Traum statt Wirklichkeit?
Kürzlich äußerte sich der Distrikstobere der Piusbruderschaft in Deutschland vor ‘kreuz.net’ zu den gegenwärtigen Gerüchten um eine bevorstehende Einigung mit Rom.

Die Veröffentlichungen von Pater Aulagnier würden seinen persönlichen „Traum“ wiedergeben, nicht aber die Wirklichkeit.
Damit sei nicht ausgeschlossen, „daß Träume Elemente enthalten, die sich später aus welchen Gründen auch immer verwirklichen werden.“
„Der gute Pater, der menschlich herzgewinnende Seiten hat und als echter Franzose alles andere als ein sachlicher Analytiker ist, hat zur Zeit große Probleme mit seinem Ortsbischof“, so Pater Pfluger weiter.
Er habe sich auch offenbar bereits wieder vom ‘Centre Saint Paul’ in Paris – mit dem er bisher zusammengearbeitet hat – getrennt.
„Da er zudem viele auch offiziöse Kontakte pflegt, konstruiert und präsentiert er seine Wunschvorstellung: die kirchenrechtliche ideale Regelung der Stellung der traditionellen Gruppen.“
Der Priesterbruderschaft sei lediglich bekannt, daß Rom an einer solchen Regelung interessiert sei und daran arbeite: „Das hat Papst Benedikt XVI. bei der Audienz mit dem Generaloberen, Mons. Bernard Fellay, am 29. August selber erwähnt – ohne daß übrigens die Bruderschaft davon wußte.“
Wie diese Regelung genau aussehen soll – ob Administration, Prälatur, Ordinariat oder was auch immer – sei der Priesterbruderschaft bis zur Stunde nicht bekannt.
„Was einen möglichen Termin für eine Regelung betrifft, ist Mons. Fellay viel zurückhaltender und vorsichtiger.“
Die in den Medien verbreitete Euphorie über eine bevorstehende konkrete Lösung entspreche nicht der Überzeugung der Leitung der Bruderschaft, auch nicht der Eindruck, daß mit der Meßfrage alle Probleme gelöst seien.
„Sowohl der Generalobere wie der Generalrat und auch die Oberen der Bruderschaft sehen eine wirkliche Lösung der Kirchenkrise nur in einer tatsächlichen Rückkehr zur Tradition der katholischen Kirche, also in einer Rückkehr zur katholischen Theologie, die mit der Neuen Theologie des Konzils nicht vereinbar ist.“
„Viel konkreter“ scheine auf der Seite Roms eine Regelung zur Freigabe der Alten Messe zu sein: „Wir vermuten eine weltweite Regelung für die private Zelebration der Messe, die frei von Bedingungen ist.“
Für die öffentliche Feier der Alten Messe werde weiterhin die Erlaubnis des Ortsbischofs nötig sein. Doch auch hier gebe es kein Datum. Rom dränge aber auf eine baldige Lösung.
Diese wäre „effektiv immer noch keine Lösung für die Gläubigen“, sondern „höchstens eine Erleichterung für die Priester, die dem tridentinischen Ritus verbunden sind“.
Vor allem die französischen und US-amerikanischen Sedisvakantisten benähmen sich gegenwärtig „wie von Taranteln gestochen“ und würden einen großen Kataklysmus befürchten, „wenn die Piusbruderschaft mit Rom spricht und Lösungen gesucht werden“.
„Sie fürchten um uns, weil ihre eigenen Argumente auf Sand gebaut und steril sind. Sie haben die Motive und die Überzeugung Erzbischof Lefebvres nie verstanden.“
Dieser habe immer wieder – insbesondere nach den Bischofsweihen 1988 – gesagt, daß eine Lösung nur darin bestehen könne, daß „nicht wir nach Rom zurückkehren, sondern Rom zum Glauben der eigenen Tradition zurückfindet“.
Der Wirbel, den die Sedisvakantisten vor allem im Internet produzierten, diene der Verwirrung der Priester und der Gläubigen, zumal ein Generalkapitel der Piusbruderschaft anstehe. Man versuche auf diese Weise, Druck auszuüben.
An den Meldungen aus dieser Ecke stimme darum nur wenig.
Wenn von einem Kardinalshut für Bischof Fellay oder von einer Bischofsweihe von Pater Schmidberger die Rede sei, „so ist das frei erfunden“.
Ebenso habe am 7. Dezember 2005 kein Treffen zwischen Mons. Fellay und dem Präsidenten der Päpstlichen Kommission ‘Ecclesia Dei’, Dario Kardinal Castrillón Hoyos stattgefunden.
Der Generalrat der Piusbruderschaft treffe sich regelmäßig in Menzingen in der Innerschweiz, so ungefähr monatlich. Es komme dabei immer wieder vor, daß alle vier Bischöfe – oder auch andere Obere – eingeladen würden, um wichtige Fragen zu besprechen.
Es gebe auch immer wieder Versammlungen für spezielle Obere -zum Beispiel der Seminare oder Schulen – sowie außerordentliche Oberenversammlungen – so genannte Arbeitskapitel wie im Jahr 1996 oder 2000.
Ferner komme es vor, daß die befreundeten Ordensgemeinschaften eingeladen würden.
Pater Pfluger erklärte auch, daß Mons. Fellay beim Treffen, das gestern in Flavigny stattfand, über den aktuellen Stand der Verhandlungen mit Rom informieren werde.
„Aber dies geschieht nicht, weil irgend ein weltbewegendes Ereignis bevorsteht oder irgend ein Vertrag unterzeichnet wäre, sondern um Meinungen auszutauschen und die Position zu stärken.“
„Das ist ein völlig normaler Vorgang angesichts all der kursierenden »Neuigkeiten« und »Gerüchte«.“
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Dienstag, 7. Februar 2006 14:59
Benedikt: @ Dr. Regazzoni
Ja richtig, das ist das gegensätzliche Extrem. Das Pendel schlägt eben immer in beide Richtungen aus. Zwischen beiden Standpunkten muss ein Mittelweg gefunden werden. Eine Mutter spricht gegenüber ihrem Kind ja auch nicht andauernd nur Tadel aus – obwohl dieser natürlich notwendig ist. Gleichzeitig liebt sie ihr Kind und lässt das durch mehr als nur Beteuerungen auch erkennen. Nur dann haben auch die Tadel einen Sinn. Denn ohne die Liebe hört das Kind bald nicht mehr auf den Tadel. Und das führt dann auch zu nichts.
Montag, 6. Februar 2006 23:28
Agiafortuni: Benedikt
Dass viele Leute mit dem Dogmatismus der vorkonziliaren Kirche nichts anfangen konnten, ist unbestritten. Es genügt de Lubac’s catholicisme oder von Balthasars abtirömischen Affekt aufzuschlagen. Ob mehr erreicht dadurch erreicht wurde, dass man einem eindeutigen Frevler wie Karl Rahner das Recht einräumte, seinen Schwachsinn als katholisches Gedankengut zu verkaufen, ist eine andere Frage.
Montag, 6. Februar 2006 13:08
Benedikt: @ Dr. Regazzoni
Das sagen Sie. Es ist aber erwiesen, dass dauerndes Lamento, Strafen und Verurteilungen, wenn sie inflationär
gebraucht werden irgendwann ihren Sinn verlieren. Im Mittelalter war die vor allem das Institut des Interdikts.
Zuerst gefürchtet wurde es so häufig angewendet, dass es irgendwann keinen mehr interessierte.
Bloße Verurteilungen waren zur Zeit des II. VK keine adäquaten Antworten mehr. Behauptet man etwas anderes, dann muss man notwendigerweise davon ausgehen, dass vor 1962 in der Kirche „alles in Butter“ war. Dies war aber nicht der Fall, wie der anschließende massenhafte Exodus gezeigt hatte. Auch, dass sich nur ein paar Priester dem NOM verweigerten beweist, dass keine tiefe Verbindung zwischen den Priestern und ihrer Liturgie mehr vorgelegen hatte. Alles nur noch Äußerlichkeiten. Und darauf musste man einfach neue Antworten finden ind nicht: „…anathema sit.“ Keiner kann heute wirklich ermessen, wie sich die Kirche ohne Konzil entwickelt hätte. Spricht man aber mit Leuten um die 50, dann trifft man auf lauter Menschen, die unter dem damaligen Dogmatismus und Pharisäertum fürchterlich gelitten haben (dieser Kreis ist heute in den Leitungsfunktionen, daraus erklären sich die Widerstände gegen die FSSPX). Eine Kirche unter der man nur leidet – wo ist da der Wert?
Bloße Verurteilungen waren zur Zeit des II. VK keine adäquaten Antworten mehr. Behauptet man etwas anderes, dann muss man notwendigerweise davon ausgehen, dass vor 1962 in der Kirche „alles in Butter“ war. Dies war aber nicht der Fall, wie der anschließende massenhafte Exodus gezeigt hatte. Auch, dass sich nur ein paar Priester dem NOM verweigerten beweist, dass keine tiefe Verbindung zwischen den Priestern und ihrer Liturgie mehr vorgelegen hatte. Alles nur noch Äußerlichkeiten. Und darauf musste man einfach neue Antworten finden ind nicht: „…anathema sit.“ Keiner kann heute wirklich ermessen, wie sich die Kirche ohne Konzil entwickelt hätte. Spricht man aber mit Leuten um die 50, dann trifft man auf lauter Menschen, die unter dem damaligen Dogmatismus und Pharisäertum fürchterlich gelitten haben (dieser Kreis ist heute in den Leitungsfunktionen, daraus erklären sich die Widerstände gegen die FSSPX). Eine Kirche unter der man nur leidet – wo ist da der Wert?
Montag, 6. Februar 2006 09:10
Agiafortuni: Benedikt: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen
Das Abrücken von Verurteilungen war ein Phantasieprodukt Johannes XXIII nach dessen Früchte man heute vergeblich sucht. Umso deutlicher ist der daraus hervorgegangene Trümmerhaufen. Vielleicht sollten Sie einmal die Bücher von Professor May zu diesem Thema konsultieren
Sonntag, 5. Februar 2006 01:35
Benedikt: @ Athanasius
Abgesehen von Ihrem feindlichen Ton der FSSPX gegenüber,
Na, da lobe ich mal Exz. Fellay, und schon wird mir ein feindlicher Ton gegenüber der FSSPX vorgeworfen. Ersetzen Sie mal durch „kritisch“, aber nicht verbohrt, und daher durchaus in der Lage, Positives anzuerkennen.
Oder wollen Sie etwa sagen, exakt so zu glauben wie z.Zt. des Papstes Pius XII. (1939-1958) sei „Irrtum“. War dieser Papst denn ein Häretiker?
Nein, aber ebenso kann es keine Häresie sein, eine Disziplinarvorschrift wie den Antimodernisteneid abzuschaffen. Man kann das für falsch halten, aber daraus ein Schisma abzuleiten ist wirklich grober Unfug.
Der FSSPX vorzuwerfen wie Pius XII. Römisch-katholisch zu sein, heisst zu bestätigen, dass es mit der Revolution auf und nach dem II. Vatikanischen Konzil eine Wende, Änderung, ja Diskontinuität in der katholischen Lehre stattgefunden hat.
Es hat einen Unterschied in der Verkündigung gegeben. Der permanente Holzhammer wurde dabei auf die Seite gelegt und man versuchte auch mal zu verstehen, als andauernd nur zu verurteilen.
Pius IX. in der Frage der Religionsfreiheit (wie seine Vorgänger und Nachfolger bis Pius XII.) irrend,
Geirrt hat er sich sicher nicht. Er hat diese Deutlichkeit für besser gehalten. Später war man anderer Meinung. Früher auch: Der Aquinat sagt auch, die Wahl ist frei, aber dann muss man dabei bleiben. Diese Frage ist also immer unterschiedlich bewertet worden.
Na, da lobe ich mal Exz. Fellay, und schon wird mir ein feindlicher Ton gegenüber der FSSPX vorgeworfen. Ersetzen Sie mal durch „kritisch“, aber nicht verbohrt, und daher durchaus in der Lage, Positives anzuerkennen.
Oder wollen Sie etwa sagen, exakt so zu glauben wie z.Zt. des Papstes Pius XII. (1939-1958) sei „Irrtum“. War dieser Papst denn ein Häretiker?
Nein, aber ebenso kann es keine Häresie sein, eine Disziplinarvorschrift wie den Antimodernisteneid abzuschaffen. Man kann das für falsch halten, aber daraus ein Schisma abzuleiten ist wirklich grober Unfug.
Der FSSPX vorzuwerfen wie Pius XII. Römisch-katholisch zu sein, heisst zu bestätigen, dass es mit der Revolution auf und nach dem II. Vatikanischen Konzil eine Wende, Änderung, ja Diskontinuität in der katholischen Lehre stattgefunden hat.
Es hat einen Unterschied in der Verkündigung gegeben. Der permanente Holzhammer wurde dabei auf die Seite gelegt und man versuchte auch mal zu verstehen, als andauernd nur zu verurteilen.
Pius IX. in der Frage der Religionsfreiheit (wie seine Vorgänger und Nachfolger bis Pius XII.) irrend,
Geirrt hat er sich sicher nicht. Er hat diese Deutlichkeit für besser gehalten. Später war man anderer Meinung. Früher auch: Der Aquinat sagt auch, die Wahl ist frei, aber dann muss man dabei bleiben. Diese Frage ist also immer unterschiedlich bewertet worden.
Samstag, 4. Februar 2006 21:22
Marcel: Tee in Flavigny
Wie war das mit „Abwarten und Tee trinken“ ?
Hier die Klarstellung direkt von Bischof Fellay…
Neben dem vollständigen Originalton in französisch eine englischsprachige auszugsweise Mitschrift durch P. Jenkins, FSSPX:
Predigt des FSSPX-Generaloberen von vorgestern in Frankreich.
Hier die Klarstellung direkt von Bischof Fellay…
Neben dem vollständigen Originalton in französisch eine englischsprachige auszugsweise Mitschrift durch P. Jenkins, FSSPX:
Predigt des FSSPX-Generaloberen von vorgestern in Frankreich.
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