Für die jüngeren Texte des päpstlichen Lehramtes sollen in Zukunft saftige Abdruckgebühren bezahlt werden. Der katholische Erfolgsautor Vittorio Messori ist darüber perplex.
(kreuz.net, Vatikan) Mit dem Buchinterview ‘Zur Lage des Glaubens’ mit dem damaligen Präfekten der Glaubenskongregation,
Joseph Kardinal Ratzinger, wurde der Journalist und Buchautor, Vittorio Messori, weltberühmt.
Später
interviewte er Papst Johannes Paul II. Das Buch erschien in einer Millionenauflage unter dem Titel „Die
Schwelle der Hoffnung überschreiten“.
Messori ist weit über die Grenzen Italiens hinaus als ein führender
Verteidiger des katholischen Glaubens bekannt.
Der Journalist äußerte sich am vergangenen Sonntag vor
der italienischen Tageszeitung ‘La Stampa’ über eine neue vatikanische Regelung, welche Verlautbarungen
des jüngeren Lehramtes unter Copyright stellt.
Demnach sind alle Predigten, Reden und Schriften des
Papstes ab sofort urheberrechtlich geschützt. Ein entsprechendes Dekret des Vatikan ist laut Medienmitteilungen
nicht nur auf alle zukünftigen Schriften aus dem Vatikan anzuwenden, sondern auch rückwirkend für die
vergangenen 50 Jahre.
Alle Autorenrechte liegen beim offiziellen päpstlichen Verlag ‘Libreria Editrice
Vaticana’. Bei illegalem Vorabdruck päpstlicher Dokumente droht der Vatikan mit rechtlichen Schritten.
Auch Zeitungen dürfen Texte des Papstes nur noch mit ausdrücklicher Genehmigung und Quellengabe publizieren.
Er sei es gewohnt, von der Presse kolportierte religiöse Nachrichten mit Vorsicht zu genießen, erklärte
Messori. Doch diese jüngste Nachricht lasse ihn perplex:
„Die Vorstellung, das Wort des Lehramtes zu
besteuern… Das Wort jener Instanz, welche der wichtigste Ausleger des Evangeliums ist!“
Diese Entscheidung
terrorisiere gleichsam Verleger und Journalisten. Diese müßten sich in Zukunft fragen, ob sie noch „Worte
des Verkünders des Wortes“ zitieren wollen:
„Geraten wir in die Fänge von Rechtsanwälten? Muß ich
Schadenersatz bezahlen?“
All das mache ihn perplex.
Es stimme, daß bisher bei Publikationen des Vatikan
in Sachen Copyright ein großes Chaos geherrscht habe.
In diesem Zusammenhang erklärt Messori zum ersten
Mal, was zum Beispiel mit den millionenschweren Rechten seines Ratzinger-Buchinterviews und seines Gesprächs
mit Johannes Paul II. geschah.
Seine Interviewpartner hätten aus dem Erlös der verkauften Bücher nie
einen Pfennig gesehen.
Kardinal Ratzinger habe die Bedingung gestellt, daß sein Honorar Hilfswerken,
die kontemplative Klöster unterstützen, zur Verfügung gestellt würde.
Papst Johannes Paul II. bestimmte
die Erträge aus seinem Buch-Interview – von dem über 20 Millionen Exemplare in 54 Sprachen verkauft
wurden – für einen Fond, der den Wiederaufbau von katholischen, orthodoxen und islamischen Kultstätten
in Bosnien-Herzegowina finanziert.
Ein wichtiger Anteil sei auch an zwei internationale Agenturen gegangen,
die dafür sorgten, daß das Papst-Interview gleichzeitig in über 50 Ländern erscheinen konnte. Ähnliches
sei beim Ratzinger-Interview „Zur Lage des Glaubens“ der Fall gewesen.
Doch die vom Vatikan jetzt vorgelegte
Lösung des Copyright-Problems ist – nach Ansicht von Messori – eine „negative Operation“. Sie lasse ein
weiteres Mal den Verdacht aufkommen, daß es den Pfarrern vor allem ums Geld gehe.
Es gebe viele Zeitungen,
die Texte des jetzigen Papstes publizierten: „Macht dabei der Vatikan den betreffenden Zeitungen eine
Freude oder tun die Zeitungen dem Vatikan einen Gefallen?“
Ob die Absicht bestehe, die Verbreitung der
Botschaft des Papstes, der Urbi et Orbi spreche, zu verhindern und ihn unter ein ökonomisches Henkerschwert
zu setzen, fragt sich Messori.
Für die Verwendung einiger Absätze aus zwei Predigten des damaligen
Kardinal Ratzinger in einem Papstbuch habe der Vatikan 15.000 Euro in bar und 15% des Nettopreises für
jedes verkaufte Exemplar verlangt. Das sei völlig absurd: 15% bekomme nicht einmal der Autor.
Zweifellos
habe in dieser Angelegenheit ein Chaos bestanden, das zu bereinigen war. Doch die gegenwärtige Regelung
sei für das öffentliche Ansehen der Kirche „ein katastrophaler Schritt.“
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8 Lesermeinungen
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@ Marcel: Lustig Genau das Gleiche habe ich mir auch gedacht, als ich das las: Sollen sich doch Ihr V2-Zeugs
und die unendlichen Schwafeleien von JoPaII. behalten. Besser für den Christenmenschen (Brot statt Steine)
sind ohnedies die Schriften davor! Ein echter Schuß ins Knie für die V2-Kirche! Der Gatte der Evelin
Halb so schlimm … denn wichtig ist, daß die lehramtlichen Texte vor 1958 frei verfügbar sind – so
frei wie die Worte Christi. Für alle Menschen guten Willens jederzeit hör-, versteh- und eben weiterverbreitbar.
Das ist echtes „Public Domain“, fast OpenSource gar. Die sollen ihr propreitäres Zeug behalten. Ob nun
für das, was ab 1958 an Papierflut aus dem Vatikan entwich, Lizenzgebühren anfallen, womöglich noch
per DRM verpackelt – oder erfand jemand bereits textuelle digitale Wasserzeichen? de.wikipedia.org/…gitale_Wasserzeichen
–, so daß dem, der sich durch die unlizenzierte Verbreitung einer Urheberrechtsverletzung schuldig macht
(„Raubkopierer sind Verbrecher“), morgen das SWAT ins Haus steht: wer wollte es schon lesen? P.S. +/-
2. 2006-50=1956; ergo ver-DRM-t man noch zwei Jahre von Pius XII.
#6 Pater Lingen 20:57:24 | Dienstag, 24. Januar 2006
Damals und heute „Papst Johannes Paul II. bestimmte die Erträge aus seinem Buch-Interview – von dem über
20 Millionen Exemplare in 54 Sprachen verkauft wurden – für einen Fond, der den Wiederaufbau von katholischen,
orthodoxen und islamischen Kultstätten in Bosnien-Herzegowina finanziert.“ Welcher Papst hat sich jemals
für den Wiederaufbau von orthodoxen und islamischen Kultstätten eingesetzt? Und noch etwas: Der Text
der Enzyklika „Mit brennender Sorge“ ist Gold wert, kostet aber nichts. Wojtylas Texte kosten etwas,…
@catharina Päpstlicher Ökumenismus/Synkretismus: Genau diese Dinge sind es, die eine Seligsprechung
dieses Papstes verunmöglichen könnten – bei aller Wertschätzung für die menschliche Größe Johannes
Pauls, selbst dann, wenn er tatsächlich schon im Himmel ist, gelitten hätte er ja genug auf Erden.
Religionsfreiheit praktisch? Papst Johannes Paul II. bestimmte die Erträge aus seinem Buch-Interview –
von dem über 20 Millionen Exemplare in 54 Sprachen verkauft wurden – für einen Fond, der den Wiederaufbau
von katholischen, orthodoxen und islamischen Kultstättenin Bosnien-Herzegowina finanziert. Ehrlich gesagt
bringe ich wenig Verständnis dafür auf, daß aus dem Erlös eines päpstlichen Buches auch Moscheen
gebaut wurden.
ohne Rechtsgrundlage Für Zitate aus öffentlich gehaltenen Predigten Tantiemen zu verlangen, dafür gibt
es keinerlei Rechtsgrundlage. Das ist ähnlich wie mit Reden von Politikern. Absurd. Ebenso bei einer
Enzyklika. Das ist ein Rundschreiben! Vergleichbar der Presseerklärung einer Partei. Man stelle sich
mal vor, Frau Merkel würde von der Presse für den Abdruck ihrer Worte Tantiemen fordern. Grotesk. Ich
würde das schlicht ignorieren. Soll die Libreria editrice Vaticana mal klagen.
#2 Augustinus 10:24:15 | Dienstag, 24. Januar 2006
Meine Chaostheorie Sollte diese Forderung geltend gemacht werden (ich vermisse weitere derartige Meldungen
von anderen Medien) gibt das mit Sicherheit einen Proteststurm. Ich glaube nicht ganz an die Nachricht,
vielleicht handelt es sich um ein Mißverständnis seitens Messori? Vielleicht soll das Copyright von
bestimmten außerordentlichen Publikationen wie eben Interviewbücher etc. einheitlicher und gerechter
geregelt werden, wenn da so ein italientypisches Chaos besteht… Eine andere Version kann ich mir eigentlich
nicht vorstellen, weil sonst eine der wichtigsten Aufgaben der Kirche, die Mission quasi unter Zoll gestellt
wird, was auch meiner Ansicht nach dem Evangelium und der Tradition widerspricht. Ein Dummkopf, der solche
Vorschläge macht und vermutlich auch ein Dummkopf, der solche Vorschläge ernst nimmt. LG Augustinus
wenn das wirklich so stimmt ist das die größte geschmacklosigkeit und Frecheit die sich das Staassekretariat
sewit Kardinal villot erlaubt und das will was heißen