Die Pius-Päpste des 18. und 19. Jahrhunderts erlitten Demütigungen und Verfolgungen, die sie mit unerschütterlichem Gottvertrauen und bewundernswertem Humor ertrugen. Von Ulrich Nersinger.
Als Pius VI. († 1799) zu Kaiser Josef II. – einem Befürworter und Betreiber der glaubensfeindlichen Aufklärung –
nach Wien reiste, fragte man den Pasquino – eine „sprechende“ Statue in Rom –, was der Papst in der österreichischen
Residenzstadt vorhabe.
Pasquino antwortete: „Er geht nach Wien, um zwei Messen zu singen: eine ohne ‘Gloria’
für sich, und eine ohne ‘Credo’ für den Kaiser.“
Pius VI. sandte in einer schwierigen Zeit den Fürsten
Camillo Francesco Massimo mit einer wichtigen persönlichen Botschaft zu Napoleon Bonaparte.
Der Korse
wußte, daß die Familie Massimo behauptete, von dem berühmten Konsul und Heerführer Quintus Fabius
Maximus Cunctator (3. Jahrhundert vor Chr.) abzustammen. Er wollte den Gesandten des Heiligen Vaters mit
einer Anspielung darauf in Verlegenheit bringen:
„Stimmt es, daß sich Ihr Geschlecht auf den Bezwinger
Hannibals zurückführt?“ – „Es gibt nicht den geringsten historischen Beleg dafür“, antwortete der römische
Adelige, „ich weiß nur, daß sich dieses Gerücht seit über zweitausend Jahren in unserer Familie hält“.
Die erste Jahre des Pontifikats Pius’ VII. († 1823) waren geprägt durch die unerbittliche Gegnerschaft,
die Napoleon dem Heiligen Vater angedeihen ließ. Aber nicht einmal im besetzten Rom und in französischer
Gefangenschaft verließ dem Papst sein Humor.
Napoleon hatte einen General ausgesandt, um mit Pius VII.
zu verhandeln und ihn einzuschüchtern. Der General trat in das Zimmer des Heiligen Vaters, als dieser
gerade bei Tische saß.
Die ganze Mahlzeit bestand aus einem einzigen Fischgericht. Der Papst hörte
seelenruhig an, was der General in anmaßendem Ton vorbrachte, und antwortete: „Herr General, ein Herrscher,
der nur einen Scudo täglich zum Leben braucht, läßt sich nicht so leicht einschüchtern.“
Während
einer erregten Auseinandersetzung zwischen Napoleon und Pius VII. in Fontainebleau rund 50 Kilometer südöstlich
von Paris entfuhren dem Kaiser im Zorn die Worte: „Wissen Sie auch, daß die Römische Kirche sehr gut
ohne Sie auskommen kann?“ – „Gewiß“, erwiderte der Papst, „genau so gut, wie Frankreich ohne Bonaparte
auskommen kann“.
Auch die Bevölkerung der Päpstlichen Staaten wehrte sich gegen den Kaiser der Franzosen
mit der Waffe des Humors, bisweilen in lebensgefährlicher Manier.
In einer römischen Schänke hatte
ein Einheimischer beim Anblick französischer Soldaten, die die Zeche schuldig blieben, vor sich hergemurmelt:
„Tutti i Francesi sono ladri – alle Franzosen sind Diebe“.
Ein Offizier hörte die Worte und stellte
sich in drohender Haltung vor dem Wirtshausbesucher hin. Der, schon leicht angetrunken, korrigierte seine
Aussage umgehend:
„Non tutti, ma buona parte – Nicht alle, aber ein guter Teil/Bonaparte.“
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Zynismus und Gezänk Schade, dass es in der Kirche unserer Zeit nur mehr wenig Sinn für Humor und Menschlichkeit
gibt, sondern statt dessen Zynismus und Gezänk. Der Artikel jedenfalls ist ebenso erheiternd wie ermutigend.
Danke dem Autor! Danke kreuz.net!