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Mittwoch, 8. Dezember 2004 13:55
Die Muttergottes der Vogelhändler
Am 9. Dezember 1531 begann für die Welt eine neue Zeit. Die Muttergottes machte sich auf zum heiligen Raubzug: Seelendiebstahl. Als Köder benützte sie ihr eigenes Bild. Da regnete es Taufwasser vom Himmel. Eine Buchpräsentation von Ingo Langner, Die Tagespost.
(kreuz.net/Die Tagespost) Paul Badde, Journalist für „Die Welt“ und Buchautor, hat über die „Eroberin der Herzen“ ein Buch verfaßt. Es ist betitelt mit „Maria von Guadalupe – Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb“. Kein nüchternes Sachbuch, das wäre nicht Baddes Art. Badde ist den Spuren des Marienbildes gefolgt, zurück nach Spanien, ja zurück bis zum Geburtsland der Muttergottes in Palästina.
Das Ergebnis: ein persönliches Buch voller Zauber und Glanz über die Geschichte eines Wunders.

Paul Badde versteht es auf knapp 250 Seiten, die Welt des ewigen Heils mit der Welt der Zeit auf das Engste zu verbinden: „Wie im Anfang, so auch jetzt und allezeit“ – scheint das unausgesprochene Motto des Buches zu sein.
Was ist in Guadelupe geschehen? Im Jahre 1521 wird das mittelamerikanische Aztekenreich von den spanischen Conquistadores brutal unterworfen. Was die Eroberer vorfinden, ist ein Volk im Blutrausch.

Grausig sind ihre Menschenopfer, grausig ist ihr ganzer Kultus, der vor allem auf Angst basiert. Es ist die Angst, daß am nächsten Morgen die Sonne nicht wieder aufgehen könnte.
Mit den Spaniern kommen die Franziskanerpatres. Ihre Mission ist so gut wie vergebens. Die Botschaft Christi, die ja auch eine Botschaft vom Ende der Menschenopfer ist, erreicht das unterworfene Volk nicht.

Doch dann – am 9. Dezember 1531 – genau zehn Jahre nach der spanischen Eroberung, erscheint die Madonna dem Juan Diego, einem der wenigen bislang getauften Azteken. Sie offenbart sich ihm als „Maria, die Mutter aller Menschen“.

Die Muttergottes fordert Juan Diego auf, den Bau einer Kapelle zu veranlassen. Zwei Mal schickt sie ihn deswegen zum Ortsbischof. Am Ende der Erscheinungen schenkt sie ihm ein Bild. Es ist auf der „Tilma“ Juan Diegos, dem landesüblichen mexikanischen Umhang gemalt. Das Bild gibt es noch. Es existiert gegen allen wissenschaftlichen Zweifel bis zum heutigen Tag.

Das Bild auf dem Umhang zeigt das Porträt eines jungen Mädchens, bekleidet mit Rosengewand und Sternenmantel. Als die Azteken es sehen, setzt wie aus dem Nichts eine Massentaufe ein, die in der Geschichte der Christenheit ihresgleichen sucht. Nicht genug. Aus zwei Feinden, den Spaniern und Azteken wurden Freunde. Aus den Ureinwohnern und den Eroberern entstand das mexikanische Volk.

Heute ist das Bild der Madonna von Guadalupe in der großen Kathedrale von Mexiko-Stadt zu sehen. Täglich ziehen viele Tausende betend daran vorüber. Besonders schön muß es sein, wenn die Pilgerbruderschaft der Vogelhändler kommt. Die Vogelhändler bringen ihre besten gefiederten Sänger mit und lassen sie tirilieren – zur höheren Ehre des Vaters, des Sohnes, des Heiligen Geistes und jener Frau, die den Sohn gebar.

Paul Badde: „Maria von Guadalupe“. Wie das Erscheinen der Jungfrau Weltgeschichte schrieb. Ullstein Verlag, Berlin 2004. 255 S., Abb., geb., 20,- Euro.
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1 Lesermeinung:
Mittwoch, 8. Dezember 2004 15:46
Dolfus: Wunder oder HighTech
Das Bild auf der Tilma ist ein großartiges Wunder, schon einmal die bis dato nicht gelungene Identifikation der Farbstoffe, dann die Sache mit den Umrissen in der Augenspiegelung dieses übernatürlich entstandenen Marienbildes. Auch die Firma Kodak hat bereits analysiert und gerätselt.
Zwei deutsche Alienforscher schreiben das Bild interessanterweise der Technik von Außerirdischen zu.
Origineller Einfall.
„Für jene, die an Gott glauben, ist keine Erklärung notwendig, für jene, die nicht an Gott glauben, ist keine Erklärung möglich.“ (Franz Werfel, „Das Lied von Bernadette“)
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