte Vierstimmige Motette: O spes afflictis/ In cithara/ Dissolutus in corpore von Johannes Mangon
Gesungenes Tagesgebet: Deus qui superabundanti Gregorianisches Benedicamus Domino Vierstimmiges Ave Maria
von Michael Wilhelm (Josel)
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15 Lesermeinungen
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Antwort auf Bernardo Herzlichen Dank für Ihren Hinweis. Die von Ihnen erwähnten Tatsachen zeigen, daß
der hl. Geist ganz deutlich im gläubigen Kirchenvolk wirkt, das sich eben nicht jeden liturgischen Unfug
vorsetzen läßt! Es ist klar, die vom Konzil beabsichtigte Liturgiereform ist wegen der Oberflächlichkeit
ihrer bisherigen Durchführung weitgehend mißlungen. Ein positives Beispiel für ihr Gelingen darf aber
keineswegs unterschlagen werden: im Rahmen von „Alte Liturgien in romanischen Kirchen Kölns“ haben die
Benediktiner von San Anselmo, Rom, eine neue Liturgie zelebriert: ganz in Latein gesungen(!), der Kanon
wurde von den konzelebrierenden Priestern abwechselnd gesungen, die Wandlungsworte von allen Zelebranten
gemeinsam! Eine solche Feierlichkeit hat die tridentinisch Liturgie m. E. nicht hergegeben.
@Jörg Guttenberger Sie schrieben:„Das könnte man mit einer gewissen Häme auch über die Anhänger der
vom Konzil abgelösten tridentinischen Liturgie sagen.“ Wie kommen Sie darauf, die tridentinische Liturgie
sei abgelöstworden? Und auch noch „Vom Konzil?“. Tatsache ist, daß die Liturgie, die schon zur Zeit
von Trient an die 1000 Jahre alt war, weiterbesteht, und Papst JPII die Bischöfe in Ecclesia Dei aufgefordert
hat, allen, die das wünschen, die Feier des Messopfers nach dieser Liturgie zu ermöglichen. Obwohl nicht
alle Bischöfe diesem Wunsch folgen, hat die traditionelle Liturgie seitdem einen enormen Aufschwung erlebt.
In Frankreich besuchen nahezu ebensoviele Katholiken die Sonntagsmesse nach der alten Liturgie wie nach
der neuen. Wie das gehen kann? Während der Messbesuch bei den „modernen Katholiken“ in Frankreich um
oder unter 10% liegt, halten von den Katholiken, die sich traditionellen Gruppen verbunden fühlen (darunter
natürlich auch die FSSPX), 90% und mehr die Sonntagspflicht.
Feierliche Vesper im Hohen Dom zu Aachen Herzlichen Dank für Ihren Hinweis auf diese hochinteressante
Liturgie! Ich werde mit interessierten Bekannten von Köln nach Aachen fahre, um an dieser auch historisch
wertvollen Vesper teilzunehmen. Warum jedoch der abwertende und distanzierende Hinweis, weder der Dom,
noch das Bistum habe etwas mit dieser Liturgie zu tuen? „Immerhin läßt man die noch in der untergegangenen
Kulturperiode lebenden Nostalgiker machen.“ Das könnte man mit einer gewissen Häme auch über die Anhänger
der vom Konzil abgelösten tridentinischen Liturgie sagen. Also bitte, etwas mehr Tolerenz! Ähnlich,
wie es in der Mathematik Gleichungen mit nur einer und mit mehreren gleichberechtigt richtigen Lösungen
gibt (eine quadratische Gleichung hat z. B. zwei gleichermaßen richtige Lösungen), verhält es sich
auch im kirchlichen Bereich. Wir sollten die verschiedenen gleichberechtigt richtigen Meinungen achten,
ernst nehmen und hierin eine willkommene Bereicherung unseres eigenen Gesichtskreises sehen!
Mißverständnis @Diakonos Ich stimme Ihnen zu! Ich hatte die Äußerungen einiger Vorredner dahingehend
missverstanden, als sei eine solche Vesper zwar ein kultureller Genuß, aber kein Gotteslob. Und dagegen
habe ich mich gewendet. Im übrigen bin ich auch genau Ihrer Meinung, dass diese Musik primär nicht ins
Konzert, sondern in die Liturgie der Kirche gehört. Herzliche Grüße, Isidorus Hispalensis
#9 Gotthard 11:12:36 | Donnerstag, 12. Januar 2006
privat Der Gottesdienst ist eine private Initiative. Weder der Dom noch geschweige denn das Bistum haben
mit dieser Liturgie etwas zu tun. Wird der Dom zu diesem Datum einfach besetzt? Anders kann ich die obigen
Sätze der verehrten Redaktion nicht verstehen. Hausherr im Dom ist das Domkapitel, vertreten durch den
Dompropst, also kann nichts ohne ihn dort stattfinden. Was hätte das Bistum in diesem Fall tun können?
Das Bistum hat im Dom keinerlei Weisungsrecht.
#8 diakonos 10:18:10 | Donnerstag, 12. Januar 2006
Missverständnis Man hat micht – bewusst? – missverstanden. Wenn ich fragte, ob es ein Konzert oder eine
Liturigiefeier ist, meinte ich, ob das nur ein Chor die musikalischen Teile zu Gehör bringt, oder ob
ein Priester oder Bischof dieser Feier als liturgischer Feier vorsteht und es ein Vesper-Gottesdienst
ist. Ich habe nichts gegen alte Musik, im Gegenteil, ich liebe sie, wo es für mich aber schwierig wird,
ist, wenn die liturgische Musik einfach nur als Konzert dargeboten wird, wo möglicherweise auch noch
Eintritt verlangt wird. Da wird die Musik aus ihrem ursprünglichen Kontext gerissen. Wenn aber alte –
und auch neue – Kirchenmusik Teil der Liturgie bleibt, hat sie dort eine wichtige und unersetzliche Aufgabe,
nicht nur die Verfeierlichung oder die „Umrahmung“ der Gottesdienste, sondern die liturgische Musik ist,
wie das Zweite Vatikanische Konzil im Sacrosanctum Concilium sagt, selbst Liturgie! Dass der Hymnus nach
dem Capitulum gesungen wird, ist auch heute noch im nachkonziliaren Monastischen Vesper-Ritus so (allerdings
nicht überall – aufgrund der Eigenständigkeit der Klöster). Ich verstehe nicht, warum aus dieser Vesper
ein Konflikt zwischen „Alter“ und „Neuer“ Liturgie konstruiert wird, den es HIER nicht gibt, denn so eine
Vesper widerspricht weder dem Geist noch dem Wort des letzten Konzils – im Gegensatz zu manchen Verfechtern
des Tridentinischen Messritus, die sich in andauernder Verstocktheit weigern, die Reformen des Zweiten
Vatikanischen Konzils anzunehmen.
Kult und Kultur Göttlicher Kult und (Hoch)Kultur gehören zusammen, wie das musikalische Programm der
Vesper eindrucksvoll zeigt. Die Alternative „Konzert“ oder „Liturgie“ ist hier nicht gegeben, denn gerade
in der und durch die herrliche Kirchenmusik vollzieht sich doch das Lob Gottes. Römische Liturgie (und
dies kann man auch für die alten diözesanen Eigenriten sagen) ist in ihrer Hochform gesungene Liturgie,
wie dies auch für die großen östlichen Liturgien gilt. Diese Hochform von Liturgie und ihre strukturellen
Gesetzmäßigkeiten gilt es für uns heute wiederzuentdecken. Dass die Vesper dem „alten“ Breviarium Romanum
folgt – der Hymnus müsste in der Tat dem Capitulum folgen –, ist juristisch betrachtet dem Motu proprio
„Ecclesia Dei“ gemäß auch kein Problem mehr, angesehen vielleicht von einigen Angehörigen der „Konzilsgeneration“.
Warum sollte es nicht zwei römische, in friedlicher Koexistenz existierende Riten geben, den vetus und
den novus ordo? Etwas kompliziert wäre doch einzig die Frage der unterschiedlichen Kalender. Nebenbei
bemerkt kann man natürlich auch ohne Probleme eine Vesper gemäß der nachkonziliaren „Liturgia horarum“
ähnlich feierlich mit Choral und klassischer Vokalpolyphonie gestalten. Doch wo wird dies noch gemacht?
@ Armand a) soweit ich weiß wurde die Kanonisation von Karl dem Großen von Rom nie bestätigt; es handelt
sich um den lokalen Kult in einigen wenigen Bistümern, darum ist es sachlich unrichtig, vom Fest des
Hl. Karl d. Großen zu sprechen Soweit ich weiß ist diese Bezeichnung seit der Festlegung des Trienter
Konzils erlaubt, wenn damals nachgewiesen werden konnte, dass die Heiligenverehrung bereits seit über
200 Jahren stattgefunden hat. So war es jedenfalls beim Hl. Willigis (Erzbischof von Mainz und Domerbauer),
dessen schon frühe Verehrung mit Hilfe eines alten Sakramentars nachgewiesen werden konnte. Konzertcharakter:
Ich kann das nur zT nachvollziehen. Gregorianische Antiphonen und Psalmen hört man in jedem Kloster,
das die lateinische Sprachtradition bewahrt hat, bisweilen auch bei Vespern der Domstifte. Die Pontifikalvespern
sind häufig auch von Chören begleitet, die anspruchvolles Programm zu Gehör bringen. Das wissen Sie
sicher Ich nehme Ihnen (und diakonos) daher ihre Kritik nicht ganz ab, vielmehr scheint es sich um eine
Kritik an alter Liturgie an sich zu handeln. Den Konzertcharakter kann man nur in sofern feststellen,
dass es sich um eine Besonderheit handelt, die ganz außergewöhnlich erscheint, und bei der von außen
gesehen die Musik allein im Vordergrund steht. Nun, dies ist ein Problem der Vernachlässigung liturgischer
Traditionen und darf denen, die das Wagnis machen mE nicht vorgeworfen werden.
An ArmanddeRance: Kultur… Sie schreiben …e) mit diesem unverholenen Lob für diese veranstaltung und
die unterschwellige Kritik am Bistum erweist kreuz.net sich wieder einmal als Hort des liturgischen historizismus
und Archäreologismus Würden Sie dies auch dem englischen Episkopat unterstellen, als er in Edingburg
vor wenigen Jahren für die Märtyrer der Katholikenverfolgung im Rahmen der Reformation eine Messe im
sarischen Rituslesen lies?
#3 ArmanddeRance 09:21:56 | Mittwoch, 11. Januar 2006
Kultureller Genuß, aber sicher kein Gottesdienst …a) soweit ich weiß wurde die Kanonisation von Karl
dem Großen von Rom nie bestätigt; es handelt sich um den lokalen Kult in einigen wenigen Bistümern,
darum ist es sachlich unrichtig, vom Fest des Hl. Karl d. Großen zu sprechen b) das Programm weist einen
sachlichen Fehler auf: der Hymnus kommt sicher nach dem Capitulum und vor dem Versikel und nicht gleich
nach der Psalmodie c)es ist problematisch, wenn eine so umstrittene Persönlichkeit wie Karl der Große
hier glorifiziert wird d) es ist andererseits sicher einkultureller Genuß mittelalterlice Liturgie zu
erleben; von Gotteslob der Kirche in diesem zZusammenhang zu sprechen ist sachlich unrichtig d) schlage
vor, es unter interessante Veranstaltung für liturgiewissenschaftlich/ liturgiegeschichtl. musikwissenschaftlich
oder einfach kulturell Interessierte zu deklarieren e) mit diesem unverholenen Lob für diese veranstaltung
und die unterschwellige Kritik am Bistum erweist kreuz.net sich wieder einmal als Hort des liturgischen
historizismus und Archäreologismus
Feierliche Vesper im Hohen Dom zu achen Herzlichen Glückwunwsch zu dieser feierlichen Liturgie! Ist die
Vesper auf CD zu haben? Als liturgie- und und musikgeschichtlich interessierter Laie würde ich mich über
eine Aufnahme sehr freuen. Antwort erbeten an Guttenbergerkoeln@t-online.de