17:55:48 | Samstag, 11. Februar 2006
Seit Jahren hält sich die Theologische Fakultät der Universität Freiburg in der Schweiz für die Inkarnation eines geglückten kirchlichen Aufbruchs aus dem katholischen Ghetto. Ein Kommentar.
(kreuz.net, Freiburg) Von der deutschsprachigen Theologischen Fakultät der Universität Freiburg ist
man Heulen und Zähneknirschen gewöhnt.
Üblicherweise heult und knirscht man dort über und gegen die
Kirche.
Freiburger Theologen lieben es, Erklärungen gegen Päpste und Bischöfe zu unterschreiben.
Mit gezogenem Schwert verteidigten Freiburger Theologen die Befreiungstheologie, auch dann noch als Sowjetunion
und Kommunismus kurz vor dem Exitus standen.
Freiburger Theologen lasen den Schweizer Bischöfen – besonders
dem damaligen Bischof von Chur, Mons. Wolfgang Haas – die Leviten.
Freiburger Theologen lieben es, sich
im Applaus der kirchenfeindlichen Medien und Politiker zu sonnen.
Freiburger Theologen haben schon lange
mehr Vertrauen in den Staat als in die Kirche – und sagten das auch offen.
Ein führender Vertreter dieser
Theologischen Fakultät war und ist der verheiratete Pastoraltheologe Leo Karrer.
Doch jetzt ist die
Revolution, vor deren Karren sich der Pastoraltheologe und seine Kollegen so bereitwillig spannen ließen,
dabei, die Zugochsen zu schlachten.
Anlaß ist die Weigerung des („katholischen“) Rektors der (irgendwie
„katholischen“) Universität Freiburg,
einen Erweiterungsbau der Universität einsegnen zu lassen.
Der
(„katholische“) Rektor der Universität ist – wie die Freiburger Theologen – ein anderer jahrelanger Heuler
und Zähneknirscher gegen die Kirche.
Die Universität habe zwar einen „katholischen Hintergrund“, gestand
das Rektorat, doch sie müsse als staatliche Institution von „konfessionellen Riten“ Abstand nehmen.
Diese Parteilinie dürfte auch das Todesurteil für die im Universitätsgebäude noch aufgehängten Kruzifixe
bedeuten.
Der Schock darüber kam unerwartet und war groß. In Worte faßte ihn Pastoraltheologe Leo
Karrer in einem Beitrag für die Schweizerische katholische Presseagentur ‘Kipa’.
Ob es an der Universität
Freiburg einen „latenten Kulturkampf“ gebe, fragte darin der erstaunte Professor.
Er verstehe, daß die
Zeiten des „katholischen Milieus“ vorbei seien. Aber man müsse zwischen „Laizismus“ und „Laizität“ unterscheiden,
formuliert der Professor gut thomistisch und fragt sich unter Zuhilfenahme pastoraltheologischer Worthülsen:
Ob die Universität Freiburg „auf einem zuverlässigen Weg“ sei, wenn sie die religiösen Zeichen und
„christliches Orientierungswissen“ aus einem „fundamentalistischen Laizismus heraus“ aus den universitären
Räumen verbanne.
Man halte es offenbar auch in Freiburg – von den Umständen gedrängt – mit Ausbildung
statt Bildung.
Diese Situation sei aber nicht „weinerlich zu beklagen“, sondern stelle eine „Chance“
dar.
Mit Hilfe der dialektischen Schere sucht sich Karrer sodann als goldene Mitte zwischen zwei Extremen
zu positionieren.
Die gegenwärtige Situation sei als „Chance“ zu ergreifen, „aber weder in Richtung
eines religiösen Fundamentalismus noch eines Laizismus, der die Neutralität des Staates in fundamentalistischer
Verengung zur quasireligiösen Oberinstanz erklärt“.
Ob Karrer hier ein Opfer seiner Schlagworte wird?
Die Lösung besteht in der von Karrer gebastelten Mitte.
Der „Pluralismus der Werte und religiösen
Orientierungen“ müsse „bei gegenseitigem Respekt als ein inhaltliches Ringen um die Werte der Humanität
und die Zukunft der Menschheit“ gestaltet sein, geht es weiter in staubigem Pastoraltheologen-Deutsch.
Was diese Aussagen mit der abgelehnten Einweihung eines Nebengebäudes zu tun hat, ist nur noch von weitem
erkennbar. Im Vordergrund steht die pastoraltheologische Zerredung von Problemen.
Im weiteren bemüht
Karrer die Politik. Diese könne heute niemand mehr vernünftig verstehen, wenn er die „religiösen Hintergründe“
ausblende. Karrer schlägt darum der „Universitätsgemeinschaft“ vor, diesen „Fragen und Suchbewegungen“
durch interfakultäre Ringvorlesungen ein Forum zu bieten.
In seinen wolkigen Formulierungen wendet er
sich dann gegen einen – wie er schreibt – „nebulösen Neutralismus“ und beruft sich auf „unser staatskirchenrechtliches
Modell“ als Vorbild für den universitären Raum.
Seine Ausführungen werden mit einem Schuß Mohammed-Karikaturen
und 11. September 2001 sowie mit einem Ausflug in das Problem der Pressefreiheit abgelöscht.
Dann spricht
Karrer von „christlichen Impulsen für die Gestaltung der Zukunft“.
Das Christentum habe „bei allen Veruntreuungen
seiner Botschaft“ – schade, daß Karrer keine aktuellen Beispiele aus seiner theologischen Fakultät nennt –
aber auch bei allem „Reichtum aus seiner Tradition“ Impulse für die Gestaltung der gesellschaftlichen
Zukunft einzubringen.
Nicht zuletzt die „weltweite Bedrohung durch den Terrorismus“ mahne uns, alle Aufmerksamkeit
auf einen gerechteren Markt zu richten. Doch der Mensch lebe nicht vom Brot allein.
Der Leser merkt,
daß die Dinge thematisch kreuz und quer daherkommen.
Laizismus als ein kleinkarierter Kulturkampf könne
sich eine Universitätsgemeinschaft nicht mehr leisten, predigt Karrer dennoch unbeirrt weiter.
Das sei
das Modell des 19. Jahrhunderts. Kein geringerer als der deutsche Philosoph Jürgen Habermas habe nach
der „theologischen Diskussion“ gerufen, da die in Europa vielfach „verlorene Hoffnung auf Resurrektion“ –
eine Formulierung, die man sich merken muß – eine „spürbare Leere“ hinterlasse:
„Die Vertreibung religiöser
Zeichen ist ein Tribut an diese Tendenz, die letztlich die Gefahr in sich birgt, verächtlich zu werden.“
Summa summarum: Ein billiges Plädoyer auf dem Niveau einer schlecht vorbereiteten Predigt und ein weiterer
Beweis dafür, daß die gegenwärtige Theologie nichts zu sagen hat und sich darum nicht wundern sollte,
daß sie nicht gehört wird.
Sie haben eine Meinung zu diesem Artikel? Dann verfassen Sie einen Beitrag. Bleiben Sie in Ihrem Kommentar sachlich und bemühen Sie sich um eine erträgliche Diskussionsatmosphäre. Bedenken Sie, daß Ihr Beitrag noch über Jahre hinweg abrufbar und durch Suchmaschinen im Internet auffindbar ist.
Die Redaktion übernimmt keine Verantwortung für den Inhalt der Leserbeiträge. Sie behält sich das Recht vor, Beiträge zu löschen oder Leser aus der Debatte auszuschließen.