09:40:51 | Mittwoch, 1. Februar 2006
Der süditalienische Kapuzinerpater, der letzte Woche wegen der angeblichen Vergewaltigung einer Ordensschwester verhaftet wurde, geht in die Offensive.
(kreuz.net, Cosenza) Am Montag vor einer Woche wurde der bekannte süditalienische Kapuziner und Sozialapostel
Pater Fedele Bisceglia in einem Überraschungscoup von der Polizei verhaftet.
Auf dem Geistlichen lasten
schwere Vorwürfe. Er soll mindestens vier Frauen – darunter eine Ordensschwester –
wiederholt vergewaltigt
haben.
Am vergangenen Freitag berichtete die italienische Tageszeitung ‘Corriere della Sera’ über ein
Treffen des Paters mit einem befreundeten Regionalpolitiker im Polizeiinspektorat.
Vor seinem Freund
nahm Pater Fedele – trotz oder wegen der Anwesenheit von Journalisten – kein Blatt vor den Mund:
„Hast
Du von den unglaublichen Dingen gehört, derer man mich anklagt?“ – fragte der inhaftierte Pater sein
Gegenüber:
„Da kann ich nur sagen: Hast Du Schwester … schon einmal gesehen? Sie ist klein, kugelig,
fett. Wer glaubt sie eigentlich zu sein? Vielleicht Brigitte Bardot! Was soll das für eine Schwester
sein? Sie wurde sogar beim Kauf eines Büstenhalters gesehen…“
Dann spricht der Pater von sich selber:
„Ich habe mir Socken anziehen müssen, weil man im Untersuchungsgefängnis Umbauarbeiten ausführt und
es keine Heizung gibt. Glaub mir, das ist das erste Mal, daß ich die Sandalen mit Socken trage“, erklärt
der Kapuziner:
„Ich bitte den Heiligen Franziskus um Vergebung, aber ich konnte diese Kälte nicht länger
aushalten. Nicht einmal eine Dusche kann ich mir genehmigen. Ich schlafe unter sieben Decken. Ich bin
alt geworden.“
Auch Antonio Gaudio – der mitangeklagte Sekretär des Paters – suchte die Ordensschwester,
die das Duo bei der Polizei anzeigte, zu diskreditieren.
Mit Tränen in den Augen erklärte er vor der
Polizei, daß seine Anklägerin eine „Nicht-Schwester“ sei: „Sie schminkt sich, besucht am Abend Pubs,
kleidet sich in Zivil und wünscht, nicht als Schwester, sondern nur mit Vornamen angeredet zu werden.“
Über das Aussehen der Ordensschwester, die ihn angezeigt hat, äußerte sich Pater Fedele auch auf den
zwei Seiten seiner Aufzeichnungen, die er in den ersten Stunden nach seiner Inhaftierung niederschrieb.
Dort heißt es: „Wer ist sie? Vielleicht [die italienische Pornodarstellerin] Luana Borgia? Brigitte
Bardot?“ Anschließend schreibt der Pater: „Ich wünsche mir, daß ihr Photo veröffentlicht wird, um
das Unglaubliche verständlich zu machen.“
Doch der Pater gibt sich auch von einer versöhnlicheren Seite:
„Ich vergebe allen, zuerst der Schwester und auch den Untersuchungsrichtern, die ich nicht verurteilen
will. Ich vergebe ihnen aus der Tiefe meines Herzens, aber ich werde mit Sicherheit nicht schweigen.“
Er werde in den Angriff übergehen wie ein Ultrà – ein Mitglied der Fußballmannschaft von Cosenza,
deren leidenschaftlicher Anhänger der Kapuziner ist:
„Ich habe haarsträubende Verleumdungen gelesen
und bin auf eine geschmacklose Art beschuldigt und verleumdet worden, aber ich werde siegen.“
Als der
Pater in die Zelle der Untersuchungshaft geführt wurde, habe er sich dort herumgeschaut und dann augenblicklich
den Gefängniswärter gerufen: „Hier gibt es nicht einmal ein Kruzifix. Könnten sie mir eines bringen?
Ich möchte Jesus als Begleiter in der Zelle.“
Dieses Kruzifix möchte er für sein ganzes Leben behalten.
Um 20 Uhr überläßt sich der Pater in seinen Aufzeichnungen dem Sarkasmus:
„Ich bin allein in der
Zelle, aber es gibt viele Betten. Man könnte mir weibliche Begleitung anbieten, auch weil es hier Wachen
gibt und Vergewaltigungen somit unmöglich sind.“
Am Ende der Unterhaltung fragt der Politikerfreund
des Paters, ob er etwas für ihn tun könne.
Die Antwort: „Bitte gehe in die [vom Pater gegründete Sozialstation]
Oasi und versichere dich, daß die Gäste dort gut behandelt werden. Sie sollen dort ein Fest feiern,
weil ich jetzt dem verfolgten Jesus näher bin. Und sie sollen unbedingt Wein trinken. Und wenn ich hier
herauskomme, dann bring mir die Journalisten. Ich möchte Fernsehkameras und Notizblöcke. Ich möchte
sprechen.“
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Ansgar 14:19:06 | Mittwoch, 1. Februar 2006