19:20:35 | Mittwoch, 25. Januar 2006
Benedikt XVI.
Bischof von Mainz, Karl Kardinal Lehmann„Über den ökumenischen Aspekt habe ich schon eingangs gesprochen.
Dieser Zusammenhang kommt direkt nur an einer Stelle vor (vgl.
Nr. 30, Ende), aber es ist wohl überdeutlich
geworden, daß diese Enzyklika durch den tiefen Rückgang auf die Bibel und die grundlegende Botschaft,
die von den anderen Kirchen wohl nicht sehr verschieden gesehen werden kann, einen radikalen ökumenischen
Charakter hat, auch wenn dieser mehr mittelbar in Erscheinung tritt.
Auch die Wahl des
heutigen Tages
spricht ja auch eine eigene Sprache.
Es ist ein theologisch, spirituell, pastoral und sozial tief angelegter
Impuls, mit dem der Papst uns für die Sendung in der heutigen Welt mehr Mut machen will. Dafür danken
wir ihm.“
Erzbischof von Wien, Christoph Kardinal Schönborn„Nun liegt sie vor mir, die erste Enzyklika
von Papst Benedikt. Was wird er wohl an Programmatischem sagen, so lautet seit Wochen die Frage? Der hochbetagte
Apostel Johannes hatte in seinen Briefen eigentlich nur eines zu sagen.
Nur eines lag ihm am Herzen,
und deshalb kommt er immer wieder darauf zurück: ‘Gott ist die Liebe’ (1 Joh 4,16). Papst Benedikt hat
als erstes und wichtigstes Wort zu Beginn seines Pontifikats nur dieses eine zu sagen, das alles andere
zusammenhält und allem Sinn gibt: ‘Gott ist die Liebe’.
Wenn ich einen ersten Eindruck von dieser ersten
Enzyklika zu formulieren suche, so ist es der: voll Kraft, Klarheit und Hoffnung!“
Bischof von Basel,
Mons. Kurt Koch„Indem Papst Benedikt XVI. eine theologische Meditation über die Liebe vorlegt und die
Diakonie als fundamentale Aufgabe der Kirche würdigt, zeigt er nicht nur die Menschlichkeit und Schönheit
des christlichen Glaubens auf, sondern ratifiziert er damit auch, was sein Pontifikat seit Beginn auszeichnet
und was die Kirche heute so dringend nötig hat:
Eine wahre Reform aus den Wurzeln des Glaubens und durch
die Konzentration auf das Wesentliche. Dies ist, wenn man es denn so nennen will, das entscheidende ‘Regierungsprogramm’
von Papst Benedikt XVI.
Wir dürfen dem Heiligen Vater für diese eingängige, eindringliche und von
tiefem Glauben getragene Enzyklika dankbar sein und uns von ihr ermutigen lassen, die Liebe noch entschiedener
zu leben und so von der grenzenlosen Liebe Gottes in der heutigen Welt in Wort und Liebestätigkeit glaubwürdig
Zeugnis zu geben.“
Wiener Pastoraltheologe, Hw. Paul Michael ZulehnerHw. Zulehner bezeichnete die Enzyklika
vor der österreichischen Presseagentur als „Kurzfassung des Innersten des Christentums“. Der Papst habe
erkannt, „daß man mit dem Moralisieren den Menschen nicht hilft“ und widme sich daher mystischen Fragen.
Der Pastoraltheologe betonte, daß sich die Enzyklika nach ihrem Stil deutlich von jener früherer Päpste
unterscheide. Es handle sich um eine „Enzyklika mit neuer Qualität“. So versuche Benedikt XVI. die Glaubensbotschaft
bewußt „in einer säkulären Sprache zu vermitteln“.
In einer Zeit religiöser Pluralität strebe er
eine „Elementarisierung der Botschaft des Christentums“ an, um diese „durch Klarheit zu positionieren“.
Es sei der Versuch, auf wenigen Seiten zu sagen, was das Christentum ausmache, damit sich „die Leute auskennen“.
Hw. Hans KüngDer Schweizer Theologe Hans Küng würdigte die erste Enzyklika von Papst Benedikt XVI.
als „respektables, solide und differenziert gearbeitetes Dokument“. Allerdings habe die Enzyklika auch
Grenzen.
Viele Katholiken seien bestimmt froh, daß diese erste Enzyklika des neuen Papstes „kein Manifest
des Kulturpessimismus oder leibfeindlicher kirchlicher Sexualmoral“ sei, sondern sich „einem zentralen
theologischen und anthropologischen Thema“ widme.
„Ich wünschte uns eine zweite Enzyklika: nicht über
die Liebe Gottes und Jesu Christi und über das caritative Handeln der Kirche und ihrer Organisationen,
sondern über Strukturen der Gerechtigkeit in der institutionellen Kirche selber und den liebevollen Umgang
mit allen verschiedenen Gruppen.“
Hw. Küng spricht von den „Frauen und Männern, die Verhütungsmittel
gebrauchen“, den „Geschiedenen und Wiederverheirateten“, den „wegen des Zölibats ausgeschiedenen Priestern“,
von den „kritischen Stimmen in der Kirche“ und den „protestantischen und anglikanischen Amtsträgern,
denen man die Gültigkeit ihrer Abendmahlsfeiern abspricht“.
„Wir sind Kirche“Ein Mitglied des Bundevorstandes
der kirchenfeindlichen und stark auf sexuelle Themen ausgerichtet Bewegung ‘Wir sind Kirche’, Sigrid Grabmeier,
erklärte vor der ‘Leipziger Volkszeitung’, daß sie in der Enzyklika eine hoffnungsvolle Botschaft sehe.
Allerdings spreche der Papst leider nicht über die Caritas innerhalb der Kirche: „Dabei wäre dies nötig,
denn innerkirchlich wird diese Liebe oft nicht gelebt.“
Positiv sei dagegen die ökumenische Wirkung
der Enzyklika. „Das ist ein sehr positiver Aspekt des Textes. Die Enzyklika erreicht Katholiken wie Protestanten,
vielleicht sogar Menschen ohne Gottesbezug. Die Botschaft, daß Liebe etwas komplettes ist und nicht aufteilbar
in körperliche und geistige Liebe, das wird hohe Wirkung haben.“
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