USA
Eine Scheinübung
Eine große römische Visitation prüft gegenwärtig die US-Priesterseminare auf eine mögliche homosexuelle Unterwanderung. Doch schon jetzt ist klar, daß alles – wie schon bei früheren ähnlichen Untersuchungen der Priesterseminare – beim Alten bleiben wird.
(kreuz.net, Rom) Unter den Bischöfen und Regenten – das heißt: Direktoren von Priesterseminaren –, die an der zur Zeit in den USA stattfindenden Überprüfung der Seminare beteiligt sind, herrscht Einmütigkeit: Es wird keine einschneidenden Veränderungen geben.

Zu diesem Schluß kam John Allen, der Korrespondent der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, nach ausführlichen Interviews mit Visitatoren und Visitierten.

In den Vereinigten Staaten läuft seit Ende September eine kanonische Visitation aller – insgesamt 229 – Priesterseminare mit Ausnahme des Seminars, welches der dem Alten Ritus verpflichteten Petrusbruderschaft gehört.

Viele Priesterausbildungsstätten des Landes stehen seit Jahren im Ruf, mit Wissen und Komplizenschaft der Bischöfe Brutstätten des Sodomismus zu sein.

Die Visitation wird von 117 Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und sogenannten Experten durchgeführt. In kleinen Teams – bei kleinen Seminarien ist nur ein Einzelvisitator unterwegs – verbringen die Visitatoren fast eine Woche von Sonntag bis Freitag in den Allumnaten.

Ein Drittel der Visitationen ist bereits abgeschlossen. Die restlichen sollen in der ersten Jahreshälfte durchgeführt werden.

Die meisten der bereits konsultierten Seminarverantwortlichen erklärten, daß die Visitation ein Feinschliff und keine tiefgründige Korrektur von Fehlern im System sei:

„Ich glaube, daß als Ergebnis der Visitation ein großes Vertrauen in unsere [leeren A.d.R.] Priesterseminare zum Ausdruck kommen wird“, erklärte der Bischof von Austin, Mons. Gregory Aymond (56): „Im großen und ganzen verrichten die Rektoren, die Mitarbeiter und die Professoren eine sehr, sehr gute Arbeit“.

Austin ist die Hauptstadt des US-Bundesstaat Texas im Süden der Vereinigten Staate.

Man könne nicht jedes Problem, das ein Priester später habe, auf einen Fehler im Seminar zurückführen. Die Seminarleitungen – Männer und Frauen – hätten ihr Leben in die Ausbildung investiert: „Sie verdienen unser Vertrauen.“

Bislang habe die Visitation erst in einem Haus zu Schwierigkeiten – allerdings von Seiten der Seminarleitung – geführt: in der Erzdiözese Chicago.

Chicago befindet sich im Norden der USA bei den großen Seen. Die Erzdiözese gilt als eines der bedeutendsten US-Bistümer. Der dortige Erzbischof ist traditionellerweise ein Kardinal. Die Erzdiözese besitzt gegenwärtig nicht weniger als sechs Weihbischöfe.

Zum Stein des Anstoßes wurden angeblich indiskrete Fragen der Visitatoren. Es ging um Sexualpraktiken der Seminaristen. Solche Fragen würden in den Gewissensbereich der Studenten eindringen und Interna betreffen, erklärte der Regens des Hauses. Nach Informationen von Allen bezogen sich die Fragen unter anderem auf die Masturbation.

John Allen unterstreicht, daß die von ihm interviewten Personen – Bischöfe und Regenten – die Untersuchung des Seminars von Chicago als Einzelfall beschrieben hätten. Grundsätzlich sei die Haltung der Visitatoren freundlich und wohlwollend gewesen.

Generell liege der Schwerpunkt der Visitation nicht auf der Homosexualität. Auch wenn der Vatikan „zufälligerweise“ zu Beginn der Visitation das seit zehn Jahren erwartete Homo-Dokument veröffentlicht habe, gelte diese Frage in den US-Seminaren als breit diskutiert und bereits abgehandelt.

Ein Regens, dessen Priesterseminar bereits im Oktober visitiert wurde, erklärte, daß die Kirche die Tendenz habe, reaktiv statt proaktiv zu sein: „Wir senden unsere Truppen dorthin, wo der Feind vor 20 Jahren das letzte Mal gesehen wurde, um sicherzugehen, daß er verschwunden ist.“

In seinem Artikel betont Allen, daß die von ihm interviewten Bischöfe und Rektoren einen Schwerpunkt der Visitation bei der in den Priesterseminaren gelehrten Moraltheologie – besonders der Sexualmoral – sehen würden.

Dabei habe keiner seiner Interviewpartner von einer Krise der Moraltheologie in den US-Seminaren gesprochen. Es gehe vielmehr darum, entscheidende päpstliche Texte – wie die Moralenzykliken „Veritatis Splendor“ oder „Evangelium Vitae“ – deutlicher hervorzuheben.

Eine am Seminarunterricht beteiligte Franziskanerschwester unterstrich, daß sie jede gravierende Änderung ablehne. Das Thema der psychosexuellen Reife und Heranbildung zum Zölibat sei seit 20, 30, 40 Jahren von entsprechenden Instituten aufgearbeitet worden: „Zu glauben, daß dabei ein wesentlicher Punkt übersehen wurde, ist kaum vorstellbar.“

Sie habe gehört, daß die Visitationen nicht im Stil der Inquisition abgehalten würden. Die einzige Ausnahme sei das Priesterseminar von Chicago gewesen.

Der bisherige Regens des ‘Nordamerikanischen Priesterseminars’ in Rom erklärte, daß ein Schwerpunkt auf dem sechsten Gebot die Seminare nicht von anderen, grundlegenden Aspekten der Priesterausbildung ablenken dürfe: „Ein Mann, der auf der Straße nicht ‘Guten Morgen’ sagen kann oder will, kann in einer Pfarrei mehr Schaden anrichten.“

Der Rektor trat im Dezember von seinem Amt zurück, um für sein ehemaliges Priesterseminar 20 Millionen Euro zu sammeln – und auf eine Ernennung zum Bischof zu warten.
      
7 Lesermeinungen
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#8   Pater Lingen   20:28:43 | Freitag, 13. Januar 2006
Eigene Erfahrungen
„Homosexualität ist vielfach die Folge der Verführung und völliger sexueller Verwilderung; sie kann aber auch eine schlimme, krankhafte Anlage sein. Ihr Tun ist die Sodomie“ (Häring, DGC).
Im Grunde ist damit auch schon erklärt, warum Sodomie in V2-Seminaren so wuchert.
Ich selbst war „Priesterkandidat“ zwar nur in zwei „Priesterseminaren“ der V2-Sekte, i.e. Bochum und Chur (CH), u.z. ganz am Anfang und ganz am Ende meines V2-„Studiums“. Allerdings habe ich zwischenzeitlich auch noch andere V2-„Priesterseminare“ (z.B. Pamplona) besucht, immer nach der (natürlich zum Scheitern verurteilten, da contradictio in adjecto) Suche nach einem „richtig katholischen“ Seminar im Rahmen der V2-Sekte.
Was nun die Homo-Szene betrifft, wurde ich selbst umworben, was ich allerdings damals nicht so recht wahrhaben wollte. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber wichtig erscheint mir noch ein gebräuchliches „Argument“, womit die Seminaristen ihren Mitbrüdern Sodomie schmackhaft zu machen versuchen: Bei sodomitischer Unzucht ist die Gefahr, Vater zu werden, erfahrungsgemäß deutlich geringer als bei normalen Beziehungen. Kurz: Es waren oftmals schlichtweg praktische Erwägungen der Fleischeslust – besser ein Mann als gar kein Fleisch.
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#7   Inderwld   15:50:29 | Freitag, 13. Januar 2006
Seminarleitungen
Für mich ist erstaunlich, dass die Seminarleitungen dort aus Männern und Frauen besteht.
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#5   clemens   14:30:59 | Freitag, 13. Januar 2006
Thermo + Frater
Aha!!! Es fällt der Euro!
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#4   gunther maria michel   14:25:43 | Freitag, 13. Januar 2006
@Clemens:
Ich kann nur vermuten, was für ein „Orden“ das ist. Griechisch „thermós“ heißt warm, und lateinisch „frater“ heißt Bruder. Na, fällt der Groschen? 8-)
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#3   clemens   14:08:09 | Freitag, 13. Januar 2006
Thermofratenser
wer ist das?
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#2   Sulpicius   13:56:10 | Freitag, 13. Januar 2006
Thermofratenser
Gut beobachtet!
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#1   mahner   13:53:46 | Freitag, 13. Januar 2006
und was ist mit den Thermofratensern
in Gricigliano ??
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