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Samstag, 28. Januar 2006 08:40
kreuzmeldungen
Arbeit vor Kapital + Undeutlich wird nicht gehört + Gottesbegegnung durch sexuelle Ekstase? + Im letzten Augenblick gescheitert + Tschechisches Homo-Konkubinat
Arbeit vor Kapital

Vatikan. Benedikt XVI. forderte gestern, die Arbeiterfrage wieder ernster zu nehmen. Vor dem italienischen Verband katholischer Arbeiter unterstrich der Heilige Vater, daß die menschliche Person „der Maßstab der Würde der Arbeit“ sei. Dazu gehöre auch das Gebot der Sonntagsruhe. Zuerst komme der Mensch, dann die Arbeit – zuerst die Arbeit, dann das Kapital – zuerst das Sein, dann das Haben. In diesem Sinn forderte Benedikt XVI. auch den „Schutz des Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Ende“. Der Papst bat seine Zuhörer außerdem um „Treue zur Demokratie“, die allein die Gleichheit und Rechte für alle garantieren könne.

Undeutlich wird nicht gehört

„Meine Sorge ist nicht, daß die Kirchen zu stark sind, sondern daß ihre Botschaft zu wenig gehört wird, vielleicht weil sie auch zu undeutlich ausgesprochen wird. (…) Je deutlicher die kirchliche Botschaft ist, desto stärker wird sie nach meiner Überzeugung auch gehört. Sie muß freilich in einer pluralistischen und säkularisierten Welt anders gesprochen werden als das früher der Fall war. Fragen des sozialen Lebens sind Fragen des Glaubens und das müßte man meiner Meinung nach auch deutlich machen. Ich bin nicht für einen Rückzug der Kirchen aus dem politischen Leben, sondern ich bin der Meinung, daß die Kirchen das Unverwechselbare, das Spezifikum, das Proprium, aussprechen müssen – und nicht die Beliebigkeit der Vorschläge erweitern.“

Ausschnitt aus einem Gespräch des am gestrigen Freitag morgen verstorbenen ehemaligen Deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau (SPD) mit ‘Radio Vatikan’.

Gottesbegegnung durch sexuelle Ekstase?

Deutschland. Die Enzyklika ‘Deus Caritas est’ von Papst Benedikt XVI. biete die Chance, mit Jugendlichen ernsthaft über das Thema Sexualität zu sprechen. Dies meinte der Tübinger Religionspädagoge Albert Biesinger laut einem Bericht der ‘Katholischen Nachrichtenagentur’. Der Text zeige – so der Religionspädagoge – „daß auch die sexuelle Ekstase zur Begegnung mit Gott führen könne“.

Im letzten Augenblick gescheitert

Vatikan. Noch Ende Dezember schien es, daß das Regime der Volksrepublik China einen Apostolischen Visitator ins Land lassen wollte. Das berichtete das italienische Wochenmagazin ‘Panorama’ am vergangenen Montag. Das wäre der erste Schritt zur Aufnahme von diplomatischen Beziehungen gewesen. Am 9. Januar wollte Benedikt XVI. die frohe Kunde während der jährlichen Rede vor dem im Vatikan akkreditierten Diplomatischen Korps mitteilen. Doch kurz nach Neujahr zogen die chinesischen Kommunisten ihr Angebot zurück. Am 9. Januar blieb dem Papst nichts anderes übrig, als zu beklagen, daß die Religionsfreiheit „in einigen Staaten, die auf eine jahrhundertealte kulturelle Tradition zurückblicken“, nach wie vor nicht die Stellung einnimmt, die sie in der internationalen Ordnung besitzt.

Tschechisches Homo-Konkubinat

Tschechien. Der tschechische Senat hat am Donnerstag zugunsten einer staatlichen Anerkennung des Homo-Konkubinats gestimmt. Tschechien ist das einzige Land des ehemaligen Ostblocks, das sich zu diesem Schritt entschlossen hat. Es blieb unklar, welche Interessen der Tschechische Staat besitzt, um das Zusammenleben von Homosexuellen zu privilegieren. Von den 65 Senatoren stimmten nur 14 gegen den Gesetzesentwurf. Sie gehören alle zur Christdemokratischen Partei. Sechs Senatoren enthielten sich der Stimme. Die Kinderadoption durch Homo-Paare wird nicht gestattet.
6 Lesermeinungen:
Montag, 30. Januar 2006 09:28
Laurentius2: Johannes Rau deckte …
… durch seinen sicher gutgemeinten Einsatz als Christ die liberal-sozialistische Umwertung in unserem Land ab. Ohne eine solch glaubwürdige christliche Persönlichkeit als Feigenblatt wäre den Liberal-Sozialisten sicher nicht die jahrzehntelange Umpolung des ehemals schwarzen NR-Westfalen gelungen.
Ob Rau das irgendwann gecheckt hat ? Evangelische sind nunmal besonders anfällig für den (seit 68 liberalsozialistischen) Zeitgeist. Aber der Mensch irrt, solang er strebt (und nicht katholisch wird.)
Samstag, 28. Januar 2006 20:02
Rosalinde: @Ansgar
woher rührt Ihre Meinung, daß sich hier Kapitalisten und Anti-Demokraten tummeln?

Empirisch lässt sich an den Beiträgen leicht zeigen, daß sich hier wenig Antikapitalisten (abgesehen von denjenigen, die Antikapitalismus mit Antiamerikanismus verwechseln) finden und westlich-demokratische Werte regelmässig torpediert werden. Mehr habe ich in meinem Beitrag nicht gesagt.

Übrigens: Auch wenn der Papst mit seinem Demokratie-Lob Recht haben mag, die D. ist eine Regierungsform und kein Wertesystem.
Stimmt, jüngstes Beispiel die Wahl der Hamas in Palästina. Die Demokratie muss sich regelmässig gegen sich selber schützen, trägt aber als Regierungsform gekoppelt mit den Menschenrechten eigentlich zu einem langfristigen Prozess der Menschwerdung bei. Demokratie ist immer verhandelbar und insofern selbst prozesshaft abhängig von den im Demos vertretenen Werten.
Samstag, 28. Januar 2006 15:11
Ansgar: @ Rosalinde
„weder Demokratisch noch Antikapitalisitsch“

Ich dachte, das Forum wäre katholisch? Und woher rührt Ihre Meinung, daß sich hier Kapitalisten und Anti-Demokraten tummeln? Übrigens: Auch wenn der Papst mit seinem Demokratie-Lob Recht haben mag, die D. ist eine Regierungsform und kein Wertesystem. Beschließt eine Demokratie auf demokratischem Wege die Einführung der Todesstrafe und die Abschaffung des Frauenwahlrechts, so ist das demokratisch. Aber sicher nicht moralisch gerechtfertigt.
Samstag, 28. Januar 2006 14:18
Rosalinde: schau schau…
offensichtlich hat der oberste Hirte etwas von Kapitalkritik verstanden und zudem begriffen, daß Demokratie ein äusserst wichtiges Gut ist. Pappa, si non fai niente il populo catholico va übern Jordan wie sie an diesem Forum merken. Wenn selbst der Papst als oberste Autorität des Weltkatholikentums solche Dinge vertritt, wie kommt es dann, daß dieses Forum weder Demokratisch noch Antikapitalistisch ist??
Samstag, 28. Januar 2006 12:33
Krzyszek: Gleiche Rechte vs Privilegien
Es geht bei der Eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht ums Ausleben der Sexualtriebe (dafür braucht es weder eine Ehe noch eine ELP), sondern um die gegenseitige Übernahme von Verantwortung zweier Personen füreinander.
Samstag, 28. Januar 2006 12:01
Krzyszek: Prager Entscheidung
„Es blieb unklar, welche Interessen der Tschechische Staat besitzt, um das Zusammenleben von Homosexuellen zu privilegieren.“

Typische Fehlinterpretation der kreuz.net-Redakteure. Es geht hier wieder einmal nicht um Privilegien, sondern um gleiche Rechte für Eingetragene Lebenspartnerschaften.
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