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Dienstag, 17. Januar 2006 15:38
Wunderliches und Ernüchterndes zum Thema „Indultmesse“
Kürzlich genehmigte der Bischof von Innsbruck der Priesterbruderschaft St. Petrus die regelmäßige Zelebration einer Heiligen Messe im Alten Ritus. Ein Interview mit dem Initiator.
Priester der Petrusbruderschaft liest die Messe
Priester der Petrusbruderschaft liest die Messe
(kreuz.net, Innsbruck) Die im Juni 2005 genehmigte Indultmesse findet am Samstag abend in einem abgelegenen Kloster in der Nähe von Innsbruck statt.

Innsbruck ist die Hauptstadt des Bundeslandes Tirol in Westösterreich.

Im Folgenden gibt Johannes Auer (23) – der aus Innsbruck stammende Initiator der Messe – Auskunft über deren Einführung. Dabei kommt auch Wunderliches und Ernüchterndes zum Thema „Indultmesse“ zum Vorschein.

Herr Auer, was hat Sie bewogen die Zelebration einer Alten Messe zu initiieren?

Als ich vor ungefähr fünf Jahren zum katholischen Glauben zurückkehrte, geschah dies über die Messe im Neuen Ritus. Diese wurde – wo ich sie besuchte – so gefeiert, daß sie als Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers Christi erkennbar war.

Zwei Jahre später wurde ich gebeten, in meiner Heimatpfarrei eine Jugendgruppe zu übernehmen. Was dann geschah, war nicht so erfreulich.

Der Pfarrer forderte mich auf, die Handkommunion zu nehmen, weil ich sonst für die Jugendarbeit als zu konservativ gelten würde. Außerdem wurde mir gesagt, daß in der Heiligen Messe angeblich der Mensch im Mittelpunkt stehe. Das sei ja auch schon bei Christus so gewesen.

In dieser schwierigen Zeit lernte ich einen Priester kennen, dessen Namen ich aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht nennen kann. Er gab mir den Rat, die Priesterbruderschaft St. Pius X. zu besuchen, wenn mir der unverkürzte Glaube ein Anliegen sei. Daß ich damals katholisch blieb, verdanke ich auch der Piusbruderschaft.

Ich wohnte dort der Messe bei und erkannte sofort die Richtigkeit des Anliegens derer, die eine „Wiederherstellung“ oder besser eine „Rehabilitation“ der Alten Liturgie fordern.

Ich konnte mir gar nicht vorstellen, daß dieser Ritus in unserer Diözese einfach verboten sei und stellte darum ein Ansuchen an den Bischof, doch die Feier der Heiligen Messe im tridentinischen Ritus zu gewähren.

Zu meiner großen Überraschung war er sofort dazu bereit. Nach einem Gespräch mit den Verantwortlichen des Ordinariates wurde die Feier der Heiligen Messe am Samstag abend um 18.00 Uhr zugestanden.

Sie wurden dann von einem Ort zum anderen geschickt und landeten schließlich – in einer Art Verbannung – im Kloster der Tertiarschwestern bei Hall in Tirol – 10 km von Innsbruck entfernt. Können Sie uns diese Odyssee kurz nachzeichnen?

Zu Beginn unserer Initiative wurde uns eine sehr schöne, zentral gelegene Kapelle in Innsbruck in Aussicht gestellt. Doch dann geschah das Unglaubliche. Das Ordinariat teilte mir mit, daß uns die für die Seelsorge in dieser Kapelle Verantwortlichen nicht haben wollten.

Nach einiger Zeit schlug man uns zwei weitere Möglichkeiten vor. Die erste war die sogenannte Egerdachkapelle mit 20 Sitzplätzen. Sie befindet sich an einer stark befahrenen Bundesstraße. Dieser Ort schien auch dem Ordinariat nicht geeignet zu sein.

Als zweite Option wurde uns die Kapelle im Schloß Ambras – in der Umgebung von Innsbruck – vorgeschlagen. Dort feierten wir die erste Heilige Messe. Doch leider steht diese Kapelle aus nachvollziehbaren Gründen nicht für eine dauerhafte Nutzung zur Verfügung.

Nach einer Unterbrechung – das Ordinariat konnte keinen Ort für die Messe finden – stellte man uns die Kapelle eines Bildungshauses zur Verfügung. Dort wurde die Heilige Messe einmal für uns zelebriert.

In der darauffolgenden Woche meldetet sich der Ordinariatskanzler bei mir und sagte, er habe eine neue Lokalität gefunden, die für uns ideal sei: das Kloster der Tertiarschwestern in Gnadenwald bei Hall in Tirol.

Die Hausobere des Klosters ist für unser Anliegen sehr aufgeschlossen, und wir wurden freudig aufgenommen. Der Nachteil: Das Kloster liegt eine 25 minütige Autofahrt von Innsbruck entfernt am Berg. Es ist für ältere oder junge Leute ohne Auto kaum zu erreichen und darum fast wie eine Verbannung.

Wenn man das hört, ist man versucht, dem Ordinariat böse Absichten unterstellen.

Nein, dem Ordinariatskanzler kann man kein böswilliges Verhalten unterstellen. Im Gegenteil – er hat sich wirklich bemüht, eine Lösung zu finden. Offensichtlich sind es die rückständigen Kirchenrektoren oder andere engstirnige Verantwortliche, die sich dem Willen des Bischofs entgegenstellen und uns abweisen.

Worauf ist Ihrer Meinung nach die Ablehnung der tridentinischen Liturgie begründet?

Als junger – noch unerfahrener – Gläubiger habe ich mit Erstaunen und Erschrecken festgestellt, daß diese Ablehnung vor allem ideologischer Natur ist.

Am Anfang glaubte ich, daß es genügt, immer brav das Konzil anzuerkennen, den neuen Ritus als orthodox zu bezeichnen und dem Papst die Ehre zu erweisen. Doch ich mußte feststellen, daß dem nicht so ist.

Bisher schien mir, daß die Ansicht, wonach die Messe in erster Linie eine Mahlveranstaltung sei – welche die Handkommunion usw. rechtfertigt – nur von wenigen progressiven Rabauken vertreten werde. Doch ich mußte feststellen, daß die Mehrheit der niederen und höheren Kleriker an solche Theorien glaubt.

Die Vergegenwärtigung des Kreuzesopfers wird bei ihnen zu einer Vergegenwärtigung des Letzten Abendmahls umfunktioniert und der Opferpriester verkommt zu einem Mahlmoderator.

Gewiß handelt es sich hier um altbekannte Irrwege. Doch ich mußte erkennen, daß diese auch heute noch bis weit hinauf in der Hierarchie begangen werden.

Die Vertreter der Alten Liturgie werden nicht deswegen als Bedrohung verstanden, weil man uns nicht versteht, sondern gerade weil man glaubt, verstanden zu haben. Damit geben die Neuerer zu, eine andere Kirche zu wollen.

Wie blicken Sie der Zukunft entgegen?

Als einfacher Gläubiger, der den unverkürzten Glauben der Kirche leben will, glaube ich, daß dem Katechismusunterricht mehr Augenmerk zu schenken ist. Auch müssen wir mit einer missionarischen Verkündigung des unverfälschten Glaubens beginnen.

Die erste und wichtigste Pflicht besteht aber im Gebet, in der Anbetung und im Beiwohnen der Heiligen Messe. Auch wenn der Ort, wo die Heilige Messe im überlieferten Ritus gefeiert wird, schwer zu erreichen ist, müssen wir uns mutig dorthin aufmachen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 39 Lesermeinungen:
Samstag, 5. April 2008 13:27
Marcelus: @Tridentinus: Auf dem richtigen Weg bleiben in Richtung Himmelreich
Was denn sonst!
Samstag, 5. April 2008 12:54
Tridentinus: Auer: „Dass ich damals katholisch blieb,
verdanke ich auch der Piusbruderschaft.“ – Und jetzt?
Montag, 2. Juli 2007 23:16
gerhard crepaz: aktuell ?
lieber herr Auer, irre ich mich, oder haben Sie inzwischen doch eine nähere heimat für die messe im tridentinischen stil gefunden? ich habe vor mir ein informationsblatt der KIRCHE DER EWIGEN ANBETUNG, Karl Kapfererstraße 7, Innsbruck (mit Ihrer kontaktadresse) – mit dem hinweis auf lateinische Messen vom 28.4. bis zum 2.6.; und ich hoffe doch, daß es dort auch weiter möglich ist.
beim OSTERFESTIVAL 08 wird es übrigens am Karfreitag, den 22.3., 15 uhr bei den TERTIARSCHWESTERN in HALL die gesamte Karfreitagsliturgie mit den Cantori Gregoriani Milano geben – mit einem priester, den wir noch nicht kennen (nicht als konzert, sondern als liturgie). und um 17 uhr in der BASILIKA (bei den Herz-Jesu-Schwestern) den wunderbaren Kreuzweg (Via Crucis) von Franz LISZT. ich denke, im sinne der liebe (1 kor 13) sollten wir beide formen der eucharistie nebeneinander mit gegenseitigem vertrauen pflegen. (die protestanten sollten wir dabei auch nicht vergessen…) das ist doch christlich, nicht? auch ich bin glücklich darüber, daß die so wertvollen alten formen jetzt wieder zugelassen sind. (wir haben das ja immer schon in unserer kulturellen arbeit bei den jesuiten, in der pfarre hall und an vielen anderen plätzen so gehalten.) es gäbe noch viel darüber zu sagen, vor allem über den bereich, der außerhalb der kirche im kulturleben dem glauben immer nahe war, z.b. gibt es erstmals in tirol(!) die LUKASPASSION (lateinisch!) von PENDERECKI, 1966 uraufgeführt: kommendes jahr am palmsonntag 16.3.
Donnerstag, 19. Januar 2006 18:16
Athanasius: @catharina
Deswegen lehne ich falsche Argumente für eine richtige Sache ab, ob sie nun von einfachen Gläubigen oder hohen Kirchenmännern stammen.
Zum Thema „Schwarz“ werde ich Ihnen aber gar kein Recht geben, da Papst Pius XII. in seiner Enzyklika „Mediator Dei et hominum“ u.a. vehement verurteilte, wer die schwarze Farbe mit Violett oder Rot zu ersetzen wagte!

Daran haben auch wir uns zu halten. Wir sprechen hier vom römischen Ritus, nicht vom Kölner Ritus (der übrigens nah mit dem römischen verwandt ist).

Die Argumente gegen Rot und für Schwarz sind also mit höchster Autorität (Papst Pius XII., ‘magisterium authenticum sed iam universalis’) bekräftigt worden 1947.
Donnerstag, 19. Januar 2006 13:57
Samhain: @Catharina
„Catharina, die Reine, sagt, was ich meine“
Oder etwas weniger poetisch: Sie sprechen mir aus der Seele…!!!
Mittwoch, 18. Januar 2006 22:25
catharina: Rot und Schwarz (aber nicht von Stendhal…)
„Leider steht in der „kurzen kritischen“ neben vielem richtigen auch blanker Unfug, so etwa die Kritik am Karfreitag (in rot) im NOM: es sähe jetzt aus wie Christus als Martyrer. Hier merkt man, dass die beiden Autoren keine Liturgiker waren, sonst hätten sie gewusst, dass in den mittelalterlichen (=vortridentinischen) Diözesanriten in der Regel Karfreitag in ROT war! Denn rot ist keineswegs nur die Farbe des Blutes der Martyrer (und daher von deren Messen), sondern auch des KOSTB.Blutes und des hl. Kreuzes.“

Diese Ausführungen sind natürlich zutreffend. Im Kölner Eigenritus war der Karfreitag auch schon immer in roter Farbe.
Man könnte gegen die Behauptung, mit der roten Farbe degradiere die nachkonziliare Liturgie Jesus (den Rex Martyrum!) zu einem einfachen Martyrer, übrigens sagen: Nun denn, so wird der Herr in der vorkonziliaren Karfreitagsliturgie also zu einem ganz gewöhnlichen Toten herabgestuft…
(Schwarz war übrigens bis vor einigen Jahrhunderten die am schwersten zu erstellende, deshalb kostbarste Farbe; darin dürfte der Grund für die Wahl am Karfreitag liegen…)

Den Einsatz für die Tradition der Kirche halte ich für wichtig. Deswegen lehne ich falsche Argumente für eine richtige Sache ab, ob sie nun von einfachen Gläubigen oder hohen Kirchenmännern stammen.

Allen, die sich hier eines sachlichen Tonfalls bedienen, sei einmal herzlich gedankt von
Catharina
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