Requiem
Ein ehemaliger katholischer Priester
Im Alter von 78 Jahren verstarb am Morgen des 6. Januar 2006 nach längerer Krankheit der pensionierte alt-katholische Bischof Dr. Sigisbert Kraft.
(kreuz.net, Bonn) Kraft leitete das Bistum der Alt-Katholiken in Deutschland von 1985 bis 1995. Er war der achte Bischof der deutschen Alt-Katholiken.

Sigisbert Kraft wurde 1927 in Bingen – rund 50 Kilometer westlich von Frankfurt – geboren und entstammte einer katholischen Familie.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges trat er ins Priesterseminar der Diözese Würzburg ein. 1951 wurde er vom damaligen Würzburger Diözesanbischof und späteren Münchner Kardinal Julius Döpfner († 1976) zum Priester geweiht.

Einige Jahre arbeitete der junge Priester als Kaplan und Religionslehrer in Aschaffenburg.

In den frühen 60er Jahren hängte er das Priestertum wegen Problemen mit dem Zölibat an den Nagel. Er wurde laisiert und heiratete.

1961 verließ er die Kirche und trat zu den Alt-Katholiken über. Dort ernannte man ihn von 1961 bis 1963 zum alt-katholischen Pfarrvikar in Mannheim.

Anschließend wurde er zum alt-katholischen Pfarrer an der Christi-Auferstehungs-Kirche in Karlsruhe gewählt. Er wirkte als Gemeindeseelsorger und schließlich als Dekan für die nordbadischen Alt-Katholiken.

1985 wählte ihn die alt-katholischen Synode zu ihrem Bischof. Am 6. Oktober des gleichen Jahres wurde er in der evangelischen Christuskirche in Karlsruhe zum alt-katholischen Bischof ordiniert. Während seines Bischofsdienstes wohnte er in Bonn, wo sich der Sitz des alt-katholischen Bistums befindet.

Im Jahr 1976 promovierte Kraft an der Universität Bern – wo die Alt-Katholiken in Zusammenarbeit mit den Reformierten eine Theologische Fakultät führen – mit einer Arbeit über die Entwicklung des deutschen alt-katholischen Kirchengesangs.

Ein Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Erneuerung der Liturgie und der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten.

Kraft verfaßte selber Kirchenlieder, die auch ökumenischen Anklang fanden. Er stand in engem Kontakt mit den Kirchenlieddichtern Maria Luise Thurmair und Markus Jenny, die den Kirchengesang in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts beeinflußten.

In Krafts Amtszeit beschloß die alt-katholische Synode, die Ordination von Frauen einzuführen. Kraft ordinierte im Jahr 1988 die erste Diakonin.

Über mehrere Jahre fungierte er als Kontaktbischof zwischen den Alt-Katholiken und den Anglikanern. Die Pflege ökumenischer Beziehungen war überhaupt ein Schwerpunkt seines Dienstes, schon als Pfarrer.

Er war Mitglied der römisch-katholisch/alt-katholischen Gesprächskommission, welche 1972 ein weitgehendes Pastoralabkommen – die sogenannte „Zürcher Nota“ – verabschiedete, die allerdings kirchlich nie anerkannt wurde.

Auch war er an der Vorbereitung der evangelisch/alt-katholischen Erklärung über eine gegenseitige eucharistische Gastbereitschaft beteiligt.

Nach seiner Pensionierung veröffentlichte er zahlreiche theologische Beiträge für verschiedene alt-katholische und ökumenische Zeitschriften.

Kraft starb in seinem Ruhesitz Waghäusel-Kirrlach im Norden von Baden-Württemberg. Er hinterläßt seine Ehefrau, vier Kinder und vier Enkel. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Würzburger Hauptfriedhof.
      
11 Lesermeinungen
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#11   Gotthard   22:16:09 | Montag, 6. Februar 2006
@athanasius
So wie es auch keine „altkirchlichen“ Lehrsätze gibt die die Weihe von Schränken, Hunden und Autos zum „Priestertum“ verbieten.
wohl aber von Schwachköpfen…
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#10   stimme der vernunft †   21:07:01 | Montag, 6. Februar 2006
nicht im entferntesten?
sie haben aber mit der Katholischen Kirche nicht im entferntesten etwas zu tun.
Die alt-katholischen Weihen werden von Rom in vollem Umfang anerkannt, die alt-katholische Kirche besitzt die volle apostolische Sukzession.
Ein alt-katholischer Priester, der römisch wird, wird nicht einmal sub conditione neu geweiht.
Die Messe bei den Alt-Katholiken ist von einer NOM kaum unterscheidbar.
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#9   Rudolphus   17:15:51 | Montag, 6. Februar 2006
Eine liberale Sekte
Sie folgen einem typisch sektiererischen Ekklektizismus: Sie nehmen sich vom Glauben, was ihnen gefällt.
Meines Kenntnisstandes nach akzeptieren sie zwar wie der schismatische Orientalismus die ersten sieben Konzilien (sie sind also sicher nicht inhaltlich die Katholische Kirche vor Vaticanum I).
Andererseits sind sie hyperliberal, und folgen der extrem liberalen Strömung der Westeuropäischen Evangelischen Kirchen.
Für Mitgliederanwerbung nutzt ihnen die Verwendung des Namens „katholisch“, sie haben aber mit der Katholischen Kirche nicht im entferntesten etwas zu tun.
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#8   p.m.m.   16:49:18 | Montag, 6. Februar 2006
Frauenfeindlichkeit – Homophilie
Stimmt… So wie es auch keine „altkirchlichen“ Lehrsätze gibt die die Weihe von Schränken, Hunden und Autos zum „Priestertum“ verbieten.
Die Frauen hier werden mit Freude lesen, daß sie so etwas wie „Schränke, Hunde und Autos“ sind.
Ja und wieder sehen sich die bestätigt, die kreuz.net als Seite von traditionalistischen homophilen Klemmschwestern erkannt haben … Ist so ne typische Redeweise bei diesen Gruppen …
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#7   stimme der vernunft †   15:39:48 | Montag, 6. Februar 2006
danke für die Zustimmung
Stimmt… So wie es auch keine „altkirchlichen“ Lehrsätze gibt die die Weihe von Schränken, Hunden und Autos zum „Priestertum“ verbieten.
Die Frauen hier werden mit Freude lesen, daß sie so etwas wie „Schränke, Hunde und Autos“ sind.
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#6   Benedikt78   15:37:57 | Montag, 6. Februar 2006
Jetzt…
Christkatholiken. Gut, jetzt kann ich es nachvollziehen. Die Bezeichnung alt-Katholiken war mir fremd.
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#5   Athanasius   15:25:47 | Montag, 6. Februar 2006
Stimmt…
Tatsächlich gibt es ja auch keine altkirchlichen Lehrsätze, die die Frauenweihe verbieten, oder?
Stimmt… So wie es auch keine „altkirchlichen“ Lehrsätze gibt die die Weihe von Schränken, Hunden und Autos zum „Priestertum“ verbieten.
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#4   stimme der vernunft †   15:16:15 | Montag, 6. Februar 2006
Frauenordination
Nach alt-katholischer Meinung ist die Frauenweihe keine Frage des Glaubens, sondern eine Frage der Sitten und Gebräuche, die daher von der Ortskirche entschieden werden sollte.
Tatsächlich gibt es ja auch keine altkirchlichen Lehrsätze, die die Frauenweihe verbieten, oder?
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#3   Benedikt   15:07:49 | Montag, 6. Februar 2006
@ Lilith
Von sich selber sagen sie, dass ihre Mitglieder eränderungen im katholischen Glauben aus Gewissensgründen nicht annehmen konnten und sie sagen, dass sie den „alten“ Glauben des ersten Jahrtausends leben.
Ja, dass behaupten die Altkatholiken. Wie die Frauenordination da hineinpasst bleibt allerdings unklar.
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#2   Lilith   14:31:19 | Montag, 6. Februar 2006
@Benedikt
Die Alt-Katholiken sind eine Splittergruppe, die sich aus der katholischen Kirche heraus verselbstständigt hat.
Von sich selber sagen sie, dass ihre Mitglieder eränderungen im katholischen Glauben aus Gewissensgründen nicht annehmen konnten und sie sagen, dass sie den „alten“ Glauben des ersten Jahrtausends leben. Die Ursprünge liegen wohl irgendwo in der Zeit nach dem ersten Vaticanum.
Das Hauptmerkmal der Alt-Katholiken besteht wohl darin, dass sie die Autorität des Papstes nicht anerkennen… zumindest nicht so wie nach dem 1. Vaticanum.
Das betrifft die Rechtsgewalt des Papstes sowie das gerne diskutierte (und oft missverstandene) Unfehlbarkeitsdogma.
Anders als in der katholischen Hauptkirche (sehr anders für den, der die Korrespondenz unseres heutigen Papstes gelesen hat) gibt es bei den Alt-Katholiken eine Frauenordination.
Die Infos hab ich hier her:
www.alt-katholisch.de/index.html
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#1   Benedikt78   14:19:54 | Montag, 6. Februar 2006
Frage
Kann mir jemand sagen, was das sein soll: Alt-Katholizismus? Habe ich noch nie gehört!
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