Orden
Kardinal und Kartäuser
„Was unzeitgemäß erscheint, ist das, was unsere Zeit bitter nötig braucht“, erklärt der Erzbischof von München bei einer Laudatio unumwunden.
(kreuz.net, München) Am 13. Januar hielt der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter, in München eine Laudatio auf den Regisseur Philip Gröning.

Gröning erhielt für seinen Film ‘Die große Stille’, in dem er ein Kartäuserkloster porträtiert, den ‘Bayerischen Filmpreises 2006’.

Der Filmemacher wurde 1959 in Düsseldorf geboren. Nach Studien der Medizin und Psychologie besuchte er die Hochschule für Film und Fernsehen in München. Seit 1983 produziert er Filme und gewinnt einen Preis nach dem anderen.

„Ungewöhnlich ist das schon: ein Kardinal bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises als Laudator auf der Bühne des Prinzregententheaters“, begann Kardinal Wetter seine Laudatio.

Und noch ungewöhnlicher sei: „Ich darf die Laudatio halten auf jemanden, den ich heute zum ersten Mal sehe.“

Aber das wisse er: Gröning habe mit dem faszinierenden Film ‘Die große Stille’ ein außergewöhnliches Filmwerk geschaffen, dem die Jury den Preis für den besten Dokumentarfilm zuerkannt habe.

Gröning habe den Film ganz alleine gedreht: „Er war für alles verantwortlich: für das Buch, die Regie, die Kamera, den Ton und den Schnitt.“

Der Film sei unglaublich erfolgreich, obwohl er allen cineastischen Erfahrungen zuwider laufe, erklärte der Kardinal: Überlänge, keine Handlung, keine Kommentierung, keine Musik – nur der Choral der Mönche:

„Gezeigt wird eine Lebensweise, die aus allen üblichen Rahmen herausfällt: Ein Leben in Stille und Schweigen, eingefangen mit Bildern aus dem Leben der schweigenden Mönche in der Grande Chartreuse – der großen Kartause – in den französischen Alpen.“

Schon vor zwanzig Jahren habe Gröning dort einen Film drehen und das Leben der Kartäuser – einem der strengsten Orden der katholischen Kirche – filmisch einfangen wollen.

Damals hätten sich die schweigenden Mönche ihm noch verweigert. 15 Jahre später habe ihn der Prior angerufen und eingeladen.

Fast ein halbes Jahr lebte Philip Gröning in der Kartause und teilte mit den Mönchen ihr karges, schweigendes Leben, um zu schauen, zu betrachten und ins Bild zu bringen.

Gröning wurde – so der Kardinal – einmal gefragt: „Was haben Sie getan, während die Mönche gebetet haben?“ Seine Antwort: „Auch gebetet. Manchmal auch gefilmt. Aber natürlich kann man so ein Leben nicht verstehen, wenn man es nicht teilt.“

Mit seinem Film künde Gröning von etwas, was er selber erlebt habe:

„Er nimmt uns mit in die Große Kartause und zeigt uns Menschen, die allein sind, in Stille, Gebet und Meditation, und dabei Ruhe, Zufriedenheit und Heiterkeit ausstrahlen.“

Die Mönche würden ein karges, aber innerlich reich erfülltes Leben führen, weil sie eins mit sich und mit Gott seien.

Viele würden vielleicht durch das Leben, das im Film vor Augen geführt werde, beeindruckt, anderen möge es unzeitgemäß erscheinen:

„Doch was unzeitgemäß erscheint, ist das, was unsere Zeit bitter nötig braucht“, erklärte der Kardinal:

Wir stünden in der Gefahr, von Lärm und Hektik weggespült zu werden und in den Fluten nichtssagender Worte unterzugehen: „Erst in der Stille beginnt man zu hören und zu entdecken, worauf es ankommt.“

Die Stille der schweigenden Mönchen „ist nicht Leere, sondern erfüllt von einer Wirklichkeit, die wirklicher ist als alle Welt, erfüllt von der Nähe Gottes.“

Hier sehe man, wie gelassen und glücklich Menschen sein können, die tief im christlichen Glauben verwurzelt sind.
      
8 Lesermeinungen
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#9   Benedikt   16:27:22 | Donnerstag, 19. Januar 2006
@ Achim
Mir wurde von vielen Priestern gesagt, Kartäuser, (…) usw. ist was ganz anderes, als das religiöse Leben in einer Pfarrei.
Ja zu dieser wirklich bahnbrechenden Erkenntnis hätte ich den betreffenden erstmal gratuliert. Eine Pfarrei ist in der Tat kein Kartause.
Es ist so, dass viele Priester solche Filme kritsieren, weil diese Filme etwas offensiv vertreten und sobald die Kirche etwas offensiv vertritt oder jemand eine Anschauung der Kirche offensiv vertritt kommen allerlei komische Typen und faseln von der Rückkehr der Scheiterhaufen. Die leben halt in der Vergangenheit, da kann man nichts machen.
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#8   Achim   16:19:11 | Donnerstag, 19. Januar 2006
Kartäuser
Lange Zeit, habe ich auch einen sehr guten Kontakt zu den Kartäusern gepflegt. In Deutschland gibt es eine Gemeinschaft der Kartäuser im Allgäu. Die tiefe Spiritualität dieser Mönche, hat in meinem Leben einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Aufgrund des Kinofilms, ist dieser katholische Orden auch einem breiteren Kreis von Katholiken bekannt geworden. Bis jetzt bin ich in katholischen Kreisen, überwiegend nur auf Unverständnis und teilweise Ablehnung gestoßen. Mir wurde von vielen Priestern gesagt, Kartäuser, Priesterbruderschaft St. Petrus usw. ist was ganz anderes, als das religiöse Leben in einer Pfarrei. Bei uns wird Ökumene groß geschrieben. Ist schon seltsam, dass ich immer auf solche Wiederstände stoße. Dabei möchte ich doch nur mein Leben danach ausrichten, was auch katholisch ist. Na ja, vielleicht kann der Film zur Aufklärung etwas beitragen.
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#6   Ansgar   17:16:08 | Mittwoch, 18. Januar 2006
Kinogänger
Ich habe den Film in Köln gesehen und ging mit der Erwartung hin, vermutlich der einzige Zuschauer zu sein. Weit gefehlt, es war voll. Keiner ging vorzeitig. Nun ist es etwas anderes, im Kinosessel Kartäuser gucken zu gehen als sich an ihrem Lebensstil zu orientieren. Aber immerhin: Es gibt ein großes Interesse am monastischen Leben, und die Welt braucht diese Beter dringend. S.E. Kardinal Wetter hat ganz Recht. Komisch nur, daß so viele Konvente überaltern und aussterben und gleichzeitig so ein großes Interesse am Ordensleben herrscht.
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#5   LukreciaB   16:53:08 | Mittwoch, 18. Januar 2006
Profit2
Mel Gibson mit „The Passion“ verstand ungeheuerlich viel von Profit!!!
Ja, Mel Gibson verseht sehr viel von Profit. Und wenn er das noch mit missionarischem „Auftrag“ verbinden kann, hat er beide Ziele erreicht. Aber der Film über die Kartäuser zeigt gerade, dass ein tiefer Glaube oder das „eins sein mit Gott und der Welt“, Profit und Missionieren nicht braucht und auch nicht erwünscht. Ich hoffe, dass die Leute sich von einem solchen Film mehr angesprochen fühlen, als von einem missionarisch-evangelikalen Industrieprodukt à la „The Passion“.
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#4   Benedikt   16:46:03 | Mittwoch, 18. Januar 2006
@ Gotthard
Ich weiß jetzt nicht, was das mit meiner Aussage zu tun hat, aber ich stimme Ihnen gerne zu: Es gibt auf der Welt außer Multiplex-Besitzern noch andere, die etwas von Profit verstehen. Schön, dass auch Sie über diese bahnbrechende Erkenntnis verfügen.
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#3   Gotthard   16:20:29 | Mittwoch, 18. Januar 2006
Profit
In Multiplexen wird er sicher nicht gespielt, dort verstehen die Leute nur etwas von Profit
Mel Gibson mit „The Passion“ verstand ungeheuerlich viel von Profit!!!
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#2   Benedikt   15:59:32 | Mittwoch, 18. Januar 2006
@ DieFidele
Ich komme nicht aus Österreich, aber ein Tipp: Fragen Sie gezielt bei Programmkinos nach und sehen sie in Kulturprogrammzeitschriften nach. In Multiplexen wird er sicher nicht gespielt, dort verstehen die Leute nur etwas von Profit. Gut, das wir am Ort ein kleines Kino haben, dass von einem echten Cineasten geführt wird :-).
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#1   DieFidele   15:29:44 | Mittwoch, 18. Januar 2006
Österreich hinten nach??
Gibts eigentlich in Österreich kein Kino, daß diesen ausgezeichneten Film bringt? Ich habe im Internetz nichts gefunden.
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