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Dienstag, 17. Januar 2006 10:46
„Die Kirche wird auch g’scheiter“
Kürzlich besuchte der Erzbischof von Wien eine Ordensgemeinschaft in seiner Erzdiözese und stellte sich den theologischen Fragen der anwesenden Jugendlichen.
(kreuz.net, Wien) Der Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn, zelebrierte am letzten Donnerstag eine Messe bei der ‘Gemeinschaft vom Lamm’ in Wien.

Es handelt sich um einen dominikanisch geprägten Bettelorden mit einem Männer- und einem Frauenzweig, der im Jahr 1983 in Frankreich gegründet wurde. Die rund 100 in blauen Kutten gekleideten Mitglieder leben in verschiedenen Ländern und besitzen in Wien eine männliche und eine weibliche Niederlassung.

Eine ebenfalls in Wien lebende ungarische Journalistin berichtete auf ihrem Weblog über die Begegnung.

Ein Weblog – oder kurz Blog – ist ein Online-Tagebuch, wo Personen – die sich selber als Weblogger oder Blogger bezeichnen – ihre Gedanken und Erlebnisse in chronologischer Reihenfolge ins Internet stellen.

Kardinal Schönborn predigte während der Messe – so die Webloggerin – zum Tagesevangelium von der Heilung eines Aussätzigen – Mk 1,40-45. Dabei habe er erklärt, daß wir selber die Aussätzigen seien, die der Heilung durch Christus bedürfen und von Ihm berührt werden müßten. Der Kirchenfürst habe dabei auf das Sakrament der Beichte verwiesen.

Nach der Heiligen Messe traf sich der Kardinal – wie bereits Mitte November bei einem ähnlichen Treffen – mit den anwesenden Jugendlichen, um mit ihnen zu diskutieren.

Dabei erzählte er unter anderem von einer Begebenheit. Er sei kürzlich an einem Samstag abend auf dem Weg von Köln nach Hause gewesen. Beim Sicherheitscheck hätten die dortigen Beamten seinen Priesterkragen bemerkt und gefragt: „Sind Sie Farrer ?“ Der Kardinal habe korrigierend bejaht – „Ja, ich bin ein Pfarrer“ – und hinzugefügt, daß er ein „besonderer Pfarrer aus Wien“ sei.

„Das, was der Meisner in Köln ist, bin ich in Wien“, habe Kardinal Schönborn ausgeführt.

Darauf hätten die Beamten gefragt, ob es den Teufel gebe. Ja, den Teufel gebe es – habe der Kardinal geantwortet, aber man müsse ihn nicht fürchten, weil Christus ihn besiegt habe.

Kardinal Schönborn habe die Erzählung mit dem Fazit beendet: „Die Botschaft Christi als neue Nachricht.“

Die Antwort des Kardinals auf die Frage, ob tot und ohne Taufe geborene Kinder ein kirchliches Begräbnis bekommen könnten, sei – so die Webloggerin – „interessant und aufschlußreich“ gewesen.

Früher habe man gedacht, daß Kinder, die nicht getauft sind, nicht in den Himmel kommen könnten, erklärte der Kardinal: „Sie bleiben halt kurz davor stehen, in einer Art Vorhimmel, der Limbus heißt.“

Der Limbus ist nach alter kirchlicher Lehre die Vorhölle, der Saum der Hölle. Ein ungetauftes Kind, das vor Erreichen seiner Verstandeskraft stirbt, muß wegen der Heilsnotwendigkeit der Taufe von der Anschauung Gottes ausgeschlossen bleiben. Im Limbus hat der Mensch Anteil an einem rein natürlichen Glückszustand. Er unterliegt somit keiner körperlichen Strafe wie die Verdammten in der Hölle.

Doch dann habe der Kirchenfürst erklärt, daß „auch die Kirche g’scheiter“ werde. Denn wenn Jesus sage „laßt die Kinder zu mir kommen“, dann beziehe sich das auch darauf, daß er „die Kinder zu sich kommen läßt, die ungetauft gestorben sind“.

Deswegen gebe es auch eine eigene Messe für ungetauft gestorbene Kinder. Dort würde die Kirche dafür beten, daß Gott ihnen seine Barmherzigkeit zeigen und sie zu sich aufnehmen möge.

Zu einer Frage nach der Position vieler Leute „Jesus ja, Kirche nein“ erklärte der Kardinal: „Wie man bei uns in Wien sagt: den Jesus kann ma von seine Hawara [Judendeutsch für „Kameraden“, A.d.R] net trennen.“

Dann habe Kardinal Schönborn einen französischen Priesterseminaristen gefragt: „Gell, Jérémie, du kennst auch schon das Wort Hawara!“ Daraufhin habe der Angesprochene mit starkem französisischen Akzent geantwortet: „Sie ‘aben schon in dère Catechèse im Dôme gechprokhen von den ‘Awara…“

„Die Zuhörerschaft zerkugelte sich vor Lachen“ – berichtet die Webloggerin.

Schließlich habe sich ein Bursche gemeldet und gesagt, daß er manchmal gegen die Kirche ganz wütend und aggressiv sei und Zweifel habe. Er verstehe nicht, warum Gott ihm solche Prüfungen auferlege.

Kardinal Schönborn habe darauf einen „kleinen, dicken Dominikaner“ zitiert, der ihn in seiner Jugend zum Eintritt in den Dominikanerorden bewegt habe: „Auch wenn du mir sagst, ich kann dich gernhaben, werd ich dich trotzdem gern haben!“

So etwas sage Gott auch zu uns.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 28 Lesermeinungen:
Freitag, 20. Januar 2006 18:09
balu68at: Jiddisch
Der Ausdruch Judendeutsch wird heute selten gebraucht, ausser bei der Abgrenzung von verschiedenen Jiddischen Dialekten.
Donnerstag, 19. Januar 2006 18:21
DemonDeLuxe †: @Benedikt
„wo die kirchliche Dogmatik denn widerlegt wurde?“

Zum einen braucht ein Dogma nicht widerlegt zu werden, sondern muss – im Gegenteil – BEGRÜNDET werden. Zum anderen existieren Dogmen, die schon durch die Gesetze der Logik widerlegt SIND, allen voran natürlich diese Karikatur einer redlichen Aussage: Das Unfehlbarkeitsdogma.
Es ist lächerlich, Scherze wie das Dogma vom Limbus als „unzweifelhaft richtig“ anzusehen, bloß, weil sie aufgrund des rein spekulativen Charakters niemand wider- oder belegen KANN. Genauso kann ich mich hinstellen und postulieren, Gott sei in Wahrheit ein spirituelles rosa Eichhörnchen mit Masern; das wäre genauso „unwiderlegt“ wie Ihre Dogmen – oder vielmehr: Genauso unseriös und sinnlos.

„Die Art und Weise, wie gegen jeden geschrien wird, der es auch nur ansatzweise wagt, die EvolutionsTHEORIE zu hinterfragen, straft Sie hier leider Lügen. Diese und andere Theorien sind Ihre Unfehlbarkeitsdogmata.“

Das ist Unsinn und das wissen Sie. Die Evolutionstheorie erklärt das Entstehen der Arten auf plausible Weise – etwas, wozu kirchliche Lehren nie im Stande waren, obwohl sie dazu eine Vielzahl völlig unbelegter Annahmen bemühten. Was auch immer Sie für ein „Argument“ gegen die ET aufführen: Ich pulverisiere es in 5 Minuten, NACHPRÜFBAR, im Gegensatz zu Ihren Bibelmythen.

„DDL: Wer für sich Unfehlbarkeit reklamiert, ist nichts als ein Scharlatan.“
„Ja behaupten kann das jeder.“

Stimmt, die Unfehlbarkeit BEHAUPTEN kann jeder. Sie zu HABEN kann KEINER.
Mittwoch, 18. Januar 2006 16:59
Benedikt: @ Demon
„Fälschungen“ – ja, denken wir an diesen südkoreanischen Genforscher. Der Unterschied: Der ist mit Getöse aufgeflogen, und niemand versucht, auch jetzt noch seine „Erkenntnisse“ für wahr zu verkaufen. Vergleichen Sie das mit der kirchlichen Dogmatik.

Ach, jetzt wirds aber interessant: Verraten Sie auch zu Abwechslung einmal, wo die kirchliche Dogmatik denn widerlegt wurde?

Die Wissenschaft an dagegen sich bricht sich, mangels Unfehlbarkeitsdogma, keinen Zacken aus der Krone, Fehler zu korrigieren

Die Art und Weise, wie gegen jeden geschrien wird, der es auch nur ansatzweise wagt, die EvolutionsTHEORIE zu hinterfragen, straft Sie hier leider Lügen. Diese und andere Theorien sind Ihre Unfehlbarkeitsdogmata.

Wer für sich Unfehlbarkeit reklamiert, ist nichts als ein Scharlatan.

Ja behaupten kann das jeder. Nur die unfehlbaren Äußerungen widerlegen, dass kann niemand. Sie sind Ausfluß dessen, was schon immer von den Gläubigen geglaubt wurde und haben somit ihre Berechtigung aus dem Glauben heraus. Aber davon verstehen Sie wohl nichts. Gestern war Religion für sie ein Unterhaltungsinstrument, heute soll sie gleich einer Naturwissenschaft sein. Ihre Erkenntnis schreitet nicht gerade voran…
Mittwoch, 18. Januar 2006 16:54
catharina: Richtigstellung
Liebe Leser,
es ist wohl eine Verwirrung dadurch entstanden, daß ich den Brief jener „ungarischen Journalistin“ ohne Quellenangabe hier als Lesermeinung einreichte.
Jene Person ist nicht mit mir identisch. Ich kenne sie nicht, hatte mir nur die Seite angesehen und dann den Text kopiert.
Hier ist die Internet-Adresse:
http://…umendelumine.blogspot.com/…e-mail-kreuznet.html
Beste Grüße allen!
Mittwoch, 18. Januar 2006 15:35
Stimme aus dem Tradiland: @ Düdelidü hält sich für superschlau
Im Gegenteil ist bei Texten ohne Quellenangabe stets davon auszugehen, dass alle Rechte beim Autor liegen.

D.h. also bei Texten mit anonymem Autor bei niemandem. Wer kann beweisen, dass der Text von ihm ist?

Die Annahme, eine Quellenangabe sei hinreichend, um einem Copyright Genüge zu tun, ist schlicht „naiv“ zu nennen.

Evelin hat das nicht behauptet. An sich bräuchte man gar keinen Hinweis, weil es keine bekannte Quelle (zitierbare; anonym heißt nicht zitierbar) gibt. Außerdem dürfen Texte zitiert werden, auch solche mit angegebenem copyright.

Auch der Spruch mit der „mangelnden Namensnennung“ zeugt von Ihrer juristischen Ahnungslosigkeit: Die Verlinkung auf eine Seite mit einwandfreiem Impressum ist mehr als eindeutig.

Welches Impressum? Im übrigen ging es um Datenschutz. Personenbezogene Daten gibt es erst, wenn eine Verbindung zu einer konkreten Person hergestellt werden kann.

Moralisch hat catharina ohnehin Recht, denn es ist Usus, den Urheber eines Blogbeitrages beim Zitieren per „Trackback“ davon zu informieren – wenngleich man das üblicherweise nicht „vorher“ macht, sondern zeitgleich mit der Veröffentlichung des Zitats.

Reine Behauptung. Normalerweise sollte sich derartiges aus einem Impressum ergeben, welches bei Lumendelumine fehlt. Da Sie selbst nicht so viel Ahnung haben, wie Sie tun, sollten Sie nicht von „Fresse halten“ udgl. sprechen!
Mittwoch, 18. Januar 2006 15:30
wiener: @ zwobbel
Mir sagte jemand, daß es sich bei „guter Rutsch“ um eine Verwünschung handeln soll. Stimmt das?nein.
rosh-ha-shana ist das jüdische neujahrsfest. „an guadn rosh“ war die jiddish-wienerische form des neujahrswunsches. und aus dem wort „rosh“ wurde der „rutsch“. also ein guter wunsch, nichts weiter. und mit (aus-) „rutschen“ hat das nicht das geringste zu tun.
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