Orden
„Die Schwester? – Die ist häßlich und fett“
Der süditalienische Kapuzinerpater, der letzte Woche wegen der angeblichen Vergewaltigung einer Ordensschwester verhaftet wurde, geht in die Offensive.
(kreuz.net, Cosenza) Am Montag vor einer Woche wurde der bekannte süditalienische Kapuziner und Sozialapostel Pater Fedele Bisceglia in einem Überraschungscoup von der Polizei verhaftet.

Auf dem Geistlichen lasten schwere Vorwürfe. Er soll mindestens vier Frauen – darunter eine Ordensschwester – wiederholt vergewaltigt haben.

Am vergangenen Freitag berichtete die italienische Tageszeitung ‘Corriere della Sera’ über ein Treffen des Paters mit einem befreundeten Regionalpolitiker im Polizeiinspektorat.

Vor seinem Freund nahm Pater Fedele – trotz oder wegen der Anwesenheit von Journalisten – kein Blatt vor den Mund:

„Hast Du von den unglaublichen Dingen gehört, derer man mich anklagt?“ – fragte der inhaftierte Pater sein Gegenüber:

„Da kann ich nur sagen: Hast Du Schwester … schon einmal gesehen? Sie ist klein, kugelig, fett. Wer glaubt sie eigentlich zu sein? Vielleicht Brigitte Bardot! Was soll das für eine Schwester sein? Sie wurde sogar beim Kauf eines Büstenhalters gesehen…“

Dann spricht der Pater von sich selber: „Ich habe mir Socken anziehen müssen, weil man im Untersuchungsgefängnis Umbauarbeiten ausführt und es keine Heizung gibt. Glaub mir, das ist das erste Mal, daß ich die Sandalen mit Socken trage“, erklärt der Kapuziner:

„Ich bitte den Heiligen Franziskus um Vergebung, aber ich konnte diese Kälte nicht länger aushalten. Nicht einmal eine Dusche kann ich mir genehmigen. Ich schlafe unter sieben Decken. Ich bin alt geworden.“

Auch Antonio Gaudio – der mitangeklagte Sekretär des Paters – suchte die Ordensschwester, die das Duo bei der Polizei anzeigte, zu diskreditieren.

Mit Tränen in den Augen erklärte er vor der Polizei, daß seine Anklägerin eine „Nicht-Schwester“ sei: „Sie schminkt sich, besucht am Abend Pubs, kleidet sich in Zivil und wünscht, nicht als Schwester, sondern nur mit Vornamen angeredet zu werden.“

Über das Aussehen der Ordensschwester, die ihn angezeigt hat, äußerte sich Pater Fedele auch auf den zwei Seiten seiner Aufzeichnungen, die er in den ersten Stunden nach seiner Inhaftierung niederschrieb.

Dort heißt es: „Wer ist sie? Vielleicht [die italienische Pornodarstellerin] Luana Borgia? Brigitte Bardot?“ Anschließend schreibt der Pater: „Ich wünsche mir, daß ihr Photo veröffentlicht wird, um das Unglaubliche verständlich zu machen.“

Doch der Pater gibt sich auch von einer versöhnlicheren Seite: „Ich vergebe allen, zuerst der Schwester und auch den Untersuchungsrichtern, die ich nicht verurteilen will. Ich vergebe ihnen aus der Tiefe meines Herzens, aber ich werde mit Sicherheit nicht schweigen.“

Er werde in den Angriff übergehen wie ein Ultrà – ein Mitglied der Fußballmannschaft von Cosenza, deren leidenschaftlicher Anhänger der Kapuziner ist:

„Ich habe haarsträubende Verleumdungen gelesen und bin auf eine geschmacklose Art beschuldigt und verleumdet worden, aber ich werde siegen.“

Als der Pater in die Zelle der Untersuchungshaft geführt wurde, habe er sich dort herumgeschaut und dann augenblicklich den Gefängniswärter gerufen: „Hier gibt es nicht einmal ein Kruzifix. Könnten sie mir eines bringen? Ich möchte Jesus als Begleiter in der Zelle.“

Dieses Kruzifix möchte er für sein ganzes Leben behalten.

Um 20 Uhr überläßt sich der Pater in seinen Aufzeichnungen dem Sarkasmus:

„Ich bin allein in der Zelle, aber es gibt viele Betten. Man könnte mir weibliche Begleitung anbieten, auch weil es hier Wachen gibt und Vergewaltigungen somit unmöglich sind.“

Am Ende der Unterhaltung fragt der Politikerfreund des Paters, ob er etwas für ihn tun könne.

Die Antwort: „Bitte gehe in die [vom Pater gegründete Sozialstation] Oasi und versichere dich, daß die Gäste dort gut behandelt werden. Sie sollen dort ein Fest feiern, weil ich jetzt dem verfolgten Jesus näher bin. Und sie sollen unbedingt Wein trinken. Und wenn ich hier herauskomme, dann bring mir die Journalisten. Ich möchte Fernsehkameras und Notizblöcke. Ich möchte sprechen.“
      
6 Lesermeinungen
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#6   offenbarung   17:34:19 | Donnerstag, 2. Februar 2006
Alterserscheinung
„Ich bin alt geworden.“
…früher hab’ich besser hingeschaut, da hab ich immer hübsche erwischt…
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#5   gunther maria michel   23:55:18 | Mittwoch, 1. Februar 2006
Einem Pater, der so daherredet,
traue ich auch das zu, was ihm zur Last gelegt wird.
Aber solange seine Schuld nicht erwiesen ist, hat er als unschuldig zu gelten.
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#4   GerdEric   15:04:28 | Mittwoch, 1. Februar 2006
der ist ja noch besser…
„Ich bin allein in der Zelle, aber es gibt viele Betten. Man könnte mir weibliche Begleitung anbieten, auch weil es hier Wachen gibt und Vergewaltigungen somit unmöglich sind.“
…braucht er die Wachen garnicht zu vergewaltigen? und das macht ihm dann keinen Spass?
Liebe Leute, was stören euch denn die Homos?
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#3   Ansgar   14:19:06 | Mittwoch, 1. Februar 2006
kapuzinische Tradition
Kapuziner sind für ihre burschikose Art tradtionell bekannt. Ich empfehle die Lektüre von „Wallensteins Lager“. Der krachlederne Ton begründete in der Frühen Neuzeit die Popularität dieses Ordens, fühlten sich die einfachen Gläubigen doch auf’s Maul geschaut. Pater Fedele ist also auch „Traditionalist“.
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#2   Benedikt   13:09:37 | Mittwoch, 1. Februar 2006
Anwalt
Vielleicht sollte man dem Pater einen Anwalt besorgen. Dass die Schwester „fett“ ist oder sich „schminkt“ ist weder eine adäquate Entschuldigung (falls er eine braucht) noch eine besonders erfolgversprechende Verteidigungsstrategie.
Außerdem ist es vom Standpunkten des christlichen Weltbildes noch zu fragen, ob sich solche Äußerungen über eine Schwester für einen Pater ziemen.
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#1   GerdEric   13:05:23 | Mittwoch, 1. Februar 2006
kopfschüttelnd…
„Da kann ich nur sagen: Hast Du Schwester … schon einmal gesehen? Sie ist klein, kugelig, fett. Wer glaubt sie eigentlich zu sein? Vielleicht Brigitte Bardot! Was soll das für eine Schwester sein? Sie wurde sogar beim Kauf eines Büstenhalters gesehen…“
Diese Aussage des „Freundes“ (???) besagt mir einiges, der „reitet“ das arme Mönchlein noch weiter rein…
und was Mönche so in ihrer Not alles tun…
tut mir leid, aber das arme jammende Mönchlein ist kaum zu ertragen…
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