Vom Bischof zum Weihnachtsmann
Im Zwanzigsten Jahrhundert ist die Farbenpracht des bischöflichen Ornats des hl. Nikolaus von Myra auf das Rot-Weiß der Werbung eines international agierenden Zuckerlimonadenkonzerns reduziert worden. Der lange Weg des heiligen Bischofs Nikolaus: von Myra über Bari nach New York und bis auf die Werbeplakate für den Weihnachtsmann auf der ganzen Welt. Ein Streifzug durch die Geschichte.
(kreuz.net) In 1600 Jahren ist der farbenprächtige Ornat des Heiligen Bischofs von Myra zum standartisierten
Rot-Weiß der Weihnachtsmänner verblaßt. Das Abbild des beliebten Volksheiligen aus dem damaligen Griechenland
und der heutigen Türkei findet weniger auf byzantinischen Ikonen als auf Plakatwänden Verehrung und
Beachtung. Heute ist der wundertätige Bischof Nikolaus der Marketing-Agent für den weihnachtlichen Verkaufswahnsinn.Vor mehr als 1600 Jahren erblickte Nikolaus das Licht seiner kleinasiatischen Welt. Die Volksfrömmigkeit bewahrte viele Szenen aus dem Leben des Wohl- und Wundertäters. Einmal verschaffte der hl. Nikolaus der hungernden Stadt Myra auf wunderbare Weise eine Getreidelieferung. Einmal rettete er die Kinder von Myra vor der Entführung durch Seeräuber. Ein anderes Mal verhalf er einem armen Mädchen zur Heirat, die sich ihr Vater nicht hätte leisten können.
Die Verehrung des heiligen Bischof von Myra setzte in der byzantinischen Ostkirche bereits kurz nach seinem Tod ein. Doch die Popularität des Heiligen wuchs auch in der römischen Westkirche. So heiß umkämpft waren seine Reliquien, daß freche italienische Seeleute seine Reliquien im Jahre 1087 aus Myra entwendeten und Richtung Bari in Süditalien verschifften.
Im 17. Jahrhundert brachten holländische Kolonisten die Verehrung des „Sinta Klaas“ in die Neue Welt, genauer, nach New Amsterdam, dem heutigen New York. In den USA gab man dem Heiligen von Myra den Namen „Santa Claus“ und verband die Bischofsgestalt mit nordischen Volkserzählungen. Als Ergebnis entstand im 19. Jahrhundert die dümmliche Legende von einem alten Mann mit magischen Fähigkeiten. „Schlimme Kinder steckt er in seinen Sack, den braven Kindern bringt er Geschenke.“ Eine weitere Entwicklung ereignete sich zeitgleich in England. Der aus den USA rückimportierte Santa Claus wurde zum „Father Christmas“ umgestylt. Das war die Geburtsstunde des „Weihnachtsmannes“.
Erst in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann der heute übliche rot-weiße Weihnachtsmann-Sack über die Farbpracht des für den hl. Nikolaus typischen Bischofsornates zu dominieren. Am 27. November 1927 konnte man in der Tageszeitung ‘New York Times’ lesen: „Ein standardisierter Santa Claus erscheint den New Yorker Kindern. Größe, Gewicht, Statur sind ebenso vereinheitlicht wie das rote Gewand, die Mütze und der weiße Bart.“ Einige der Kinder, denen der standardisierte Santa Claus einen Schrecken einjagte, dürften heute die New Yorker Altersheime bevölkern.
1931 erschien
die erste Coca-Cola-Anzeige mit dem rot-weißen Weihnachtsmann, entworfen vom Grafiker Haddon Sundblom.
Seitdem haben die alljährlichen Werbefeldzüge des Zuckerlimonandenkonzerns dazu beigetragen, den Einheitsweihnachtsmann
in den Firmenfarben weltweit bekanntzumachen.Im kommunistischen Ostblock war der in christlicher Hinsicht abgespeckte Weihnachtsmann immer noch zu katholisch. Er behielt zwar seinen Coca-Cola-Look, wurde aber umgetauft. Bei den Kommunisten mußte er sich, etwas unterkühlt, „Väterchen Frost“ nennen. Und auf diesen eisigen Namen hört der große Heilige der Byzantinischen Kirche ausgerechnet bei den byzantinischen russischen Kindern immer noch. Wir lassen die Coca Cola im Kühlschrank und halten es mit dem hl. Nikolaus, dem Bischof von Myra, dem Wohl- und Wundertäter, der für den, der ihn gläubig anruft, auch noch heute, einige angenehme Überraschungen auf Lager hat.
Der Tod des Hl. Nikolaus, Altarbild in Perugia von Fra Angelico um 1400-1455

Weiterlesen:
Montag, 6. Dezember 2004 20:43
Dolfus: Americas Religion
Es ist durchaus passend, daß in unserer Zeit in Millionen Familienhaushalten eine Coca-Cola-Reklamefigur
die Geschenke bringt.
Der US-Autor Norman Mailer meinte jüngst in einem Interview, (US-)Americas wahre Religion ist einfach America, nicht Jesus. Würden sie erkennen müssen, daß Jesus gegen America wäre, würden sie ihm auf der Stelle die Entlassungspapiere geben.
Der US-Autor Norman Mailer meinte jüngst in einem Interview, (US-)Americas wahre Religion ist einfach America, nicht Jesus. Würden sie erkennen müssen, daß Jesus gegen America wäre, würden sie ihm auf der Stelle die Entlassungspapiere geben.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Beiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen sowie Leser aus der Debatte auszuschließen.





