14:08:49 | Samstag, 11. Februar 2006
Der General der Gesellschaft Jesu wird auf Lebenszeit gewählt. Doch der gegenwärtige Obere scheint amtsmüde zu sein.
(kreuz.net) Bereits seit 1983 ist Pater Peter Hans Kolvenbach (77) Generaloberer der Gesellschaft Jesu.
Diese zählt
weltweit mehr als 20.000 Mitglieder. Zu seinem 80. Geburtstag möchte der General der Jesuiten
zurücktreten.
Darum bat der Niederländer den Papst um einen Dispens von der lebenslangen Amtspflicht.
Benedikt XVI. zeigte Verständnis und gab seine Zustimmung. Das erklärte Pater Kolvenbach Anfang Februar
in einem Brief, der jedem Mitglied der Gesellschaft Jesu zugeschickt wurde.
Somit ist abzusehen, daß
erstmals in der 476jährigen Geschichte der Jesuiten ein amtierender Ordensoberer die Wahl seines Nachfolgers
persönlich leiten wird.
Dazu hat Pater Kolvenbach Anfang Dezember ein Generalkapitel – die höchste
beschlußfassende Versammlung des Ordens – angekündigt. Es soll am 5. Januar 2007 beginnen. Daran werden
200 Delegierte aus 89 Ordensprovinzen teilnehmen.
Der aus den USA stammende Generalsekretär und zweite
Mann des Ordens, Pater Frank Case, erklärte vor der US-Wochenzeitung ‘National Catholic Reporter’, daß
das Kapitel mehrere Monate dauern könnte.
Das Generalkapitel dürfte auch einige Dokumente verabschieden,
die das Leben der Jesuiten während der nächsten zehn Jahre leiten sollen.
Zum Rücktritt des Generaloberen
erklärte der Generalsekretär, daß die Medizin im Unterschied zum 16. Jahrhundert – als der Orden gegründet
wurde – das Menschenleben wesentlich verlängern könne:
„Wir haben scherzhaft gesagt, daß es einen
Unterschied gibt zwischen
ad vitam und
ad vitalitatem.“
Bereits im Jahr 1983 griff darum Johannes Paul
II. in die Leitung der Gesellschaft Jesu ein. Nachdem der damalige Generalobere Pater Pedro Arrupe einen
schweren Schlaganfall erlitten hatte, bestellte der Papst nach einigem hin und her zwei Geschäftsführer
mit umfassenden Vollmachten.
Neben der Wahl eines neuen Generals will sich das Generalkapitel – so Pater
Case – auch mit folgenden Themen befassen:
· Neue Leitungsstrukturen der Gesellschaft Jesu
· Zusammenarbeit
mit den Laien
· Gemeinschaftsleben bei den Jesuiten
· Priesterausbildung
· Leben der Jesuiten und Mission
in der Kirche in der Welt von heute
Zum ersten Punkt erklärte Pater Case, daß die Jesuiten die Balance
zwischen dem gegenwärtigen hierarchischen System und einer größeren „Kollegialität“ suchen. Kollegialität
ist das kirchliche Codewort für ‘Mitbestimmung’.
So könnten mehrere Provinzen – wie bei den Bischofskonferenzen –
zu regionalen „Konferenzen“ zusammengeschlossen werden.
Im Licht des
jüngsten Vatikandokuments über
Homos in Priesterseminaren wolle man sich – so Pater Case – bei der Ausbildung der Seminaristen der Frage
der „affektiv-sexuellen Dimension“ zuwenden.
Zur Frage wer der nächste „Schwarze Papst“ werde, gab ein
hochrangiger Jesuit, der ungenannt bleiben wollte, vor der katholischen Nachrichtenagentur ‘CNA’ vier
mögliche Namen preis.
Zuerst nannte er Pater Franco Imoda, den früheren Rektor der päpstlichen Jesuitenuniversität
Gregoriana in Rom. Er ist ein bekannter Psychiater und gilt als Repräsentant der Jesuiten Italiens und
des Bildungssektors der Gesellschaft Jesu.
Ein anderer potentieller Generaloberer ist der Rektor der
Jesuitenuniversität in Mexiko, Pater José Morales Orozco. Pater Morales war früher Provinzial seines
Heimatlandes und berät den Jesuitengeneral gegenwärtig in Fragen der Priesterausbildung.
Der Spanier,
Pater Elias Royon Lara, ist der gegenwärtige Provinzial seines Heimatlandes. Er war Novizenmeister, Philosophieprofessor
und Berater des gegenwärtigen Jesuitengenerals. Er soll das besondere Vertrauen der spanischen Bischöfe
und des Vatikan genießen.
Ein letzter möglicher Kandidat ist der gegenwärtige Provinzial von Australien,
Pater Mark Raper. Er soll die Römer sehr gut kennen und umgekehrt.
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Ottawiani 15:43:49 | Sonntag, 12. Februar 2006