Wohin kommen die Säuglinge, die ungetauft sterben?
Säuglinge, die ungetauft sterben, kommen nach der Lehre der Kirche in den sogenannten „Limbus“. Oder vielleicht doch nicht? Durcheinander im Vatikan. Ein Kommentar.
(kreuz.net) Die Kirche hat stets die absolute Heilsnotwendigkeit der Taufe verkündet. Wer nicht getauft
werden kann, muß zumindest den einschlußweisen Wunsch nach der Taufe in sich tragen, sofern es ihm die
Umstände erlauben würden. Das nennt man die Begierdetaufe.Was geschieht mit einem Kleinkind, das stirbt, ohne daß es schon in der Lage gewesen wäre, einen solchen einschlußweisen Taufwunsch zu hegen? Nach kirchlicher Lehre muß es von der Anschauung Gottes ausgeschlossen bleiben. Sein Bestimmungsort ist der „Limbus Puerorum“, der Limbus der Kinder.
Im sogenannten „Limbus Puerorum“ – dem Aufenthaltsort der ungetauften Kinder in der Ewigkeit – hat der Mensch allerdings Teil an einem rein natürlichen Glückszustand. Er unterliegt also keiner körperlichen Strafe. So hat die Kirche stets gelehrt.
Dazu gibt es eine Fülle an Texten von Päpsten und Konzilien.
Das Konzil von Florenz und das Konzil von Trient betonten die absolute Heilsnotwendigkeit der Taufe neugeborener, mit der Erbsünde behafteter Kinder.
Die Väter von Florenz sagten exakt aus, was mit ungetauften Säuglingen geschehen wird: „Die Seelen derer aber, die in einer aktuellen Todsünde oder allein in der Ursünde sterben, steigen alsbald in die Hölle hinab, werden jedoch mit ungleichen Strafen bestraft.“
Um diese Aussage nicht mißzuverstehen, muß man eine Erläuterung hinzugeben. Es ist nämlich zu beachten, daß der Begriff „Hölle“ nicht notwendigerweise nur den Ort bezeichnet, in dem die erwachsenen Verdammten die ewige Höllenpein erleiden.
Hölle meint vielmehr alle Aufenthaltsräume unterhalb des Himmels: bald den Limbus der Kinder, bald das Fegfeuer, bald die Hölle des Teufels und der Dämonen.
Der Heilige Vater, Papst Pius XII., hat diesbezüglich noch die traditionelle Lehre vekündigt. In seiner berühmten Ansprache an die Vereinigung katholischer Hebammen Italiens (1951) verkündigte er den ganzen Ernst der Verpflichtung zur Neugeborenentaufe.
Nach Pius XII. gibt es für die Kirche kein anderes Mittel als die Taufe, um einem Kind, das noch nicht den Gebrauch der Vernunft besitzt, das übernatürliche Leben zu vermitteln. Ohne den Stand der Gnade ist es unmöglich, zur beseligenden Schau Gottes zu gelangen.
Für den ungetauften Erwachsenen kann unter Umständen ein Akt der Liebe genügen, um die heiligmachende Gnade zu erlangen und die fehlende Taufe zu ersetzen.
Aber dem noch nicht oder soeben geborenen Kinde steht dieser Weg nicht offen.
Das erklärt, warum es wichtig ist, sich um die Taufe eines Kindes zu kümmern, das die Vernunft noch nicht gebrauchen kann und sich in schwerer Gefahr oder sogar vor dem sicheren Tode befindet.
Die Schlußfolgerung. Die absolute Notwendigkeit der Wassertaufe für einen Neugeborenen bekennt die vortridentinische, die tridentinische und die nachtridentinische Kirche. Wir stehen somit auf dem Boden der apostolischen Lehre.
Die Annahme einer „stellvertretenden“ Begierdetaufe z.B. durch einen Akt der Eltern kann nicht als Alternative zu dieser Lehre dienen. Diese Lösung würde nämlich die ungetauften Kinder von ungläubigen oder irrgläubigen Eltern nicht miteinschließen.
Es sei denn, man wollte – mit oder ohne Taufe – allen ungetauften Kleinkindern das Heil zusprechen. Damit ist aber die Erbsünde und die Taufe als das einzige Mittel, von ihr befreit zu werden, nicht mehr ernst genommen.
Ein Widerspruch zur alten katholischen Lehre scheint sich im Pontifikat von Papst Johannes Paul II. zu finden.
In seiner Enzyklika „Evangelium Vitae“ erklärt der gegenwärtige Papst gegenüber den Müttern, die abgetrieben haben: „Ihr werdet merken, daß nichts verloren ist. Ihr werdet auch euer – abgetriebenes – Kind um Vergebung bitten können, das jetzt im Herrn lebt.“
Dazu schreibt der Augsburger Theologe, Dr. Peter Christoph Düren: „Damit ist offensichtlich die Theorie des Limbus Puerorum verlassen; denn wer ‘im Herrn lebt’, ist wohl auch in der Gottesschau.“
Die pastorale Absicht dieses Abschnittes von Evangelium Vitae, in einer heiklen Situation Trost zu spenden, ist verständlich und löblich. Doch wird durch sie gleichzeitig die Tragödie verharmlost, die bei der Tötung eines Kindes im Mutterschoß auch darin besteht, daß das kleine Kind nicht mehr getauft und zu einem Kind Gottes werden kann.
Wenn das, was Evangelium Vitae sagt, richtig ist, wozu soll zudem dann die Taufe, welche die Erbsünde wegnimmt, noch dienen?
Selbstverständlich entspricht es der christlichen Nächstenliebe, Menschen in Not und Trauer zu trösten. Der Heiland selbst preist die Tröster in der Bergpredigt ausdrücklich selig. Aber der Trost muß sich auf die Realität stützen und darf keine falschen Erwartungen wecken.
Trösten dürfte man die ihre Sünde bereuenden Mütter insofern, als der Zustand eines abgetriebenen und in der Erbsünde gestorbenen Kindes nicht mit dem eines durch eine persönliche Schuld verdammten Menschen identisch ist, sondern dem ungetauften Kind immerhin eine Art natürlicher Glückszustand zuteil wird.
Sicher entgeht dem Kind die eigentliche Erfüllung in der Gemeinschaft mit Gott. Ebenso sicher ist es aber auch vor einer möglichen späteren Höllenpein, die es sich im Leben hätte zuziehen können, bewahrt. Man muß hier beide Aspekte sehen.
Eine wichtige Hinzufügung. Die oben aus „Evangelium Vitae“ zitierte Übersetzung gibt den originalen lateinischen Text korrekt wieder. Die später amtlich in den „Acta Apostolicae Sedis“ veröffentlichte Version der Enzyklika, sagt aber etwas anderes: „Euer Kind aber könnt ihr demselben Vater und Seiner Barmherzigkeit mit Hoffnung anvertrauen.“
Offenbar wurde der Papst in letzter Minute korrigiert oder er korrigierte sich selbst.
Leider kam die Korrektur für die Verbreitung des Textes in den landessprachlichen Versionen, die heutzutage fast ausschließlich rezipiert werden, zu spät. Man sieht hier übrigens leider auch, wie unzuverlässig das heutige ordentliche Lehramt in entscheidenden dogmatischen Fragen agiert.
Sonntag, 5. März 2006 14:39
Irenäus: die Lehre des Limbus…
ist doch völlig unglaubwürdig. Es gibt gute Gründe, diese Lehre, es gebe Menschen, die in alle Ewigkeit
einen Zustand rein natürlicher Glückseligkeit erleben werden, zu verwerfen.
Ich empfehle, über folgende Schriftstellen zu meditieren:
Matthäus 25,31ff
Offenbarung 20,15
(sind mit der Limbuslehre nicht vereinbar)
Aus der Theorie vom Limbus Puerorum führen nur zwei Wege hinaus: 1. die Seelen der unschuldigen ungetauften Kinder kommen in die Hölle, dort will sie vermutlich niemand, auch die, die immer die Verbindlichkeit des Limbus Puerorum bestreiten und seine Abänderlichkeit betonen
Da sind gleich beide Sätze falsch, weil…
1.es noch andere Möglichkeiten gibt…
2. ich zumindest der Meinung bin, daß in der gegenwärtigen Heilsordnung die Menschen mit der Erbsünde allein verdammt werden.
Ich empfehle, über folgende Schriftstellen zu meditieren:
Matthäus 25,31ff
Offenbarung 20,15
(sind mit der Limbuslehre nicht vereinbar)
Aus der Theorie vom Limbus Puerorum führen nur zwei Wege hinaus: 1. die Seelen der unschuldigen ungetauften Kinder kommen in die Hölle, dort will sie vermutlich niemand, auch die, die immer die Verbindlichkeit des Limbus Puerorum bestreiten und seine Abänderlichkeit betonen
Da sind gleich beide Sätze falsch, weil…
1.es noch andere Möglichkeiten gibt…
2. ich zumindest der Meinung bin, daß in der gegenwärtigen Heilsordnung die Menschen mit der Erbsünde allein verdammt werden.
Montag, 27. Februar 2006 14:18
virOblationis: noch einmal: limbus puerorum
Schade, daß Sie, Werte Stimme, werter Irenäus, nicht an den Limbus-Artikel vom 26. Januar angeknüpft haben, in dem ich mich an einer Variante der Illuminationstheorie versucht habe. Gerade Gegenargumente können die Erkenntnis ja befördern.
Montag, 27. Februar 2006 08:47
Stimme aus dem Tradiland: @ Irenäus
Die Antwort der Vehemenz von Dr. Barth ist ganz einfach. Aus der Theorie vom Limbus Puerorum führen nur
zwei Wege hinaus: 1. die Seelen der unschuldigen ungetauften Kinder kommen in die Hölle, dort will sie
vermutlich niemand, auch die, die immer die Verbindlichkeit des Limbus Puerorum bestreiten und seine Abänderlichkeit
betonen;
2. die Seelen der unschuldigen ungetauften Kinder kommen in den Himmel, nämlich, weil sie unschuldig sind: Das ist die praktisch angewandte Allerlösungslehre, bei welcher die – unzweifelhaft alle Gläubigen verpflichteten – Dogmen „munter purzeln“.
Die Gegner vom Limbus puerorum wollen „Lösung“ 2. Sie nehmen – allenfalls aus falsch verstandener Barmherzigkeit in Kauf, dass das Dogma von der Heilsnotwendigkeit der Taufe ebenso paralysiert wird wie das Dogma „extra ecclesiam nulla salus“. Auch Christus hat sinnloser Weise Fleisch angenommen in Maria, denn wenn es heißt, dass er die Sünde und den Tod besiegt hat, dann geht es gerade darum, dass er die Erbsünde besiegt hat, d.h. durch die Taufe und die anderen Sakramente in einen erträglicheren Umfang gebracht hat. Den Tod hat er insoferne besiegt, als nach seinem Tod die Heiligen in den Himmel kommen konnten, vorher waren diese im Limbus patrum.
Summa Summarum gehört der Limbus puerorum – so unbedeutend in die Dogmatik qualifiziert haben mag – zu den tragenden Teilen der Lehre Christi und der Kirche gehört. Wer daran rüttelt, bringt leicht Lehre, Glauben und Kirche zum Einsturz.
2. die Seelen der unschuldigen ungetauften Kinder kommen in den Himmel, nämlich, weil sie unschuldig sind: Das ist die praktisch angewandte Allerlösungslehre, bei welcher die – unzweifelhaft alle Gläubigen verpflichteten – Dogmen „munter purzeln“.
Die Gegner vom Limbus puerorum wollen „Lösung“ 2. Sie nehmen – allenfalls aus falsch verstandener Barmherzigkeit in Kauf, dass das Dogma von der Heilsnotwendigkeit der Taufe ebenso paralysiert wird wie das Dogma „extra ecclesiam nulla salus“. Auch Christus hat sinnloser Weise Fleisch angenommen in Maria, denn wenn es heißt, dass er die Sünde und den Tod besiegt hat, dann geht es gerade darum, dass er die Erbsünde besiegt hat, d.h. durch die Taufe und die anderen Sakramente in einen erträglicheren Umfang gebracht hat. Den Tod hat er insoferne besiegt, als nach seinem Tod die Heiligen in den Himmel kommen konnten, vorher waren diese im Limbus patrum.
Summa Summarum gehört der Limbus puerorum – so unbedeutend in die Dogmatik qualifiziert haben mag – zu den tragenden Teilen der Lehre Christi und der Kirche gehört. Wer daran rüttelt, bringt leicht Lehre, Glauben und Kirche zum Einsturz.
Sonntag, 26. Februar 2006 21:44
Irenäus: keine verbiondliche Lehre
In der gegenwärtigen Ausgabe legt sich Herr Dr. Barth ja ganz vehement für den Limbus ein; ich habe
zwar eine sehr große Achtung vor ihm, doch sollte der Kontrast zwischen seiner Vehemenz und den recht
schwachen Argumenten zu denken geben:
Z.B. zitiert er bezeichnenderweise kein einschlägiges Lehrbuch der Dogmatik, sondern eine obskure Studie eines gewissen Peter Christoph Dürer. Wenn der limbus puerorum doch eine sooo verbindliche Lehre ist, warum handelt Ott ihn nur in einer Randbemerkung ab (auch in den vorkonziliaren Ausgaben!)? Für Ott ist der Limbus keine sententia certissima, ja noch nicht einmal sentantia communis.
Peinlich sollte auch die Art und Weise berühren, wie er über die sog. Illuminationstheorie urteilt. Sie sei wider alle Vernunft. Man kann sich kein seltsameres Argument vorstellen; denn demzufolge müßten wir die Transsubstantiationslehre aufgeben; denn die ist für den menschlichen Verstand erheblich unerträglicher.
Z.B. zitiert er bezeichnenderweise kein einschlägiges Lehrbuch der Dogmatik, sondern eine obskure Studie eines gewissen Peter Christoph Dürer. Wenn der limbus puerorum doch eine sooo verbindliche Lehre ist, warum handelt Ott ihn nur in einer Randbemerkung ab (auch in den vorkonziliaren Ausgaben!)? Für Ott ist der Limbus keine sententia certissima, ja noch nicht einmal sentantia communis.
Peinlich sollte auch die Art und Weise berühren, wie er über die sog. Illuminationstheorie urteilt. Sie sei wider alle Vernunft. Man kann sich kein seltsameres Argument vorstellen; denn demzufolge müßten wir die Transsubstantiationslehre aufgeben; denn die ist für den menschlichen Verstand erheblich unerträglicher.
Dienstag, 7. Februar 2006 17:45
Benedikt: @ Bussmann
Ja, toll, auf ihre weiteren naturwissenschatlichen Analysen des Glaubens bin ich sehr gespannt.
Es ist wohl eher absurd, so etwas mit naturwissenschaftlichen Methoden erklären zu wollen.
Es ist wohl eher absurd, so etwas mit naturwissenschaftlichen Methoden erklären zu wollen.
Dienstag, 7. Februar 2006 17:39
Brigitte Bussmann: Limbus
inzwischen ist ja eine Theologenkommission beauftragt worden sich mit dem Limbus auseinanderzusetzen.
Papst Benedikt findet den Limbusglauben wohl nicht mehr so wichtig.
Überhaupt die Idee nach dem Tod eines Indiviuums von Raum und Zeit zu sprechen ist naturwissenschaftlich gesehen schon sehr absurd.
Aus der Bibel ist weder der Limbus noch das Fegefeuer zu entnehmen als zeitlicher Aufenthaltsort.
Aber auch bezüglich des Fegefeuers, des Läuterungsortes der sog. Armen Seelen,
ist in die Kirche Bewegung gekommen, auch wenn die alten Gebete noch vorhanden sind.
Papst Benedikt findet den Limbusglauben wohl nicht mehr so wichtig.
Überhaupt die Idee nach dem Tod eines Indiviuums von Raum und Zeit zu sprechen ist naturwissenschaftlich gesehen schon sehr absurd.
Aus der Bibel ist weder der Limbus noch das Fegefeuer zu entnehmen als zeitlicher Aufenthaltsort.
Aber auch bezüglich des Fegefeuers, des Läuterungsortes der sog. Armen Seelen,
ist in die Kirche Bewegung gekommen, auch wenn die alten Gebete noch vorhanden sind.
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