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Donnerstag, 19. Januar 2006 17:12
„Wir werden eine Einigung erzielen“
Ein jüngstes Interview der französischen Nachrichtenagentur ‘AJIR’ mit Bischof Bernard Fellay, dem Generaloberen der Piusbruderschaft, fand aus gutem Grund ein beachtliches Echo. Ein Auszug.
Bischof Bernard Fellay
Bischof Bernard Fellay
(kreuz.net, Paris) Wo steht Ihr Dialog mit Rom seit dem 29. August, an dem Sie Benedikt XVI. getroffen haben?

Bischof Fellay: Er geht langsam voran und braucht natürlich Zeit, um das gegenseitige Mißtrauen zu überwinden. Aber ich bin überzeugt, daß wir zu einer Lösung kommen werden. Wir haben eine lange Diskussion geführt – die fruchtbarste von allen – und haben tiefschürfende Fragen angesprochen. Rom will das Problem schnell lösen und die päpstliche Audienz, um die wir letzten Mai gebeten haben, wurde uns umgehend gewährt.

Das Magisterium bevorzugt eine pragmatische Annäherung. Wir bremsen, weil wir keine oberflächliche Lösung wollen. Der Papst hat [den Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’] Dario Kardinal Castrillón Hoyos beauftragt, mit uns zu reden. Der Kardinal hat im Interview mit einem italienischen Fernsehsender erklärt, daß wir keine Häretiker sind, aber daß beide Seiten eine vollkommenere Gemeinschaft suchen müßten. Das ist eine neue Sprache.

Was sind die tiefschürfenden Fragen, die diskutiert worden sind?

Bischof Fellay: Die Frage der Alten oder Neuen Messe – auf die sich viele konzentieren – ist eigentlich zweitrangig. Die Liturgie ist nichts anderes als der Ausdruck des Glaubens. Zuerst kommt das Verständnis des Glaubens. Die Diskussion mit Benedikt XVI. wird sich auf die Annahme des [Zweiten Vatikanischen] Konzils stützen. Wir werden von der Formel ausgehen, die Mons. Marcel Lefebvre 1988 vorgeschlagen hat: „Wir akzeptieren das Konzil betrachtet im Licht der Tradition.“

Im Gegensatz zu Ihnen hat Benedikt XVI. am 22. Dezember bei seiner Rede an die römische Kurie erklärt, daß die Kirche in der Frage der Religionsfreiheit konstant geblieben sei.

Bischof Fellay: Nicht ganz, denn er führte die Unterscheidung zwischen einem Bruch in der Form und einer Kontinuität im Prinzip ein. Zumindest hat der Papst den Willen, das Konzil neu zu lesen – es anders darzustellen.

Hat Ihnen diese Rede des Papstes gefallen?

Bischof Fellay: Ja – wegen ihrer Klarheit, ihrer Exaktheit und ihrem Willen, die wahren Fragen zu stellen. Aber nach meinem Empfinden geht sie heute noch nicht weit genug.

Verlangen Sie innerhalb der katholischen Kirche einen speziellen Status?

Bischof Fellay: Rom wird uns diesen wahrscheinlich gewähren. Aber wir wünschen nicht, an den Rand gedrängt zu werden und die Rolle von früheren Dinosauriern zu spielen. Rom erklärte, im Bezug auf uns „ein besonderes Charisma“ respektieren zu wollen. Aber wir wünschen, daß dieses Charisma wieder für alle zur Norm wird.

Was für einen Status könnte Rom Ihnen gewähren?

Bischof Fellay: Den Status einer Apostolischen Administration. Gegenüber der Autorität des Diözesanbischofs wären wir – wie dies in der Diözese Campos in Brasilien der Fall ist – befreit. Rom würde den Gläubigen der Priesterbruderschaft St. Pius X. erlauben, von einer parallelen Autorität zu profitieren – ohne sich im übrigen dem Ortsbischof zu entziehen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 150 Lesermeinungen:
Mittwoch, 25. Januar 2006 17:18
_xyz_: Dr. Regazzoni
Ich möchte mich Rudolphus im Dank für den Hinweis auf Humani Generis anschließen! Die Wendung von der „festzuhaltenden Wahrheit“ klingt u.a. in Card. Ratzingers Erklärung „Dominus Iesus“ insg. sechsmal an in den Worten: „Es ist fest zu glauben“ (firmiter credendum est).Unter den Abschnitten 5, 10, 11, 13, 14 und 20 wird in einer graphisch hervorgehobenen Weise (!) daran erinnert, was für die Kirche aufgrund ihres Glaubens keine Verhandlungssache mehr sein kann: daß Jesus Christus die vollständige (5) und alleinige Offenbarung Gottes ist, daß im Fleischgewordenen die einzige gottgewollte Heilsordnung (10) angeboten wird, daß diese wirklich die einzige sei (11), nach der Jesus Christus wirklich der einzige Erlöser (13) ist und dies ein für allemal (14). In 20 wird dann die Heilsnotwendigkeit der Kirche bekräftigt, wiederum mit der Formel „ist fest zu glauben“!

Eine Häresie ist immer ein Irrtum in Sachen des Glaubens, aber nicht jeder Irrtum ist schon eine Häresie.
Der Häresievorwurf sollte also nicht das erste Mittel im theologischen Meinungsstreit sein, sondern dessen letztes im Lichte festzuhaltenderGlaubenswahrheiten.
Mittwoch, 25. Januar 2006 15:49
Rudolphus: @Dr. C. R.
Für Ihre Erklärung herzlichen Dank!
Mittwoch, 25. Januar 2006 15:44
Agiafortuni: Häresie und Glaubensirrtum
Bei einer Häresie hat der Papst sein volle Gewalt eingesetzt. Deshalb steht am Ende der festzuhaltenden Glaubenswahrheit, dass jede Anfechtung ein Anathema sei, das heisst kein Thema. Bei Glaubensirrtümer hat der Papst bei der angefochtenen Wahrheit nicht seine volle Gewalt eingesetzt. Pius XII erklärt es auf treffende Weise in Humani Generis
Mittwoch, 25. Januar 2006 12:34
Rudolphus: @Glaubensirrtum/Häresie
@T.A. Höck
Ihren Worten möchte ich zustimmen: was nicht klar ausgedruckt wird, und Anlaß zu Fehldeutungen gibt, kann mehrdeutig sein, also häresieverdächtig sein –

eine Unterscheidung zwischen „Häresie“ und „Glaubensirrtum“ dagegen kann ich nicht nachvollziehen.
Mittwoch, 25. Januar 2006 09:02
_xyz_: Dr. Regazzoni
So bewegen wir uns nun doch noch aufeinander zu! Häresie ist die Leugnung einer Glaubenswahrheit expressis verbis. Es macht einen Unterschied, ob ein kirchliches Dokument – nach eigener Einschätzung – Glaubenswahrheiten nicht klar genug zum Ausdruck bringt oder ob es sie direkt leugnet. Wenn z.B. in der Liturgiekonstitution Ihrer Meinung nach der wahre Opfercharakter der Hl. Messe nicht in erforderlicher Weise ausgedrückt wird, dann ist das Anlaß zu berechtigter Kritik, aber noch nicht die Leugnung der entsprechenden Glaubenswahrheit. Ist die Kritik wirklich berechtigt, so führt die innerkirchliche Reflexion schließlich doch dazu, daß eine lebenswichtige Heilswahrheit wieder klarer ans Licht gehoben wird und zwar in der Regel sogar durch das kirchliche Lehramt selbst. So hat die Enzyklika „Ecclesia de Eucharistia“ den wahren Opfercharkter der Hl. Messe wieder klar und unmißverständlich ausgesprochen. Sie sei ein „Opfer im eigentlichen Sinn, und nicht nur eine bloße Hingabe als geistliche Speise an die Gläubigen“. Sie sei „vor allem Gabe an den Vater“.
Das Problem liegt auch darin, daß man das starke Wort von „Häresie“ manchmal polemisch verwendet, um die Gefahrengeneigtheit einer geistigen Strömung oder Frömmigkeitshaltung anzuzeigen. Etwa in dem Buchtitel: „Die Häresie der Formlosigkeit“.
Dienstag, 24. Januar 2006 23:55
Agiafortuni: Thomas A. Höck
ich bin noch inder Lage zwischen Glaubensirrtümer und Häresien zu unterscheiden. Laut Melchior Cano machen Häresien den Glauben zunichte während Irrtümer ihn abschwächen ohne ihn zu vernichten. Dies trifft für Lumen Gentium zu. Die Piusbruderschaft hat es in ihrer Schrift: Vom Oekumenismus zur lautlosen Apostasie festgehalten
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