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Dienstag, 24. Januar 2006 15:30
Vom Kloster in den Kerker
In Süditalien verhaftete die Polizei gestern den sehr populären Kapuzinerpater Fedele Bisceglia (69). Sein Assistent (39) wurde unter Hausarrest gestellt. Beide stehen unter dringendem Tatverdacht.
Pater Fedele Bisceglia
Pater Fedele Bisceglia
(kreuz.net, Cosenza) Pater Fedele soll mit weiteren Mittätern eine in seinem Rehabilitationszentrum ‘Oasi Francescana’ tätige Klosterfrau (35) – und vielleicht weiterer Frauen – mehrfach vergewaltigt haben. Das berichteten italienische Medien.

Das vom Kapuziner gegründete Zentrum in Cosenza nimmt Einwanderer, Haftentlassene, Ex-Prostituierte und ledige Mütter auf und versorgt täglich bis zu 100 Personen.

Cosenza ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz in der süditalienischen Region Kalabrien.

Die Straftaten des Paters sollen nach Angaben einer Klosterschwester mit einer Videokamera gefilmt worden sein. Die Aufnahmen wurden aber offenbar noch nicht gefunden.

Die Mißhandlungen der Ordensschwester sollen sich im vergangenen Jahr ereignet haben.

Die Polizei befragte und untersuchte die Schwester, hörte Telephongespräche des Paters ab und nahm Kontakte mit drei weiteren Frauen auf. In allen drei Bereichen habe sich der dringende Tatverdacht gegen den Pater erhärtet.

Der Kapuziner bestritt bei seiner Verhaftung die Tat und bezeichnete die Ordensschwester als eine Verrückte: „Ich fühle mich verfolgt wie Christus.“

In der Stadt Cosenza ist Pater Fedele Bisceglia ein Symbol. Vulkanisch, unvorhersehbar, unbequem, exzentrisch wurde er in der Vergangenheit genannt.

Der Kapuziner stammt aus der Gegend von Cosenza. Nachdem die Mutter an einer Lungenentzündung starb, mußte der Fünfjährige ins Waisenhaus. Der Vater wanderte nach Kanada aus.

13jährig kam er zu den Kapuzinern. Es habe ihm dort gefallen und er sei darum geblieben.

Als Ordensmann doktorierte er in Theologie, Literatur und Philosophie. Er absolvierte auch ein Medizinstudium.

Sein Orden setzte ihn zunächst in einer Pfarrei ein. Dort baute er eine neue Kirche, einen Kindergarten und einen Fußballplatz. Mit einem Hungerstreik erzwang er von den Behörden Wasser und Elektrizität. Die Gläubigen feierten ihn als Helden.

Danach wurde Pater Bisceglia Sekretär der Auslandsmissionen und ein USA-kritischer Aktivist in der Antiglobalisierungsbewegung.

Hohe Wellen warf sein Auftritt an der Seite der bekannten Pornodarstellerin Luana Borgia im Jahr 1994.

„Was ist daran seltsam?“ – bemerkte der Pater: „Je tiefer man in die Hölle absteigt, desto besser erkennt man das Paradies. Luana ist ein Star der Pornographie, ich bin ein Star des Heiligen Geistes.“

Auf den Einwand, daß die Dame am Tag mehr Stunden ohne als mit Kleidern verbringe, meinte der Pater: „Es gibt Leute, die sich bedecken, aber viel schlimmer als Luana sind. Im übrigen bin ich Arzt: eine unbekleidete Lende oder Brust beeindrucken mich nicht.“

Ein Jahr später traten Pater und Pornostar an der „Erotica Tour“ in der mittelitalienischen Stadt Bologna auf, wo der Kapuziner Geld für Kinder in Ruanda sammelte.

Im Jahr 2000 soll Pater Bisceglia die Bekehrung der Pornodarstellerin bewirkt haben. Frau Borgia kündigte daraufhin an, sich in ein Kloster zurückziehen zu wollen.

In Cosenza eröffnete Pater Bisceglia eine „Discoteca Francescana“ mit zwei Tanzflächen für zweihundert Personen und ohne alkoholische Getränke, um den tödlichen Verkehrsunfällen von Jugendlichen am Samstag abend vorzubeugen.

Er kämpfte auch gegen den Menschenhandel. Eine rumänische Prostituierte bat ihn um Hilfe, und der Pater überzeugte sie, auszusagen. Danach wurden sieben Menschenhändler verhaftet.

Im Jahr 2001 gründete der Kapuziner das Rehabilitationszentrum ‘Oasi Francescana’. Das groß angelegte Projekt drohte schon bald in Schulden zu versinken. Um auf sich aufmerksam zu machen und Geldgeber für sein Werk zu finden, begann Pater Bisceglia darauf unter Brücken zu schlafen.

Der Pater war zeitweise Ehrenpräsident des Fußballclubs Cosenza und ein häufiger Gast in den italienischen Rundfunkanstalten.

Jetzt scheint seine fulminante Karriere ein tragisches Ende genommen zu haben. Die Zeugenlage scheint erdrückend.

Die Ordensfrau, die den Pater anzeigte, wurde nach psychiatrischen Untersuchungen für normal und glaubwürdig befunden. Es wurden bei ihr auch Spuren einer Vergewaltigung entdeckt.

Dagegen erklärte eine erschütterte Ex-Pornodiva Luana Borgia vor der Nachrichtenagentur ‘Adnkronos’, daß Pater Fedele Bisceglia ein guter Mensch sei, der immer das Gute getan habe. Er sei nicht die Person für die ihm vorgeworfenen Vergehen.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 7 Lesermeinungen:
Mittwoch, 25. Januar 2006 10:17
ottaviani: welch nette phantasie
gotthard und der gute P.schmidberger
Mittwoch, 25. Januar 2006 09:38
mahner: @ gotthard
…das erzählen Sie mal P. Schmidberger )
Dienstag, 24. Januar 2006 19:49
ottaviani: kein datum
meine ich damit sondern das millieu es ist typisch für die nachkonzilare lebensweisheit der Priester
Dienstag, 24. Januar 2006 18:48
Gotthard: nachkonziliar
nachkonziliar sind alle Priester ab Weihejahrgang 1965 … das sagt aber noch nichts über deren moralische Qualitäten aus.
Dienstag, 24. Januar 2006 18:06
Benedikt: Ach so
@ Ottaviani: Da im Artikel ja schon das Wort „Borgia“ – wenn auch in anderem Zusammenhang – vorkommt, sollten Sie vielleicht vorsichtiger mit der NACHkonziliaren Kritik sein. Eine Vergewaltigung als Konzilsfolge oder als Folge der Disziplinlosigkeiten zu sehen ist jedenfalls Unsinn. Die Disziplinlosigkeiten, die sich mancherorts eingeschlichen haben sind bedauerlich, aber sie erklären nicht die Vergewaltigung.
Im übrigen wüsste ich jetzt auf Anhieb nicht, was an der ARBEIT des Paters zu kritisieren wäre (bezügl. der strafrechtl. Vorwürfe lasse ich jetzt mal die Unschuldsvermutung gelten). Immerhin scheint es, als habe er einige gerettet, oder etwa nicht? Was ist daran jetzt verkehrt? Etwa die Methode? Kommt es darauf an, wenn der andere umkehrt und gerettet wird? Das wären ja ganz neue Töne.
Dienstag, 24. Januar 2006 17:54
ottaviani: das ist er also
der moralisch hochstehende weltoffene nachkonziliare geistliche wobei ich mich zu den strafrechtsfragen nicht äussere es reicht völlig das was erwiesen ist
da haben wir also das neue pfingsten dann prost mahlzeit
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