15:27:52 | Mittwoch, 1. Februar 2006
Während des Weltjugendtages kam eine deutsche Pfarrei in Kontakt mit Mitgliedern des ‘Neokatechumenalen Weges’. Dabei mischte sich bei einigen Pfarrmitgliedern Bewunderung mit Verwunderung.
(kreuz.net, Hardheim) Im Zusammenhang mit den liturgischen Weisungen, welche die Kongregation für den
Gottesdienst kürzlich
an den ‘Neokatechumenalen Weg’ richtete, veröffentlichte die katholische Zeitung
‘Tagespost’ Mitte Januar einen Leserbrief von Frau Silke Lausch-Konrad aus Hardheim im Bundesland Baden-Württemberg.
In ihrem Leserbrief schildert Frau Lausch einige Eindrücke, die sie im Rahmen des Kölner Weltjugendtages
im August 2005 von Mitgliedern des ‘Neokatechumenalen Weges’ gewonnen hat.
Der ‘Neokatechumenale Weg’
ist eine internationale kirchliche Gemeinschaft, die in Spanien gegründet wurde. Sie sammelt häufig
kirchenferne Menschen und vom Glauben entfernte Katholiken in kleinen Gemeinschaften, die ein intensives
religiöses Innenleben führen.
Während der diözesanen Vorbereitungstage vor dem Weltjugendtag habe
ihre Pfarrei knapp fünfzig Gäste aus Weißrußland – fast alle Mitglieder des Neokatechumenalen Weges –
als Gäste begrüßen dürfen, schreibt Frau Lausch.
Bereits am Morgen des ersten Tages sei sichtbar
geworden, daß „unsere Gäste etwas ganz Besonderes“ waren.
Das Morgengebet mit den russischen Gesängen
habe durch seine Andächtigkeit beeindruckt. Statt der geplanten 45 Minuten habe es doppelt so lange gedauert.
Obwohl man die Andacht eine halbe Stunde vorverlegt habe, seien die Neokatechumenalen trotzdem zu spät
zur Willkommen-Feier des Dekanats gekommen:
„Das gesamte Dekanat samt Gäste wartete zunächst auf die
russischen Gäste, begannen ihr Programm schließlich mit Verspätung und der offenen Frage, warum diese
Gäste wohl ausblieben.“
Am Abend habe man die nächste Überraschung erlebt: „Unsere Gäste wollen nicht
an der gemeinsamen Eucharistiefeier teilnehmen.“ Sie hätten um eine eigene Feier gebeten.
Der zuständige
Pfarrer und der Dekan hätten „mit Engelszungen“ auf die „Wichtigkeit der Gemeinschaft ‘Weltkirche’“ hingewiesen.
Schließlich sei ein Kompromiß zustandegekommen: Die Gäste wohnten zuerst der Pfarrmesse bei und hielten
dann – so Frau Lausch – „ihre eigene Feier“. Sie selber habe aus Neugierde entschieden, an der zweiten
Messe teilzunehmen.
Etwas verwirrt habe die Tatsache, daß immer wieder Laien an das Lesepult getreten
und etwas gesagt hätten. Nach dem Evangelium hätten Laien von ihren Plätzen aus vermutlich „Eindrücke
zum Evangelium“ formuliert.
Irgendwann habe „dann auch“ der Priester gesprochen – von seinem Stuhl aus
und im Sitzen. Sie habe – so Frau Lausch – den Eindruck gehabt, daß der Priester sprach, „um auch was
gesagt zu haben“.
Diese Art von Wortgottesdienst sei für sie neu und ungewohnt gewesen. Sie sei aber
wegen der großen Sammlung und Andacht durchaus erbaut gewesen.
Bei der Opferung habe sie ein für die
Konsekration bestimmtes Fladenbrot erblickt: „mit viel Gebet am Morgen selbst gebacken“.
Sie sei vom
Umgang mit dem Fladenbrot nach der Wandlung schockiert gewesen: „Klar, daß dieses Brot unglaublich bröselt,
wenn es in etwa sechzig Teile geteilt werden muß.“
Die Heilige Kommunion sei den Gläubigen im Sitzen
gespendet worden. Zuerst hätten alle den Leib Christi auf die Hand empfangen, dann sei gemeinsam kommuniziert
worden: „Ich hatte große Mühe, die Krümel auf der Hand zusammenzusammeln und dieses Brot zu kauen und
zu schlucken.“
„Ich war nach der Messe hin und hergerissen von den einerseits guten Eindrücken, aber
andererseits sich mir gezeigten Widersprüchen.“
Am letzten Tag des Aufenthalts in der Pfarrei, sei den
russischen Pilgern eine Einkaufstour so wichtig gewesen, daß sie zu spät zur Abschlußmesse mit dem
Erzbischof von Freiburg, Mons. Robert Zollitsch, losgefahren seien.
Während der Messe sei ihr Gatte –
der die Gruppe begleitete – „etwas irritiert“ gewesen, weil sich die Gruppe während der liturgischen
Handlungen abseits stellte, sich an der Messe kaum beteiligte und lustige Unterhaltungen führte.
Nach
der Messe habe er sich bei den Gäste nach ihrem Verhalten erkundigt.
Diese hätten unumwunden erklärt,
daß sie lieber in die Innenstadt zum Einkaufen gegangen wären und nur gezwungenermaßen an der Messe
teilgenommen hätten.
Am Abend stehe in Köln noch ihre eigene Messe auf dem Programm.
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