Österreich
Altlasten und ihre Entsorger
In Österreich jubeln die Bischöfe. Nach den zahlreichen Turbulenzen der letzten Jahre gibt es endlich wieder Gelegenheit, sich im medialen Glanz zu sonnen: Die „Austrittswelle ebbt ab“. Ein Kommentar von Werner Weiß, Münster.
(kreuz.net) Unisono verkündeten die österreichischen Medien jüngst die frohe Botschaft, daß die seit Jahren stetig ansteigende Zahl von Kirchenaustritten erstmals wieder leicht zurückgegangen ist.

Waren es im Jahr 2004 noch 51.731 Katholiken, die vor den staatlichen Behörden erklärten, mit der Kirche nichts mehr zu tun haben zu wollen, setzen 2005 „nur mehr“ 43.855 diesen Schritt.

In gewohnter Manier meldete sich prompt der Wiener Lokalprophet und Pastoraltheologe Paul Michael Zulehner zu Wort und gab bekannt, den Grund für den Rückgang zu kennen: Der katholischen Kirche in Österreich sei es in jüngerer Zeit gelungen, sich von ihren „Altlasten“ zu befreien.

Um keine Assoziation von „Altlast“ zu „Altbischof“ aufkommen zu lassen, fügte Professor Zulehner eilig hinzu, daß es dabei „nicht unbedingt um Personen wie Kurt Krenn“ gehe.

Im allgemeinen Jubel verhallte ein weniger erfreulicher Aspekt der aktuellen Austrittsstatistik fast ein wenig. Ungeachtet des leichten Rückgangs ist der aktuelle Wert immer noch der dritthöchste seit 1945. Selbst im „Annus horribilis“ 1995, als Kardinal Groer seinen Rücktritt bekanntgab, traten weniger Katholiken aus der Kirche aus als zehn Jahre später. Ehrlicherweise dürfte man den jüngsten Rückgang daher nicht als „Trendwende“ bejubeln, sondern darin bestenfalls eine Stabilisierung auf hohem Niveau erkennen.

Damit liegt auf der Hand, daß die katholische Kirche in Österreich mit dem Entsorgen ihrer „Altlasten“ ihre Dauerkrise alles andere als überwunden hat. Dies ist um so offensichtlicher, als Professor Zulehner als weiteren Grund für den Rückgang der Austrittszahlen angibt, „daß ein Kardinal Schönborn die Kirche mit großer Umsicht leitet“.

Man erinnere sich in diesem Zusammenhang an die Ansprache Papst Benedikts XVI. beim Ad-limina-Besuch der österreichischen Bischöfe am 5. November vergangenen Jahres. „Es ist wahr, daß wir Bischöfe mit Bedacht handeln müssen“, hatte der Papst erklärt. „Aber solche Umsicht“ – wie sie soeben dem Wiener Kardinal von Zulehner attestiert wurde – „darf uns nicht daran hindern, Gottes Wort in aller Klarheit darzulegen“.

Auch hatte der Papst die Bischöfe der Alpenrepublik dazu aufgefordert, jene „Trendwende“ endlich einzuleiten, die sie mit der Entsorgung ihrer „Altlasten“ längst glaubten, eingeleitet zu haben.

Die jüngste Statistik der Kirchenaustrittszahlen gibt dem Papst Recht.

Bevor die österreichischen Bischöfe es sich im wohligen Glanz der medialen Lobeshymnen bequem machen, sollten sie nicht vergessen, welche Botschaft ihnen Papst Benedikt XVI. mit auf den Weg gab:

„Macht euch keine Illusionen!“
      
5 Lesermeinungen
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#5   Doritta   00:00:27 | Sonntag, 15. Januar 2006
Kirchenaustritte
Bevor die österreichischen Bischöfe es sich im wohligen Glanz der medialen Lobeshymnen bequem machen, sollten sie nicht vergessen, welche Botschaft ihnen Papst Benedikt XVI. mit auf den Weg gab:
Macht Euch keine Illusionen.
Ich glaube nicht, daß es sich irgend Jemand von den Bischöfen bequem macht. Jeder weiß doch, daß es um die Kirche trotz Beruhigung der Lage nicht zum Besten steht. Die Austrittszahlen sind noch immer hoch genug.
Das Foto mit Altbischof Kurt Krenn ist übrigens völlig unangebracht!
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#4   ottaviani   17:28:06 | Freitag, 13. Januar 2006
Bravo
zu dieser Analyse der verehrte Autor sollte nur die Hoffnung begraben daß die Ermanungen des Heilligen Vaters auf den Wiener eschwichtigungshofrat und die M itbrüder eine Wirkung haben da liegt das Orakel zulehner schon näher
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#3   Ottawiani   15:32:40 | Freitag, 13. Januar 2006
Innitzer redivivus
Als die Kirche in Österreich einstens mit einem noch unseligeren Zeitgeist zu kämpfen hatte, versuchte sie sich den Nationalsozialisten – nach deren Machtübernahme – als wichtigen Partner im Kampf gegen den Bolschewismus zu präsentieren. Die österreichischen Bischöfe bezeichneten den „Anschluss“ des Sudetenlandes als Friedenswerk Hitlers. Wer ein langes Gedächtnis hat, dem liegen die Worte Innitzens noch im Ohr: „ Ich habe niemals die geschichtlich bedeutsame Stunde übersehen, in der meine Heimat in das große deutsche Vaterland zurückgeführt wurde, zusammen mit den Kardinälen habe ich dem Führer den Dank ausgesprochen und für die ganze Ostmark Dankgottesdienste und Glockengeläute veranlasst.( Moritz, Grüß Gott und Heil Hitler, Seite 136)“ Am 18. März 1938 unterzeichnete Innitzer zusammen mit den Bischöfen eine „Feierliche Erklärung“. Darin wurde der Anschluß Österreichs an das 3. Reich gutgeheißen. Die Kirche wollte sich zu politischen Angelegenheiten Schweigen auferlegen. Ein billiger Friede! Zu viel stand auf dem Spiel. Es ging um Menschenrecht und Menschenwürde. Das butterweiche Regiment Innitzens im Umgang mit dem Zeiggeist findet seine Fortsetzung bis in unsere Zeit, in der die anpasserische Taktik eines Grafen Bellafonte dem kecken Agieren Innitzens in nichts nachsteht. Übrigens musste zur Zeit des NS-Regimes der damalige Bischof von Münster, August Graf von Galen,
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#2   Benedikt78   15:18:38 | Freitag, 13. Januar 2006
Ist es eigentlich nicht komisch…
dass die homophilen Medien nur bei anständigen Bischöfen eine Hetzkampagne führen, wenn herauskommt, dass Schwule sich an Priesterseminaren tummeln? Wäre es ein liberaler Bischof gewesen, wäre das vielleicht noch als Zeichen von Toleranz (oder eher Tolleranz) aufgefasst worden!
Dass solche journalistische Schmutzfinke nun wieder über Bischof Krenn herfallen, ist eine Schande. Wer einigermassen Ehre im Hintern hat, der tritt nicht auf Leute ein, die bereits am Boden liegen. Leider hat sich Kreuz.net mit dem wirklich „saublöden“ Bild auf das gleiche Niveau begeben!
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#1   wiener   15:13:20 | Freitag, 13. Januar 2006
protest gegen die illustration
und wieder einmal meint kreuz.net eine pseudo-„lustige“ illustration liefern zu müssen.
dazu möchte ich anmerken, dass ich es für zutiefst unpassend und auch der betroffenen person gegenüber respektlos-verachtend halte, einen (emeritierten) bischof der katholischen kirche per foto-montage in einen mistkübel (für münsteraner: mülleimer) zu stecken.
dumm und geschmacklos.
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