Liturgie
Der Mensch ist liturgiefähig, doch ist die Liturgie auch menschenfähig?
Bei der Eröffnung des deutschsprachigen Liturgieinstitutes in Freiburg waren unerwartete Stellungnahmen zu hören. Worte zum britischen Geheimagenten, James Bond, und zur römischen Geheimsprache Latein.
(kreuz.net, Freiburg/Schweiz) Das Liturgische Institut für die deutschsprechende Schweiz ist zu Beginn des neuen Studienjahres von Luzern nach Fribourg übersiedelt. Am vergangenen Samstag fand die Eröffnung in den neuen Räumlichkeiten im Haus der Salvatorianer statt. Pater Peter Spichtig OP (36) ist der neue Leiter des Institutes. Für die strategische Führung ist der Abt des Klosters Einsiedeln, Martin Werlen OSB (42), als Kuratoriumspräsident verantwortlich. Abt Werlen segnete die neuen Räumlichkeiten und begrüßte die zahlreichen Gäste.

Beim Festakt im alten Freiburger Bürgerspital versuchten mehrere Referenten auf die Arbeitsfrage „Zur Liturgie fähig?!“ eine Antwort zu geben. Zwei der Reden seien besonders erwähnt.

Thomas Binotto, Chefredaktor des stark progressistisch ausgerichteten katholischen Züricher Pfarrblattes ‘forum’, präsentierte eine interessante filmkritische Liturgieanalyse. Sein Vergleich zwischen der katholischen Liturgie und dem berühmten Filmagenten James Bond blieb wohl vielen Anwesenden im Gedächtnis.

Seit 1962 jagte der britische Agent, James Bond 007, die Leinwandverbrecher mit schußkräftigen Argumenten. Ein ungeahnter Kinoerfolg. Jeder Film, insgesamt 22 Produktionen, folgt einem genormten Schema. Kein Bond ohne Autohetzjagd. Kein Bond ohne das geschüttelte Glas Martini. Kein Bond ohne eine zarte Leinwandschönheit. Jedesmal gibt es einen Flirt mit Miss Moneypenny und jedesmal kommt die berühmte Vorstellung: „Mein Name ist Bond, James Bond.“

Der Kinorenner punktet mit der Wiederholung des ewig Gleichen. Der Zuseher weiß, was er bekommen wird, und freut sich dennoch – oder gerade deswegen – darauf. 007 lockt als streng ritualisierte und reglementierte Action-Produktion für die treue Fan-Gemeinde.

Das Beispiel aus der Glamourwelt Hollywoods diente Binotto als Begründung für die Liturgiefähigkeit des Menschen. Nicht nur in weltlichen Belangen liebt der Mensch Regelmäßigkeit. Die Liturgie und ihre gleichbleibenden Teile kommen einem Grundbedürfnis des Menschen entgegen.

Eine andere Referentin, die berühmte Benediktinerin und Dichterin Sr. Silja Walter OSB, beantwortete die Frage nach der Liturgiefähigkeit, mit einer Kritik an der Liturgiereform. Die Benediktinernonne aus dem Kloster Fahr unweit von Zürich offenbarte ihre Liebe zur „Stillen Messe“ aus der Zeit vor der Liturgiereform.

Das Latein habe ihr ermöglicht von allzu viel wörtlichem Nachvollzug der Gebete befreit zu sein.

Die deutsche Messe bereite ihr Probleme. Es sei mühsam, den gedanklichen Weg von einem Gebet zum anderen mitzugehen. Die Liturgie erscheine ihr aufdringlich und zu abstrakt. Die alte lateinische Messe schenke dem Laien Freiheit und Ruhe. Jetzt habe man sich – beginnend mit dem Einzugslied bis zum Segen – mit einer ständigen Aufeinanderfolge von Texten abzufinden. Sr. Silja beantwortete die Frage nach der Liturgiefähigkeit der Menschen mit einer kritischen Gegenfrage. „Ist die heutige Liturgie menschenfähig?“

Das Liturgieinstitut wurde von der Schweizer Bischofskonferenz im Jahre 1963 auf Initiative des damaligen Freiburger Liturgieprofessors Anton Hänggi († 1994) ins Leben gerufen. Hänggi war ein Priester der Diözese Basel und enger Freund von Papst Paul VI. Nachdem er 1967 zum Bischof seiner Diözese ernannt wurde, siedelte das Institut nach Zürich um. Im Jahr 2000 wurde es nach Luzern verlegt. Seit dem 1. September diesen Jahres arbeitet das Institut in Freiburg.

Das Institut verfolgt als Ziel die Koordination und Förderung der pastorallitugischen Arbeit in den deutschsprachigen und rätoromanischen Gebieten der Schweiz.
      
1 Lesermeinung
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#1   Pelagius   20:52:49 | Dienstag, 7. Dezember 2004
Pelagius meint:
Typisch: Wieder einmal jemand aus dem Kreis der Künstler und Ästheten mit Kritik an der Liturgiereform. Wer aber wirklich sola fide (nur vom Glauben bewegt)und sola scriptura (nur für die Bibel) zur Messe geht, dem ist doch die neue Form mit dem reich gedeckten, aber schlichten Worttisch viel, viel lieber, oder?
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