14:07:32 | Freitag, 13. Januar 2006
In Österreich jubeln die Bischöfe. Nach den zahlreichen Turbulenzen der letzten Jahre gibt es endlich wieder Gelegenheit, sich im medialen Glanz zu sonnen: Die „Austrittswelle ebbt ab“. Ein Kommentar von Werner Weiß, Münster.
(kreuz.net) Unisono verkündeten die österreichischen Medien jüngst die frohe Botschaft, daß die seit
Jahren stetig ansteigende Zahl von Kirchenaustritten erstmals wieder leicht zurückgegangen ist.
Waren
es im Jahr 2004 noch 51.731 Katholiken, die vor den staatlichen Behörden erklärten, mit der Kirche nichts
mehr zu tun haben zu wollen, setzen 2005 „nur mehr“ 43.855 diesen Schritt.
In gewohnter Manier meldete
sich prompt der Wiener Lokalprophet und Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner zu Wort und gab bekannt,
den Grund für den Rückgang zu kennen: Der katholischen Kirche in Österreich sei es in jüngerer Zeit
gelungen, sich von ihren „Altlasten“ zu befreien.
Um keine Assoziation von „Altlast“ zu „Altbischof“
aufkommen zu lassen, fügte Professor Zulehner eilig hinzu, daß es dabei „nicht unbedingt um Personen
wie Kurt Krenn“ gehe.
Im allgemeinen Jubel verhallte ein weniger erfreulicher Aspekt der aktuellen Austrittsstatistik
fast ein wenig. Ungeachtet des leichten Rückgangs ist der aktuelle Wert immer noch der dritthöchste
seit 1945. Selbst im „Annus horribilis“ 1995, als Kardinal Groer seinen Rücktritt bekanntgab, traten
weniger Katholiken aus der Kirche aus als zehn Jahre später. Ehrlicherweise dürfte man den jüngsten
Rückgang daher nicht als „Trendwende“ bejubeln, sondern darin bestenfalls eine Stabilisierung auf hohem
Niveau erkennen.
Damit liegt auf der Hand, daß die katholische Kirche in Österreich mit dem Entsorgen
ihrer „Altlasten“ ihre Dauerkrise alles andere als überwunden hat. Dies ist um so offensichtlicher, als
Professor Zulehner als weiteren Grund für den Rückgang der Austrittszahlen angibt, „daß ein Kardinal
Schönborn die Kirche mit großer Umsicht leitet“.
Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an
die Ansprache
Papst Benedikts XVI. beim Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe am 5. November vergangenen
Jahres. „Es ist wahr, daß wir Bischöfe mit Bedacht handeln müssen“, hatte der Papst erklärt. „Aber
solche Umsicht“ – wie sie soeben dem Wiener Kardinal von Zulehner attestiert wurde – „darf uns nicht daran
hindern, Gottes Wort in aller Klarheit darzulegen“.
Auch hatte der Papst die Bischöfe der Alpenrepublik
dazu aufgefordert, jene „Trendwende“ endlich einzuleiten, die sie mit der Entsorgung ihrer „Altlasten“
längst glaubten, eingeleitet zu haben.
Die jüngste Statistik der Kirchenaustrittszahlen gibt dem Papst
Recht.
Bevor die österreichischen Bischöfe es sich im wohligen Glanz der medialen Lobeshymnen bequem
machen, sollten sie nicht vergessen, welche Botschaft ihnen Papst Benedikt XVI. mit auf den Weg gab:
„Macht euch keine Illusionen!“
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#5
Doritta 00:00:27 | Sonntag, 15. Januar 2006
#4
ottaviani 17:28:06 | Freitag, 13. Januar 2006
#3
Ottawiani 15:32:40 | Freitag, 13. Januar 2006
#2
Benedikt78 15:18:38 | Freitag, 13. Januar 2006
#1
wiener 15:13:20 | Freitag, 13. Januar 2006