Medien
Der Streit um Maria
In Polen ist erneut ein heftiger Streit um den Radiosender ‘Radio Maryja’ ausgebrochen. Dabei wird das Radio von liberalen Medien ebenso kritisiert, wie auch von manchen Bischöfen. Von Przemyslaw Bentkowski, Posen.
(kreuz.net, Torun) Journalisten der liberalen polnischen Medien haben Anfang Februar erneut gegen die Rolle des katholischen Radiosenders „Radio Maryja“ im öffentlichen Leben des Landes protestiert.

Anstoß dazu war die Unterzeichnung eines sogenannten Stabilitätspaktes im Polnischen Parlament.

Der Pakt wurde zwischen der regierenden konservativen Partei ‘Prawo i Sprawiedliwosc’ – Recht und Gerechtigkeit – und den zwei bisherigen Oppositionsparteien ‘Samoobrona – Selbstverteidigung – und ‘Liga der polnischen Familien’ geschlossen.

Das unterzeichnete Übereinkommen soll das gegenwärtige Kräfteverhältnis im polnischen Parlament für ein Jahr stabilisieren und der jetzigen Minderheitsregierung ermöglichen, die Amtsgeschäfte auszuüben.

Im Pakt werden 114 Gesetzesentwürfe genannt, die in diesem Jahr verabschiedet werden sollen.

Radio Maryja und sein Direktor – der Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk – haben bei der Entstehung dieses politischen Bündnisses mitgewirkt.

Deshalb wurden dem katholischen Radiosender und dem ebenfalls von Pater Rydzyk geführten Fernsehsender ‘Trwam’ das Exklusivrecht zur Live-Übertragung der Unterzeichnung gewährt.

Der Unterzeichnung wohnten auch Journalisten der mit Radio Maryja verbundenen Zeitung „Nasz Dziennik“ – Unsere Tageszeitung – bei.

Während die Vorsitzenden der drei Parteien vor Kameras und Mikrophonen der katholischen Medien den politischen Pakt unterzeichneten, mußte eine weit größere Gruppe von Journalisten in einem anderen Raum warten.

Das rief bei den ausgeschlossenen Journalisten Empörung und Wut hervor. Sie boykottierten daraufhin die nach der Unterzeichnung veranstaltete Medienkonferenz.

Die anschließende Berichterstattung der liberalen Medien konzentrierte sich fast ausschließlich auf die Umstände der Unterzeichnung und nicht auf die Inhalte des geschlossenen Paktes.

Einen Tag nach diesen Vorfällen – am 3. Februar – veröffentlichten die Leiter einiger ausgesperrter Medien eine gemeinsame Erklärung. Unter ihnen befanden sich Vertreter der größten öffentlichen und privaten Fernseh- und Radiosender sowie der wichtigsten liberalen Zeitungen.

In der gemeinsamen Erklärung wurden die Umstände der Unterzeichnung des Paktes scharf kritisiert und als eine „für die Demokratie im Staat schädliche Praxis“ angeprangert.

Kritik an den drei katholischen Medien kam auch vom liberalen Erzbischof von Lublin, Mons. Jozef Zycinski, der in der Polnischen Bischofskonferenz einer der Hauptkritiker von Radio Maryja ist.

So erklärte der Erzbischof : „Die Kirche bezahlt einen hohen Preis für das verantwortungslose Verhalten einiger Ordensleute. Das schmerzt und das muß man zur Kenntnis nehmen.“

Der Pressesprecher der polnischen Bischofskonferenz, Hw. Jozef Kloch, erklärte am 4. Februar, daß „die Medien, die mit der Kirche in Verbindung gebracht werden, nicht in ihrem Namen gehandelt haben“.

Diese Vorgehensweise sei mit keinem Satzungsgremium der polnischen Bischofskonferenz abgesprochen worden.

Es gab aber auch andere Stimmen. So verurteilten einige Journalisten der liberalen Medien die Reaktionen ihrer Kollegen.

Der populäre Journalist Wojciech Reszczynski stellte in einem Kommentar fest, daß sowohl die Leiter des staatlichen Rundfunks als auch die Verantwortlichen privater Fernsehsender eine gemeinsame Eigenschaft hätte:

„Sie sind nicht imstande, auf die Hysterien ihrer Journalisten Einfluß zu nehmen“.
      
12 Lesermeinungen
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#12   Uwe Schmidt   23:56:56 | Montag, 13. Februar 2006
PiS + Kaczynscy
Naja, man muss auch sehen, dass die Siegerpartei PiS und ihre Kaczynski-Zwillinge sicher nicht an die Macht gekommen wären ohne die massive Unterstützung durch die Rydzyk-Medien, wovon „Nasz Dziennik“ wohl noch einflussreicher ist als Radio Maryja. Freuen wir uns doch, dass Polen nun endlich von Patrioten regiert wird, die mit dem Saustall aus Korruption, Prostitution und Sittenverwahrlosung gründlich aufräumen und das Gemeinwohl aller Bürger anstreben werden! Eine liberale Partei wie die PO zu unterstützen (was der ehemalige Sekretär seiner Heiligkeit Johannes Paul II. Stanislaw Dziwisz vom Opus Dei ja getan hat…), wäre für einen Katholiken erstens unsozial, zweitens ein Verrat am Vaterland und den Idealen von Solidarnosc und drittens aus moralisch-sittlichen Gründen sehr abträglich gewesen.
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#11   Gotthard   21:30:10 | Montag, 13. Februar 2006
katholischer Sender?
Radio Maryja und sein Direktor – der Redemptoristenpater Tadeusz Rydzyk – haben bei der Entstehung dieses politischen Bündnisses mitgewirkt.
Was an diese Radio-Sender, der Politik und Wahlkampf für rechts-konservative Politker macht, katholisch sein soll, ist mir schleierhaft.
Der Name Maria ist nicht durch Copyright geschützt…
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#10   Kaveri_Puola   20:51:26 | Montag, 13. Februar 2006
tja.:)
Reszczynski ein bekannter Journalist? Tja, Anfang 90er hat er ein Nachrichtenprogramm moderiert und jetzt kennt ihn fast keiner. tendenzielle schilderung eines Rydzyk-Beauftragten, die nichts mit der Realitaet zu tun hat und die armen Traditionalisten glauben, Rydzyk ist ihr Freund:)
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#9   Wunderkind †   18:57:06 | Montag, 13. Februar 2006
womnit wir wieder bei der wurzel…
allen übels wären, nicht wahr?!
fakt ist doch, das es einfach nicht aktzeptabel ist, wenn die berichterstattung nur einem sender übertragen wird.
und da ist es vollkommen egal ob er nun katholisch oder sonstwie eingestellt ist.
vor allem das eine zeitung von der regierung quasi „belohnt „ wird und so die ranggleichheit anderer zeitungen beeinträchtigt wirdist schlimm.
aber wie gesagt das wäre auch bei einer linken oder liberalen zeitung schlimm.
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#8   apex   17:09:22 | Montag, 13. Februar 2006
@ Fiore
Journalismus ist ja ok, aber bereits während des Wahlkampfes hat sich Radio Marya selbst „vor den (Partei) Karren gespannt“. Jetzt das hier ist wieder eindeutiges politisches handeln.
Schwuler, nicht der Journalismus und nicht das politische Handeln stört dich, sondern die Wahrheit über die Homosexualität, die Radio Maryja zur Sprache bringt.
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#7   Athanasius   16:53:26 | Montag, 13. Februar 2006
Hah joa…
Die Bischöfe sind dagegen, aber denoch rührt Radio Marya fest die Polittrommel
…sprach der Befürworter und Verteidiger der Ideologen der Befreiungstheologie.
Sie sind ja nur dagegen, weil in diesem Falle dem konservativen Lager und dem lebensfreundlichen politischen Kreis „Dienste“ verliehen werden.
Ihre Hypocrisie ist leicht durchschaubar, Fiore.
Und es sind mir sehr viele Geistlichen bekannt die in der Politik engagiert sind – indirekt. Aber direkt ist ja auch mit Dispensation möglich. Was denn von Kardinal Villot, Rampolla, Sodano…oder Merry del Val?
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#6   FioreGraz   15:52:25 | Montag, 13. Februar 2006
@Tradi
Journalismus ist ja ok, aber bereits während des Wahlkampfes hat sich Radio Marya selbst „vor den (Partei) Karren gespannt“. Jetzt das hier ist wieder eindeutiges politisches handeln.
LG
Fiore
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#5   Wunderkind †   15:34:38 | Montag, 13. Februar 2006
demokratie?!
wenn sich der senderzum alleinigen sprachror der regierung aufschwingt dann nenne ich das allerdings politisches handeln.
ich finde es allgemein seltsam das eine demokratische regierung eine bestimmte mediengruppe bevorzugt.
das entspricht nicht der demokratischen grundidee in der ja bekanntlich möglichst alle vertreten sein sollten.
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#4   Stimme aus dem Tradiland   14:02:45 | Montag, 13. Februar 2006
@ FioreGraz
Die zwei Canones sind sicherlich nicht erfüllt. Journalismus gilt im CIC sicherlich nicht als Ausübung weltlicher Gewalt. Partei- und Gewerkschaftsfunktionen üben die Leiter des Senders nicht aus.
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#3   FioreGraz   13:37:06 | Montag, 13. Februar 2006
noch schlimmer
Can 284 §3 – Öffentliche Ämter anzunehmen, die eine Teilhabe an der Ausübung weltlicher Gewalt mit sich bringen, ist den Klerikern verboten.
Can 287 §2 – In politischen Parteien und an der Leitung von Gewerkschaften dürfen sie nicht aktiv teilnehmen, außer dies ist nach dem Urteil der zuständigen kirchlichen Autorität erforderlich, um die Rechte der Kirche zu schützen oder das allgemeine Wohl zu fördern.
Die Bischöfe sind dagegen, aber denoch rührt Radio Marya fest die Polittrommel
LG
Fiore
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#2   2Tm2,3   13:23:43 | Montag, 13. Februar 2006
Radio Maryja
gehort dem Redemptoristenorden.
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#1   ottaviani   12:04:10 | Montag, 13. Februar 2006
wem gehört d
der sender eigentlich
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