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Samstag, 11. Februar 2006 17:55
Ausgerechnet in Freiburg
Seit Jahren hält sich die Theologische Fakultät der Universität Freiburg in der Schweiz für die Inkarnation eines geglückten kirchlichen Aufbruchs aus dem katholischen Ghetto. Ein Kommentar.
Heulen und Zähneknirschen?
Heulen und Zähneknirschen?
(kreuz.net, Freiburg) Von der deutschsprachigen Theologischen Fakultät der Universität Freiburg ist man Heulen und Zähneknirschen gewöhnt.

Üblicherweise heult und knirscht man dort über und gegen die Kirche.

Freiburger Theologen lieben es, Erklärungen gegen Päpste und Bischöfe zu unterschreiben.

Mit gezogenem Schwert verteidigten Freiburger Theologen die Befreiungstheologie, auch dann noch als Sowjetunion und Kommunismus kurz vor dem Exitus standen.

Freiburger Theologen lasen den Schweizer Bischöfen – besonders dem damaligen Bischof von Chur, Mons. Wolfgang Haas – die Leviten.

Freiburger Theologen lieben es, sich im Applaus der kirchenfeindlichen Medien und Politiker zu sonnen.

Freiburger Theologen haben schon lange mehr Vertrauen in den Staat als in die Kirche – und sagten das auch offen.

Ein führender Vertreter dieser Theologischen Fakultät war und ist der verheiratete Pastoraltheologe Leo Karrer.

Doch jetzt ist die Revolution, vor deren Karren sich der Pastoraltheologe und seine Kollegen so bereitwillig spannen ließen, dabei, die Zugochsen zu schlachten.

Anlaß ist die Weigerung des („katholischen“) Rektors der (irgendwie „katholischen“) Universität Freiburg, einen Erweiterungsbau der Universität einsegnen zu lassen.

Der („katholische“) Rektor der Universität ist – wie die Freiburger Theologen – ein anderer jahrelanger Heuler und Zähneknirscher gegen die Kirche.

Die Universität habe zwar einen „katholischen Hintergrund“, gestand das Rektorat, doch sie müsse als staatliche Institution von „konfessionellen Riten“ Abstand nehmen.

Diese Parteilinie dürfte auch das Todesurteil für die im Universitätsgebäude noch aufgehängten Kruzifixe bedeuten.

Der Schock darüber kam unerwartet und war groß. In Worte faßte ihn Pastoraltheologe Leo Karrer in einem Beitrag für die Schweizerische katholische Presseagentur ‘Kipa’.

Ob es an der Universität Freiburg einen „latenten Kulturkampf“ gebe, fragte darin der erstaunte Professor.

Er verstehe, daß die Zeiten des „katholischen Milieus“ vorbei seien. Aber man müsse zwischen „Laizismus“ und „Laizität“ unterscheiden, formuliert der Professor gut thomistisch und fragt sich unter Zuhilfenahme pastoraltheologischer Worthülsen:

Ob die Universität Freiburg „auf einem zuverlässigen Weg“ sei, wenn sie die religiösen Zeichen und „christliches Orientierungswissen“ aus einem „fundamentalistischen Laizismus heraus“ aus den universitären Räumen verbanne.

Man halte es offenbar auch in Freiburg – von den Umständen gedrängt – mit Ausbildung statt Bildung.

Diese Situation sei aber nicht „weinerlich zu beklagen“, sondern stelle eine „Chance“ dar.

Mit Hilfe der dialektischen Schere sucht sich Karrer sodann als goldene Mitte zwischen zwei Extremen zu positionieren.

Die gegenwärtige Situation sei als „Chance“ zu ergreifen, „aber weder in Richtung eines religiösen Fundamentalismus noch eines Laizismus, der die Neutralität des Staates in fundamentalistischer Verengung zur quasireligiösen Oberinstanz erklärt“.

Ob Karrer hier ein Opfer seiner Schlagworte wird?

Die Lösung besteht in der von Karrer gebastelten Mitte.

Der „Pluralismus der Werte und religiösen Orientierungen“ müsse „bei gegenseitigem Respekt als ein inhaltliches Ringen um die Werte der Humanität und die Zukunft der Menschheit“ gestaltet sein, geht es weiter in staubigem Pastoraltheologen-Deutsch.

Was diese Aussagen mit der abgelehnten Einweihung eines Nebengebäudes zu tun hat, ist nur noch von weitem erkennbar. Im Vordergrund steht die pastoraltheologische Zerredung von Problemen.

Im weiteren bemüht Karrer die Politik. Diese könne heute niemand mehr vernünftig verstehen, wenn er die „religiösen Hintergründe“ ausblende. Karrer schlägt darum der „Universitätsgemeinschaft“ vor, diesen „Fragen und Suchbewegungen“ durch interfakultäre Ringvorlesungen ein Forum zu bieten.

In seinen wolkigen Formulierungen wendet er sich dann gegen einen – wie er schreibt – „nebulösen Neutralismus“ und beruft sich auf „unser staatskirchenrechtliches Modell“ als Vorbild für den universitären Raum.

Seine Ausführungen werden mit einem Schuß Mohammed-Karikaturen und 11. September 2001 sowie mit einem Ausflug in das Problem der Pressefreiheit abgelöscht.

Dann spricht Karrer von „christlichen Impulsen für die Gestaltung der Zukunft“.

Das Christentum habe „bei allen Veruntreuungen seiner Botschaft“ – schade, daß Karrer keine aktuellen Beispiele aus seiner theologischen Fakultät nennt – aber auch bei allem „Reichtum aus seiner Tradition“ Impulse für die Gestaltung der gesellschaftlichen Zukunft einzubringen.

Nicht zuletzt die „weltweite Bedrohung durch den Terrorismus“ mahne uns, alle Aufmerksamkeit auf einen gerechteren Markt zu richten. Doch der Mensch lebe nicht vom Brot allein.

Der Leser merkt, daß die Dinge thematisch kreuz und quer daherkommen.

Laizismus als ein kleinkarierter Kulturkampf könne sich eine Universitätsgemeinschaft nicht mehr leisten, predigt Karrer dennoch unbeirrt weiter.

Das sei das Modell des 19. Jahrhunderts. Kein geringerer als der deutsche Philosoph Jürgen Habermas habe nach der „theologischen Diskussion“ gerufen, da die in Europa vielfach „verlorene Hoffnung auf Resurrektion“ – eine Formulierung, die man sich merken muß – eine „spürbare Leere“ hinterlasse:

„Die Vertreibung religiöser Zeichen ist ein Tribut an diese Tendenz, die letztlich die Gefahr in sich birgt, verächtlich zu werden.“

Summa summarum: Ein billiges Plädoyer auf dem Niveau einer schlecht vorbereiteten Predigt und ein weiterer Beweis dafür, daß die gegenwärtige Theologie nichts zu sagen hat und sich darum nicht wundern sollte, daß sie nicht gehört wird.
Alle Lesermeinungen anzeigen 6 von 9 Lesermeinungen:
Dienstag, 14. Februar 2006 12:03
Brandenburgis: @Lucrezia
Das ist keine Frage der Lokalsprache, sondern eine Frage der deutschen Sprache. Schließlich sagen wir ja auch „Warschau“ und nicht Warszawa, „Moskau“ und nicht „Moskwa“, Peking und nicht „Bei Jing“ usw. usw. usw. usw.
Dienstag, 14. Februar 2006 11:57
LukreciaB: Der Ort heißt „Freiburg im Üchtland“,
Der Ort heißt „Freiburg im Üchtland“
Oder einfach Fribourg! Schliesslich ist die Mehrhit (von Stadt und Kanton) heute französischsprachig…
Sonntag, 12. Februar 2006 21:30
Chris: Positive Nachricht
Ich finde es gut, wenn in solchen Unis keine Kreuze mehr hängen, dann weiß doch jeder wo er sich befindet. Außerdem trägt das zur Bildung von Eliteuniversitäten bei, da werden nehmlich noch Kreuze hängen. 2 oder 3 traditionsberwusste Kath Unis woraus der Klerus seine Elite zieht, das ist es was ich will. Wer sich durch Laizismus disqualifiziert, herzlich willkommen, dann brauch man keine schwarze Listen.
Sonntag, 12. Februar 2006 14:22
Brandenburgis: Freiburg
Der Ort heißt „Freiburg im Üchtland“, im Gegensatz zu „Freiburg im Breisgau“. Zu immer mehr kreuz.net-Artikeln muß man Erklärungen nachliefern …
Sonntag, 12. Februar 2006 13:16
Yersinia: @Botschafter: sag, wie lebt es sich eigentlich so
in der Fantasiewelt?
Sonntag, 12. Februar 2006 07:02
catharina: Traditionsbruch bei kreuz.net!
Liebe Redaktion,
in Ihrem Artikel fehlt ja völlig die vertraute topographische Belehrung. Folglich kann der Artikel nur von einem kreuz.net-fremden Zuträger stammen.
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