Vatikan
Die Schweizergarde vor dem Fenster des Papstes
Seit 500 Jahren sucht die päpstliche Schweizergarde zu verhindern, daß die Wiege des Glaubens geplündert wird. Heute wurde sie deshalb vom Kardinalstaatssekretär mit einem Wort des Schweizer Reformatoren Huldrych Zwingli gestärkt.
(kreuz.net, Vatikan) Kardinalstaatsekretär Angelo Sodano zelebrierte anläßlich des heutigen 500jährigen Gründungsjubiläums der Schweizer Garde ein Hochamt in der Sixtinischen Kapelle.

Die Schweizer Garde wurde im Jahr 1506 gegründet.

An der Messe nahmen die 110 aktiven Gardisten und deren Angehörige sowie Vertreter des Diplomatischen Corps teil. Der Bischof von Chur und Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Mons. Amédée Grab, konzelebrierte.

Kardinal Sodano dankte den Gardisten im Auftrag des Papstes und bat sie, ihren Dienst für Papst und Kirche tapfer und treu fortzusetzen – gegebenenfalls unter dem Einsatz des eigenen Lebens.

„Für alles, was die römischen Päpste für die Förderung und Verteidigung der Heiligen Kirche Gottes getan haben, wollen wir heute unser Gotteslob anstimmen. Liebe Mitglieder der Schweizergarde, ich lade Euch ein, Christi Kirche immer stärker zu lieben.“

Während der von Papst Paul VI. († 1978) durchgeführten Veränderungen im Vatikan, wäre die Schweizergarde um ein Haar aufgelöst worden.

Der Kardinalstaatsekretär zitierte den Züricher Reformatoren Huldrych Zwingli († 1531), der im Jahr der Gründung der Garde, wie der Kardinal ausführte, noch nicht mit der Kirche gebrochen hatte.

Zwingli sagte damals:

„Die Schweizer sehen den traurigen Zustand der Kirche Gottes, der Mutter der Christenheit, und halten es für schlimm und gefährlich, wenn jeder Tyrann ungestraft die gemeinsame Mutter der Christenheit entsprechend seiner Raubgier anfallen darf.“

Kardinal Sodano gedachte in seiner Predigt des 22. Januar 1506, als die lange Abfolge junger, starker und großherzige Männer einsetzte, die bis heute zur Verteidigung des Stuhles Petri nach Rom kommen.

Vor genau 500 Jahren – es soll ein kühler Januartag gewesen sein – trafen die ersten 150 Schweizer bei Einbruch der Dunkelheit in Rom ein. Papst Julius II. († 1513) hatte sie zum Schutz seiner Person und seiner Paläste angefordert.

Die Mannschaft erhielt sofort den päpstlichen Segen.

Ihre stärkste Bewährungsprobe kam schon nach wenigen Jahren, als kaiserliche Truppen am 6. Mai 1527 die Ewige Stadt stürmten und plünderten. 147 Gardisten kamen bei der damaligen Einnahme Roms – dem „Sacco di Roma“ – ums Leben.

Den übrigen 42 Gardisten gelang es, Papst Clemens VII. († 1534) sicher in die Engelsburg zu bringen.

Seitdem ist der 6. Mai der Gedenk- und Ehrentag der Garde. An diesem Tag werden die neuen Rekruten vereidigt. Dabei schwören sie, für den Papst im Ernstfall auch ihr Leben zu geben.

Die Gardisten müssen katholisch, ledig, nicht kleiner als 1,76 Meter sein, den Schweizer Militärdienst absolviert haben und natürlich den helvetischen Paß besitzen.

Auch Papst Benedikt XVI. drückte seine Wertschätzung für die Mitglieder des vatikanischen Heers aus.

Beim mittäglichen Angelusgebet versammelte sich die gesamte Schweizergarde vor den Fenstern der päpstlichen Gemächer in Galauniform, um den päpstlichen Segen zu erhalten:

„Ich freue mich, all die zu grüßen, die heute dieses verdiente Korps bilden, dem ich zum Zeichen der Wertschätzung und der Anerkennung von Herzen einen besonderen apostolischen Segen spende.“

Auch in der Schweiz wurde gefeiert. Zum 500jährigen Gründungsjubiläum zelebrierte der Schweizer Kardinal Georges-Marie Cottier in der Kathedrale von Freiburg in der Nordwestschweiz in Anwesenheit von mehr als 700 ehemaligen Gardisten ein Hochamt.
      
4 Lesermeinungen
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#4   Christin   15:42:41 | Montag, 20. Februar 2006
warum konnte damals *Schweizergarde* Attentat nicht verhindern?
Weil sie nicht unfehlbar ist!
Wie informiert ist die Schweizer Garde über das Sicherheitsnetz das die Person des Papstes schützen soll?
Wir sind angewiesen darauf dass der Mensch, VERNÜNFTIG bleibt,vernünftig denkt und vernünftig handelt oder besser nicht handelt als unvernünftige Handlungen setzt,die das Leben anderer in Gefahr bringt.
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#3   methusalix †   23:23:53 | Montag, 23. Januar 2006
Leider nein Benedikt!
kreuz.net: Seit 500 Jahren sucht die päpstliche Schweizergarde zu verhindern, daß die Wiege des Glaubens geplündert wird.
Und ich habe immer gedacht, die Wiege des Glaubens wäre in Israel, genauer gesagt in Bethlehem gewesen.
Benedikt: Vor der Schlacht sanken sie aber auf die Knie und beteten zu Gott für den Sieg und dann griffen sie an! Zu dem Zeitpunkt konnten die meisten gegnerischen Heere ihre Kampfformation noch nicht einnehmen und waren dementsprechend nicht vorbereitet. Das führte fast immer zum Sieg!
Mit Verlaub Benedikt, aber das ist ziemlich naiv! Die Schweizer traten nämlich in den Entscheidungsschlachten von Morgarten und Sempach 1315 und 1386 gegen ein Ritterheer der allerkatholischsten und apostolischen Habsburger an, die selbstverständlich auch vor der Schlacht die heilige Eucharistie gefeiert hatten. Das alles hat ihnen aber leider deshalb nichts geholfen, weil sie die Schweizer unterschätzten. Wer, wie am Morgarten geschehen, mit einem schwer gepanzerten Ritterheer einen Angriff im Galopp einen Bergrücken abwärts vorträgt, hat nichts anderes zu erwarten. Die Schweizer mussten nur noch ihre zugespitzten Baumstämme anheben und die Ritter, die nicht mehr anhalten konnten, wurden im vollen Galopp aufgespiesst. Da hat das ganze Beten voher nichts geholfen. Das katholischste aller Herrscherhäuser, das dem Papst ergebene Erzhaus schlechthin, hatte die Schweiz verloren; aus eigener Dummheit und Überheblichkeit.
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#2   Benedikt78   10:55:15 | Montag, 23. Januar 2006
Unglaublich
Aber ich bin jetzt mal mit Demon einer Meinung. Wenn auch mit kleineren Abweichungen.
Die Eidgenossen besassen zwar eine überlegene Infanterietaktik. Diese ist aber nicht auf eine besondere Technik zurückzuführen. Die meisten Eidgenossen waren damals Bauern und bekamen dementsprechend keine militärische Ausbildung. Vor der Schlacht sanken sie aber auf die Knie und beteten zu Gott für den Sieg und dann griffen sie an! Zu dem Zeitpunkt konnten die meisten gegnerischen Heere ihre Kampfformation noch nicht einnehmen und waren dementsprechend nicht vorbereitet. Das führte fast immer zum Sieg!
Ich bin mit Ihnen aber einig, dass der ausserordentliche Mut der Eidgenossen ein wichtiger Faktor war, dass ausländische Könige und eben auch der Papst ihre Dienste in Anspruch nahmen. Vor gut 150 Jahren, mit der Gründung des Bundesstaates Schweiz wurde aber Reisläuferei verboten. Ausgenommen sind aber explizit die Schweizerdardisten in Rom!
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#1   DemonDeLuxe †   20:32:30 | Sonntag, 22. Januar 2006
Ergänzend
…könnte man noch anmerken, dass die Beschäftigung einer „Schweizer Garde“ Anfang des 16.Jahrhunderts weit verbreitet war und keineswegs eine vatikanische Besonderheit. Das Besondere besteht lediglich darin, dass die SG auch heute noch besteht (sie ist übrigens dennoch, einem verbreiteten Irrglauben zum Trotz, nicht die älteste, noch existierende Militäreinheit der Welt).
Die Schweiz hatte im 14. und 15. Jahrhundert die kaiserliche Ritterschaft aufgrund innovativer Infanterietaktiken und eiserner Disziplin das Fürchten gelehrt, so dass ihre Siege gegen vemeintlich weitaus qualifiziertere Krieger die Aufmerksamkeit vieler Königshäuser auf sich zog. Aufgrund dieses – sicher verdienten – Rufes einerseits und der relativen Armut der Schweiz andererseits anvancierten Schweizer Söldner zum ersten Exportschlager des kleinen Alpenstaates.
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