11:01:57 | Mittwoch, 18. Januar 2006
„Was unzeitgemäß erscheint, ist das, was unsere Zeit bitter nötig braucht“, erklärt der Erzbischof von München bei einer Laudatio unumwunden.
(kreuz.net, München) Am 13. Januar hielt der Erzbischof von München und Freising, Friedrich Kardinal
Wetter, in München eine Laudatio auf den Regisseur Philip Gröning.
Gröning erhielt für seinen
Film
‘Die große Stille’, in dem er ein Kartäuserkloster porträtiert, den ‘Bayerischen Filmpreises 2006’.
Der Filmemacher wurde 1959 in Düsseldorf geboren. Nach Studien der Medizin und Psychologie besuchte
er die Hochschule für Film und Fernsehen in München. Seit 1983 produziert er Filme und gewinnt einen
Preis nach dem anderen.
„Ungewöhnlich ist das schon: ein Kardinal bei der Verleihung des Bayerischen
Filmpreises als Laudator auf der Bühne des Prinzregententheaters“, begann Kardinal Wetter seine Laudatio.
Und noch ungewöhnlicher sei: „Ich darf die Laudatio halten auf jemanden, den ich heute zum ersten Mal
sehe.“
Aber das wisse er: Gröning habe mit dem faszinierenden Film ‘Die große Stille’ ein außergewöhnliches
Filmwerk geschaffen, dem die Jury den Preis für den besten Dokumentarfilm zuerkannt habe.
Gröning habe
den Film ganz alleine gedreht: „Er war für alles verantwortlich: für das Buch, die Regie, die Kamera,
den Ton und den Schnitt.“
Der Film sei unglaublich erfolgreich, obwohl er allen cineastischen Erfahrungen
zuwider laufe, erklärte der Kardinal: Überlänge, keine Handlung, keine Kommentierung, keine Musik –
nur der Choral der Mönche:
„Gezeigt wird eine Lebensweise, die aus allen üblichen Rahmen herausfällt:
Ein Leben in Stille und Schweigen, eingefangen mit Bildern aus dem Leben der schweigenden Mönche in der
Grande Chartreuse – der großen Kartause – in den französischen Alpen.“
Schon vor zwanzig Jahren habe
Gröning dort einen Film drehen und das Leben der Kartäuser – einem der strengsten Orden der katholischen
Kirche – filmisch einfangen wollen.
Damals hätten sich die schweigenden Mönche ihm noch verweigert.
15 Jahre später habe ihn der Prior angerufen und eingeladen.
Fast ein halbes Jahr lebte Philip Gröning
in der Kartause und teilte mit den Mönchen ihr karges, schweigendes Leben, um zu schauen, zu betrachten
und ins Bild zu bringen.
Gröning wurde – so der Kardinal – einmal gefragt: „Was haben Sie getan, während
die Mönche gebetet haben?“ Seine Antwort: „Auch gebetet. Manchmal auch gefilmt. Aber natürlich kann
man so ein Leben nicht verstehen, wenn man es nicht teilt.“
Mit seinem Film künde Gröning von etwas,
was er selber erlebt habe:
„Er nimmt uns mit in die Große Kartause und zeigt uns Menschen, die allein
sind, in Stille, Gebet und Meditation, und dabei Ruhe, Zufriedenheit und Heiterkeit ausstrahlen.“
Die
Mönche würden ein karges, aber innerlich reich erfülltes Leben führen, weil sie eins mit sich und
mit Gott seien.
Viele würden vielleicht durch das Leben, das im Film vor Augen geführt werde, beeindruckt,
anderen möge es unzeitgemäß erscheinen:
„Doch was unzeitgemäß erscheint, ist das, was unsere Zeit
bitter nötig braucht“, erklärte der Kardinal:
Wir stünden in der Gefahr, von Lärm und Hektik weggespült
zu werden und in den Fluten nichtssagender Worte unterzugehen: „Erst in der Stille beginnt man zu hören
und zu entdecken, worauf es ankommt.“
Die Stille der schweigenden Mönchen „ist nicht Leere, sondern
erfüllt von einer Wirklichkeit, die wirklicher ist als alle Welt, erfüllt von der Nähe Gottes.“
Hier
sehe man, wie gelassen und glücklich Menschen sein können, die tief im christlichen Glauben verwurzelt
sind.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.