09:43:07 | Donnerstag, 2. Februar 2006
Kürzlich äußerte sich der Distrikstobere der Piusbruderschaft in Deutschland vor ‘kreuz.net’ zu den gegenwärtigen Gerüchten um eine bevorstehende Einigung mit Rom.
(kreuz.net) Der Distriktobere, Pater Niklaus Pfluger (48), bezog sich vor allem auf
die jüngsten Ausführungen
von Pater Paul Aulagnier, einem ehemaligen Mitglied der Piusbruderschaft in Frankreich.
Die Veröffentlichungen
von Pater Aulagnier würden seinen persönlichen „Traum“ wiedergeben, nicht aber die Wirklichkeit.
Damit
sei nicht ausgeschlossen, „daß Träume Elemente enthalten, die sich später aus welchen Gründen auch
immer verwirklichen werden.“
„Der gute Pater, der menschlich herzgewinnende Seiten hat und als echter
Franzose alles andere als ein sachlicher Analytiker ist, hat zur Zeit große Probleme mit seinem Ortsbischof“,
so Pater Pfluger weiter.
Er habe sich auch offenbar bereits wieder vom ‘Centre Saint Paul’ in Paris –
mit dem er bisher zusammengearbeitet hat – getrennt.
„Da er zudem viele auch offiziöse Kontakte pflegt,
konstruiert und präsentiert er seine Wunschvorstellung: die kirchenrechtliche ideale Regelung der Stellung
der traditionellen Gruppen.“
Der Priesterbruderschaft sei lediglich bekannt, daß Rom an einer solchen
Regelung interessiert sei und daran arbeite: „Das hat Papst Benedikt XVI. bei der Audienz mit dem Generaloberen,
Mons. Bernard Fellay, am 29. August selber erwähnt – ohne daß übrigens die Bruderschaft davon wußte.“
Wie diese Regelung genau aussehen soll – ob Administration, Prälatur, Ordinariat oder was auch immer –
sei der Priesterbruderschaft bis zur Stunde nicht bekannt.
„Was einen möglichen Termin für eine Regelung
betrifft, ist Mons. Fellay viel zurückhaltender und vorsichtiger.“
Die in den Medien verbreitete Euphorie
über eine bevorstehende konkrete Lösung entspreche nicht der Überzeugung der Leitung der Bruderschaft,
auch nicht der Eindruck, daß mit der Meßfrage alle Probleme gelöst seien.
„Sowohl der Generalobere
wie der Generalrat und auch die Oberen der Bruderschaft sehen eine wirkliche Lösung der Kirchenkrise
nur in einer tatsächlichen Rückkehr zur Tradition der katholischen Kirche, also in einer Rückkehr zur
katholischen Theologie, die mit der Neuen Theologie des Konzils nicht vereinbar ist.“
„Viel konkreter“
scheine auf der Seite Roms eine Regelung zur Freigabe der Alten Messe zu sein: „Wir vermuten eine weltweite
Regelung für die private Zelebration der Messe, die frei von Bedingungen ist.“
Für die öffentliche
Feier der Alten Messe werde weiterhin die Erlaubnis des Ortsbischofs nötig sein. Doch auch hier gebe
es kein Datum. Rom dränge aber auf eine baldige Lösung.
Diese wäre „effektiv immer noch keine Lösung
für die Gläubigen“, sondern „höchstens eine Erleichterung für die Priester, die dem tridentinischen
Ritus verbunden sind“.
Vor allem die französischen und US-amerikanischen Sedisvakantisten benähmen
sich gegenwärtig „wie von Taranteln gestochen“ und würden einen großen Kataklysmus befürchten, „wenn
die Piusbruderschaft mit Rom spricht und Lösungen gesucht werden“.
„Sie fürchten um uns, weil ihre
eigenen Argumente auf Sand gebaut und steril sind. Sie haben die Motive und die Überzeugung Erzbischof
Lefebvres nie verstanden.“
Dieser habe immer wieder – insbesondere nach den Bischofsweihen 1988 – gesagt,
daß eine Lösung nur darin bestehen könne, daß „nicht wir nach Rom zurückkehren, sondern Rom zum Glauben
der eigenen Tradition zurückfindet“.
Der Wirbel, den die Sedisvakantisten vor allem im Internet produzierten,
diene der Verwirrung der Priester und der Gläubigen, zumal ein Generalkapitel der Piusbruderschaft anstehe.
Man versuche auf diese Weise, Druck auszuüben.
An den Meldungen aus dieser Ecke stimme darum nur wenig.
Wenn von einem Kardinalshut für Bischof Fellay oder von einer Bischofsweihe von Pater Schmidberger die
Rede sei, „so ist das frei erfunden“.
Ebenso habe am 7. Dezember 2005 kein Treffen zwischen Mons. Fellay
und dem Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón Hoyos stattgefunden.
Der Generalrat der Piusbruderschaft treffe sich regelmäßig in Menzingen in der Innerschweiz, so ungefähr
monatlich. Es komme dabei immer wieder vor, daß alle vier Bischöfe – oder auch andere Obere – eingeladen
würden, um wichtige Fragen zu besprechen.
Es gebe auch immer wieder Versammlungen für spezielle Obere
-zum Beispiel der Seminare oder Schulen – sowie außerordentliche Oberenversammlungen – so genannte Arbeitskapitel
wie im Jahr 1996 oder 2000.
Ferner komme es vor, daß die befreundeten Ordensgemeinschaften eingeladen
würden.
Pater Pfluger erklärte auch, daß Mons. Fellay beim Treffen, das gestern in Flavigny stattfand,
über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Rom informieren werde.
„Aber dies geschieht nicht, weil
irgend ein weltbewegendes Ereignis bevorsteht oder irgend ein Vertrag unterzeichnet wäre, sondern um
Meinungen auszutauschen und die Position zu stärken.“
„Das ist ein völlig normaler Vorgang angesichts
all der kursierenden »Neuigkeiten« und »Gerüchte«.“
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