Ein Wiener Pastoraltheologe hat eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, warum so viele Theologie studieren und so wenige Priester werden. Seine Fragen sagen mehr als tausend Antworten. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Wien) Prof. Paul Michael Zulehner ist Pastoraltheologe an der Theologischen Fakultät der
Universität Wien. Mit Meinungsumfragen hat er viel Erfahrung. Im Statistischen Zentralamt könnten ihm
in diesem Geschäft die wenigsten das Wasser reichen.
Die jüngste Umfrage von Prof. Zulehner wird über
das Internet durchgeführt.
Der Professor forderte die Wiener Theologiestudenten per Email auf, an der
Befragung teilzunehmen. Säumige Antworter werden mit einem Erinnerungsemail beglückt.
Hw. Zulehner
verspricht vollkommene Anonymität, so daß „es ist auf keinen Fall nachvollziehbar ist, wer welche Beurteilung
abgegeben hat“.
Die Anonymisierung funktioniert über einen mehrstelligen Code.
Wie es technisch möglich
ist, die Studenten nochmals aufzufordern den Fragebogen auszufüllen, ohne eine Verbindung zwischen Email-Adresse
und Code zu speichern, wird nicht erklärt.
Der Code verfällt nach dem Ausfüllen des elektronischen
Fragebogens. Auf diese Weise soll verhindert werden, daß ein Student mehr als einmal an der Umfrage teilnimmt.
Das Projekt ist von der Frage geleitet, warum sich unter den Theologiestudenten kaum mehr Priesteramtskandidaten
finden.
Dazu werden 42 Fragen vorgelegt. 27 davon beschäftigen sich inhaltlich mit Problemen, die um
das Drei-Buchstaben-Wort kreisen, das mit „S“ beginnt und mit „x“ endet.
Bei drei Fragen geht es um das
Frauenpriestertum. So werden die Teilnehmer mit folgender These konfrontiert: „Ich sehe – abgesehen vom
Nein des Papstes – keine schwerwiegenden theologischen Gründe, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen.“
Auf diese Aussage erlaubt der Bogen folgende ankreuzbaren Antwortvarianten: „stimme voll zu“, „stimme
zu“, „teils – teils“, „lehne ich ab“, „lehne ich ganz ab“.
Ob auch der Papst das Recht habe, zum – zwischenzeitlichen
Nicht-Thema – „Frauenpriestertum“ seine Meinung zu äußern, wird nicht gefragt.
Der Fragebogen will
auch wissen, ob die Kirche die „Zulassungsbedingungen“ zum Priestertum lockern sollte oder ob sie gegenwärtig
daran denken sollte, „den Reformweg“ zu verlassen. Ob man sich zu letzterem nicht besser gleich beim Papst
erkundigen sollte?
Jedenfalls stellt sich die Frage, ob man mit solchen Fragen nicht mehr über die Ideologie
der Frager und Befragten erfährt als über die anfangs gestellte Frage.
Weiter geht’s. Ein anderer Satz,
der zur Beurteilung vorgelegt wird, ist der folgende:
„Ich will nicht Priester werden, weil ich den Treueeid
beziehungsweise das Glaubensbekenntnis nicht ablegen kann, nach dem ich alles glauben muß, was Rom definitiv
zu glauben vorschreibt, ohne daß es dogmatisch definiert ist.“
Oder: Ob Laien nicht ebenso gut seelsorglich
tätig sein können.
Doch alles in allem geht es vor allem um die Erforschung des Sexuallebens und um
Vermutungen über das Geschlechtsleben von Geistlichen:
In welchem Ausmaß man glaube, daß der Zölibat
junge Männer davon abhalte, ins Priesterseminar zu gehen.
Ob in der Ehelosigkeit ein Rest einer unchristlichen
Leib- und Ehefeindlichkeit weiterlebe.
Ob die Ehelosigkeit den Priester in eine Distanz zu den Menschen
bringe.
Ob der Zölibat den Priester einsam mache.
Ob manche Priester wegen ihrer Ehelosigkeit schrullig
würden.
Ob die Entscheidung zum priesterlichen Zölibat, zum Alleinleben oder zur Ehe dem einzelnen
Priesteramtsbewerber überlassen werden solle.
Ob man einer Kirche loyal sein könne, die zum Teil „unlebbare
Moralvorstellungen“ besitze und einfordere.
Leider fehlt die alles entscheidende Frage:
„Für wie groß
halten Sie die Wahrscheinlichkeit, daß das Problem dieses Fragebogens in der Unterhose jener steckt,
die ihn zusammengestellt haben?“
Email-Adressen der Empfänger
8 Lesermeinungen
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Fragebogen „Ich sehe – abgesehen vom Nein des Papstes – keine schwerwiegenden theologischen Gründe, Frauen
nicht zum Priesteramt zuzulassen.“ Auf diese Aussage erlaubt der Bogen folgende ankreuzbaren Antwortvarianten:
„stimme voll zu“, „stimme zu“, „teils – teils“, „lehne ich ab“, „lehne ich ganz ab“. Was von dem Fragebogen
zu halten ist zeigen schon die schwachsinnigen Abstufungen. Wie ist auf diese Frage „teils teils“ zu antworten
und was ist der Unterschied zwischen „lehne ich ab“ und „lehne ich ganz ab“? Hier fehlt wohl Übung…
Enthemmte Traditionalisten, willkommen im Schwarz-Weiß-Land No sicher, Modernisten sind enthemmt und
Traditionalisten sind verklemmt – so ein Schmarrn: es soll genau das Umgekehrte geben: „verklemmte“ „Modernisten“
und „enthemmte“ „Traditionalisten“, vor allem wenn diese ideologische Außenform („Modernist“, „Traditionalist“)
eben nur etwas Äußerliches ist und nicht mit Leben erfüllt ist, abgesehen davon daß es diese primitive
Schwarz-Weiß-Malerei in der Wirklichkeit sowieso nicht gibt. Deshalb ist auch die Aufregung über diese
Umfrage lächerlich und reine Werbung für den alteingesessenen Prof …
Unterhosentheologie Diesem Kommentar, vor allem der Schlussbemerkung, ist nichts hinzuzufügen. Danke,
liebe Redaktion von kreuz.net, für dessen Veröffentlichung! Die großartigen Ausführungen von Papst
Benedikt XVI. in seiner Enzyklika über die Liebe sind die beste Antwort auf die peinliche, bei enthemmten
Modernisten wie verklemmten Traditionalisten gleichermasßen beliebte Unterhosentheologie.
Argumente? Aber die Intention der Frager ist schon eindeutig, und das ist bedenklich. Da wird versucht
eine schon längst überholte Ideologie nun doch noch irgendwie in die nächste Studenten Generation zu
retten. Welche Ideologie bitte sehr? Bevor Du solche pauschalen Urteile über die Entwickler dieser sehr
interessanten Untersuchung anstellst, solltest Du Deine Einsichten der heutigen aktuellen Situation bitte
auf den Tisch legen … oder schweigen!
Gut, daß so etwas veröffentlicht wird! Diese Meinungsumfragerei ist eine derartige Unsitte, endlich
wird das aufgedeckt! Es wird nach Emotionen gefragt – was für einen Wert hat so was überhaupt? Wie soll
ein Theologiestudent den Zölebat beurteilen, den er gar nicht leben will. Das Wäre so, als ob ich Homosexuelle
über den Stand der Ehe befrage (entschuldigung für diesen Krassen vergleich) Aber die Intention der
Frager ist schon eindeutig, und das ist bedenklich. Da wird versucht eine schon längst überholte Ideologie
nun doch noch irgendwie in die nächste Studenten Generation zu retten. Die Kirche retten man da aber
nicht: Sie wird vom Evangelium getragen. Schade, daß Zulehner überhaupt nicht den Glauben der Theologen
befragt! „Wer um des Himmelreiches wegen…“ Aber das Himmelreich ist ja anscheinend tabu – es geht um
das Menschenreich. Besser, diese Theologen werden keine Priester! Gott sei Dank gibt es das Zölibat!
Eine Nachrichtenmeldung… …ist das hier ja ganz offensichtlich nicht. Ich bin noch am überlegen ob
es sich eher um eine Satire handelt „Für wie groß halten Sie die Wahrscheinlichkeit, daß das Problem
dieses Fragebogens in der Unterhose jener steckt, die ihn zusammengestellt haben?“ oder um einen peinlichen
Eiertanz. Dazu werden 42 Fragen vorgelegt. 27 davon beschäftigen sich inhaltlich mit Problemen, die um
das Drei-Buchstaben-Wort kreisen, das mit „S“ beginnt und mit „x“ endet. In jedem Fall will hier jemand
nicht wahrhaben, dass die heilige Mutter Kirche NICHT gänzlich asexuell ist.
#1 Yersinia 19:21:08 | Donnerstag, 2. Februar 2006
wo liegt das Problem? genau die sexuelle Dimension ist EINES der wesentlichen Themen beim Entschluß,
Priester zu werden; und IMHO ist es ein gutes Anliegen dieses Fragebogens, genau diese, aber zB auch die
persönliche Gläubigkeit zur Sprache zu bringen – aber das ist , so scheint es, ja gerade das Unangenehme?