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Donnerstag, 2. Februar 2006 18:39
Pastoraltheologische Erforschung der Unterwäsche
Ein Wiener Pastoraltheologe hat eine Umfrage gestartet, um herauszufinden, warum so viele Theologie studieren und so wenige Priester werden. Seine Fragen sagen mehr als tausend Antworten. Ein Kommentar.
Hw. Paul Michael Zulehner
Hw. Paul Michael Zulehner
(kreuz.net, Wien) Prof. Paul Michael Zulehner ist Pastoraltheologe an der Theologischen Fakultät der Universität Wien. Mit Meinungsumfragen hat er viel Erfahrung. Im Statistischen Zentralamt könnten ihm in diesem Geschäft die wenigsten das Wasser reichen.

Die jüngste Umfrage von Prof. Zulehner wird über das Internet durchgeführt.

Der Professor forderte die Wiener Theologiestudenten per Email auf, an der Befragung teilzunehmen. Säumige Antworter werden mit einem Erinnerungsemail beglückt.

Hw. Zulehner verspricht vollkommene Anonymität, so daß „es ist auf keinen Fall nachvollziehbar ist, wer welche Beurteilung abgegeben hat“.

Die Anonymisierung funktioniert über einen mehrstelligen Code.

Wie es technisch möglich ist, die Studenten nochmals aufzufordern den Fragebogen auszufüllen, ohne eine Verbindung zwischen Email-Adresse und Code zu speichern, wird nicht erklärt.

Der Code verfällt nach dem Ausfüllen des elektronischen Fragebogens. Auf diese Weise soll verhindert werden, daß ein Student mehr als einmal an der Umfrage teilnimmt.

Das Projekt ist von der Frage geleitet, warum sich unter den Theologiestudenten kaum mehr Priesteramtskandidaten finden.

Dazu werden 42 Fragen vorgelegt. 27 davon beschäftigen sich inhaltlich mit Problemen, die um das Drei-Buchstaben-Wort kreisen, das mit „S“ beginnt und mit „x“ endet.

Bei drei Fragen geht es um das Frauenpriestertum. So werden die Teilnehmer mit folgender These konfrontiert: „Ich sehe – abgesehen vom Nein des Papstes – keine schwerwiegenden theologischen Gründe, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen.“

Auf diese Aussage erlaubt der Bogen folgende ankreuzbaren Antwortvarianten: „stimme voll zu“, „stimme zu“, „teils – teils“, „lehne ich ab“, „lehne ich ganz ab“.

Ob auch der Papst das Recht habe, zum – zwischenzeitlichen Nicht-Thema – „Frauenpriestertum“ seine Meinung zu äußern, wird nicht gefragt.

Der Fragebogen will auch wissen, ob die Kirche die „Zulassungsbedingungen“ zum Priestertum lockern sollte oder ob sie gegenwärtig daran denken sollte, „den Reformweg“ zu verlassen. Ob man sich zu letzterem nicht besser gleich beim Papst erkundigen sollte?

Jedenfalls stellt sich die Frage, ob man mit solchen Fragen nicht mehr über die Ideologie der Frager und Befragten erfährt als über die anfangs gestellte Frage.

Weiter geht’s. Ein anderer Satz, der zur Beurteilung vorgelegt wird, ist der folgende:

„Ich will nicht Priester werden, weil ich den Treueeid beziehungsweise das Glaubensbekenntnis nicht ablegen kann, nach dem ich alles glauben muß, was Rom definitiv zu glauben vorschreibt, ohne daß es dogmatisch definiert ist.“

Oder: Ob Laien nicht ebenso gut seelsorglich tätig sein können.

Doch alles in allem geht es vor allem um die Erforschung des Sexuallebens und um Vermutungen über das Geschlechtsleben von Geistlichen:

In welchem Ausmaß man glaube, daß der Zölibat junge Männer davon abhalte, ins Priesterseminar zu gehen.

Ob in der Ehelosigkeit ein Rest einer unchristlichen Leib- und Ehefeindlichkeit weiterlebe.

Ob die Ehelosigkeit den Priester in eine Distanz zu den Menschen bringe.

Ob der Zölibat den Priester einsam mache.

Ob manche Priester wegen ihrer Ehelosigkeit schrullig würden.

Ob die Entscheidung zum priesterlichen Zölibat, zum Alleinleben oder zur Ehe dem einzelnen Priesteramtsbewerber überlassen werden solle.

Ob man einer Kirche loyal sein könne, die zum Teil „unlebbare Moralvorstellungen“ besitze und einfordere.

Leider fehlt die alles entscheidende Frage:

„Für wie groß halten Sie die Wahrscheinlichkeit, daß das Problem dieses Fragebogens in der Unterhose jener steckt, die ihn zusammengestellt haben?“
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 8 Lesermeinungen:
Freitag, 3. Februar 2006 23:38
Benedikt: Fragebogen
„Ich sehe – abgesehen vom Nein des Papstes – keine schwerwiegenden theologischen Gründe, Frauen nicht zum Priesteramt zuzulassen.“

Auf diese Aussage erlaubt der Bogen folgende ankreuzbaren Antwortvarianten: „stimme voll zu“, „stimme zu“, „teils – teils“, „lehne ich ab“, „lehne ich ganz ab“.


Was von dem Fragebogen zu halten ist zeigen schon die schwachsinnigen Abstufungen. Wie ist auf diese Frage „teils teils“ zu antworten und was ist der Unterschied zwischen „lehne ich ab“ und „lehne ich ganz ab“? Hier fehlt wohl Übung…
Freitag, 3. Februar 2006 09:34
turk: Enthemmte Traditionalisten, willkommen im Schwarz-Weiß-Land
No sicher, Modernisten sind enthemmt und Traditionalisten sind verklemmt – so ein Schmarrn: es soll genau das Umgekehrte geben: „verklemmte“ „Modernisten“ und „enthemmte“ „Traditionalisten“, vor allem wenn diese ideologische Außenform („Modernist“, „Traditionalist“) eben nur etwas Äußerliches ist und nicht mit Leben erfüllt ist, abgesehen davon daß es diese primitive Schwarz-Weiß-Malerei in der Wirklichkeit sowieso nicht gibt. Deshalb ist auch die Aufregung über diese Umfrage lächerlich und reine Werbung für den alteingesessenen Prof …
Freitag, 3. Februar 2006 09:20
Justus: Unterhosentheologie
Diesem Kommentar, vor allem der Schlussbemerkung, ist nichts hinzuzufügen. Danke, liebe Redaktion von kreuz.net, für dessen Veröffentlichung! Die großartigen Ausführungen von Papst Benedikt XVI. in seiner Enzyklika über die Liebe sind die beste Antwort auf die peinliche, bei enthemmten Modernisten wie verklemmten Traditionalisten gleichermasßen beliebte Unterhosentheologie.
Freitag, 3. Februar 2006 00:44
Gotthard: Argumente?
Aber die Intention der Frager ist schon eindeutig, und das ist bedenklich. Da wird versucht eine schon längst überholte Ideologie nun doch noch irgendwie in die nächste Studenten Generation zu retten.
Welche Ideologie bitte sehr? Bevor Du solche pauschalen Urteile über die Entwickler dieser sehr interessanten Untersuchung anstellst, solltest Du Deine Einsichten der heutigen aktuellen Situation bitte auf den Tisch legen … oder schweigen!
Freitag, 3. Februar 2006 00:27
Kreuzfidel: Gut, daß so etwas veröffentlicht wird!
Diese Meinungsumfragerei ist eine derartige Unsitte, endlich wird das aufgedeckt!
Es wird nach Emotionen gefragt – was für einen Wert hat so was überhaupt? Wie soll ein Theologiestudent den Zölebat beurteilen, den er gar nicht leben will. Das Wäre so, als ob ich Homosexuelle über den Stand der Ehe befrage (entschuldigung für diesen Krassen vergleich)

Aber die Intention der Frager ist schon eindeutig, und das ist bedenklich. Da wird versucht eine schon längst überholte Ideologie nun doch noch irgendwie in die nächste Studenten Generation zu retten. Die Kirche retten man da aber nicht: Sie wird vom Evangelium getragen. Schade, daß Zulehner überhaupt nicht den Glauben der Theologen befragt! „Wer um des Himmelreiches wegen…“ Aber das Himmelreich ist ja anscheinend tabu – es geht um das Menschenreich. Besser, diese Theologen werden keine Priester! Gott sei Dank gibt es das Zölibat!
Donnerstag, 2. Februar 2006 23:36
Gotthard: Inhalt
nachdem geklärt ist, was in der Wiener Unterhose steckt, frage ich mich: was steckt im Kopf des Verfassers dieses Artikels …?
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