09:43:45 | Donnerstag, 26. Januar 2006
Dem päpstlichen Hofprediger schaudert es vor dem Gedanken, daß ungetaufte Kleinkinder auf ewig von der Anschauung Gottes ausgeschlossen bleiben: „Gott will, daß alle gerettet werden.“
(kreuz.net, Vatikan) Am Fest der Taufe des Herrn löste eine
Homilie des päpstlichen Hofpredigers Raniero
Cantalamessa über den Limbus der Kleinkinder bei einigen Gläubigen Verwirrung aus.
Der Kapuzinerpater
hatte in seiner Predigt behauptet, ungetauft gestorbene Kleinkinder würden nicht in den Limbus, sondern
in den Himmel kommen.
Um die von ihm gestiftete Verwirrung aufzuklären, faßte er seine Meinung für
die römische Nachrichtenagentur ‘Zenit’ noch einmal zusammen.
Jesus habe die Sakramente als ordentliche
Mittel zum Heil eingesetzt – beginnt der Kapuziner seine Stellungnahme: Die Sakramente seien üblicherweise
zur Rettung der Seelen notwendig.
Diejenigen, die sie nicht empfangen würden – obwohl sie zu ihnen Zugang
hätten –, machten sich vor Gott schuldig.
Gott habe sich selber natürlich nicht an die Sakramente gebunden,
so Pater Cantalamessa weiter. Entsprechend interpretiert der Kapuziner ein Jesus-Wort aus dem Johannesevangelium:
„Wenn du nicht das Fleisch des Menschensohn ißt, wirst du das Leben nicht haben.“
Dieser Satz sage nicht,
daß die, welche den Leib Christi nicht empfangen
können, nicht gerettet würden.
Die sogenannte Begierdetaufe
und das Fest der Unschuldigen Kinder würden diese Ansicht bestätigen.
Die Begierdetaufe ist eine nicht-sakramentale
Form der Taufe. Sie betrifft Menschen, die ungetauft sterben, aber durch ein ausdrückliches oder indirektes
Verlangen nach der Taufe, durch Buße für ihre Sünden und durch Taten der Nächstenliebe gerettet werden.
Am Tag der Unschuldigen Kinder – dem 28. Dezember – verehrt die Kirche die von König Herodes vor Erreichen
der Verstandeskraft ermordeten ungetauften Kinder Betlehems dennoch als Heilige.
Manche könnten nun
einwerfen, so der Kapuziner, daß Jesus für den Tod der Unschuldigen Kinder von Betlehem eine besondere
Rolle gespielt habe. Das treffe aber bei den meisten Kleinkindern, die ungetauft sterben, nicht zu.
Das
sei richtig, erklärt der Pater, doch Christus sage auch: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan
habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)
Die Lehre vom Limbus sei von der Kirche nie als Dogma definiert
worden.
Die These vom Limbus sei vom Heiligen Augustinus auf Grundlage seiner Lehre von der Erbsünde
aufgestellt habe. Seit langer Zeit habe man aber dem Limbus den Rücken zugekehrt. Die gegenwärtige Theologie
lehne ihn ebenfalls ab.
Wir sollten – so Pater Cantalamessa – die „Wahrheit von Gottes universellem Heilswillen“ –
„Gott will, daß jeder gerettet wird“ (1 Tim 2,4) – und die „Wahrheit, daß Jesus für alle gestorben
ist“ ernst nehmen.
An dieser Stelle verweist der Kapuziner auf Abschnitt 1261 des Weltkatechismus. Dieser
gebe genau seine Position wieder:
Was die ohne Taufe verstorbenen Kinder betrifft, kann die Kirche sie
nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, wie sie dies im entsprechenden Begräbnisritus tut. Das große
Erbarmen Gottes, der will, daß alle Menschen gerettet werden, und die zärtliche Liebe Jesu zu den Kindern,
die ihn sagen läßt: „Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!“ (Mk 10,14), berechtigen
uns zu der Hoffnung, daß es für die ohne Taufe gestorbenen Kinder einen Heilsweg gibt. Die Kirche bittet
die Eltern eindringlich, die Kinder nicht daran zu hindern, durch das Geschenk der heiligen Taufe zu Christus
zu kommen.Pater Cantalamessa glaubt nicht, daß die Gewißheit um die Rettung ungetauft gestorbener
Kleinkinder die Abtreibung fördern werde.
Schließlich würden „jene, welche die kirchliche Lehre über
die Kinderabtreibung ablehnen“, auch die restliche Lehre der Kirche nicht ernst nehmen. Doch selbst, wenn
es Gründe für eine derartige Befürchtung gäbe, sollte uns der Mißbrauch einer Lehre niemals davon
abhalten, sie zu glauben.
Er müsse gestehen – schließt der Pater dennoch genau mit diesem Argument,
wobei er gleichzeitig die Lehre von der Erbsünde in Frage stellt – daß ihn allein der Gedanke Schaudern
lasse, daß Gott „ein unschuldiges Geschöpf“ ewig von seiner Anschauung trenne, weil eine andere Person
gesündigt habe oder wegen einer unglücklichen Fehlgeburt.
Er sei sich sicher, eine solche Lehre würde
jeden Ungläubigen überzeugen, sich vom christlichen Glauben fernzuhalten.
Wenn die Hölle in ihrem
Wesen aus der Abwesenheit Gottes bestehe, dann sei der Limbus die Hölle.
Die Ansichten des Paters sei
nicht ungefährlich, erklärte ein französischer Vertreter der Lebensrechtsbewegung.
Wenn das stimme,
dann tue man einem Kleinkind mit der Abtreibung letztlich einen Gefallen. Man garantiere ihm so den Himmel,
den es ihm Laufe eines Erwachsenenlebens – wenn überhaupt – nicht so leicht erreicht hätte.
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